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Veröffentlicht am 05.08.2021

Ein Krimi, der auch ohne Spannungsspitzen zu fesseln weiß

Narbenherz
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Meine Meinung:
„Narbenherz“ ist nach dem von der Presse gefeierten Bestseller „Leichenblume“ der zweite Fall für das „Ermittler-Duo“ Heloise Kaldan und Erik Schäfer. Die beiden sind ein sehr ungleiches ...

Meine Meinung:
„Narbenherz“ ist nach dem von der Presse gefeierten Bestseller „Leichenblume“ der zweite Fall für das „Ermittler-Duo“ Heloise Kaldan und Erik Schäfer. Die beiden sind ein sehr ungleiches Paar, sowohl vom Job her (Investigativ-Journalistin und Kripobeamter), als auch von ihren persönlichen Lebensumständen und Grundansichten. Dennoch sind die beiden im Verlauf des ersten Falles sehr gute Freunde geworden, in einer Art „Vater-Tochter-Beziehung“, und ergänzen sich mit ihren unterschiedlichen Ansätzen und Methoden. Hier ist Anne Mette Hancock ein wirklich spannendes Ermittlerduo mit viel Potenzial gelungen.

Nach einem geheimnisvollen und erschreckenden Prolog startet dieser Fall mit dem spurlosen Verschwinden des 10jährigen Lukas aus der Schule – ein wahrer Albtraum für alle Eltern! Hierdurch hat mich die Autorin schnell und nachhaltig erfolgreich an ihre Story gefesselt, denn mein Wunsch zu erfahren, was mit Lukas passiert ist, und gleichzeitig mein Hoffen, dass es für ihn noch ein Happy End geben kann, haben mich fast pausenlos durch das komplette Buch fliegen lassen. So kommt diese Geschichte auch mit wenig „Blut“ und nur vereinzelten, sich schnell wieder auflösenden Spannungsspitzen zwischendurch aus. Die Ausgangstat reicht vollkommen aus, um einen nicht nachlassenden Sog beim Lesen zu erzeugen. Immer wieder konfrontiert uns die Autorin dabei mit neuen, überraschenden Ermittlungsdetails und unvorhersehbaren Wendungen. Die Fakten, die sich im Verlauf der Geschichte auftun, wollen augenscheinlich so gar nicht zueinander passen und Verbindungen scheinen nicht existent zu sein. Und doch gelingt es der Autorin gekonnt, aus diesen ungleich erscheinenden Puzzlestückchen am Ende ein passendes, nachvollziehbares und schockierendes Gesamtbild zu präsentieren – wirklich sehr geschickt gemacht!

Allerdings muss ich sagen, dass mich dieses Buch auch ein bisschen enttäuscht hat. Zum einen ist diese Story für meinen Geschmack absolut kein Thriller, sondern ein gut konstruierter Krimi. Das finde ich allerdings nicht wirklich schlimm, denn die Unterhaltung hat gestimmt. Etwas negativ aufgestoßen ist mir aber, dass eine der beiden Protagonistenfiguren für die Krimi-Handlung dieses Buches vollkommen „nutzlos“ war. Das hat mich ehrlich gesagt enttäuscht, denn von einem Ermittlerduo erwarte ich nun mal, dass beide Seiten ihren Part dazu liefern und dass die Lösung nur gemeinsam gefunden werden kann. Dies war hier leider nicht der Fall, schade!

FAZIT:
Ein überraschender, verzwickter Krimi mit leichtem Abzug in der B-Note.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.07.2021

Ein monsterstarkes Abenteuer mit viel Humor

Die Schlotterbeck-Chroniken
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„Ein Zombie mit manisch-depressiven Schüben, ein Hämoglobin verweigernder Vampir mit sozialen und körperlichen Defiziten und eine vorlaute Fledermaus mit Gewichtsproblemen müssen bei diesem Unterfangen ...

„Ein Zombie mit manisch-depressiven Schüben, ein Hämoglobin verweigernder Vampir mit sozialen und körperlichen Defiziten und eine vorlaute Fledermaus mit Gewichtsproblemen müssen bei diesem Unterfangen jedoch mit einem hohen Ordnungsgeld, Verwahrung, und / oder magischen Flüchen, Verstümmelungen oder Tod rechnen.“ (S. 229)

Unsere Meinung:
Vampir-Teenie Julius ist der Underdog der Gesamtschule Zitterbold. Sein einziger Freund ist seine leicht adipöse, aber selten um einen Spruch verlegene Hausfledermaus Flap. Um das zu ändern, ernennt Schulleiter Lord Draco Julius kurzerhand zum Legatoren der Schule mit dem Auftrag, in den Sommermondferien loszuziehen, um Freunde zu finden. Und das kann in Immernacht mitunter ganz schön gefährlich werden…

Das Buch hat meinem Sohn (10) und mir von Anfang an sehr viel Spaß und Spannung bereitet. Man ist sofort mitten drin im Abenteuer und folgt Julius auf seinem wohlig-gruseligen Weg quer durch Immernacht. Dabei hat der sympathische Jung-Vampir gleich mehrerer „Quests“ zu erledigen, die mitunter nicht ungefährlich sind. So wird er zum Beispiel in sein eigenes Lieblingsspiel „ForkNight“ hineingesogen uns muss sich dort dem um keinen Cheat verlegenen, altehrwürdigen Lektor Kastalius Anselm Donatus stellen. Auch im Rambot-Tsu-Turnier bekommt Julius im vorurteilsbehafteten Sturmhammer ganz schön auf die 12. Man merkt schnell, dass es Autor Mark Wamsler sehr gut gelungen ist, eine klassische Abenteuer-Monsterstory mit den Vorlieben der Kids von heute zu verbinden. Egal ob Iiih-Mail, GraveStation, ScaryNet, LugTrug-Kanäle oder Monstergram-Stories – hier finden die Kids vieles von dem, was sie selbst interessiert, in Story-gerechter Form wieder, ebenso wie die aktuelle Jugend-Sprache: Noobs & Co lassen grüßen! Neben dieser amüsanten Adaption der Teenie-Tech-Kultur von heute besticht Wamslers Geschichte aber auch mit vielen Fantasy typischen Ideen und lustigen Einfällen, seien es berühmt-berüchtigte Helden (die Schreckritter), magische Artefakte (wie etwa die Camoflakis-Kapuze) oder auch schräge Details, wie eine Pflanze namens Cerebrulie, die vegane Gehirne produziert und damit den in Immernacht lebenden Zombies zu einem besseren sozialen Status verhilft.

Wir haben wirklich viel Spaß gehabt mit Julius´ Reise, von der ersten bis zur letzten Seite, auf der Mark Wamsler noch einen fiesen Cliff-Hanger präsentiert, der die Hoffnung auf eine Fortsetzung noch steigert.

FAZIT:
Ein gelungener Mix aus klassischer, altersgerechter Grusel-Fantasy und „Greg´s Tagebuch“

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.07.2021

Ein undurchsichtiger Plot mit vielen Überraschungen

Die Verlorenen
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„Als Jonah das Blut roch, war ihm klar, dass er in Schwierigkeiten steckte.“ (der erste Satz)

Meine Meinung:
Der Start in diese Story ist bereits wahnsinnig fesselnd und unglaublich intensiv. Der Polizist ...

„Als Jonah das Blut roch, war ihm klar, dass er in Schwierigkeiten steckte.“ (der erste Satz)

Meine Meinung:
Der Start in diese Story ist bereits wahnsinnig fesselnd und unglaublich intensiv. Der Polizist Jonah Colley erhält nach Jahren eine Nachricht von seinem ehemals besten Freund Gavin, der ihn um Hilfe bittet und in ein verlassenes Lagerhaus an den „Slaughter Quay“, den „Schlachterkai“, bestellt. Das, was er dort vorfindet, lässt den Namen des Kais schreckliche Wahrheit werden…

Bereits nach diesem unglaublich spannenden ersten Kapitel hat mich der britische Bestsellerautor Simon Beckett („Die Chemie des Todes“, „Kalte Asche“) regelrecht gepackt und den Spannungslevel in die höchsten Höhen geschraubt. Im Folgenden geht es mysteriös weiter und nicht nur Jonah Colley fragt sich, in was für eine Geschichte er da hineingeraten ist, denn auf einmal eröffnet sich eine überraschende Verbindung, die weit zurück in Jonahs Vergangenheit führt. Plötzlich rückt ein Ereignis in den Fokus, das nicht nur Jonahs Ehe, sondern sein ganzes Leben zerstört hat. Entsprechend besessen kniet sich Jonah tief in den Fall und rückt so selbst in den Fokus der Ermittlungen.

Der Plot, den sich Simon Beckett für den Start seiner neuen Thriller-Reihe erdacht hat, hat es wirklich in sich. Er ist über weite Strecken absolut undurchsichtig und wartet immer wieder mit überraschenden Wendungen und Erkenntnissen auf, sowohl für die Leser*innen als auch für den Protagonisten. Erst zum Finale hin lichtet sich der Nebel und das komplette, überraschende Ausmaß dieses Falls wird sichtbar. Hier wird einmal mehr klar, wie perfekt Beckett sein Handwerk versteht.

Ein wenig enttäuscht hat mich allerdings, dass der Spannungsbogen nach dem furiosen Auftakt zwischendurch doch immer mal wieder ein wenig nachgelassen hat. Über den Rest des Buches hinweg gab es für mein Empfinden nur zwei bis drei Ereignisse, die für „Thrill“ beim Lesen gesorgt haben. Insofern würde ich dieses Buch eher als guten Krimi und nicht als nervenaufreibenden Thriller bezeichnen.

Begeistert hat mich aber Hörbuch-Sprecher Johannes Steck. Es ist ihm sehr gut gelungen, diesem Text Leben und den Charakteren Individualität zu verleihen. Viele der Figuren konnte man bereits an Stimmlage und Sprechweise wiedererkennen, wie etwa das Ekelpaket DI Jack Fletcher. Es hat großen Spaß gemacht, Steck zuzuhören und die Geschichte auf sich wirken zu lassen.

FAZIT:
Eine Story, die zu fesseln weiß, auch wenn der Spannungsbogen nicht immer auf dem Höchstlevel verbleibt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.07.2021

Ein Krimi, der von seinen kantigen Charakteren und dem Hillbilly-Setting lebt

Unbarmherziges Land
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„Die Bewohner der Appalachen lebten nach alten Regeln, die sie zum Handeln zwangen. Verstöße wurden immer persönlich genommen. Bis etwas vergolten war, konnten Generationen vergehen.“ (S. 189)

Meine Meinung:
Auf ...

„Die Bewohner der Appalachen lebten nach alten Regeln, die sie zum Handeln zwangen. Verstöße wurden immer persönlich genommen. Bis etwas vergolten war, konnten Generationen vergehen.“ (S. 189)

Meine Meinung:
Auf dem Choctaw Ridge, in den wilden und ursprünglichen Kentucky Hills, wird eine Frauenleiche gefunden. Bei den Ermittlungen bekommt Linda Hardin, erster weiblicher Sheriff des Districts, Hilfe von ihrem Bruder Michael „Mick“ Hardin, dem Leiter der strafrechtlichen Ermittlung beim Militär. Zusammen stoßen sie auf eine Mauer des Schweigens und eiserne Familienbanden…

Chris Offutt präsentiert hier einen klassischen Krimi-Einstieg in ungewöhnlicher Kulisse. Hier finden sich viele Vorurteile wieder, die man gegen die vermeintlich hinterwäldlerischen Binnenbundesstaaten der USA hegen kann. Wildes Land und raue Menschen. Familienclans, die wie Pech und Schwefel zusammenhalten („eine Kultur, in der Blutsverwandtschaft über allem stand“ - S. 80). Vorurteile gegen alles, was neu ist. Oder gegen alles, was fremd ist. Und insbesondere gegen alles, was neu und fremd ist. Bewohner, die es seit Generationen gewohnt sind, für sich und ihre Familie selbst zu sorgen. Bewohner, denen die Familienehre über alles geht. Little Joe, Big Joe und Little Big Joe. Johnny Boy, Lee Ann und Franky. Hillbilly-Stereotype gibt es hier genug. Da Autor Offutt selbst aus Kentucky stammt, kann man nur vermuten, dass dies alles mehr ist als nur eine Ansammlung von Vorurteilen.

Offutts sehr offenes und trostloses Portrait des Landlebens in den USA zeichnet dieses Buch aus. Neben der wilden und überwältigen Natur portraitiert der Autor seine Charaktere, ihren Lebensweg und ihre Probleme. Allen voran natürlich das Geschwisterpaar Linda und Mick. Während er es eigentlich kaum erwarten konnte, von hier zu entkommen, konnte sie ihrer Heimat doch niemals den Rücken kehren. Doch ihr Glück haben beide bis heute nicht gefunden. Bei vielen der Charaktere hat man das Gefühl, dass es ein Segen für sie ist, etwas unterbelichtet zu sein, und so mit dem wenig anbietenden Leben zufrieden zu sein. Der dauerplappernde und stets für alle Arten von Aberglauben geneigte Deputy Johnny Boy Tolliver ist hier ein Paradebeispiel dafür.

Neben der sehr atmosphärischen Studie eines Landstrichs und seiner Bewohner scheint der Krimiplot stellenweise in den Hintergrund zu rücken. Micks Ermittlungen gleichen einer Sisyphusarbeit, doch mit viel Empathie, Beharrlichkeit und Verständnis für die „Spielregeln“ seiner Heimat kommt er am Ende dennoch zum Ziel. So schließt Chris Offutt seine Erzählung mit einem legitimen Ende, das mich persönlich als Leser aber nicht wirklich zufriedengestellt hat. Aber dafür ist es wohl ein sehr wahrscheinliches Ende, wie es sich in der Realität vermutlich auch so ergeben hätte.

FAZIT:
Ein durchaus gutes Buch, das für mich aber eher ein Roman mit Krimi-Anleihen ist als andersherum

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.07.2021

Ein wirklich schöner täglicher Begleiter für das gemeinsame Leben mit einer Fellnase

Frauchens Glücksjournal
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„Der Hund ist ein Begleiter, der uns daran erinnert, jeden Augenblick zu genießen.“ (S. 31)

Meine Meinung:
Dieses Buch ist eine wunderbare und sehr liebevoll produzierte (goldgeprägtes Leinencover & Lesebändchen) ...

„Der Hund ist ein Begleiter, der uns daran erinnert, jeden Augenblick zu genießen.“ (S. 31)

Meine Meinung:
Dieses Buch ist eine wunderbare und sehr liebevoll produzierte (goldgeprägtes Leinencover & Lesebändchen) Möglichkeit, die schönsten Momente mit dem Lieblings-Vierbeiner strukturiert festzuhalten. Neben praktischen Anregungen für Morgen- und Abendrituale, die nicht „nur“ mit der Fellnase zu tun haben, „Glücksboostern“ und Trainingsideen (allerdings nur allgemeine Ratschläge, keine konkreten Übungen!) nimmt das Journal von S. 36 – 307 den Löwenanteil (rund 80%) dieses Buches ein. Neben einer zweiseitigen Wochenübersicht gibt es für jeden Wochentag eine eigene Seite und am Ende der Woche eine Seite zur Reflektion der zurückliegenden Woche mit schönen Zitaten von Buddah, Dumas & Co. So reicht dieses Journal für ein halbes Jahr, wenn man es denn fortlaufend benutzt.
Die zentralen Elemente jeden Tages sind die drei Themenfelder „Genusszeit“ („Was willst du dir heute Gutes tun?“ / „Was willst du deinem Hund heute Gutes tun?“), „Dein Wau-Moment“ und „kleines Training“ („Wie viel Zeit hast Du heute mit kleinen Übungen verbracht?“ / „Was hast du geübt?“). Gerade die letzte Frage hilft sehr gut dabei, aktiv dran zu bleiben am Training, was für eine gute Hundeerziehung unerlässlich ist!
So entsteht nach und nach ein schönes Erinnerungs-Journal für ein halbes Jahr – optimaler Weise das erste halbe Jahr – mit Deinem Hund!
Am Ende des Buches gibt es auch noch sechs Seiten für einen kleinen Steckbrief des Hundes. Eine sehr schöne Idee, auch wenn ich diesen Steckbrief an den Anfang, vor dem Journal, platziert hätte.
Aber warum eigentlich nur für Frauchen?

FAZIT:
Ein liebevoll produzierte, gut strukturierter Begleiter für ein halbes Jahr mit Deinem Hund!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung