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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.03.2019

Am Ende Krimi

Lago Mortale
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Simon (oder italienisch: Simone) Strasser, ursprünglich Polizeireporter in Frankfurt, hat seinen Wohnsitz an den beschaulichen Lago d'Orta verlegt. Wie man es in einem Krimi erwartet, wird er dort in einen ...

Simon (oder italienisch: Simone) Strasser, ursprünglich Polizeireporter in Frankfurt, hat seinen Wohnsitz an den beschaulichen Lago d'Orta verlegt. Wie man es in einem Krimi erwartet, wird er dort in einen Fall verwickelt. Das heißt, verwickelt ist eigentlich die falsche Bezeichnung. Strasser bringt sich, nachdem er die erste Leiche entdeckt hat, selbst in den Fall ein.

Alte Geschichten zweier Familien, Geheimnisse aus zurück liegender Partisanenzeit und diverse Beziehungen spielen wichtige Rollen. Nach einigen Recherchen findet Strasser dann die Lösung und es kommt zum Showdown. Das heißt zum Ende des Buches wird der Krimi dann ein Krimi.

Vorher zeigt sich, dass Guilia Conti sich in der Gegend auskennt und sie liebt. Das merkt man an ausufernden Beschreibungen der Gegenden oder von Speisen und Getränken: Das erwartet man in einem Reiseführer. In einem Krimi können solche Beschreibungen zum Lokalkolorit beitragen, aber bitte im Maßen.

Bei allem Überschwank im Lokalkolorit bleibt Conti bei der Beschreibung der Handlung und der Personen sehr emotionslos. Hier bleibt alles recht flach. Erst zum Schluss entwickelt sich dann der eigentliche Krimi. Meiner Meinung nach sollte Conti bei eventuellen weiteren Büchern hier die Gewichtung etwas verändern.

Abschließendes Urteil: Leichte Sommerlektüre z. B. für den Urlaub am Strand.

Veröffentlicht am 28.02.2019

Toller Erstling

Liebes Kind
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Unheimlich fängt es an. Eine scheinbar "normale" Familie, Vater, Mutter und zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen. Wenn da nicht diese unheimliche Hütte wäre mit den mit Dämmplatten verschraubten Fenstern, ...

Unheimlich fängt es an. Eine scheinbar "normale" Familie, Vater, Mutter und zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen. Wenn da nicht diese unheimliche Hütte wäre mit den mit Dämmplatten verschraubten Fenstern, aus der sie nicht heraus dürfen. Nur der Vater hält Kontakt mit der Außenwelt. Die Kinder und die Mutter dürfen nicht nach draußen. Der Vater übt ein strenges Regiment aus. Man erfährt, dass die Mutter nicht die richtige Mutter der Kinder ist sondern entführt wurde und zum Leben in der einsamen Hütte unter Gewalt gezwungen wird. Sie ist offensichtlich die Nachfolgerin von Lena, der eigentlichen Mutter, die vor etlichen Jahren auch entführt wurde. Was ihr Schicksal ist, bleibt zunächst mal im Unklaren.

Ich hatte den hinteren Klappentext über die Autorin vorher nicht gelesen und war erstaunt, dass dieses Buch ein Erstlingswerk ist. Es ist sehr gut gelungen. Romy Hausmann schreibt aus der Sicht der Hauptpersonen heraus. Das machen andere gestandene Schriftsteller/innen auch und lassen den Leser zu Beginn der einzelnen Kapitel erst mal im Unklaren, aus welcher Sicht das Kapitel geschrieben ist. Dieses Verfahren, dass wohl angeblich künstlerisch wertvoll ist, finde ich nur schlimm. Und deshalb ist es um so toller, dass Hausmann nicht diesen Weg einschlägt, sondern die einzelnen Kapitel immer mit dem Namen der Person überschreibt, aus deren Sicht berichtet wird.

Auch den Fehler, den man oft in Debütromanen findet, dass die Autoren/innen viel zu viel an handelnden Personen, Erzählsträngen und Handlungsorten in den Roman packen, macht Hausmann nicht. Die Personenzahl und die Handlungsstränge sind überschaubar. Man findet sich immer gut zurecht.

Dabei gelingt Hausmann eine Sache ganz hervorragend, nämlich den Leser immer mal wieder in die Irre zu führen. Kaum hat man sich etwas ausgedacht, wie es wohl weiter gehen könnte, wie die Lösung des Ganzen aussehen könnte, schon geschieht etwas, was die schöne Lösung über den Haufen wirft. Toll gemacht.

Ein Debütroman ohne Anfängerfehler. Liebe Frau Hausmann, noch gerne viele weitere solche Romane.

Veröffentlicht am 28.02.2019

Erschreckend

Der Patriot
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Zwei Plots, die am Ende zusammengeführt werden, finden wir im Buch: Da ist Carl, der "Titelheld", also der sogenannte Patriot. Er sieht die Welt auf eine sehr beschränkte Weise. Als Rechtsradikaler bekämpft ...

Zwei Plots, die am Ende zusammengeführt werden, finden wir im Buch: Da ist Carl, der "Titelheld", also der sogenannte Patriot. Er sieht die Welt auf eine sehr beschränkte Weise. Als Rechtsradikaler bekämpft er gemeinsam mit zwei Freunden Journalistinnen und Journalisten, die für ein liberales Schweden in Fragen der Migration eintreten.

Zum anderen ist da August, der vor vielen Jahren nach einer Straftat aus Schweden weggegangen ist und unter anderem in der Fremdenlegion gedient hat. In Chile werden seine Frau und sein bester Freund umgebracht. Daraufhin beschließt August wieder nach Schweden zurückzugehen.

Die Journalistin Amanda ist dann die Person, in der die beiden Erzählstränge zusammen kommen. Sie ist Augusts frühere Freundin und außerdem steht sie auf der Todesliste von Carl. So kommt es dann zum spannenden Finale.

Pascal Engman bringt die Gedankengänge Carls sehr dicht an den Leser heran. Fast unbeteiligt beschreibt er, wie Carl seine abstrusen Folgerungen vorträgt, mit denen er seine Kumpane immer wieder auf seine Richtung einschwört. Erschreckend ist es an dieser irrealen Gedankenwelt Carls teilzuhaben, die für ihn und seine Gleichgesinnten einfach nur normal ist.

Ein Buch, dass die Bezeichnung Thriller zu Recht trägt. Für Leser und Leserinnen, die es nicht ganz so brutal mögen, aber nicht zu empfehlen.

Veröffentlicht am 28.02.2019

Wie du mir so ich dir

Die Farben des Feuers
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Der Roman beginnt mit einem Todesfall und einem Unfall. Der einflussreiche französische Bankier Marcel Péricourt verstirbt im Jahre 1927. Bei seiner Beerdigung fällt sein Enkel Paul aus dem ersten Stock. ...

Der Roman beginnt mit einem Todesfall und einem Unfall. Der einflussreiche französische Bankier Marcel Péricourt verstirbt im Jahre 1927. Bei seiner Beerdigung fällt sein Enkel Paul aus dem ersten Stock. Ob es ein Unfall ist, ein versuchter Selbstmord oder Mord bleibt zunächst unklar. Paul überlebt den Sturz, bleibt aber gelähmt und muss im Rollstuhl sitzen. Seine Mutter Madeleine ist die Alleinerbin des großen Bankimperiums ihres Vaters. Von der Sorge um ihren Sohn Paul sehr in Anspruch genommen, kümmert sie sich zu wenig um die Bankgeschäfte und vertraut zu sehr den falschen Personen, die sie um ihr Erbe bringen. Madeleine rächt sich, indem sie denen, die Ihr geschadet haben, alles heimzahlt.

Ich gebe zu, dass ich den Roman zur Hand genommen habe ohne große Erwartungen. Ich lag falsch. Das Buch lässt sich sehr gut lesen. Je mehr man zum Ende kommt, desto mehr ist es wie bei einem guten Krimi. Man kann nicht los lassen, da man wissen möchte, wie es ausgeht.

Lemaitre ist dabei ein souverän anschaulich schildernder Erzähler. Dann finden wir wörtlich wieder gegebene Unterhaltungen so lebensecht, dass sie direkt in ein Drehbuch übernommen werden könnten. Ein besonderer Kunstgriff sind immer wieder kurze Sätze, mit denen er den Leser direkt anspricht. So wie ein netter Freund, der einem gerade von einem Geschehen berichtet.

Ich habe nicht bereut, den Roman gelesen zu haben. Ganz im Gegenteil.

Veröffentlicht am 06.02.2019

Überrascht

Fünf Tage im Mai
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Überrascht war ich von dem Buch. Eigentlich war es nur ein Zufall, dass ich es gelesen habe. "Es lag da so 'rum."

Ich dachte bei dem Titel zunächst an 5 aufeinanderfolgende Tage im Mai. Aber es handelt ...

Überrascht war ich von dem Buch. Eigentlich war es nur ein Zufall, dass ich es gelesen habe. "Es lag da so 'rum."

Ich dachte bei dem Titel zunächst an 5 aufeinanderfolgende Tage im Mai. Aber es handelt sich um 5 einzelne Tage im Mai aber in 5 verschiedenen Jahren. Insgesamt geht es um einem Zeitraum von 18 Jahren. Ort der Handlung ist ein Dorf im Gebirge. Illy und ihr Urgroßvater Tatka sind die Hauptpersonen. Bei Tatka findet Illy immer Verständnis, auch wenn es sich zum Beispiel um das Verhältnis zu Tristan handelt. Den Umgang mit Tristan hatten ihre Eltern ihr verboten, da Tristan so gar nicht ins Dorfklischee passt, denn er trinkt, kifft und hat lange Haare, die bis zur Hüfte reichen.

Dadurch dass nur fünf Tage aus den 18 Jahren exemplarisch erzählt werden, ergibt sich die Schwierigkeit, das zu erzählen, was jeweils in der Zwischenzeit geschehen ist. Elisabeth R. Hager macht das raffiniert, indem sie diese Geschehnisse im Nachhinein erst wage andeutet und dann immer deutlicher werden lässt.

Angenehm zu lesen, übersichtliche Anzahl der handelnden Personen, gute Charakterisierung der Personen, besonders der Hauptpersonen, alles in allem ein lesenswertes Buch. Gut, dass ich zufällig darauf gestoßen bin.