Profilbild von pure-and-simple

pure-and-simple

aktives Lesejury-Mitglied
offline

pure-and-simple ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit pure-and-simple über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2018

Durchaus lesenswert, aber schürt zu hohe Erwartungen

Slow Horses
0

Worum geht es:
River Cartwright, Agent des britischen Geheimdienstes MI5, verpatzt seinen Übungseinsatz und wird ins Slough House versetzt. Slough House ist ein herunter gekommenes Gebäude am anderen ...

Worum geht es:
River Cartwright, Agent des britischen Geheimdienstes MI5, verpatzt seinen Übungseinsatz und wird ins Slough House versetzt. Slough House ist ein herunter gekommenes Gebäude am anderen Ende der Stadt, in dem bereits andere ausrangierte Agenten sitzen, die ähnliche Sünden in ihrer Akte stehen haben. Die „Slow Horses“ (lahmen Gäule). Hier interessiert sich keiner für den anderen. Man erledigt eintönige, sinnlos erscheinende Aufgaben, versucht die Zeit totzuschlagen und hofft auf eine neue Chance, die es vermutlich nie geben wird. Chef der Slow Horses ist Jackson Lamb, ein fettleibiger, unhygienischer Kerl ohne Manieren. Als im Internet ein Video eines entführten Engländers mit pakistanischen Wurzeln auftaucht, der in 3 Tagen enthauptet werden soll, ist das für die Slow Horses nur ein weiterer Fall, der von den jungen Pferden im Regent‘s Park, dem Hauptgebäude des MI5, gelöst werden wird. Doch als River in einem scheinbar anderen Fall auf eigene Faust ermittelt, geraten die Slow Horses in die Schusslinie einer Person, die ihre eigenen Pläne verfolgt und die Agenten des Slough House für ihre Fehler verantwortlich machen will.

Meine Meinung:
Der Autor, Mick Herron, verbringt viel Zeit mit der Vorstellung des Gebäudes und der einzelnen Personen. Wir erfahren einiges über die Vorgeschichten und Sünden der anderen, was ich persönlich nicht schlecht finde. Slow Horses ist der erste Band einer Serie von Büchern und es gibt eine ganze Reihe agierender Personen, die man sonst vermutlich sehr schwer auseinander halten kann. Dass das Buch also erst gegen Mitte bis Ende hin wirklich spannend wird, ist für mich kein Problem. Der Schreibstil ist zwar teilweise sehr ausschmückend, aber die Handlung trotzdem durchgehend interessant. Gegen Ende hin wird durch häufigen Perspektivwechsel definitiv Spannung aufgebaut. Die Charaktere werden mit der Zeit immer sympathischer und die Dialoge sind teilweise sehr unterhaltsam.

Was mich an dem Buch stört, ist der „ganze Aufhänger“. Man erwartet, dass die Slow Horses etwas großartiges tun, oder zumindest Jackson Lamb. Aber eigentlich tut niemand etwas wirklich großartiges. Der von allen gefürchtete Jackson Lamb zeigt kaum etwas von seinen tollen Fähigkeiten. Er fungiert lediglich als kleiner Drahtzieher. Die Slow Horses tragen nur einen winzigen Teil zu der ganzen Sache bei. Und eigentlich werden „nur“ ein paar Geheimnisse gelüftet. Sicher ist das alles ziemlich realitätsnah, aber für eine Geschichte eher enttäuschend. Ich würde den zweiten Band der Serie trotzdem gern lesen, wenn er an den ersten anknüpft, in der Hoffnung, dass das, was mir hier gefehlt hat, noch bevor steht. Würde der Klappentext und der Titel nicht diese Erwartungen hervorrufen, wäre das Buch sicher deutlich interessanter. Vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass es eine Serie ist und ich im ersten Band bereits Dinge erwarte, die aber erst in späteren Bänden geschehen werden.

Fazit:
„Slow Horses“ ist ein eher realitätsnaher Agenten-Thriller, der die wahren Probleme einer so großen und angesehenen Organisation wie dem MI5 beleuchtet. Durchaus lesenswert, aber schürt zu hohe Erwartungen.

Veröffentlicht am 20.08.2018

Locker-leichter Krimi mit Humor

Schatten über dem Odenwald
0

Informationen zum Buch:
Der regionale Krimi „Schatten über dem Odenwald: Alexandra Königs zweiter Fall“ aus dem Midnight by Ullstein-Verlag umfasst 296 Seiten und ist seit dem 06.08.2018 als E-Book erhältlich. ...

Informationen zum Buch:
Der regionale Krimi „Schatten über dem Odenwald: Alexandra Königs zweiter Fall“ aus dem Midnight by Ullstein-Verlag umfasst 296 Seiten und ist seit dem 06.08.2018 als E-Book erhältlich. Die Taschenbuchausgabe erscheint am 12.10.2018. Wie bereits im Titel zu erkennen, ist dies nach „Der Tote vom Odenwald“ der zweite Band der Odenwald-Krimi-Reihe der Frankfurter Autorin Susanne Roßbach.

Worum geht es:
Die 33-jährige Alexandra König wohnt nun seit einem halben Jahr mit ihrem Freund Tom Brugger, dem hiesigen Polizeikommisar, in Beerfelden zusammen. Tom ist ziemlich verzweifelt, weil bei seiner letzten Spurensicherung Schmuck gestohlen wurde und nun er und seine Kollegen, für die er seine Hand ins Feuer legen würde, selber unter Verdacht stehen, den Diebstahl begangen zu haben. Alex, die Hobbydetektivin, die gerade zufällig Urlaub hat, möchte ihrem Freund natürlich unbedingt helfen. Als dann auch noch ein weiterer spannender Fall auf Toms Schreibtisch landet, hinter dem mehr zu stecken scheint, als vorerst angenommen und Tom zusätzlich Kopfzerbrechen bereitet, ist für Alex klar, dass sie heimlich ermitteln muss. Unterstützt wird sie dabei von ihren Urlaubsbekanntschaften Hedi und Herbert, dem rüstigen Rentnerehepaar mit dem sie mittlerweile eine enge Freundschaft verbindet. Als Alex durch ihre Ermittlungen ins Visier des Täters gerät und Tom klar wird, dass sie sich damit selbst in Gefahr bringt, wird ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt.

Meine Meinung:
Ich habe bereits den ersten Band („Der Tote vom Odenwald“) gelesen. Aber auch wenn man den ersten Fall von Alexandra König nicht kennt, ist der zweite leicht zu verstehen. Trotzdem werden immer mal wieder kleine Dinge aus dem ersten Teil eingeworfen, die Unwissende informieren sollen und das Ganze natürlich noch interessanter machen, wenn man die Vergangenheit kennt. Mir selbst huschte in diesen Momenten immer ein Schmunzeln über die Lippen. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, den ersten Band zuerst zu lesen, wenn man gern beide Teile lesen möchte, da der zweite Band so einiges spoilert.

Der Schreibstil der Autorin ist humorvoll, locker und leicht verständlich. Die Handlung ist durchgehend interessant, zu keinem Zeitpunkt langatmig und nur bedingt vorhersehbar, weil man doch immer wieder überrascht wird. Die Charaktere sind allesamt detailliert ausgearbeitet, realitätsnah und trotz der Masse gut auseinander zu halten. Alex ist teilweise wirklich etwas extrem mit ihren Vorurteilen und ihrer Naivität, aber sie lässt sich halt von ihren Gefühlen leiten und gerade das macht sie auch zu einer guten Detektivin. Hedi und Herbert sind mir besonders in Erinnerung geblieben, weil sie zwei echte Goldstücke sind, die mir immer mal wieder ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben.

Das Cover in Verbindung mit dem Titel vermittelt ein wenig den Eindruck eines „typisch deutschen Heimatkrimis“ und dieser Begriff ist bei jüngeren Leuten wohl eher negativ behaftet. Der Inhalt überrascht allerdings sehr positiv und das Cover ist im Nachhinein eigentlich ganz gut gelungen. Ein idyllisches Bild von der im Buch vorkommenen Burg Breuberg mit einem schwarzen Vogel, der hier vermutlich für einen Toten steht.

Fazit:
„Schatten über dem Odenwald“ ist ein locker-leichter Krimi in einer idyllischen Kleinstadt, der Humor, Beziehungsdrama und spannende Kriminalfälle miteinander verbindet.