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Veröffentlicht am 15.10.2019

„Aber wir sind wirklich nur Freunde!“…………… Kayla und Jason, erzählt das jemand andrem ;)

Campus Love
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Campus Love – Kayla & Jason von Katharina Mittmann

Liebes Buch. Was ist das eigentlich mit uns Beiden? Sind wir in einer Beziehung? Sind wir nur Freunde? Eine kurzzeitige Affäre? Haben wir eine Freundschaft ...

Campus Love – Kayla & Jason von Katharina Mittmann

Liebes Buch. Was ist das eigentlich mit uns Beiden? Sind wir in einer Beziehung? Sind wir nur Freunde? Eine kurzzeitige Affäre? Haben wir eine Freundschaft plus? Lieben wir uns? Kannst du dich vielleicht mal entscheiden, was du von mir willst……………??? Oh………….. oder soll etwa ich was dazu sagen, um dir zu verraten, was ich von dir will?!? O_o Nagut. Ich ergebe mich, und sage etwas dazu. Ich will ja nicht, dass unser Beziehungsstatus „Es ist kompliziert“ lautet.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wenn ich zwischendurch unseren Beziehungsstatus manchmal habe wackeln sehen, und nicht wusste, woran ich war. Fast meint man, dass das Buch mit mir dieselbe Entwicklung durchgemacht hat, wie Jason und Kayla. Aber wie diese ist, wird natürlich nicht verraten, und nun mehr dazu. Denn ihr wisst ja noch gar nicht, wer überhaupt diese Kayla ist, und auch von Jason habt ihr noch nichts gehört.

Die Geschichte ist eigentlich gar nicht so schwer zu erzählen:

Kayla kommt aufs Elite College um zu studieren, und trifft am ersten Tag in ihrem Zimmer auf Jason, der auf ihrem Bett liegt. Das aber nur, weil er auf Rachel wartet, seinerseits die beste Freundin von ihm, und Kaylas neue Mitbewohnerin. (und Manche von euch jetzt so: WAAASSS?! Was suchen denn Hardin Scott und Tessa Young im Roman???!, aber keine Angst, so ist es nämlich gar nicht :)). Es ist gleich eine Anziehung da, das spürt man irgendwie. Doch Kayla ist ein vorsichtiger Mensch, hat sie doch mal schlechte Erfahrungen mit „Dieser Art von Kerl“ gemacht. Sie steckt Jason in eine Schublade, und versucht ihn zu ignorieren. Doch sie laufen sich immer wieder über den Weg, schon allein wegen Rachel. Und so lernt Kayla Jason besser kennen, und lieben. Jason spürt die Anziehung auch, aber ebenso, dass Kayla etwas zurückhält. Er will ihr nicht zu nahetreten, doch diese Frau fasziniert ihn, ist sie doch so ganz anders, und lehnt ihn sogar erst ab. Die beiden erleben viele nicht so schöne Dinge, die zusammenschweißen, zusammen. Und die Gefühle werden immer mehr. Kayla erkennt, was wichtig ist. Kayla will Jason aber nicht unter Druck setzen, weil er immer sagt, sie seien gute Freunde, und Jason will Kayla nicht unter Druck setzen, weil sie aufgrund dessen, was er sagt, auch sagt, dass sie nur Freunde sind. Beide fühlen mehr füreinander, kommen aber über diesen Freundesstatus nicht hinaus. Später dann Freundesstatus mit …. Naja… mehr. Dabei könnten die beiden so viel mehr sein, wenn sie nur mal ihren Mund aufmachen würden, um darüber zu reden, wie ihre Beziehung zu deklarieren ist. Und am Ende ist es fast zu spät. Und Jason will nicht mehr. Und den Grund, und ob die beiden es doch noch schaffen, sich zusammenzureißen, das könnt ihr dann selbst lesen, das wird hier nämlich nicht verraten. Und schon wieder habe ich Kopfschmerzen ob der Frage…………… Freunde oder Beziehung? :D Man. Das zerknirscht einem wirklich in diesem Buch. Und am Ende weiß ich nicht, wie ich euch das alles erklären soll….. es ist nämlich kompliziert ;)

Die Intensität nimmt erst mit fortschreitendem Lesen des Buches zu, und ist anfänglich nicht ganz so gut zu spüren, wie später dann. Wer also im Buch eine Geschichte sucht, ala „Sie fallen sofort übereinander her, werden superschnell intim miteinander, machen sich dann das Leben schwer, und säuseln sich die gesamte Zeit Liebesbekundungen zu, dass sie füreinander die einzigen sind, während die Clique drum herum die beiden Hauptprotagonisten soooo süß zusammen findet“……. Der………. ist hier falsch. :D Aber mal ehrlich. Solche superschnellen Liebesbekundungen nerven doch schon im realen Leben, und man möchte nur die Augen verdrehen. Hier geht das Ganze eben ein bisschen gemächlicher voran. Ich gebe zu, dass es seine Zeit gebraucht hat, gerade am Schluss des Buchs wurde es nochmal ungemein tiefgehend, was vorher nicht so da war. Aber gerade dieser Tiefgang am Ende hat mich letzten Endes doch dazu bewogen, hier die 5 Sterne zu geben, die eigentlich 4,5 sind, und nicht die 4,5, die 4 darstellen. Denn diese Gemächlichkeit und das Langsame habe ich im Genre noch nicht so oft gefunden. Übrigens: sich zueinander bekennen, das ist so wichtig. Gerade in Liebesdingen. Nur mal als Lebenstipp :D

Der Fokus liegt nicht nur auf den beiden Hauptprotagonisten, sondern wir erfahren auch viel drum herum, und von den Nebenfiguren, die viel zur Atmosphäre beitragen. Auch die Ziele und Lebensträume der Protagonisten sind besser ausgearbeitet, wie bei anderen Romanen, die diese Thematik beschreiben. So fällt man nicht einfach von Kapitel zu Kapitel, und liest, wie sehr die beiden sich anschmachten, hinterherlaufen, oder andere Dinge tun. Sondern wir nehmen auch am Alltag, und an den Geschichten des Lebens teil. Auch wenn das Hinterherlaufen und Schmachten natürlich auch mal vorkommt ;) (wäre ja auch sonst sinnlos es in dieses Genre zu stecken). Wir erfahren Beweggründe, und manche von diesen konnte ich sogar nachvollziehen. Kayla selbst als Charakter ist mir sehr sympathisch, und fast schon ans Herz gewachsen. Hat sie doch einige Einstellungen zum Leben, die ich toll finde. Ihre Unsicherheit am Anfang, und dass sie öfter Dinge ausspricht, die sie nicht aussprechen sollten, kommt mir sehr bekannt vor. Hier wurde eine Person geschaffen, mit der man sich gut identifizieren kann, und die nicht sofort anfängt einen zu nerven, indem sie nur noch zum zitternden Häufchen Elend wird, das dem Kerl hinterherschmachtet, weil er so sexy ist. Und ja, Jason ist nun mal genau das. Er weiß das einzusetzen, hat aber auch eine ganz andere Seite, die wir nach und nach kennenlernen dürfen. Jason ist einer dieser jungen Männer, die vor Selbstbewusstsein strotzen, und das auch nach außen hintragen. Kalya ist eher zurückhaltend. Anfänglich denkt man sich noch warum, das so ist. Aber ihre Welt ist einfach eine ganz andere, als die eines Elite Colleges, für das sie ein Stipendium bekommen hat. Jason ist schon zwei Jahre auf diesem College, ohne Stipendium, mit zahlenden Eltern, die die Gebühren stemmen können (denkt man). Jasons beste Freundin von Zuhause ist Rachel, und ausgerechnet diese ist es, die sich dann mit Kayla ein Zimmer im Wohnheim teilt. So kommt es zur Anfangssituation. Ihr werdet außerdem im Buch noch treffen: Nate und Cole, Jasons WG Mitbewohner. Amber, Sean, Megan, Rose, Will…………….. Hier darf man gerne herausfinden, wer das alles ist :). Und ja, ich bin ehrlich. Ab und an hätte ich während des Lesens einigen Personen gerne einen Oppugno Zauber aufgezwängt. :D

So, nun dazu:

„Worte sind, meiner nicht so bescheidenen Meinung nach, unsere wohl unerschöpflichste Quelle der Magie, Harry. Sie können Schmerz sowohl zufügen, als auch lindern.“

Ihr denkt euch nun sicher „Was zum Teufel sucht das denn jetzt hier?!“. Tjaaa, es gibt einige Harry Potter Fans im Buch, was sie sehr sympathisch macht. Und ich fand, der Spruch passt. Ich wollt’s halt mal gesagt haben.

Buchprotagonistenpsychoanalyse (oh Gott, was sucht das denn jetzt hier?!):

Viele sagen jetzt sicher, dass Kayla als Protagonistin ja nicht so ganz toll ist, denn sie ist zu vorsichtig, und lässt sich auf nichts ein, ist nicht abenteuerlustig….. Kayla kommt schwer aus ihrer alten Verhaltensform heraus. Sie unterbindet Dinge sofort und gleich, aus Angst, dass sie schlecht ausgehen könnten, ohne zu warten wie sie wirklich ausgehen könnten. Selbst wenn dabei ein positives Ergebnis rauskäme, erstickt sie es vorher im Keim, aus Angst vor Ablehnung, und Negativität. Ein wirklich schwer zu beseitigendes Muster. Jason ist das genaue Gegenteil, ein Strahlejunge, immer lächelnd, immer freundlich, hilfsbereit, mit einer Menge Selbstbewusstsein. Und er weiß genau, wie er bei anderen ankommt. Zumindest auf dem Campus der Universität macht er diesen Eindruck. Doch oftmals ist der erste Schein ja nicht der richtige, und wir sollten etwas tiefer graben, und uns fragen, wieso Menschen so sind, wie sie sind. Das trifft bei mir vor allem bei Kayla zu. Kayla ist verschlossen, nicht so offen, etwas zurückhaltend, aber auch nicht wirklich schüchtern. Sie hat im Leben eben schon einmal schlechte Erfahrungen mir „diesem Typus von Kerl“ gemacht, dieser aufgeschlossene junge Mann, der sich einem selbstbewusst nähert, und sich seiner Wirkung auf das weibliche Geschlecht bewusst ist, um das Ganze dann auszunutzen. Ich persönlich kann also Kaylas anfängliche Skepsis und Vorurteilung von Jason verstehen. Denn mit seinem Charme und seinen Aussagen erinnert er sie einfach an das, was sie kennenlernen musste, und vergessen wollte. Da ich selbst ein sehr vorsichtiger Mensch bin, der nicht gerne mit anderen redet, außer den absoluten Vertrauenspersonen. Und da ich mich Fremden gegenüber auch gerne mal komisch verhalte, weil sie mir Angst machen. Und das erst Recht, wenn sie voller Selbstbewusstsein sind, und das auch noch zeigen, kann ich Kayla vollkommen ob ihrer anfänglichen Skepsis gegenüber Jason verstehen. Es ist ja auch kein absichtliches „In eine Schublade stecken“, weil man Menschen eben in Schubladen steckt, sondern eher eine Urangst in Kayla, die sich aufgrund eines schlechten Erlebnisses gebildet hat, und mit dem sie irgendwie klarkommen muss. Und sie ist ja auch nicht völlig versteift auf ihre Theorien über Jason, sondern lässt sich im Laufe des Buches eines Besseren belehren. Diese Wandlung gefällt mir. Nur leider, dauert sie einen Tick zu lange. Denn mittlerweile hat Jason eine seiner Ängste ausgepackt, und wird selber ängstlich. Zumindest das, was Kayla möchte, nämlich eine feste Beziehung, ist nicht mehr drin. Diese Art von losen Frauengeschichten hatte Jason, mit Einverständnis der Frauen, schon öfter. Mit Kayla ist das irgendwie anders, aber…………… ach….. ich weiß auch nicht……….. irgendwie sind sich alle im Roman nicht sicher, was sie wollen. Wen sie wollen. Warum sie es wollen, oder nicht wollen…. Oder überhaupt. Das ist mein einziger Kritikpunkt. Dass ich ob des „Wer will nun wen, und wie will er ihn, und warum will er keine Beziehung, oder welche Art von Beziehung will derjenige, oder diejenige?“ manchmal Kopfschmerzen bekommen habe, und mir gedacht habe „Mensch, ist das mit der Liebe denn heute wirklich so schwierig geworden, dass sich nicht mal mehr zwei Menschen, die Gefühle füreinander haben, zusammenreißen können, um eine stinknormale Beziehung zu führen, und sich treu zu sein?“. :D. Nun aber genug meine Psychoanalyse.

Kleine Fakten:

Die Geschichte ist in sich abgeschlossen. Zumindest die von Kayla und Jason. Es soll weitere Bücher geben, dann aber mit anderen Protagonisten, die man vielleicht aber schon aus diesem Teil kennt. Bzw. zumindest 1 Buch. Es ist der Debütroman der Autorin. Wir haben also schon wieder mal ein Buchbaby :D

Fazit, Gedanken und was sonst noch so durch den Kopf geht:

Ich mag, dass es im Roman langsam anfängt. Es ist nicht diese ausgesprochene Liebesgeschichte, die sofort in ein Beziehungschaos der Protagonisten mündet. Es ist eher ein langsames Vorankommen. Mit einer Sympathie, einer Anziehungskraft, und anschließender Freundschaft. Beide sind sich nicht sicher, ob ihrer Gefühle, bzw. doch, sie sind es schon. Wissen aber nicht, wie sie es beide zu bezeichnen haben, und wie sie gegenüber dem anderen damit dastehen. Und auch hier ist Schweigen nicht die beste Lösung, wie immer im Leben. Aber das ist leichter gesagt, als getan ;)Also erster Kuss? Erste Intimität? Vielleicht erkennen die Beiden, dass sie nur Freunde sein wollen? Freunde mit? Freunde ohne? Dies dürft ihr selbst lesen :). Ich nenne es „Wir sind wirklich nur gute Freunde…., und es ist tatsächlich kompliziert……….. auf etwas höherem Niveau.“

Und gerade zum Ende hin ist das Buch viel vielschichtiger und tiefergehend, als man es vom Genre gewohnt ist. Schubladendenken, Unsicherheiten, Falsche Scham. Alles ist eine Spirale, in der man gefangen ist, die Figuren lassen nicht anfänglich, aber immer öfter in ihr Innerstes blicken. Und auch wenn manche Leute die Denkweisen im Buch nicht verstehen, so lasst euch gesagt sein: Es gibt wirklich Menschen, die so denken, und so sind, so agieren. Nicht jeder Mensch ist gleich, und erst Recht gibt es keine richtige Definition von Normalität, und wie ein Mensch auf Situationen zu reagieren hat. Denn jeder ist anders. Kampf dem Schubladendenken :D. Seht die kleinen Facetten, die jeden Menschen dazu bewegen, Dinge zu tun, wie er sie tut. Und seid achtsam, eurer Umwelt gegenüber. Dann ist das Zwischenmenschliche auch gar nicht mehr so schwer. Vor allem REDET MITEINANDER! Und hier haben wir vielleicht genau den Unterschied zu anderen Büchern dieses Genres, in denen sich die Protagonisten sofort und auf der Stelle ineinander verlieben, und vorstürmen, und alles überstürzen, und sofort Feuer und Flamme sind……….. was hier langsam aufgebaut wird, und eben etwas länger braucht. Faszinierend ist, wie ein Missverständnis dem anderen folgt, nur weil man nicht miteinander kommuniziert. Weil man unsicher ist, und Ängste hat. Und völlig falsche Annahmen entstehen. Hier fallen Mauern und wackeln ganz gewaltig, und es wäre doch schade, wenn wir nicht schauen würden, was sich dahinter verbirgt, und nicht mal einen tieferen Blick wagen würden, oder? ;) Auf welcher Seite ihrer eigenen Geschichte befinden sich also Kayla und Jason?

Das große Thema des Romans ist Verdrängung. Kayla verdrängt ihre Vergangenheit, und ihre Gegenwart, verdrängt Dinge, die passiert sind, und momentan passieren. Und auch Jason verdrängt, ebenfalls seine Vergangenheit. Beide gehen anders damit um, sind sie doch einfach charakterlich verschieden. Aber die Verdrängung ist bei jedem Menschen gleich, und birgt dieselben Gefahren, so unterschiedlich wir auch sein mögen.

Das Buch besteht aus Irrungen und Wirrungen, und führen letztendlich zu einem bestimmten Ziel. Welches das ist verrate ich nicht. Aber Gedanken darübermachen, dürft ihr euch schon. Und vor allem, ob Irrungen und Wirrungen Einfluss auf unser Leben haben, und ob es ohne sie dasselbe Ergebnis gäbe, und dasselbe Ende nehmen würde, wie wenn nur der gradlinige Weg ohne Probleme und Missverständnisse da wäre…….

Ich bin ganz ehrlich. Wenn ich in der Realität den Satz „Es ist kompliziert“ höre, und das von jemandem in Bezug auf eine oder mehrere oder irgendwas in der Richtung einer Beziehung, dann möchte ich am liebsten weghören, oder entschwinden. Hier im Buch ging das sogar, und es hat Sinn gemacht. Waren die Komplikationen, die eben just so kompliziert sind………. Auch wirklich wie beschrieben. Nämlich kompliziert. Ich selbst hätte auch keine Lösungen gefunden. Das einzige, was ich mich während des gesamten Romans fragte, was ich dann aber auch wiederum in der Realität täte, das ist………… Wenn zwei Menschen super miteinander klar kommen, Gefühle füreinander haben, und da noch viel mehr passiert….. man sich Geheimnisse anvertraut, fast alles voneinander weiß………. Was ist so schwierig daran, die Grenze zu überschreiten, und das Ganze als Beziehung zu titulieren, statt Freundschaft plus? Eine Sache, die ich noch nie verstanden habe, um die es in diesem Roman aber unterschwellig schon als Fragestellung geht. Und das nicht nur unbedingt von den Hauptprotagonisten aus. Denn…………. Es ist kompliziert! ;)

Was mir besonders gut am Roman gefällt, das sind die Augenkontakte, die immer wieder zwischen Kayla und Jason erwähnt werden. Es ist wie ein umeinander, und dann aneinander herum – und umherschleichen, ein sich gegenseitiges Beobachten, ob der Reaktionen des anderen. DA beide etwas unterdrücken, und sich gewisse Dinge nicht trauen, tragen diese Augenkontakte auch ein bisschen zum besseren Kennenlernen der beiden bei. Ein Ausloten sozusagen, der Möglichkeiten, die da wären. Denn unsympathisch sind sich beide nicht. Aber kann das Ganze auch mehr werden? Diese Art gefällt mir. Weil wir heutzutage in einer Zeit leben, in der sich nur noch wenige Menschen wirklich in die Augen schauen, um Reaktionen oder Gefühle abzulesen. Und wenn…….. dann wird es ihnen schnell unangenehm.

Das Denken im Roman birgt viele Vorurteile, wenngleich man sich sogar mag, oder befreundet ist. Viele stecken in einer Schublade, oder entspricht einem Stereotyp, und nacheinander erkennt man dann, dass vieles nicht so ist, wie es scheint. Denn einige haben auch nur eine Fassade aufgebaut, hinter die es schwer zu schauen geht. Doch sieht man erst mal dahinter, kommen ganz neue Eigenschaften zu Tage, und auch ganz neue Charaktereigenschaften, die vorher verschleiert wurden. Schön ist, dass es einen Perspektivwechsel zwischen Kayla und Jason gibt, so dass wir jedes Kapitel abwechselnd aus der Sicht der beiden Hauptprotagonisten erfahren. Das hat mir sehr gut gefallen. Nur ein Charakter wäre für dieses Buch zu wenig gewesen.

Ich konnte oftmals nachvollziehen, wieso die Leute im Roman das tun, was sie nun mal tun. Aber manchmal habe ich ob der Entscheidungsschwierigkeiten den Kopf geschüttelt, und mir gedacht „Mensch Junge, oder Mädel, jetzt tu doch mal dies und das nicht.“ Dieses über seinen eigenen Schatten springen, und sich auf jemanden einzulassen. Sehr schön behandelt der Roman das Thema des sich Fürchtens, davor verletzt zu werden, mit sich selbst erstmal klarzukommen, und davor, Beziehungen einzugehen, und sich voll und ganz auf jemanden einzulassen. Und wann ist überhaupt der Zeitpunkt, in dem der Funke überspringt, und an dem manche merken, dass sie den anderen eigentlich wollen? Nicht nur als Freunde? Selbstreflexion ist gefragt. Bindungsängste sind da. Das Reflektieren von sich selbst. Und Gründe, die man manchmal nicht versteht. Denn wenn man jemanden mehr liebt, und mit ihm zusammen sein will, als man es bei anderen will, wieso kann man dann nicht einfach mit ihm zusammen sein? Wenn mir diese Frage übrigens jemand zufriedenstellend beantworten kann, dann darf er sich in den Kommentaren gerne dazu äußern. Denn ich hab die Lösung auf diese Antwort bis heute nicht gefunden.

Ja ich weiß. Geschichten wie diese, gibt es viele. Das schüchterne Mädchen vom Land kommt an die Universität und trifft auf den charmanten und smarten Herzensbrecher, der irgendwie anfängt, sich in das Mädchen zu verlieben. Tatsächlich hat mich die Anfangsszene des Buches an einen gewissen Hardin Scott erinnert, der auf dem Bett einer gewissen Tessa liegt. Aber hier will ich gar nicht vergleichen. Denn das ist ein gaaaaaaanz anderes Buch, und ein ganz anderes Thema. Auch hinkt der Vergleich der Charaktere, da sie nur auf den ersten Blick ähnlich erscheinen, es aber gar nicht sind.

Bei diesen Geschichten weiß ich, worauf ich mich einlasse, und ich wollte mich definitiv auf solch eine Geschichte einlassen, sonst hätte ich nicht zum Buch gegriffen. Außerdem ist die Lage hier etwas anders. Denn lange Zeit glaubt man nicht an ein Happy End. Und in vielem erscheint einem Kayla auch nicht als dieses typische verschüchterte Mädchen, das den Mund nicht aufbekommt, wenn der Kerl in ihre Nähe kommt. Oftmals ist sie sogar sehr schlagfertig. Und dieser Schlagabtausch der beiden, also zwischen Kayla und Jason, der macht das Buch zu einer Geschichte, die man gerne mal lesen kann, wenn man seine eigenen Probleme vergessen will, um in die Geschichten der Studenten eines amerikanischen Elite Colleges einzutauchen. Wer also die Geschichten mag, die auf amerikanischen Colleges spielen, mit all ihren Beziehungsgeflechten, dem sei dieses Buch ans Herz zu legen. Denn unterhaltsam ist es allemal.

Und wie es immer so ist, wenn man als Buchfreak, ein Buch liest, in dem ein Buchfreak vorkommt, in dem Falle Kayla, die sich ihr Geld mit einem Studiennebenjob in eine, Buchladen verdient, ist es so…..dass immer mal verschiedene aktuelle und nicht so aktuelle Bücher zur Sprache kommen, was einem selbst beim Lesen zum Schmunzeln bringt, wenn man diese selbst alle gelesen hat, und hier beobachtet, wie sich Menschen genau darüber unterhalten, wie wir Buchliebenden es tun würden. Es gibt wahrhaft unsympathischere Charaktere in Büchern, als die, die gerne Bücher lesen :D (zum Beispiel die, die NICHT gerne Bücher lesen. Aber wer soll das bitte sein?! :D)

Rezensionsende bedeutet bei mir Lied. Wie immer, eines, das mit dem Buch zu tun hat, und mir durch den Kopf gespukt ist:

„I want your love…………and I want your revenge……. I want your love………I don't wanna be friends.
Je veux ton amour………et je veux ta revanche….. Je veux ton amour…….I don't wanna be friends.
No…….I don't wanna be friends…….. I don't wanna be friends…. Want your bad romance.“

Und dann möchte ich diesmal unbedingt noch dieses Zitat mit einbringen:

"Harry, in dieser chaotischen, emotionalen Welt wird es nie eine perfekte Antwort geben. Perfektion ist der Menschheit nicht gegeben und der Zauberei auch nicht. Jeder leuchtende Glücksmoment enthält auch einen Tropfen Gift; das Wissen, dass der Schmerz zurückkommen wird. Sei ehrlich zu denen, die du liebst, und zeige deinen Schmerz. Zu leiden ist so menschlich, wie zu atmen.“

Veröffentlicht am 15.10.2019

Wir begleiten eine Frau, Lee Miller, durch die Zeiten des Lichts, aber auch die der Dunkelheit ihres Lebens.

Die Zeit des Lichts
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Die Zeit des Lichts von Whitney Scharer

Wie packt man ein Menschenleben in ein Buch? Hier wurde genau das geschafft. Doch wie fängt man ein ganzes Leben ein? Man nimmt die für den Menschen wichtigste ...

Die Zeit des Lichts von Whitney Scharer

Wie packt man ein Menschenleben in ein Buch? Hier wurde genau das geschafft. Doch wie fängt man ein ganzes Leben ein? Man nimmt die für den Menschen wichtigste und prägendste Zeit, und schreibt etwas darüber, eine Zeit des Wandels. Doch am Ende muss man zugeben, dass diese Zeit selbst nur ein Bruchstück des ganzen Lebens ist, und das ganze Menschenleben nicht einfangen geht. Dem im Buch aber sehr nahe kommt. Die Zeit des Lichts war definitiv für mich während des Lesens meine eigene kleine Lichtzeit im Leben. Zumindest für einen kurzen Moment, in dem ich das Buch lesen durfte. Doch worum geht es überhaupt? Ein Ausbrechen aus jeglichen Zwängen. Unabhängig und frei von den Männern in ihrem Leben und den Zwängen der Beherrschung durch sie, das ist Lee Miller. Eine wichtige Zeit in ihrem Leben spielt sich ab im Dunstkreis der Pariser Bohème, der Surrealisten, Fotografen, Filmemacher……. Kurz gesagt, der Künstler in Paris, Ende der 20 er und Anfang der 30 er Jahre.

Das Buch:

Das Buch könnte schon fast eine Biografie sein, könnte aber auch nur, denn es ist keine. Die Lebensgeschichte von Lee Miller wird erzählt, ohne Dinge auszulassen, oder zu beschönigen, und trotzdem ist es eine Geschichte, die einen mit diversen Gefühlen der Hoffnung, der Trostlosigkeit, Trauer, und manchmal des Entsetzens zurücklässt. Wie ein stummer Zeitzeuge der Geschichte und Historie begleitet das Buch uns über einen Zeitraum von Lees Leben, von Anfang 20 bis zu ihrem Tode. Auch ihre Kindheit wird erwähnt. Manche Lebensphase mehr, manchen widmet sich das Buch ein bisschen weniger. Doch trotzdem ist es eine runde Geschichte, die das Bild einer mutigen Frau hinterlässt, die sich in einer Zeit behauptet hat, wo das für Frauen nicht an der Tagesordnung lag. Eine andere Sache ist natürlich, dass Lee genau zwischen zwei Weltkriegen gelebt hat. Der eine vorbei, der zweite nahte mit großen Schritten heran. Und auch wenn der erste Weltkrieg schon ein paar Jahre her war, so waren diese Jahre dazwischen wichtig für die Kunstbewegungen des Dadaismus und Surrealismus, zu denen Man Ray auch gehörte. Später hat Man Ray sich der Fotografie und Aktfotografie gewidmet. Die Leute hatten dann später während des 2. Weltkrieges keinen Sinn für Mode, Schönheit und Kunst. Es ging nur darum, wie man am besten überlebt. In dieser Zeit hat Lee es wieder geschafft, aus ihrer eigenen Kunst, der Fotografie, etwas zu machen, was ihr geholfen hat. Nämlich keine Schönheit des Lebens zu fotografieren, sondern den grausamen Alltag des Krieges. Das grausame Gesicht des Krieges, welches sich in einer Fratze aus Schmerz, Verletzungen, Zerstörung, Gefangenen, Gequälten und Toten zeigte.

Die erste Begegnung von Lee und Man Ray ist purer Zufall. Lee will in Paris Menschen kennenlernen, Künstler, die ihre Wünsche vom Leben verstehen, will sich unter sie mischen. In einem Restaurant trifft sie auf eine Truppe von Künstlern, kommt mit ihnen ins Gespräch, und wird von diesen mitgenommen zu einem privaten Treffen der Künstler, mit Wasserpfeifen und noch ganz anderen Substanzen, die damals in der Künstlerszene Gang und Gebe waren. Dort trifft sie am Ende genau auf Man Ray. Und hier nimmt die Geschichte der beiden ihren Ursprung. Lee Miller kam nach Paris als junge Frau von Anfang 20. Sie war unabhängig und wusste genau, was sie wollte. Doch manchmal scheint es, als ob ihr nicht jeder diese Unabhängigkeit gegönnt hätte. Man Ray und sie hatten eine Liebesbeziehung. Lee Miller will dazugehören. Auch wenn sie das Leben aus ihrem alten Leben als Model langweilte. Sie will mehr, mehr sein, als nur ein abgebildetes schönes Mädchen. Sie will etwas Eigenes erschaffen. Sie will dazugehören, in Paris, dieser für die damalige Zeit großen Stadt der Kreativität und Schaffensfreiheit. Die Geschichte lehrt uns, dass diese Schaffensfreiheit wohl in einem Konkurrenzkampf mit dem Schaffen von Man Ray stand, und das obwohl er Lee Miller liebte. Diese intensive Lebenszeit von beiden ging also irgendwann doch zu Ende.

Die Zeit des Lichts im Buch:

Die Zeit des Lichts steht hier wundervoll sinnbildlich dafür, dass zum einen nach der Dunkelheit in einer Dunkelkammer, endlich wieder das Licht außerhalb kommt, und sich währenddessen ein Film zum Foto entwickelt, und sich damit etwas tut. Aus einem Nichts, wird ein Etwas. Rotes Licht und gelbes Licht. Genauso kann man sehen, dass die Zeit des Lichts einfach bedeutet, dass nach jeder dunklen Zeit im Leben, auch hoffentlich wieder eine hellere kommt, in der wir vergessen können, was Schlimmes geschehen ist. Aber, man könnte auch meinen, dass die Zeit des Lichts sich einfach auf die Zeit Lees in Paris bezieht, denn diese Stadt wird ja auch die Stadt der Liebe und des Lichts genannt, und mit dieser Zeit im Leben von Lee Miller besticht der Roman ja am meisten, weil die Zeit für Lee wie ein Ausbrechen aus ihrem alten Leben war, ein Neuanfang. Und genau wie Licht, strahlt das Buch eine gewisse Wärme aus, zumindest in einigen Erzählabschnitten und Erzählsträngen. Interessant sind die Belichtungsverfahrenstechniken der Fotografie. Doch was ist hier Wahrheit? Der Name des Buches, kann auch eine ganz andere Bedeutung haben. Für jeden eine andere. Doch das Buch selbst gibt auch eine Antwort, die allerdings jeder selbst finden muss :)

Lee Miller als Person:

Lee Miller hat der Modelwelt den Rücken gekehrt, um Fotografin zu werden. Für die damalige Zeit war sie eine ausgesprochene und außergewöhnliche Schönheit. Sie wollte wohl eher immer Bilder selbst erschaffen, statt auf ihnen abgebildet zu sein. Letztendlich war sie Kriegsberichterstatterin im 2. Weltkrieg. Selbst Model sein, über das Lernen bei Man Ray in Paris und die Surrealisten - Szene, über Modefotografie, bis dann letztendlich die Kriegsfotografie mit Kriegsgerichterstattung an die Reihe kam. Lee Miller war ihr weiteres Leben lang depressiv, und litt unter den Folgen und Bildern der schrecklichen Eindrücke des zweiten Weltkrieges. Heute würde man sagen, sie wurde wohl depressiv und war traumatisiert, und dem Alkohol nicht abgeneigt. Später zog sie sich zurück mit ihrem Mann, und bekam einen Sohn. Dieser wusste lange Zeit nichts vom „Vorleben“ seiner Mutter. Es gibt da draußen anscheinend Menschen, die versuchen, andere kleinzuhalten, um dadurch Macht über sie zu gewinnen. So auch Lees Vater, oder Man Ray. Man Ray braucht Lee um seiner Kreativität Ausdruck zu geben, beziehungsweise als Inspiration und Muse. Gleichzeitig Assistentin, erst Geliebte, und als Frau an seiner Seite. Mit ihr hat er die kreativste Phase seines Lebens. Und schon wieder Abhängigkeit. Lees Verhältnis zu Männern war gestört, durch ihren Vater, und die Vergewaltigung, die sie als 7jährige erfahren musste. Sie fühlt sich in Intimitäten oft gefangen, will zwar das Begehren der Männer, aber kann oftmals nicht dabei sein, es ist wie ein Herausgleiten des Geistes aus ihrem Körper. Oftmals fühlt sie sich dabei wie in einem Gefängnis. Vielleicht auch ein Grund für ihren späteren Freiheitsdrang. Lee Miller starb an Krebs. Ich weiß, das könnte man alles selbst nachlesen, ich wollte es aber trotzdem erwähnt haben, um die Person ein wenig näher zu bringen, um die es hier in diesem Buch geht. Ich finde es wichtig, das erwähnt zu haben. Das Buch ist in verschiedene wechselnde Zeitabschnitte aus dem Leben von Lee Miller eingeteilt, und zwar immer wechselnd, hin und her. Mit Rückblenden, länger und kürzer andauernden Perioden. Man kann von diesem Buch nichts erzählen, ohne auf das Leben von ihr einzugehen, welches ja sozusagen die Geschichte des Buches ist. Und immer wird das Licht auf einen anderen Abschnitt ihres Lebens geworfen.

Ich weiß, ich erzähle hier viel aus Lee Millers Leben. Aber so ist das nun mal in Büchern, die von realen Personen handeln. Es sind keine reinen Biografien, und ein bisschen Fiktion ist dabei, denn natürlich kann man nicht jeden einzelnen Zeitpunkt eines Lebens nachvollziehen. Und oftmals sind auch nur Vermutungen dabei. Aber das Wichtige ist, dass man sich überhaupt mit diesen Menschen beschäftigt, und sie als Mensch wahrnimmt. Hinzu kommen weitere Theorien, und man versucht ja Buchprotagonisten eh immer zu analysieren. Nun analysiert man dann eben diese Menschen, die damals gelebt haben. Vielleicht hat man mit einigem Recht, vielleicht auch nicht.

Fazit und Gedanken zum Buch:

Mich fasziniert die Glaubwürdigkeit der Figuren, die Magie der Zeiten, und in sie eintauchen zu können, ohne sie jemals erlebt zu haben. Und ich mag tiefe Charaktere, die vielseitig sind, und die, obwohl sie in einer anderen Zeit lebten, doch meist genau dieselben Probleme haben, wie wir sie heute haben. Das fasziniert mich nicht nur an Geschichte in Romane, sondern auch an Geschichte allgemein. Ich mag die Verwebung zwischen Realität, und Fiktion des Autors, der sich ja auch aufgrund künstlerischer Freiheit einiges ausdenken kann und darf. Das bringt einem die Figuren näher, und man meint, sie zu kennen, auch wenn man sie nie live erlebt hat. Ich verrate nicht wo im Buch, und ich verrate nicht weswegen, aber ich gebe zu, an einigen Stellen beim Lesen eine Gänsehaut bekommen zu haben. Man trifft auf allerlei historisch reale Menschen in illustren realen Gesellschaften. Man trifft auf eine intensive Liebe und gebraucht werden, auf Abhängigkeit voneinander. Lee befreit sich aus der Macht, die andere versuchen über sie zu haben. Sie will etwas Eigenes schaffen. Eine Selbstverwirklichung der guten Art, ohne Abhängigkeit von anderen. Und wenn man liest, denkt man sich: So….. ja so…. genau so….hätte es geschehen sein können. Auf jeden Fall danke ich dem Buch, dass es mich zeitweise ins Paris der 30er Jahre geschickt hat, und ich das Pariser Bohème erleben durfte. Obsession, Eifersucht, obsessives Verhalten. Hintergehen, Verrat. Das kann man ebenfalls alles im Buch finden. Lee war ein Freigeist und freidenkend. Vorurteile gegenüber Lee, wegen ihrer Schönheit, dass sie nichts kann, kein Können hat, und nur schön anzusehen ist, gab es ebenfalls. Wir sehen Schönheit vs. Können. Lee macht eine Wandlung durch, die schön zu bemerken ist.

Und auch wenn es im Buch nur angeritzt wurde: Lee Millers Fotos während des 2. Weltkrieges, und danach, sollten nie vergessen werden. Es gab diese 12 Jahre. Es gab diesen Krieg. Es gab die Grausamkeit an Minderheiten. Egal, wie oft das Manche auch leugnen. Verschließt eure Augen NICHT. Die Bilder sind bis heute ein erschreckendes Zeitzeugnis. Und auch wenn es nicht so scheint, so ist der Roman dadurch, bzw. die Person, um die es sich dreht, topaktuell. Man fühlt sich durch das Lesen zurückversetzt in eine andere Zeit. Das Buch ist wie eine Zeitreise oder – maschine, die uns an der Vergangenheit teilhaben lässt. Ich habe vor allem die Zeit in den 30 er Jahren genossen. Die Kunst, das Flair, die Atmosphäre, die Lebenslust. Und irgendwie ist es auch die Geschichte einer Liebe voller Leidenschaft, Kunst…..und irgendwie auch Abhängigkeit voneinander. Eine Liebe jenseits der Realität. Von zwei Menschen die sich gegenseitig brauchen: Fast schon zu sehr. Die Schreibweise könnte genauso gut unserer heutigen Zeit entstammen, sie hat etwas Zeitloses, aber gleichzeitig etwas von Vergangenem. Vielleicht auch, weil die Probleme von damals ähnlich den heutigen erscheinen. Zumindest im zwischenmenschlichen Bereich.

Und es ist auch eine Wandlung wahrnehmbar, ein Ausbrechen. Vom Model, das fotografiert wird, über selber fotografieren, die Schönheiten des Lebens, bei einem Mann, der Schönheit in Bildern festhält, bis hin zu Fotografien, die nichts Schönes mehr wiedergeben, sondern nur Wahres und Ungeschöntes. Während den Kriegsjahren spürt man durch die Erzählung die Erschütterungen der Bomben, und allem, was mit diesem Krieg zu tun hat.

Gleichzeitig erscheint Lee wie in einem Krieg mit sich selbst. Zeitweise gespalten, mit einer gesplitterten Seele, nirgendwo zugehörig, und immer auf der Suche nach Zugehörigkeit und Anerkennung. Für mehr, als nur ihr Aussehen. Wir lernen mehrere Lees kennen. Eine unstete Person, das Model, die Fotografin, die Künstlerin, die Kriegsreporterin, die Ehefrau, die gerne kocht, darin ihre Erfüllung gefunden hat, um andere Erlebnisse ihres Lebens zu vergessen. Und diese Persönlichkeiten, die in ihr sind, sind vom Verhalten gar nicht so selten, bei Frauen, die solch ein Erlebnis in ihrer Kindheit hatten. Immer getrieben. Auf der Suche nach etwas mit Substanz, was sie geschaffen hat. Mit ihren Fotografien hält Lee Miller den Menschen das vor Augen, was sie nicht sehen wollten, oder vor dem sie die Augen verschlossen haben. Sie hat der Grausamkeit des Krieges somit ein Gesicht gegeben. Ein grausames, aber wahres.

Einen Debütroman zu schreiben, und dann natürlich auch noch einen, der halb fiktiv ist, und halb auf wahren Begebenheiten beruht, und das Ganze mit Personen, die real existiert haben, deren Geschichte durchaus genau so hätte sein können, aber denen man auch einige künstlerische Freiheiten andichten muss….. das ist ganz schön gewagt. Hier wurde es wunderbar geschafft, dies alles zu vereinen. Denn ja. Die „Zeit des Lichts“ ist Whitney Scharers Debütroman. Und er ist wirklich faszinierend, und einfach nur wundervoll. Das Buch erzählt von Freiheit, von Umbruch, aber auch vom Gefangensein in unseren eigenen Gedanken, und wie wir damit klarkommen mögen.

Wenn man das Buch liest, muss man wohl oder übel etwas über Lee Miller wissen, oder sich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal schlau machen. Definitiv macht das Buch neugierig auf das Leben dieser Frau, die die Langeweile verabscheut hat, und immer neue Herausforderungen suchte. Man kommt gar nicht daran vorbei mehr über ihr Leben erfahren zu wollen. Ein Leben vereint mit Fröhlichkeit und Traurigkeit. Unentschlossen, Rastlos, Ruhelos. Nicht zu verdenken, wenn man ihre Geschichte genauer unter die Lupe nimmt. Lee war eine schöne Frau, ein hübsches Mädchen, schon als Kind. Was ihr zum Verhängnis wurde, denn Männer sehen in so etwas oftmals eine Versuchung. Und in späteren Jahren nimmt man diese Frauen nicht sehr ernst, weil sie nichts zu können haben, außer schön auszusehen. Oftmals kommt es einem im Buch so vor, als ob man einige Dinge auf unser Heute verschieben könnte, selbst wenn über 80 Jahre vergangen sind. Lees Rastlosigkeit hat also Hintergründe, genauso wie ihre Stimmungen. Und auch in späteren Jahren hat der Krieg und seine Grausamkeiten, gerade durch die Bildstrecken in den deutschen KZ’s, seine Spuren bei ihr hinterlassen.

Die Geschichte des Buches wird ausschließlich aus der Sicht von Lee Miller erzählt, das Ganze in gegenwärtiger Zeit, so dass man sich wie direkt in der Handlung fühlt.

Im Roman wird das Bild von einer Frau festgehalten, gezeichnet……. Welche in einer Zeit gelebt hat, in der es als Frau nicht so einfach war, die Dinge im Leben zu tun, die man wollte. Gerade im künstlerischen Bereich, was fast schon eine Männerdomäne war. Lee Miller will nicht festgehalten werden, weder im Leben, noch auf den Fotografien von ihr. Was sie will, ist selbst festhalten……. Schöne Dinge, das Leben. Sie will aus Nichts Kunst machen. Erst durch Zeichnen, dann durch Linse der Kamera. Und genau das ist es doch auch, was diese Zeit so besonders macht. Man lebte zwischen zwei Weltkriegen. Der eine war zu Ende, an den zweiten wurde anfänglich noch nicht gedacht. Man war froh diesen ersten überstanden zu haben. Mit all den Schrecken, die er gebracht hat. Die Leute wollten fröhlich sein, und das….. was andere nicht mehr hatten, genießen, nämlich ihr Leben. Dieses Lebensgefühl, dieses Flair, kommt sehr schön im Buch rüber. Zusätzlich wird ein Sittenbild der damaligen Zeitepoche aufgezeigt. Alles ist atmosphärisch, und authentisch. Es ist als ob man dabei wäre, während die Charaktere ihre Geschichte erleben.

Der Roman zeigt Lee Miller wundervoll als Frau und Mensch, eben menschlich, gibt sie als das wider, was sie ist. Verletzlich. Aber auch stark. Wieso auch nicht? Das ist anders, intimer. Man lernt sie anders kennen, als wenn man nur mal einiges über sie liest, oder einen Bericht liest, eine Ausstellung besucht, oder ähnliches. Man fühlt sich ihr näher, da sie als jemand dargestellt wird, der einer von uns sein könnte. Zu einer Zeit, die sicherlich sehr schwierig war, und das auch noch in einer Männerdomäne. Dieses Heraustreten aus dem Schatten der Männer, quasi ins Licht, ist sehr schön umgesetzt, und ein schöner Bezug zum Titel des Buches. Es zeigt ihr Ausbrechen und die sie prägende Zeit. Man ist im Roman drin. Sowohl in der Zeit der Trostlosigkeit, als auch in den Zeiten der Euphorie, und erlebt dies so alles mit.

Faszinierend ist, dass hier die Geschichte aus der Sicht von Lee Miller erzählt wird, die wirklich existierte. Es ist also keine erdachte Geschichte, sondern ein Roman, der sich um das Leben dieser eindrucksvollen Frau dreht. Beziehungsweise ist die Geschichte natürlich erdacht, die Personen aber real, und genau so könnten die Unterhaltungen gewesen sein. Auch die Maler und Surrealisten, die zur damaligen Zeit gelebt haben, werden wundervoll menschlich beschrieben, so als ob es einem vorkommt, man würde sie persönlich kennen, und genau wissen, was sie damals alles umgetrieben hat.

Der Sprachstil ist bildhaft geschrieben. Man wird also sofort in die Geschichte hineingesogen, und findet sich im Geschehen wider. Sowohl in den positiven, als auch in den negativen Ereignissen. Dabei wird alles sehr intensiv beschrieben, bildlich, wie es einer Frau in einem Buch gebührt, die ihr Leben mit fotografieren von weniger schönen und düsteren Szenerien verbracht hat, die bis heute so unverständlich sind, dass man es kaum greifen kann.

Ich beende meine Rezensionen immer mit einem Lied, und möchte auch hier nicht mit dieser Tradition brechen. Es ist meist eines, was mir während des Lesens durch den Kopf geht, oder mich an einen Charakter im Buch erinnert. Ich denke, Lee könnte das Lied gefallen, hätte sie es je gehört. Weil sie ihren eigenen Krieg im Kopf hatte, und im Leben sehr ruhelos war.

„Don't break me down…… I've been travelin' too long…… I've been trying too hard…… With one pretty song……

I hear the birds on the summer breeze……….. I drive fast………I am alone in midnight.

Been tryin' hard not to get into trouble……But I, I've got a war in my mind

So, I just ride.“

Veröffentlicht am 29.09.2019

Das schöne Mädchen…… und der Wolf im Schafspelz. Wieso sind die immer im Wald anzutreffen?

Disappeared
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Disappeared von Kathy Tailor

„Who's that I see walkin' in these woods?............. Why, it's Little Red Riding Hood.“

Ich finde, gerade bei Thrillern ist es immer schwierig, eine Rezension zu schreiben. ...

Disappeared von Kathy Tailor

„Who's that I see walkin' in these woods?............. Why, it's Little Red Riding Hood.“

Ich finde, gerade bei Thrillern ist es immer schwierig, eine Rezension zu schreiben. Man möchte alles sagen, was einen bewegt. Darf aber nicht zu viel verraten. Muss aufpassen WAS man verrät. Denn jedes Detail könnte ein wichtiger Hinweis auf die Auflösung des jeweiligen Falles sein. Jedes noch so kleine Wort könnte ein Detail sein, welches am Ende zur Auflösung des Geheimnisses führt. Und dann würde man anderen Lesern die Freude nehmen, dieses Buch zu lesen. Denn die Auflösung am Ende. Der große Knall. Das ist es doch…… was die meisten Thriller so spannend und gut macht. Liebe Leute. Was soll ich sagen? Hier ist es nicht viel anders.

-Das Cover:

Anfangs dachte ich beim Cover ja, dass es zwar schön ist, aber der Wald und dieses Geheimnisvolle doch eher durch einen Wald bei Nacht symbolisiert werden sollte, denn passt der nicht eher zu einem verschwundenen Mädchen und einem verlassenen Internat? Doch je mehr ich darüber nachdachte, und auch im Buch vorankam, dachte ich dann, dass das Cover eigentlich doch perfekt ist. Vielleicht eher auf den zweiten Blick. Denn meiner Meinung nach handelt es sich gar nicht um die Hauptprotagonistin Freya, sondern um Maria, das Mädchen, welches im Wald dann auch wirklich verschwindet, sie ist eben DISAPPEARED, wie der Titel schon sagt. Und durch die Farbgebung ihrer Jacke, ist sie trotzdem gut getarnt und fast verschwunden neben den Birkenstämmen, die fast dieselbe Farbgebung haben. Wäre nicht der Klecks an roten Haaren, würde sie, symbolisch…. wirklich fast verschwinden in den Baumstämmen des Waldes. Eine wirklich schöne Symbolik, und wirklich passend zu Geschichte und Buch :)

Überhaupt. Dieses junge Mädchen mit den roten Haaren, das im Wald verschwindet. Fragt mich nicht warum. Es ist keine Märchenadaption und nichts. Und trotzdem hat das Buch mich so hingehend beeinflusst, dass ich die ganze Zeit an das arme Rotkäppchen denken musste, welches in den Wald geht, und vom bösen Wolf überrascht wird. Natürlich sinnbildlich und symbolisch. Hier im Roman gibt es keinen Wolf, und das Rotkäppchen ist ein junges Mädchen, welches im Wald verschwindet. Aber können wir nicht auch manchmal denken, dass Menschen fast wie Wölfe sind, oder sich so verhalten? Nun muss man dazu sagen, dass der Wolf natürlich ein zutiefst missverstandenes Wesen ist, und fälschlicherweise das Symbol für all das Böse, was das Nette und Gute bedroht. Ich selbst liebe Wölfe, und sie sind sogar meine Lieblingstiere ( okay okay, neben Drachen). Ich könnte dieses Sinnbild also auch durch den „Schwarzen Mann“ austauschen, der im Wald ist, und Mädchen abfängt. Aber mir gefällt die Rotkäppchenvorstellung halt besser :). Deswegen wundert euch nicht, wenn ich ab und an hier in der Rezension sowas erwähne.

-Und nun der schwierigere Part. Die Geschichte des Buches:

Vielleicht fragen sich nun einige, was ich hier eigentlich sagen will, und was das mit diesem Thriller zu tun hat, und wo bleibt überhaupt der Wald? Nunja. Ganz am Anfang steht ein einsames Internat, welches auf einem verlassenen Hügel liegt, umgeben von……… richtig……….Wald.

Freyas Mutter ist nach einem Herzinfarkt ins Koma gefallen, und nach einiger Zeit wurden die lebenserhaltenden Maßnahmen abgeschaltet. Etwas, das Freya sich nicht verzeihen kann. Sie ist traumatisiert. Freya ist übrigens die Hauptprotagonistin im Buch. Nach dem Tod von Freyas Mutter ist ihr Vater mit der Lage überfordert, und stürzt sich in seine Arbeit. Um Freya nicht auch noch…….. naja………. Sagen wir es mal ehrlich, denn so kam es ab und an rüber, an der Backe hängen zu haben, steckt er sie in just dieses Internat im Wald nach Hohenhausen. Vorher lebte sie in München, aber auch dort hat es in der letzten Zeit zwischen ihr und ihren besten Freundinnen gekriselt, die einfach nicht mehr in Freyas Welt gepasst haben. Denn diese bestand aus Selbstvorwürfen, und Gedanken an ihre tote Mutter, die 6 Monate vorher gestorben ist. Verlassen von allen, so kommt es einem fast vor, kommt Freya dann im Internat an. Die Menschen im Roman, zumindest die Erwachsenen, kommen mir im Roman alle vor, wie Egoisten, die nur an sich selbst denken, und völlig vergessen, dass sie ja auch noch ein Kind haben, für das sie mal da sein sollten. Denn Freya ist erst 16. Natürlich könnte man sagen, der Vater hat genug mit seinem eigenen Schmerz zu tun, denn immerhin hat er seine Ehefrau verloren. Aber für mich ist das kein Grund.

Auch Maria hat kein leichtes Schicksal. Maria mit ihren roten Haaren, die in den Wald geht……………. Und man denkt sich……. Welchem Wolf ist Rotkäppchen dort wohl begegnet? Doch war dort wirklich ein Wolf am Werk? Oder eher der Wolf im Schafspelz? Aber dazu später. Sie ist auf dem Internat nur mit einem Stipendium, da sie es sich nicht leisten kann, dort zu verweilen. Ihre Mutter ist ebenfalls tot, kurz nach der Geburt gestorben, und wollte sie schon in der Schwangerschaft im Mutterleib töten. Ihre Tante sieht in ihr eine Last, die ihr aufgezwängt wurde vom Jugendamt, da sie wohl die einzige Verwandte ist. Sie hasst Maria, und wünschte manchmal, dass sie tot wäre, oder verschwunden würde (Maria und Verschwinden? Welch Ironie des Schicksals. Denn falls ihr euch nun fragt, wer diese Maria ist? Genau. Wie shcon erwähnt: Sie ist das berüchtigte Mädchen, welches im Wald verschwindet). Manchmal hat die gute Frau mich an die gute Petunia Dursley erinnert, gemixt mit der bösen Stiefmutter oder Hexe aus fast allen Märchen. Kann man es Maria also verdenken, dass sie das Internat Hohenhausen liebt In dem sie Freundinnen hat, und nicht jeden Tag wie Dreck behandelt wird? In dem sie ein Bett hat, in einem Zweibettzimmer, zusammen mit Anna, die ihre beste Freundin dort wird? Ich persönlich verstehe das total, und hab mich während des Lesens wirklich manchmal aufgeregt, und geärgert über die Erwachsenen, die nur an sich denken, und wohl wenig Empathie haben. Welch gefühlskalte Welt.

In all diesen Situationen ist es ein Lehrer, der anscheinend der einzige Erwachsene ist, der sich ein wenig sorgt. Leo Seidler, der Sportlehrer, ist wie ein Rettungsanker in der Nacht, während um Freya herum ein Sturm aus Verlust und Unsicherheit tobt. Lieb, nett, zuvorkommend, und vor allem kümmert er sich. Und dann kommt der Tag, an dem Maria verschwindet……..

Von den Polizisten, die zwar lustige Sprüche draufhaben, aber sonst auch nichts, enttäuscht, fängt Freya an, das Geheimnis um Marias Verschwinden lösen zu wollen. Wahrscheinlich, weil sie an einem Tag dieselbe Traurigkeit in Marias Augen gesehen hat, wie in ihren eigenen. Freya wühlt immer weiter im Dreck der menschlichen Geheimnisse, und dabei kommen Dinge ans Tageslicht. Abgründe, die nichts mit dem Verschwinden Marias zu tun haben, aber trotzdem da sind. Terri hilft ihr nach einiger Überredungszeit dabei. Wer ist denn nun Terri schon wieder? Ach so. Das ist Freyas Mitbewohnerin im Internatszimmer. Überhaupt gibt es dann noch ein paar Namen, die ihr euch merken solltet. Cora, Anna, Birte, Fabi, Oskar…..um nur einige zu nennen. Und alle sind wie in einem Spinnennetz ineinander verwoben, und miteinander verbunden. Die Schicksale von allen streifen sich, treffen aufeinander, trennen sich wieder, um dann mit einem anderen Schicksal aufeinander zu treffen, das vorher ein anderes Schicksal gestreift hat. Und wie in einem Kreislauf laufen sich alle immer wieder über den Weg. Es ist wie als ob dieser Thriller in eine Richtung geht, dann biegt man ab, um dann festzustellen, dass der Weg eine Sackgasse war, und dann geht man zurück, um in die nächste Sackgasse zu geraten. Die Vermutungen die man anstellt……… mögen manchmal richtig sein. Aber oft lag ich auch falsch :D. Was ja gut ist, denn es verspricht Spannung bis zum Ende, und dort dann einen Megaknall.

-Fazit und Gedanken:

„Wir brauchen irgendwas, das ihn zum Reden bringt. Meine Mutter hatte bei ihrer Arbeit oft mit Menschen zu tun, die sie nicht in die Wohnung lassen und mit ihr sprechen wollten. Sie hat immer gesagt, dass es für jeden verschlossenen Mund einen Schlüssel gibt – man muss ihn nur finden.“

Was war das nun wieder? Ach ja. Dies ist mein Lieblingszitat aus dem Buch. Ich wollt’s ja nur mal erwähnt haben.

Es ist eine schöne Schale mit verdorbenem Kern…………. Ein Internat mit all seinen verborgenen und verdorbenen Geheimnissen im Inneren. Doch nicht nur das Internat ist verdorben im Inneren, sondern auch seine Bewohner. Man meint fast, dass jeder ein Geheimnis hütet, und zwar wirklich jeder ein anderes……. Ein spezielles, das ihn aus einer Situation befreien soll, ihm einen Vorteil verschafft, oder einfach eine Leidenschaft verschleiert, die in einem ist. Auch hier haben wir den perfekten Schein. Und am Ende fragen man sich, ob die Geheimnisse alle verhindert hätten werden können, wenn ein paar andere Menschen zuhören würden, einem keine Vorschriften machen, oder einen einfach das Leben so leben lassen, wie man es selbst möchte. Wer trägt da noch Schuld, dass es zu bestimmten Dingen kommt? Liegt das an den schwachen Charakteren, oder einfach daran, dass jeder Mensch im Leben danach strebt, sein eigenes Glück zu finden, und glücklich zu sein? Für mich beschäftigt sich das Buch mit genau dieser Frage. Wie alle Dinge im Leben die schön von außen sind, ist auch dieses Internat. Denn hinter der schönen Fassade, den guten Lehrern, dem guten Ruf, und der Chance einen tollen, überall anerkannten Abschluss zu machen fault es im Inneren. Fast wie bei einem Apfel, der außen wunderschön und rot ist, und einiges verspricht, damit man dann reinbeißt, und er innen faul ist. So faul ist auch das Internatsinnere, mit all seinen Intrigen, Geheimnissen, und weniger schönen Dingen.

Doch Vorsicht. Nicht alles auf der Welt ist so, wie es scheint. Und ist Rotkäppchen nicht auch in den Wald gegangen, und dem bösen Wolf begegnet? Gibt es hier vielleicht einen Wolf im Schafspelz? Wer sich jetzt denkt, er wüsste genau, was ich damit alles sagen möchte……………. Der denkt falsch, und hat natürlich nichts verstanden. Denn wie ich schon sagte. Nichts ist wie es scheint. DAS Offensichtliche ist nicht immer die Wahrheit. Eine Welt aus Lug und Betrug, und des Scheins wird aufgebaut. Und vielleicht, aber auch nur vielleicht, wisst ihr am Ende ja gar nicht mehr, wer der böse Wolf überhaupt ist ;)

Das Buch ist übrigens der Debütroman der Autorin. Der Aufbau der Geschichte ist anfänglich gemächlicher, um dann an Ende rasant an Fahrt aufzunehmen. Das Ende ist wirklich schlichtweg genial konstruiert. Und am Ende gibt es noch ein nettes Überraschungsei. Na wenn das mal kein Grund ist, das Buch zu lesen. Spannung, Spiel………… und ich glaube sogar die ein oder andere heiße Schokolade im Buch gesehen zu haben.

Mein heutiges Rezensionsendlied. Wie immer am Ende meiner Rezensionen. Verzeiht mir den Bezug, aber mein Gehirn hat bei den Liedern , die mir während des Lesens durch den Kopf gehen, immer ein Eigenleben:

„Hey there……..Little Red Riding Hood…… You sure are lookin' good…… You're everything……… a big, bad wolf could want...

Listen to me!

Little Red Riding Hood……. I don't think little big girls should…. Go walkin' in these spooky old woods alone.“

Veröffentlicht am 29.09.2019

Wenn der Ozean in dir wütet……………. Versuche dich über Wasser zu halten, und nicht zu ertrinken.

Und in mir ein Ozean
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Und in mir ein Ozean von Dennis Stephan

„Who is the man I see?...... Where I'm supposed to be?..... I lost my heart, I buried it too deep.
Under the iron sea.“

Lieber Dennis Stephan. Du hast in einem ...

Und in mir ein Ozean von Dennis Stephan

„Who is the man I see?...... Where I'm supposed to be?..... I lost my heart, I buried it too deep.
Under the iron sea.“

Lieber Dennis Stephan. Du hast in einem Text zum Buch mal gesagt, und nun zitiere ich…..“soll eine Boje sein, wenn das Meer in uns stürmt und wir drohen in Worten oder Gefühlen zu ertrinken…..“ ……………..Aber wie bitte soll man denn in diesem Buch nicht in Emotionen und Gefühlen versinken? Ich habe versucht, die Boje zu ergreifen, ertrunken bin ich nicht. Aber es war wirklich haarscharf.

Wo soll ich bitte anfangen?! Dieses Buch hat geschafft, was Wenige schaffen. Mich sprach – bzw. wortlos zu machen. Also räusper, dann mal los. Ihr werdet die nächste Zeit einiges an Lob hören, mal mehr, mal weniger geschwollen. Aber ich kann es nicht ändern. Diese Rezension ist aus meinen Notizen entstanden, und die habe ich während des Lesens aufgeschrieben. Und während des Lesens war ich wohl nicht mehr Herr über meine Sinne. Hier also meine Gedanken, Gefühle, und noch so einiges, was in Gehirnen entsteht……….. also seht, was dieses Buch aus mir gemacht hat.

Ich habe geweint und getobt, und gelacht…. Ob dieses Buches. Nicht nur beim Lesen, sondern auch der Tatsache wegen, dass ich hilflos dagesessen bin, und nicht wusste, wie um Himmels Willen ich meine Rezension schreiben soll, um damit auszudrücken, was hier während des Lesens beim Buch passiert ist. Ein bisschen verrückt. Ich weiß. Aber es ist eine unabänderliche Tatsache. Später wurde mir dann klar, dass ich wohl an Wortfindungsstörungen leide, ob der Vielfalt an Worten und Umschreibungen, ja fast Umschmeichelungen der Worte, die der Autor im Buch benutzt. Hätte Arthur als Mensch neben mir gestanden, wäre ich wahrscheinlich aufgrund seiner Worte in eine Hypnose gefallen, so schön und berührend, und gleichzeitig magisch waren sie. Und schon wieder finde ich nicht die richtigen Worte. Lest das Buch am besten selber :). Der Sprachstil ist wie ein Gemälde, in das man reinrutscht, während man gleichzeitig die Geschichte erlebt, und sich in einem Gedicht wähnt. Danach würde man am liebsten zu je dem Menschen rennen, und ihm sagen „Lies dieses Buch, und dann rede nur noch so mit mir“. Was für ein schöner Ort die Welt wäre :D

-Das Buch als Buch:

Dies ist der zweite Roman vom Autor, und….. Heute vergebe ich…………. Sagen wir mal………..10 von 5 Sternen :).Das Buch passt in kein bestimmtes Genre. Keine Mystik, keine Liebe….. obwohl alles vorkommt. Man würde es am besten mit Coming of Age vergleichen, aber auch das kommt dem nicht annähernd nahe. Es ist eher ein Suchen, und sich finden, was man natürlich mit dem Wachstum, dem in sich selbst wachsen, beschreiben könnte. Ich würde einfach mal ein neues Genre beanspruchen, und es „Grandiose Literatur“ nennen.

Das Buch ist bildhaft beschrieben, so dass man beim Lesen eigentlich dauerhaft mit Kopfkino in Berührung kommt. Es ist schwer nach der Lektüre wieder in der Realität anzukommen, und das, obwohl das Buch ja gar nicht so unrealistisch ist, in keiner Fantasiewelt spielt, sondern direkt vor unseren Haustüren. Und trotzdem haftet ihm etwas an, dass einen die Wirklichkeit beim Lesen vergessen lässt. Danach ist es wie ein Jetlag. Man braucht erstmal wieder ein wenig Realitätseingewöhnungszeit. Und vielleicht, aber nur vielleicht ein kleines bisschen, habe ich mich……… ein klein wenig…. Hals über Kopf……… in dieses Buch verliebt :D. Das Buch hängt nach, begleitet einen im Alltag, und lässt einen irgendwie nicht mehr los, egal was man tut.

Ein Roman wie aus einem Traum, verwoben mit der Wirklichkeit, der guten und der schlechten, einer Menge Mystik, und Magie…….. und wunderschönen poetischen Worten, die einem nach und nach eine Gänsehaut bereiten, und einen einlullen, und zufrieden, aber auch ängstlich, schwankend…. Und manchmal atemlos zurücklassen. Der einen aussaugt, aber der Leere auch wieder Hoffnung gibt, und mit einem ungeheuren Durchhaltevermögen dafür sorgt, dass man sich am Ende erwachsen fühlt. Mal mehr, und mal weniger. Auf jeden Fall bleibt man zurück und allein mit seinem Gedankenallerlei. Doch worum geht es überhaupt? Arthurs Kindheit endet mit seinem 18. Lebensjahr, so wie bei uns allen. Aber zusätzlich ist dieser Tag verbunden mit einem richtigen Anfang des Weges zum Erwachsenwerden, ist es doch just der Tag, an dem seine Mutter ihn verlässt. Und wer jetzt meint, er könne sich in seinen Kokon aus Sicherheit einwickeln, und für immer und ewig in der Einsamkeit verweilen, wo einen niemand verletzen kann, und wo jedermanns Anderssein nicht auffällt, der irrt. Arthur muss wohl oder übel in die Welt hinaus, da er von seiner Mutter ja verlassen wurde. Wie ein Vogelküken, das von seiner Mutter am Tag des ersten Ausflugs einfach verlassen wurde, wird er ebenfalls aus dem Nest gestoßen, allein mit den Erinnerungen und den maßgebenden Regelungen, wie man sein Leben zu bestreiten hat. Und auch wenn sie nicht immer einer Meinung waren, zumindest ab den Jugend – und Pubertätsjahren, so kommt es einem vor, als ob er seine Kindheit und Jugend im Schutze einer Meeresblase gelebt hätte, zusammen mit seiner Mutter auf Rügen. Und zwar nur mit seiner Mutter, denn seinen Vater kennt er nicht. Dieser ist schon recht früh aus dem Leben der beiden verschwunden. Später, nach dem Verlassen der Mutter, geht er nach Hamburg, und ist zum ersten Mal im Leben in der Großstadt. Da Arthur nur die Ruhe und Stille des Meeres und die Einsamkeit seines Heims gewohnt ist, kommt er erst nicht so gut zurecht. Er meidet Menschen und Ansammlungen und Gespräche. Später ändert sich das. Die Irrfahrt beginnt. Und damit ein langer Weg zum Erwachsenwerden. Arthurs Versuch einer Reise zu sich selbst, um sein eigenes Selbst zu finden, führt von Rügen nach Hamburg, kurzzeitig nach Las Vegas, Amsterdam und Berlin, um schließlich den Kreislauf zu beenden, und an den Anfang des Geschehens nach Rügen zurückzukehren. Eine Irrfahrt und Odyssee beginnt. Und wie der griechische Held meistert er Aufgaben, Tests, und wächst daran. Doch Odysseus hatte seine Mannschaft. Arthur Niemanden, außer den Menschen, die ihm auf seinem Lebensweg immer wieder begegnen. Die Personen die was mit ihm zu tun haben wollen, an die klammert er sich, wie an einen rettenden Strohhalm, aber auch wieder nicht, weil er dieses Festhalten und Zusammenbleiben nie gelernt hat, und das löst in ihm Ängste aus. Bindungsängste entstehen, bei denen, die ihn wirklich wollen, weil seine Mutter ihm die wichtigen Dinge im Leben nicht beigebracht hat, aber die Info, dass nichts beständig ist, und irgendwann jeder verlassen wird, die war dabei. Sobald also jemand näher in Arthurs Dunstkreis aus Gefühlen eindringt, kommt die Panik des Verlassenwerdens. Und bevor jemand verlasen wird, verlässt er lieber selbst. Es ist paradox. Aber auch irgendwie verständlich. So verletzt Arthur die Leute um ihn herum, und wird gegenverletzt. Er hat keine Orientierung, weiß nicht, was er wirklich will. Hatte ja sein ganzes Leben Niemanden, der ihm wirklich relevante Dinge gelehrt hat. Er musste sich also alles selber beibringen. Learning by doing. Aber dadurch sind Vertrauen und Liebe auf der Strecke geblieben, das konnte ihm seine Mutter nie vermitteln, bevor sie gegangen ist. Ich würde ihm ja nach dem Buch gerne adoptieren, und ihm sagen, wo es im Leben langgeht, wenn ich es halt selber genau wüsste :D.

Und wie Gedankensplitter, Erinnerungssplitter, und Bruchstücke der Erinnerungen kommen das ganze Buch über Phasen, in denen Arthur sich in den Teilen seines Erwachsenwerdens daran erinnert, was seine Mutter damals in seiner Kindheit oder Jugend gesagt oder getan hat. Arthurs Mutter ist das ganze Buch über präsent und dominant, und das obwohl sie ja ziemlich am Anfang verschwindet. Und trotzdem ist sie fast immer da, oder in den Situationen dabei, als Geist, Phantom, als Traum, oder Erinnerung. Arthur macht ein Loslösen durch, und das in verschiedenen Schritten. Ein erwachsen werdendes Loslösen von seinem alten Leben. Aber, sein wir mal ehrlich, Die Entscheidung wurde ihm ja von seiner Mutter auch abgenommen. Niemand sollte von seiner Mutter einfach verlassen werden, und damit hineingeworfen werden in ein eigenes Leben, ohne das Kind darauf vorbereitet zu haben. Erwachsenwerden hin oder her. Das muss jedes Kind tun. Jedes Kind muss erwachsen werden, zumindest mehr oder weniger, und sich selbst finden, damit es weiß, wer es im Leben ist. Aber jemanden alleine lassen ist, meiner Meinung nach, dafür nicht die richtige Methode. Rein nach dem Motto „Raus mit dir kleines Vögelchen und flieg, aber erst, nachdem ich dich vorher verlassen habe, und dir nicht beigebracht habe, wie man fliegen muss, um ein erwachsener Vogel zu werden. Nun könnte man sagen, der kleine Arthur wurde von seiner Mutter geformt. Später, als sie ihn verließ, wurde er vom Leben geformt, und von allen Dingen, die er erlebt hat, auch den sehr schlechten, und die haben ihn zu dem gemacht, der er nun ist. War die Maßnahme von Arthurs Mutter, ihn allein zu lassen, also völlig in Ordnung, weil sie ihn in die richtige Richtung geschoben hat, mit ganz vielen schlechten Umwegen? Vielleicht wollt ihr das Buch ja selbst lesen, und euch dieselben Fragen stellen, statt meine Gedanken dazu zu lesen (meine Antwort lautet übrigens nein, sie hätte ihn nicht alleine lassen dürfen. Freiheit hin oder her. Sowohl das Freiheiten lassen, als auch das sich selbst Freiheiten nehmen. Kinder sollten nicht alles alleine durchmachen müssen). Aber lasst euch trotzdem von mir gesagt sein…………. Ich lasse euch nicht allein in der Entscheidung, so wie Arthurs Mutter. Nein. Ich gebe euch den Tipp und die Empfehlung, das Buch zu lesen. Denn jeder ist für sein eigenes Glück verantwortlich.

Und genau wie König Arthus selbst, nach dem er anscheinend von seiner Mutter benannt wurde, lassen Arthur und seine Mutter die Welten verschwimmen. Eine Mischwelt aus Realität und Magie. Und manchmal meint man sich wirklich in Avalon zu befinden, statt in Rügen. Denn die Magie, die Arthurs Mutter betreibt ist keinesfalls die Zauberei, die in den Fantasien allgegenwärtig ist, besinnt sie sich doch ehe rauf Naturmagie und die Einheit mit der Erde…………. So wie eben in Avalon. Wenn ich wollte, könnte ich noch weitere Parallelen ziehen, zur Herrin des Sees, und dass Avalon nur durch die Nebel zu erreichen ist, über das Wasser, es einsam und verborgen gelegen ist, versteckt vor der Welt. So wie Arthurs Heim auch am Wasser liegt, in einer Welt voller Einsamkeit, und Leute, die ihn und seine Mutter meiden. Auf jeden Fall kann man das natürlich nicht vergleichen, aber irgendwie ist beim Lesen in mir dieses Gefühl aufgekommen. Und bei Arthurs Mutter musste ich unsinniger Weise an Morgaine Le Fay denken.

-Cover:

Ich gebe heute mal gar keine großen Erklärungen dazu ab, und sage einfach. Es gefällt mir sehr gut, und passt super zum Buch und zum Inhalt, und hat eine schöne Symbolik. Still, rau, blau, grau……..wie ein Ozean.
-Titel des Buches:

Darüber zu reden, ist diesmal gar nicht so einfach. Denn zu beschreiben geht es nicht. Also. Geht in euch selbst, und findet selbst heraus, welcher Ozean und welche Gezeiten wann in euch fließen, geflossen sind, und was die Zukunft in eurem eigenen inneren Meer birgt. Denn Arthurs Geschichte mag zwar seine ganz eigene sein. Aber irgendwie ist sie auch ein Teil von uns allen.
-Gedankenkopfsalat und Fazit (falls ich mich wiederhole, möge man mir das verzeihen):

Wir haben Ozeane, Illusionen, Desillusion, Verlust, Einsamkeit, Ängste, Magie, Verlassen, fehlendes Vertrauen, und natürlich die Liebe.…. Und wenn wir schon bei Ozeanen sind, die in uns entstehen und wüten, dann reden wir doch auch mal über meinen Ozean, der sich während des Lesens ab und an entladen hat, in einer Flut aus salzigen Tränen. So ganz kalt lässt einen das Buch nicht.

Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Manchmal habe ich eine Gänsehaut beim Lesen bekommen, ob der Atmosphäre im Roman. Es ist sehr poetisch und sehnsuchtsvoll geschrieben. Im ersten Teil meint man fast aus einem Traum aufzuwachen. Man fühlt sich gleich hineinversetzt in Arthur, den Hauptprotagonisten. Das Buch saugt einen irgendwie ein, und hinfort aus der Realität, und wenn man dann wieder eine Lesepause macht, muss man erstmal den Kopf durchschütteln, und seine Gedanken ordnen. Es ist fast magisch, und das obwohl die Thematik durchaus gar nicht in den Fantasybereich anzusiedeln ist. Trotzdem hat es einen Hauch von Magie und Schicksal an sich, und bietet einen kleinen Touch der beiden Dinge. Fast wie Ahnungen. Ja ja. Das Buch ist eben zauberhaft.

Es ist wie ein Aufeinanderprallen der realen Welt mit all ihren Facetten und Problemen, und auf der anderen Seite die behütete Kindheit von Außenseitern, die zwar wenig mit der Gesellschaft der Menschen zu tun hatten, aber deren Leben aus bedeutungsschweren Träumen und Zaubersprüchen bestanden hat, welche zu ihrer Realität wurden. Doch wie es so mit Träumen ist, sowohl bei den schlimmen als auch bei den guten. Irgendwann wacht man auf, und steht da, einsam, allein……. In der Realität.

Das Buch ist wie ein Gemälde, manchmal in kräftigen Farben und bunt. Manchmal blass, und mit zarterer Bleistiftspitze gezeichnet. Wie ein Gedicht, poetisch, sich aber eben nicht reimend. Aber wer hat denn eigentlich bestimmt, dass Gedichte sich reimen müssen? Jeder Satz für sich ist ein Kunstwerk, und man muss aufpassen, dass man keines dieser Kunstwerke überliest, und genau in sich aufnimmt und versteht. Alles ist ineinander stimmig. Die Naturreligion der alten Germanen, die Denkweisen, die heutigen Lebensweisen der Menschen. Man ist nach dem Buch wie benebelt, fast wie bei einer Droge. Das Buch ist einlullend und verführerisch, fast so, als ob man sich zu ihm hingezogen fühlen würde. Ist man einmal in der Geschichte, kann man schwer widerstehen. Es ist fast ein wenig magisch (ich weiß, ich hab‘s schon mal erwähnt), wie Zauberei (auch hier weiß ich‘s ;)).

Ich habe bei dieser Rezension wirklich Angst, dass meine Worte nicht ausreichen. Dass sie nicht umschreiben können, was dieses Buch in einem auslöst. Dass sie nicht genügen, oder nur bruchstückhaft das wiedergeben, was man beim Lesen empfindet.

Immer wieder findet man im Text Andeutungen auf die Entwicklung Arthurs, mal wird es als ein Rohdiamant zum Strahlenden Klunker beschrieben, mal als Ausschlüpfender, wie eine Raupe aus einem Kokon, die dann zum Schmetterling wird. Er wird in der realen Welt sozusagen geformt, um am Ende zu dem zu werden, der er am Ende eben ist. Denn manchmal kommt es einem vor, als ob Arthur sich immer mehr verliert, bevor er sich finden kann.

Denn es erscheint, als seien seine Lebenskapitel nicht abgeschlossen und unvollständig.

-Arthur als Person (er ist einfach so präsent als Hauptprotagonist, dass man ihn extra erwähnen muss):

Müsste ich es beschreiben, so würde ich sagen, Arthurs Leben folgt den Gezeiten des Meeres, welche symbolisch dafür stehen, wie es in den Leben der Menschen aussieht. Aber was rede ich da? Tut das nicht jedes Leben irgendwie? Stürmische Zeiten, sonnige Zeiten, ruhige Zeiten, aufwühlende Zeiten, wunderschöne reflektierende Zeiten, sich spiegelnde Zeiten. Zeiten der Trockenheit und Ebbe, und Zeiten der Flut. Das Meer ist Arthurs Lebensbasis. Seine Kindheit. Ein fester Untergrund und sein Zu Hause. Die Zeit nach dem Verschwinden seiner Mutter ist geprägt von Wankelmütigkeit und Unsicherheit. Von einem Dahinfließen aber ohne Rettungsboot. Die rettende Sicherheit ist Arthurs Zu Hause. Nur eben OHNE Sicherheit und Vertrauen und Zuversicht, denn die hat ihm seine Mutter genommen. Ist das irgendwie verständlich? Das Meer ist es auch, welches Arthur bis in seine Träume folgt, obwohl er räumlich getrennt von ihm ist. Eine Verbindung, die bleibt. Arthur sucht lange in verschiedenen Lebensabschnitten nach genau dem Abschnitt, der ihm passt. Die anderen passen nicht so richtig, wie Klamotten, die zwicken und drücken. Alles läuft darauf hinaus, das Kleidungsstück zu finden, was am besten passt. Auf seiner Reise zu sich selbst begegnet Arthur vielen Personen. Dabei verletzt Arthur die Menschen um sich herum, und in seinem Umfeld, so wie er verletzt wurde. Arthur wird verlassen, und er verlässt selber. Er ist auf der Suche nach Liebe, oder zumindest nach dem, was er denkt, dass es Liebe sein könnte. Denn eines hat er in der Erziehung seiner Mutter nicht mitbekommen. Vertrauen. Und ohne Vertrauen gibt es keine Liebe. Dies ist eine wichtige Grundlage und Basis dafür. Kleine Lehrstunde am Rande :D. ab und an erscheint es, als sei sein Lebenskapitel nicht abgeschlossen und unvollständig. Alles fängt mit dem Ozean an, dann kommen die Lichter, die Großstadt, Lärm, der die Stille verdrängt, zwischendurch kurze Wüste, die Arthur mag, weil sie ihm die Erinnerung an das Meer nimmt. Diese schmerzliche Zeit und Erinnerung, als seine Mutter ihn verlassen hat. Doch dies alles sind nur Ablenkungen und Betäubung, und nicht sein wahres Ich. Das Universum sendet Zufälle auf Arthurs Weg, und sorgt dafür, dass er verschiedene Menschen in verschiedenen Stationen seines Lebens trifft. Ebenfalls ein Kreislauf der Natur.

-Noch mehr Gedanken ( die nehmen irgendwie kein Ende):

Und der Ozean in uns ist nichts Anderes als unser Blut, unser Herz, was das Blut durch die Adern pumpt. Mal mehr, mal weniger, stürmisch wie die See, wie unser Leben selbst, in einem ständigen Kreislauf, dem auch der Ozean folgt.

Am Ende bleiben wir als Leser mit unserer eigenen Imagination zurück, und wissen nicht, ob alles im Leben bloßer Zufall ist, alles einem Reigen der Natur, oder gar des Universums folgt, ob es Menschen gibt, die magische Dinge tun, und in unser Schicksal eingreifen können……. Oder ob das Leben einfach das ist, was wir daraus machen, als ob wir unsere eigenen Zügel in der Hand hätten. Und die Frage, ob wir für die da zu sein haben, die uns im Leben verlassen haben, ob wir ihnen vergeben können, oder nicht. Man fragt sich, ob Gerechtigkeit, oder auch Unrecht, nur eine Illusion sind. Ob es nicht eher im Leben so ist, wie im Kreislauf der Natur. Das Gesetz des Stärkeren. Fressen und gefressen werden. Sind die ganzen Gespräche über Gerechtigkeit und Toleranz nicht nur ein Deckmantel der Menschen, die sie eh nicht im Stande sind einzuhalten, weil alles nur eine Illusion ist, und wir uns im Leben trotz allem an die Naturgesetze angleichen? Und das in allen Rängen unserer Menschheit? Machen wir uns also nichts vor: ES gibt eine Rangfolge der Menschen in der Welt, welche gruppiert ist nach mächtig, arm, reich…. Mächtiger, ärmer und reicher. Ebenso nachdenklich lässt einen das Buch zurück, darüber, was Glauben eigentlich ist. Für den Menschen. Und was Gott ist, ob es Gott gibt, ob alle Schöpfung von Gott kommt, oder man in ihr ihn sogar erkennt. Oder ob die Natur einfach nur die Natur ist, und vom wem wurde sie dann erschaffen? Und wer hat den Erschaffer von allem was erschafft wurde überhaupt erschaffen? Fragen über Fragen.

Sicherlich kommt einem beim Lesen mehrmals die Frage in den Sinn, wer man ist. Wer bin ich? Was ist meine Identität? Identitätsfindung, ob die Identität mit der Vergangenheit zusammenhängt, ist man nur jemand, wenn man seine Vergangenheit vollständig kennt, und weiß, von wem man abstammt, oder ist man jemand, wenn man alleine ist, und für sich selbst sorgt, und aus sich genau das macht, was man immer sein wollte? Werden wir durch andere ´Menschen wie Eltern beeinflusst? Und was ist, wenn diese nicht existent sind, oder uns einfach verlassen? Welche Art von Mensch entsteht dann? Für mich sind das zentrale Fragen des Buches, die anhand von Arthurs Beispiel besprochen und angezeigt werden. Ein tiefes Sehnen. Und die Frage, was mit unserem Sehnen geschieht, und welche Konsequenzen es hat. Ist das Sehnen wirklich da, oder ersehnen wir Dinge, weil andere sie ersehnen, und wir es nur nicht erkennen oder kennen? Wen verletzen wir damit? Wie beeinflusst es unser Tun? Und wissen wir wirklich schon mit 14, oder 16 oder 18 was gut für uns ist, und sind eigenständige Menschen, oder sind wir in dieser Phase unseres Lebens noch auch darauf angewiesen, jemanden zu haben, der uns leitet durch diese Phase des Sturms, der erst Jahre später windstill wird? Arthur hatte nie das Vorbild einer geliebten Beziehung seiner Eltern. Also wusste er nie, was gelebte Liebe ist. Das Thema Verlust und das Sehnen nach dem Verlorenen ist im gesamten Roman allgegenwärtig. Wenn man im Buch drin war, ist man quasi in der Geschichte versunken, wie in einem Ozean, und hat erstmal alles um einen herum vergessen. Das Buch ist gar nicht so einfach zu beschreiben, weil es einen ganz besonderen Schreibstil hat, der mich vollauf begeistert hat. Wobei diese Worte eigentlich derer viel zu wenig sind. Die Atmosphäre im Buch hat einen ab und an einen Schauer über den Rücken gejagt, so wundervoll, war die Erzählweise. Überhaupt ist alles sehr atmosphärisch. Und menschlich, mit allen menschlichen Fehlern. Alles ist im Einklang der Natur, der Kraft der Natur und der Elemente. Manchmal hat man das Salz des Meeres regelrecht auf seiner Haut gespürt. Die Beschreibungen der Landschaft sind großartig, und regen zum Nachdenken an. Das Buch ist mystisch. Aber nicht so, wie ihr es euch nun denken mögt. Es besitzt eine ganz eigene, mystische und bildlich wunderschöne Sprache, die einem wirklich ab und an vorkam wie erzähltes Meeresrauschen.

Jaja, die Melancholie. Das Buch macht definitiv melancholisch, zumindest mich. Und am Ende muss man entscheiden, ob man seinen Frieden mit den Dingen macht, die passiert sind, oder es lässt.

Lasst euch von der Welle des Ozeans mit ins Buch ziehen…………. Aber passt auf, dass ihr nicht darin ertrinkt ;)

Und auch diesmal möchte ich meine Rezension, wie immer, mit einem Lied beenden, welches mir irgendwie beim Lesen die ganze Zeit durch den Kopf gespukt ist. Und ich hoffe, ihr stellt diesmal nichts Böses damit an. Ich gebe ungerne kleine Schätze aus meiner kleinen Gehirnschatzkiste voller Lieder her, und besonders nicht, wenn sie mir was bedeuten, diesmal ist es wirklich eines meiner liebsten Schätze. Und für ein „10 Sterne-Buch“ gebe ich mein Geheimnis gerne mal her. Wisset das zu schätzen :)

"Lie where I land………. let my bones turn to sand……… I was born on the lake…… and I don't want to leave. Every eye on the coast ever more………. Will remember the sight of the ghost on the shore.

Under the waves…… and the earth of an age………. lie a thousand old northerner's graves.Deep in the night …..when the moon's glowing bright…….. they come rising up into the night.Die if I must let my bones turn to dust….. I'm the Lord of the lake ……and I don't want to leave it. All who sail off….. the coast ever more………….. will remember the tale of the ghost on the shore."

Veröffentlicht am 18.09.2019

Mathes entdeckt die Welt, lernt…..und löst nebenbei Mordfälle, und das alles im Jahre 1499.......

Das Mahnmal
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Das Mahnmal von Kiara Lameika

Mathes ist verlihiiieeebt….Mathes ist verli……….okay, okay, ich hör ja schon auf!

Och stöhn. Nein. Nicht schon wieder. Naaaa? Dachtet ihr, ich fange jetzt schon wieder mit ...

Das Mahnmal von Kiara Lameika

Mathes ist verlihiiieeebt….Mathes ist verli……….okay, okay, ich hör ja schon auf!

Och stöhn. Nein. Nicht schon wieder. Naaaa? Dachtet ihr, ich fange jetzt schon wieder mit einem Liebesroman an, so wie ich es in der letzten Zeit öfter mal getan habe, und wolltet schon wegklicken, und auf keinen Fall weiterlesen? Falsch gedacht und reingefallen. Pustekuchen! Lest also weiter :D Also nein, Mathes ist natürlich wirklich verliebt, aber es handelt sich gar nicht um einen Liebesroman. Denn Mathes lebt im Jahre 1499, im Spätmittelalter, und ist 13 Jahre alt. Angetan hat es ihm eine reiche Patriziertochter, die gute Ursula. Familienname Fugger. Na? Klingelt was? Richtig. Wir befinden uns in Augsburg…………. Und können uns denken, bei dem Familiennamen hat Mathes sicherlich mal gar keine Chance :). Ursula ist hinreißend, wunderschön, mit feinen Gesichtszügen, und vor allem, zumindest für Mathes, das schönste Mädchen der Welt. Doch wie es nun mal mit den ganzen schönsten Mädchen der Welt so ist, sie sind sich bewusst, dass sie die schönsten Mädchen der Welt sind. So auch Ursula. Nein. Erstens hat sie noch niemals auch nur Notiz von Mathes genommen, und als dies dann endlich passiert ist sie, vielleicht nicht gerade die Netteste mit ihren Bemerkungen zu seinem Geruch und Stand, und überhaupt und so.

Wer ist dieser Mathes überhaupt, fragt ihr euch nun sicher? Mathes ist unser Buchprotagonist. Aus seiner Sicht und Perspektive wird auch die ganze Geschichte erzählt. Er lebt, wie zu dieser Zeit wohl jeder in diesem Alter, mit seinem Vater, seiner Mutter, und seinem Bruder in Augsburg. Die Eltern haben eine Gerberei. Und Mathes muss tatkräftig unterstützen. Einziger Lichtblick in dieser Einöde aus der immer gleichen Tätigkeit und Arbeit und………. Naja Arbeit eben, das ist der wöchentliche Lauf zum Platz, an dem Ursula einmal dienstags auf dem Markt einkaufen geht. Dort kann er dieses wunderschöne Geschöpf dann aus der Ferne anhimmeln. Nun muss man dazu sagen, dass hervorragend gelungen ist, dass die Jungen damals mit 13 schon an der Schwelle zum Mannsein waren, anders wie heute. In einer Zeit, in der man nicht sehr alt wurde, war wohl alles etwas früher als heutzutage.

Aber zurück zu Ursula… denn an diesem Dienstag ist etwas anders. Mathes ist auf dem Weg zum Perlachplatz in Augsburg, wo der Markt stattfindet. Ein Menschenauflauf hält ihn auf. Im Gewässer des Lech liegt eine Leiche am Ufer. Und sie ist nicht einfach nur ertrunken, so dass man an einen Unfall denken könnte. Nein. Man hat den Mann gevierteilt und…………. Naja sonst noch Dinge mit ihm getan, die vermuten lassen, dass es kein Unfall war, sondern hier ein Mensch am Werk war (für den weiteren Verlauf lasst euch gesagt sein: es bleibt nicht bei diesem einen Mord). Mathes ist entsetzt, aber muss er doch weiter, die gute Ursula zu suchen, und schließlich findet er sie auch. Durch ein Missgeschick kommt es zum Erstkontakt zwischen Ursula und Mathes, was Ursulas Vater gar nicht gerne sieht. Mathes kann also mit nichts beeindrucken. Doch er weiß um die Sensationslust der Menschen, und setzt sein Wissen über die Leiche im Lech quasi ein, um bei Ursula zu punkten. Die findet das so spannend, dass sie Mathes schließlich die Aufgabe mit der Bitte erteilt, bis zu ihrer Beiden nächsten Aufeinandertreffen den Mörder zu finden. Völlig überrumpelt, dass es ein nächstes Mal überhaupt geben soll, und benebelt vom Lächeln des, immer noch für ihn, schönsten Mädchens der Welt, sagt er natürlich ja. Und so beginnt die Geschichte von Mathes Suche nach einem Mörder im mittelalterlichen Augsburg. Und später auch außerhalb über Lande. Und überhaupt bleibt es ja auch nicht bei der Mördergeschichte. Und irgendwie passiert danach ganz viel. Na, dann danken wir der schönen Ursula Fugger doch nochmal, dass sie das Geschehen des Schicksals in Gang gebracht hat, und dieses um Mathes keinen großen Bogen gemacht hat, sondern direkt und ohne Umwege auf ihn zugesteuert ist. Was noch zu erwähnen ist. Mathes bekommt Hilfe von der 1 Jahr jüngeren Ennlin, die ihm hilft, den Mord aufzuklären. Seine Ausbildung auf Reisen übernimmt Herr Etzlaub. Aber nun erstmal zum Buch.

Buch:

Liebe Leute. Lasst euch nicht verwirren. Das hier ist gar kein historischer Kriminalroman. Naja, okay. Zumindest nicht gänzlich. Es ist viel mehr! Ja okay. Es passieren Morde, und die müssen aufgedeckt werden. Doch zwischendrin passieren noch ganz viele andere außergewöhnliche Dinge.

Doch wer sich nun denkt, dies ist ein reiner Kriminalroman, in dem ein Verbrechen von Kindern am Rande zur Jugend gelöst wird, der irrt. Der Roman ist viel mehr. Zum einen hat man einen Einblick in den Alltag des Spätmittelalters und dort auch just in den Stand der Familien, die weder arm, noch reich waren, sondern sich eben über Wasser halten konnten, und genug Geld verdient haben, um eben gerade so zu leben. Zum anderen ist es auch die Geschichte von Mathes, der im Buch lernt, auf sich selbst aufzupassen, und während des Buches von Anfang bis Ende immer erwachsener wird. ER streckt seine Flügel aus, und auch wenn er erst dreizehn ist, so merkt man, dass er am Rande zum Erwachsensein steht, was zur damaligen Zeit in diesem Alter gar nicht unüblich war. Mathes hat zum Beispiel nie gelernt zu Lesen und zu schreiben, möchte dies aber gerne tun. Durch einen Zufall im Buch bekommt er die Möglichkeit, bei einem Gelehrten, etwas betuchteren Herrn in die Lehre zu gehen, Lesen und Schreiben zu lernen, und das erste Mal die Umgebung außerhalb Augsburgs zu sehen. Quasi eine Reise und eine Wanderschaft, um seinen Horizont zu erweitern. Dies mitzulesen, und die Freude zu empfinden, die er daran hat, lässt einen als Leser ebenfalls glücklich zurück, und es ist fast so, als ob man selbst auf die große Reise geht. Diese musste damals nicht über Kontinente gehen, sondern manchmal hat es schon gereicht, innerhalb von Deutschland unterwegs zu sein. Die wenigstens haben sogar dies getan, und waren ihr ganzes Leben am selben Platz. Auf jeden Fall ist es richtig schön geschrieben, wie Mathes nun lernt, und immer mehr ein Stück erwachsener wird. Mathes wird von einem Abenteuer ins nächste manövriert, und landet letztendlich sogar im damaligen Krieg der Bündner gegen die Schwaben. Und zwar auf jeder Seite einmal. Dabei entgeht er mehrmals dem Tode. Mathes wächst an seinen Aufgaben, und ist am Ende des Romans nicht mehr der anfängliche gutgläubige 13jährige Junge, sondern hat viel dazugelernt. So viel, dass man ihn gerne in weiteren Fortsetzungen und Romanen sehen würde, um zu wissen, wie es mit ihm und seinem Leben weitergeht. Ein durchaus charmanter und sympathischer Charakter, den man gern haben muss :). Mit Fragekraft, Raffinesse und Schlauheit fragt sich Mathes durch die Leute, und erfährt Dinge, begibt sich auf ein Abenteuer, und schließlich auch in Schwierigkeiten. Immerhin haben wir es mit einem tatsächlichen Mörder zu tun.

Kiara Lameika hat eine Welt geschaffen, in der man die Atmosphäre des Mittelalters spürt, die zwar härter als unsere heutige Welt gewesen sein mag, aber in der man irgendwie viel mehr gelebt hat, sich auf andere verlassen hat, sich umeinander gekümmert hat, aufeinander gehört hat….. und vor Allem…… in der man viel mit Fremden geredet hat, und einander vertraut hat. Denn man hatte ja nichts anderes als sein Leben, einen Beruf, war arm, nicht so arm, oder reich………… und die Menschen um einen herum, mit denen man sich unterhalten konnte.

Ein mittelalterlicher Kriminalroman, ein jugendlicher Held, ein Jugendbuch? Aber nein, für jedes Alter ist was dabei, da es ab und an blutig wird und einige Morde passieren, die auch grausam sind. Eine mittelalterliche Reise durch deutsche Lande, Krieg, Gefahr, Die Verhältnisse der Menschenschichten im Spätmittelalter, viel zum Lernen auf den Wegen, Gesellschaftskritik der damaligen Zeit, die bis ins Heute reicht, ein Krieg der alles überschattet, Feindlichkeit gegen Andersdenkende und andere Religionen, religiöser Glauben, Frauenfeindlichkeit, Ungerechtigkeiten gegen Arme. Ausnutzung von Macht und RACHE………… das klingt nach einem Abenteuer ganz nach meinem Geschmack mit einer Menge Vielschichtigkeit. Und da ist ja auch noch diese Geheimgesellschaft, die Dunklen, oder auch Misteln genannt (die wollte ich nur mal so in den Raum werfen, damit ihr neugierig werdet und nachforschen könnt), die sich für Ritter des Rechts halten……… aber mal ehrlich…………. JEDER Mensch der Welt weiß doch, dass das schon Chip und Chap sind :D

Die Beschreibungen der damaligen Zeit und Lebensverhältnisse, lassen einen direkt daran teilhaben, und man wird direkt ins Spätmittelalter gesogen. Und trotzdem kommt es einem, ob der Sprache, manchmal gar nicht so vor. Denn Mathes könnte ebenso gut ein freundlicher Junge von heute sein. Die Betonung liegt auf freundlich. Denn damals waren die Sitten noch ganz anders.

Eine Reihe von Ereignissen greift ineinander über, das Schicksalsrad dreht sich, und setzt so eine Entwicklung und Ereignisse in Gang, die Mathes reifen lassen.

Und awww <3 :D. Mathes ist so charmant niedlich mit seiner Unwissenheit an der Grenze zu Wissen , in einem Alter an der Grenze zum Erwachsensein, zumindest in diesem Zeitalter, in einer Welt die grausam war, nicht nur für Erwachsene, und Kinder und Jugendliche schnell hat erwachsen werden lassen, ihnen bei einigen Dingen aber trotzdem noch die Schamesröte ins Gesicht getrieben hat. ( Sorryyyy, das musste gerade mal raus :))

Der Lesetext und die Sprache sind so ausgereift und bildlich detailliert, genau und voller Leben, dass man meint im Buch in mehrere Geschichten zu blicken, und nicht bloß in eine. Und es stimmt, irgendwie gibt es mehrere Erzählstränge und Erlebnisse um Mathes, was das Ganze nur umso abenteuerlicher und interessanter und spannender macht. Wie mehrere Teile eines Puzzles, die am Ende ein Gesamtbild ergeben. Oftmals hat man sich direkt in der Geschichte befunden, sowas schafft ja auch nicht jedes Buch. Ebenso interessant ist es, dass einige Ereignisse und Orte real sind oder waren, es ist also ein Gemisch aus erfundener Geschichte mit geschichtlichen Tatsachen, Personen, Ereignissen und Orten.

Für mich ist das Buch voller Symbolik, und damit sehr geheimnisvoll, was es definitiv total spannend und interessant macht. Die Symboliken sind nicht immer gleich findbar, man muss danach suchen, und selbst wie ein Detektiv an die Sache gehen, um diesen Fall zu lösen. Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, wo man genau das tut. Man wird durch das Buch ein Detektiv, der dem jungen Mathes bei der Klärung des Falles hilft.

Wir bekommen im Buch dann auch noch hautnah Erlebnisse geliefert, wie sie in jedem Krieg der Welt sein könnten. Und diese sind schaurig. Blutig, grausam. So wie eben der Krieg auch ist. Zusätzlich merken wir durch Gespräche wie sinnlos alles ist……………. Genauso wie der Krieg ebenfalls sinnlos ist. Und ich würde das Ganze nicht nur als historisches Ereignis sehen, sondern als Sinnbild für alle Kriege. Denn davon haben wir ja auch heute noch genug.

Die Sprachweise im Roman ist nicht altertümlich, darauf wird verzichtet. Deswegen ist alles sehr angenehm zu lesen. Ich selbst mag es ja, wenn altertümliche oder mittelalterliche Settings kombiniert werden mit moderner Sprache. Das bringt einem die Figuren immer näher an unsere Zeit. Und trotzdem vermisst man das Flair einer alten Zeit im Roman nicht. Die Beschreibungen sind wirklich super gemacht, und es wurde wahnsinnig gut recherchiert. Für die Leute, die nicht alles verstehen, oder jedes Fremdwort wissen, ist am unteren Seitenende ab und an eine Erklärung für schwerere Begriffe aus der damaligen Zeit. Für mich ist diese Idee schön, muss man doch nicht im Lesefluss abbrechen, und hinten ein Glossar aufschlagen, welches dann die Begriffe erklärt. Und so kommt es, dass trotz dass der Roman im Mittelalter spielt, und wir öfter Begriffe aus genau diesem lesen, man den Text sehr gut versteht, weil er so ähnlich auch in unserer Zeit spielen könnte, und die Gespräche so laufen könnten.

Der Roman ist der Debütroman der Autorin, und trotzdem hat er es schon in sich.

Cover und Zeichnungen:

Das Cover ist hier nochmal hervorzuheben, denn es ist ein gezeichnetes Cover, welches mir anfänglich Kopfzerbrechen bereitet hat. Doch nach Der Geschichte macht es auf einmal richtigen Sinn. Und ja, schaut es euch einfach selbst an, da braucht man gar nicht viele Worte, denn es spricht für sich selbst. Die Zeichnungen IM Buch, die vor jedem Kapitel zu sehen sind, sind übrigens nochmal genauso zu erwähnen, wie das Cover an sich. Sind sie doch einfach total toll zu betrachten, und helfen sie einem nochmal mehr in die Geschichte einzutauchen, und Bilder und Szenen direkt vor Augen zu haben, und sich so alles noch leichter vorstellen zu können. Ich LIEBE ja Zeichnungen in Büchern, das nur mal dazu :D.

Buchtitel:

Der Name des Buches, das Mahnmal, hat eine Bedeutung im Buch. Die Morde geschehen, um abzumahnen, und auf etwas aufmerksam zu machen. Fast bei jedem Mord steht ein Text dabei, der etwas anprangert, und man versucht die ganze Zeit hinter das Geheimnis dieser Worte zu kommen. Schuld spielt ein großes Thema im Buch.

Fazit und Gedankengänge, oder auch Kopfchaos genannt:

Und nach dem Roman dann…………Erstmal durchatmen! Liebe Kiara, was hast du denn da geschaffen? Das Buch hinterlässt einen ja völlig atemlos und man kommt kaum zur Ruhe :D Erst dies, dann das, dann jenes…..immer is‘ was. Jaja, ganz großes spätmittelalterliches Kino :D

Man würde meinen, das Buch sei durch seine Zeitepoche nicht zeitgemäß, und doch………… wer genau hinschaut, wird erkennen……….. es ist topaktuell ;)

Mathes ist überall, und doch nirgendwo zugehörig. Eine Odyssee durch Krieg, Botengänge, Verschiedene Kriegsparteien und anderen Dingen beginnt. Gerade der Kriegspart zeigt deutlich, wie unsinnig Kriege sind, und dass es nur Verlierer gibt. Denn die Kriege und Aufgaben darin ausführen, das müssen immer normale Menschen, und auf beiden Seiten, oder bei den mehreren Parteien, gibt es immer Opfer, die alle unnötig und unschuldig sind, weil alle für ihre Ziele kämpfen, die meistens gar nicht ihre eigenen sind, sondern die von irgendwelchen höhergestellten Leuten, die sich meist in Sicherheit wiegen. Der Krieg wirft im Buch seinen Schatten voraus. Und durch detaillierte Beschreibung der damaligen Kriegsverhältnisse, merkt man mal wieder, wie sinnlos und grausam Kriege sind, und wie schrecklich es ist, wenn alle Gesetze ausgehebelt werden. Mathes schneit per Zufall in solch einen Krieg herein, wird einfach als Kämpfer mitgenommen, und das, trotz seiner 13 Jahre. Hier haben wir mal wieder eine Situation, in der jemand in eine Geschichte hineinfällt, per Zufall, und gar nichts dafür kann. Etwas, das sein Leben und seine Denkweise ändern wird. Ritter bemächtigen sich der jungen Männer in einer Stadt, und aller Männer die kampffähig sind, aber nicht unbedingt kämpfen können, nur um ihre Städte gegen den Feind zu verteidigen. Wer eben gerade zur falschen Zeit am falschen Ort ist, hat Pech gehabt, und muss mit an die Front. So auch Mathes.

In einer Welt in der die Reichen Macht und Einfluss haben, und mit den nicht so gut betuchten alles anstellen können. Im Krieg. In Hexenverfolgungen. Bei einfachen Wortwechseln, die ihnen nicht passen. Es ist eine Ungerechtigkeit, die bis in die heutige Zeit reicht. Wo liegt also die Schuld? Aufgrund von Ungerechtigkeiten. Hier wird uns diese wichtige Frage vor Augen geführt. Und am Ende des Buches wird man zurückgelassen, und steckt in einem Dilemma, und fragt sich, wer der eigentlich wahre Schuldige ist, und wen die wahre Schuld trifft, und ob nicht jeder ein bisschen Schuld auf sich geladen hat, die zu den Ereignissen geführt haben. Oder tragen am Ende gar die Menschen die Schuld, die nicht richtig hinsehen, wegsehen, oder Täter aufgrund von Beziehungen schützen?? Kommt das ein oder andere Mal auch heutzutage vor, hm? Ganz unterschwellig kann ich im Roman eine Anprangerung (zurecht) erkennen, die sich mit der Thematik von Gewalt an Frauen beschäftigt. Oder an weiblichen Personen, egal welchen Alters. Und wieder etwas, das die Zeiten miteinander verbindet, gerade auch in der heutigen Zeit, wo solche Fälle zunehmen.

Jugendliche Detektive wie die Fünf Freunde (Enid Blyton) treffen auf einer großen Reise, wie in der Wanderhure (Iny Lorentz) auf ein Sittenbild des Mittelalters mit all seinen Handwerkern und Krieg wie in den Säulen der Erde (Ken Follett)………… denk denk denk……. Ja, kommt ein wenig hin.

Mathes stellt viele Fragen auf seiner Reise, und man merkt, wie sehr es ihm Spaß macht, immer mehr zu lernen. Diese Passage erinnert ein wenig an die schönen mittelalterlichen Romane, wo es auf Reisen geht. Die Reise überhaupt wird sehr schön und gut beschrieben, genauso wie die Umgebung. Überhaupt ist alles super recherchiert, wir würden uns im Mittelalter also wunderbar in der Umgebung Augsburgs, Biberachs, Lindaus und Ulms auskennen. Und das sogar innerstädtisch. Und irgendwie macht das Buch Lust, sofort auf Reisen zu gehen und aufzubrechen. Das alles vielleicht nicht unbedingt zu Pferd und mit dem Pferdewagen, aber irgendein Fortbewegungsmittel wird sich schon finden.

Liebe Kiara. Vielen Dank, dass ich an dieser außergewöhnlich schönen Reise durch das Spätmittelalter teilnehmen durfte. Selbst wenn ich in einen Krieg hineingezogen wurde, und sie mit Morden verbunden war, so war die Reise an sich, durch das ferne deutsche Land…… und auch die Reise zu sich selbst……… naja Mathes‘ Reise eben………. Sehr wundervoll :). Ich habe schon lange keinen historischen Roman mehr gelesen, der so viel Verschiedenes in sich vereint, und dadurch spannend ist.

Das Buch ist nicht einzuordnen. Selbst wenn der Hauptprotagonist noch sehr jung ist, so sind die Morde und das Geschehen im Buch schon auch grausam, und das ganze Drumherum könnte jede Altersgruppe interessieren: Das Buch ist also alterslos. Und das ist auch gut so. :)

Die Geschichte wirkt authentisch. Auch wenn sprachlich vielleicht nicht an der damaligen Ausdrucksweise festgehalten wurde, so bekommt man trotzdem viel mit von den Problemen und der Lebensweise der Menschen damals, und wie sie ihre Arbeit verrichteten, und was sie für Sorgen hatten. Und schon bald merkt man, dass diese gar nicht so verschieden waren, von den Sorgen, die wir heute haben. Die Probleme der Modernität haben sich eventuell geändert, aber die Sorge um die Liebsten, und das Einkommen und Auskommen ist immer noch gleich. Es gibt Arme, Mittelständige und Reiche. Und genau wie heute mussten die Familien sehen, wie die durchs Leben kommen, was sie für ihre Kinder wollen, und man musste kalkulieren, wofür man Geld ausgab, und wofür nicht.

Mit kindlicher, fast schon jugendlicher Neugier, kämpft sich Mathes zusammen mit Ennlin durch das Mittelalter, und Hinweise, die die beiden näher zum Mörder bringen. Und vielleicht ist es genau diese jugendliche Denkweise, die benötigt wird, um Dinge zu registrieren und zu sehen. Für die die Erwachsenen einfach blind sind, oder sie für zu unwichtig befinden. Ganz im Sinne unserer modernen Jugenddetektive, die wir alle so haben. Nur eben im Mittelalter. Ich sehe das Ganze quasi schon vor meinem inneren Auge als Serie mit Fortsetzungen, in denen Mathes immer neue Fälle löst, und in der wir sein Leben mit ihm verbringen und weiterverfolgen, und er immer größer und älter wird. Dies ist aber bisher nur Wunschdenken. Denn alle Figuren im Roman erscheinen einem sehr lebendig, man erfährt viel über sie, und von fast jedem würde man gerne wissen, wie es in Zukunft mit ihm weitergeht. Sei es Mathes direkt, Ennlin, Mathes‘ Bruder, seine Eltern…………. Und und und. Sagen wir es mal auf den Punkt. Die Figuren sind nicht fad beschrieben, und man kann all ihre Gedankengänge nachverfolgen. Im Grunde genommen ist es die Geschichte von Mathes, der anfängt erwachsen zu werden, lesen und schreiben lernen will, aus dem elterlichen Betrieb hinaus in die Welt auf Reisen geht, und dort eine Lehre macht, im Krieg landet, mehrmals dem Tod von der Schippe springt. Auf der anderen Seite ist es nebenher eben dieser Kriminalroman, bei dem detektivisch wirklich Mordfälle aufgelöst werden müssen, und zwar von Mathes. Eine schöne Kombination.

Okay okay. Erste Teambesprechung mit Mathes und Ennlin. Wir haben: Mehrere Morde und Leichen, die öffentlich an gut besuchten Schauplätzen abgelegt wurden und verstümmelt wurden, eine Untergrundbewegung namens die Dunklen, und die Menschen mit Misteln warnen, Namen, die bei den Leichen auf Schildern hinterlassen werden…………..Und keine Ahnung, wie das Ganze zusammenhängt :D. Aber dafür gibt es ja nun euch beide. Und nach dem Lesen, werden alle Geheimnisse gelöst :).

Thihi, und ganz am Ende wird man erkennen, dass das Mittelalter doch gar nicht so altmodisch ist, wie manche immer denken. Denn viele Probleme sind gleichauf mit unseren heutigen. Vielleicht ist die Kleidung anders, man hat sich weniger gewaschen ( okeeeeee?!), und die Technik war nicht vorhanden. Aber menschlich gesehen ist alles in der Geschichte und Historie immer recht ähnlich. :)

Und ohne die gute Ursula, und Mathes Schwärmerei für sie, wäre das alles vielleicht gar nicht passiert ;) Deswegen ein Lied für das Ereignis (jaja, ich hätte auch so ein Lied hier hineingestellt, ich weiß), das alles in dieser Maschinerie der Geschichte in Gang gesetzt hat. (und ja, ich weiß, das Jahrhundert passt nicht soooo ganz):

„Du bist reich, du bist schön……….. gestern hab ich dich gesehen…. und nun sehn ich mich nach deinem süßen Munde.

Augen sanft wie Mondenschein…………. Rosenblätter würd ich streuen…. Verse schenkt ich dir aus tiefstem Herzensgrunde.

Doch unerreichbar fern bist du auf ewig…. frommer Wunsch wird es sein… der mir fuhr ins Herz hinein….. und seitdem verfluch ich jede volle Stunde.“