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Veröffentlicht am 05.08.2021

Ein fantastisches, modernes Abenteuer in der Tradition von Jules Verne

Catacombia, Band 1: Abstieg in die Tiefe
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„Für das normale Auge präsentierte Catacombia sich wie ein strahlendes Utopia. Aber nun wusste Sam, dass es Geheimnisse barg… tiefe und dunkle.“ (S. 271)

Unsere Meinung:
„R. L. Ferguson“ ist das Pseudonym ...

„Für das normale Auge präsentierte Catacombia sich wie ein strahlendes Utopia. Aber nun wusste Sam, dass es Geheimnisse barg… tiefe und dunkle.“ (S. 271)

Unsere Meinung:
„R. L. Ferguson“ ist das Pseudonym des englischen Autors Graham Edwards, der wohl vielen Leser*innen bereits von seiner Erfolgsreihe „Schule der Alyxa“ bekannt sein dürfte. Mit „Catacombia“ hat er nun den Auftakt für eine neue, wahrlich phantastische Reihe vorgelegt.

Der 13jährige Sam Major fristet ein trostloses Leben im Waisenhaus „Bright Futures – und seine Zukunft sieht alles andere als „leuchtend“ aus. Als er eines Tages eine Reportage über rätselhafte Zeichen auf einer alten Mauer, die beim U-Bahnbau freigelegt worden ist, sieht, macht er sich auf, sich das selbst anzusehen. Doch auf seiner unterirdischen Erkundungstour stürzt er durch ein tiefschwarzes und anscheinend bodenloses Loch… und findet sich unvermittelt in einer faszinierenden, unbekannten Welt wieder!

Der taffe Sam hat als klassischer Underdog unsere Herzen im Sturm erobert und die Geschichte hat uns von der ersten Seite an gefesselt. Mit der geheimen unterirdischen Stadt hat R. L. Ferguson ein wahrlich phantastisches Setting erschaffen, das mich sehr an die Geschichten des Altmeisters Jules Verne erinnert hat. Eine abgegrenzte Zivilisation, unglaubliche Technik (Roboterinsekten & morphende Fahrzeuge) und anscheinend ein Trotzen sämtlicher Naturgesetzte. Dazu einen Hauch Mystik und Magie (wie z.B. das „Gedankenfeuer“ – eine tolle Idee!) – und schon ist die perfekte Mischung für ein fesselndes Abenteuer fertig. Schnell wird beim Lesen klar, dass in Catacombia nicht alles Gold ist was glänzt, und dass diese unwirkliche Stadt auch ihre Schattenseiten hat. Sam spürt tief in sich drin, dass hier ein großes Geheimnis lauert, das ihn auch ganz persönlich betrifft, und ebenso wenig wie Sam können auch wir uns beim Lesen nicht sicher sein, wer hier welches Spiel spielt und wem man wirklich vertrauen kann. Unversehens schlittert Sam von einer Gefahr in die nächste…

Wir haben auf unserer „Reise“ durch Catacombia immer wieder gestaunt und gerätselt. Haben mit Sam mitgefiebert und mitgelitten. Am Ende klärt sich – nach einem spannenden und dramatischen Finale – das Bild auf und wir können nur hoffen, dass wir möglichst bald mit Band 2 (erscheint im Frühjahr 2022) wieder nach Catacombia „reisen“ dürfen!

FAZIT:
Ein fesselndes Abenteuer in einem atemberaubenden Setting und voll von Geheimnissen.

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Veröffentlicht am 27.07.2021

Ein monsterstarkes Abenteuer mit viel Humor

Die Schlotterbeck-Chroniken
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„Ein Zombie mit manisch-depressiven Schüben, ein Hämoglobin verweigernder Vampir mit sozialen und körperlichen Defiziten und eine vorlaute Fledermaus mit Gewichtsproblemen müssen bei diesem Unterfangen ...

„Ein Zombie mit manisch-depressiven Schüben, ein Hämoglobin verweigernder Vampir mit sozialen und körperlichen Defiziten und eine vorlaute Fledermaus mit Gewichtsproblemen müssen bei diesem Unterfangen jedoch mit einem hohen Ordnungsgeld, Verwahrung, und / oder magischen Flüchen, Verstümmelungen oder Tod rechnen.“ (S. 229)

Unsere Meinung:
Vampir-Teenie Julius ist der Underdog der Gesamtschule Zitterbold. Sein einziger Freund ist seine leicht adipöse, aber selten um einen Spruch verlegene Hausfledermaus Flap. Um das zu ändern, ernennt Schulleiter Lord Draco Julius kurzerhand zum Legatoren der Schule mit dem Auftrag, in den Sommermondferien loszuziehen, um Freunde zu finden. Und das kann in Immernacht mitunter ganz schön gefährlich werden…

Das Buch hat meinem Sohn (10) und mir von Anfang an sehr viel Spaß und Spannung bereitet. Man ist sofort mitten drin im Abenteuer und folgt Julius auf seinem wohlig-gruseligen Weg quer durch Immernacht. Dabei hat der sympathische Jung-Vampir gleich mehrerer „Quests“ zu erledigen, die mitunter nicht ungefährlich sind. So wird er zum Beispiel in sein eigenes Lieblingsspiel „ForkNight“ hineingesogen uns muss sich dort dem um keinen Cheat verlegenen, altehrwürdigen Lektor Kastalius Anselm Donatus stellen. Auch im Rambot-Tsu-Turnier bekommt Julius im vorurteilsbehafteten Sturmhammer ganz schön auf die 12. Man merkt schnell, dass es Autor Mark Wamsler sehr gut gelungen ist, eine klassische Abenteuer-Monsterstory mit den Vorlieben der Kids von heute zu verbinden. Egal ob Iiih-Mail, GraveStation, ScaryNet, LugTrug-Kanäle oder Monstergram-Stories – hier finden die Kids vieles von dem, was sie selbst interessiert, in Story-gerechter Form wieder, ebenso wie die aktuelle Jugend-Sprache: Noobs & Co lassen grüßen! Neben dieser amüsanten Adaption der Teenie-Tech-Kultur von heute besticht Wamslers Geschichte aber auch mit vielen Fantasy typischen Ideen und lustigen Einfällen, seien es berühmt-berüchtigte Helden (die Schreckritter), magische Artefakte (wie etwa die Camoflakis-Kapuze) oder auch schräge Details, wie eine Pflanze namens Cerebrulie, die vegane Gehirne produziert und damit den in Immernacht lebenden Zombies zu einem besseren sozialen Status verhilft.

Wir haben wirklich viel Spaß gehabt mit Julius´ Reise, von der ersten bis zur letzten Seite, auf der Mark Wamsler noch einen fiesen Cliff-Hanger präsentiert, der die Hoffnung auf eine Fortsetzung noch steigert.

FAZIT:
Ein gelungener Mix aus klassischer, altersgerechter Grusel-Fantasy und „Greg´s Tagebuch“

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Veröffentlicht am 15.07.2021

Ein tolles Kompendium mit allen Basics, die man zur Hundeerziehung braucht, und vielen Praxistipps

Hundetraining mit Martin Rütter
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„Erziehung erfordert Beziehung, daher steht das Zusammenleben mit dem Hund im Vordergrund.“ (S. 8)

Meine Meinung:
Wer sich mit den Themen Hundetraining und Hundeerziehung beschäftigt, wird kaum an Martin ...

„Erziehung erfordert Beziehung, daher steht das Zusammenleben mit dem Hund im Vordergrund.“ (S. 8)

Meine Meinung:
Wer sich mit den Themen Hundetraining und Hundeerziehung beschäftigt, wird kaum an Martin Rütter, dem deutschen „Hundepapst“, vorbeikommen. Vielen ist er sicherlich von seinen smarten TV-Sendungen bekannt. Inzwischen hat er bereits mehr als 15 Bücher rund um den Hund veröffentlicht. „Hundetraining mit Martin Rütter“ ist dabei ein sehr umfassendes und in sich „rundes“ Buch, dass die Beziehung zwischen Mensch und Hund auf mehreren Ebenen betrachtet und für die meisten Herausforderungen, die sich im Alltag mit dem Vierbeiner ergeben können, Trainings- und damit auch Lösungsansätze anbietet. Ratgeber und „Erziehungsmethoden“ für Hunde gibt es in zwischen ja wie Sand am Meer. Martin Rütter setzt mit seiner „DOGS“-Methode dabei, wie einige andere Trainer auch, auf eine gute und gefestigte soziale Bindung zum Hund als Basis. Erziehungsmethoden, die auf „Respekt und Unterwürfigkeit“ (sprich: Angst!) des Tieres basieren, sucht man hier glücklicher Weise vergebens! Der Tierschutz, nicht nur für den eigenen Hund, sondern auch für andere Tiere, ist ein zentrales Element Rütters Konzept.

„Jeder Hund ist anders“ (S. 8) – Auch wenn viele Hunde durchaus rassetypische Verhaltensweisen haben, so ist eben nicht jeder Rottweiler per se ein gefährliches Tier und nicht jeder Golden Retriever ein zahmer Kuschelbär. Entsprechend betont Rütter immer wieder, dass man stets auf die Körpersprache des Hundes achten soll, um zu überprüfen, ob man den richtigen Weg für seinen Hund gewählt hat. Auch ist es wichtig, immer die Beweggründe des Hundes zu analysieren, warum er ein unerwünschtes Verhalten zeigt. So lässt sich das „Problem“ oft an der Wurzel bekämpfen, statt gegen die Symptome anzutrainieren.

Neben vielen allgemeinen Tipps zum Zusammenleben und -wohnen mit Hund (zwei eigenständige Kapitel) betrachtet Rütter auch ganz konkrete „Problemstellungen“, die viele Hundehalter*innen vor Herausforderungen stellen, wie z.B. das Jagdfieber des Hundes, ein Anspringen von Besuch oder auch das allzu oft zu beobachtende Problem „Ziehen an der Leine“ – Hunde, die mit ihren Menschen Gassi gehen! Martin Rütter erklärt, was die Ursachen sein können und mit welchen konkreten Übungen man den unerwünschten Verhaltensweisen entgegenwirken kann. Dazu gibt es wichtige Übungen, die zwar keine „Problemlösung“ an sich darstellen, aber ganz grundlegende Basics für eine gute Hundeerziehung sind, wie etwa die Übung „Decke“.

Ganz grundsätzlich empfehle ich, sich ein solches Buch wie dieses hier bereits zuzulegen und aufmerksam durchzulesen, bevor ein Hund zu Hause einzieht! Das schafft nicht nur das notwendige Grundverständnis für die Beziehung zwischen Mensch und Hund, sondern auch vom ersten gemeinsamen Tag an eine Grundlage dafür, wie man ein harmonisierendes und funktionierendes „Mensch-Hund-Team“ (wie Rütter es nennt) wird. Jeder Hund wird es einem Danken!

Allerdings muss man sich bewusst sein, dass eine erfolgreiche Hundeerziehung Konsequenz und Ausdauer voraussetzt – Also: üben, üben, üben! Dann klappt´s auch mit dem Hund!

FAZIT:
Ein Schweizer Taschenmesser für alle, die eine gute Bindung zu ihrem Hund aufbauen wollen.

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Veröffentlicht am 14.07.2021

Ein fesselnder historischer Krimi im spannenden Abbild seiner Zeit

Das Buch des Totengräbers
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„Friedhöfe sind magische Orte – Heimat der Toten, an die es uns Lebende doch immer wieder hinzieht.“ (S. 442)

Meine Meinung
Wien im Jahre 1893 – eine Zeit des Umbruchs, in der viele neue Techniken und ...

„Friedhöfe sind magische Orte – Heimat der Toten, an die es uns Lebende doch immer wieder hinzieht.“ (S. 442)

Meine Meinung
Wien im Jahre 1893 – eine Zeit des Umbruchs, in der viele neue Techniken und Geräte schleichend Einzug in das Leben der Menschen genommen haben, vom Automobil über die Fotografie bin hin zur Telefonie. In Sachen Polizeiarbeit entwickelt sich langsam die Kriminalistik, im Jahr zuvor wurde erstmals ein Mord (in Argentinien!) rein aufgrund eines Fingerabdrucks aufgeklärt. Mit viel Elan und neuen Ideen tritt Leopold „Leo“ von Herzfeldt seine Stelle beim Wiener Sicherheitsbüro an und muss gegen mannigfaltige Vorurteile aus dem Kreis der „altgedienten“ Wiener Ermittler ankämpfen.

Bereits der Prolog ist fesselnd und sorgt für eine Gänsehaut: In einem Sarg erwacht ein vermeintlich Toter, der seine eigene Beerdigung miterleben muss. Zugleich wird eine Frauenleiche aufgefunden, die mit einem Holzpflock geschändet wurde. Die Wiener Polizei ist bis in die höchste Spitze in Aufruhr und Leopold von Herzfeldt steht vor einer Aufgabe, deren Dimensionen er noch nicht mal im Ansatz erahnen kann…

Es entspinnt sich ein Storyline, die es in sich hat. Je tiefer Leo „gräbt“, desto mehr Fragen werfen sich auf. Neue Verdachtsmomente ergeben sich, andere lösen sich wieder in Luft auf. Zwielichtige Gestalten tauchen auf und scheinbar spurlos wieder unter. Überraschende Wendungen und schockierende Erkenntnisse sorgen dafür, dass die Geschichte von Beginn an bis zum letzten Kapitel spannend bleibt und in einem packenden Finale gipfelt, dass alle Fragen beantwortet und diese Story zu einem runden Abschluss bringt. Zugleich gelingt es Oliver Pötzsch sehr gut, ein Portrait dieser vom Umbruch geprägten Zeit zu zeichnen, mit allen ihren Glanzlichtern, aber umso mehr auch mit den teils menschenverachtenden Schattenseiten einer sehr heterogenen Gesellschaft.

Ein weiteres Highlight dieses Romans sind für mich die drei Protagonisten. Neben dem sympathischen Charakter des Leo von Herzfeldt, der unter seinen ganz eigenen Dämonen leidet, haben mir insbesondere die selbstbewusste und (für diese Zeit unglaublich) emanzipierte Julia Wolf sowie der etwas verschrobene, aber herzensgute und blitzgescheite Totengräber Augustin Rothmayer gefallen. Ein tolles Trio, das Oliver Pötzsch da zusammengedacht hat, von dem ich gerne mehr lesen / hören würde!

FAZIT:
Ein ausgeklügelter Fall, tolle Charaktere und ein interessantes Zeitportrait - eine klare Leseempfehlung für alle Fans historischer Krimis.

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Veröffentlicht am 09.07.2021

Eine fundierte und sehr wichtige Abgrenzung von Informationsverarbeitungsstörungen zur Mode-Diagnose „AD(H)S“

Es muss nicht immer ADHS sein
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„Diese Welt braucht mehr Erwachsene, die die Entwicklung von Kindern verstehen.“ (aus der Vorbemerkung)

„Was können Eltern tun, wenn ihr Kind entwicklungsverzögert ist, Verhaltensauffälligkeiten zeigt ...

„Diese Welt braucht mehr Erwachsene, die die Entwicklung von Kindern verstehen.“ (aus der Vorbemerkung)

„Was können Eltern tun, wenn ihr Kind entwicklungsverzögert ist, Verhaltensauffälligkeiten zeigt oder mit Lern- und Leistungsproblemen zu kämpfen hat? Viele dieser Kinder und ihre Eltern durchleben eine wahre Odyssee an Beratungen und Diagnostiken“

Meine Meinung:
Ich möchte meine Rezension gleich mit zwei Zitaten aus dem Buch beginnen: „ADHS ist das am häufigsten diagnostizierte Störungsbild im Kindes- und Jugendalter in Deutschland.“ „Zudem wird kaum eine andere medizinische Diagnose so kontrovers diskutiert wie ADHS.“ Das ist die traurige Ausgangslage…

In diesem Buch erläutert das Autorenpaar Petra und Edgar Friedrichs, dass Wahrnehmungs- / Informationsstörungen, egal ob auditiv und / oder visuell, eine dem ADHS ganz ähnliche Verhaltensweise hervorrufen können. Anders als bei ADHS, das „nur“ über Beobachtungen und Checklisten diagnostiziert wird, und sich somit nicht durch „harte Fakten“ nachweisen lässt, können Wahrnehmungsstörungen mittels Tests und funktionellen EEG-Untersuchungen zweifelsfrei belegt werden – sogar bildhaft! Das Autorenpaar vermutet sehr nachvollziehbar, dass hinter vielen ADHS-Diagnosen eigentlich ganz andere Ursachen stehen, wie z.B. die Wahrnehmungs- / Verarbeitungsstörungen, die auch in den allermeisten Fällen für eine Legasthenie ursächlich sein dürften. „Es gibt zahlreiche andere Erkrankungen und Störungsbilder bei denen Kinder gleiche Verhaltensweisen wie bei einer ADHS zeigen. Dieser Sachverhalt wird jedoch in der diagnostischen Vorgehensweise zur Abklärung einer ADHS wenig berücksichtigt.“ Dies ist besonders dramatisch, da bei ADHS-Diagnosen oft zur medikamentösen Behandlung gegriffen wird, die einzig und allein die Symptome unterdrückt, während es für Wahrnehmungsstörungen eine Vielzahl erfolgversprechender Therapieansätze gibt. Sprich: Kinder werden mit Drogen vollgepumpt, ohne dass ihnen wirklich geholfen wird!

Sehr fundiert erklärt das Ehepaar Friedrichs die Hintergründe von Wahrnehmungsstörungen, die Diagnostik (auch in Abgrenzung zu ADHS), die Auswirkungen sowie die Therapieansätze. Dabei stützen sie sich auf eine Vielzahl internationaler Studien und Fachliteratur und verdeutlichen die Thematik und Problematik mit zahlreichen Fallbeispielen aus ihrer langjährigen Praxis. Insofern wird der Titel dem Buch auch nicht ganz gerecht, denn Kernpunkt dieses Buches ist nicht das ADHS, sondern es sind die Wahrnehmungsstörungen. Auch als medizinischer Laie kann man dabei den Ausführungen der Autor*innen gut folgen, manche Exkurse – die man auch problemlos überspringen kann, wenn man es nicht so theoretisch mag - gehen sogar noch tiefer in die wissenschaftlichen Erkenntnisse hinein.

Brisant ist, dass das Thema Wahrnehmungs- / Verarbeitungsstörung in Deutschland noch immer kaum bekannt ist. Augen- und HNO-Ärzte untersuchen in der Regel nur das Sinnesorgan, nicht aber die dahinter liegende Verarbeitung der Reize. Und selbst wenn man das Glück hat, auf einen Arzt zu treffen, der über den Tellerrand hinausblickt und die richtige Diagnose findet, stellen die beiden Autoren doch konsterniert fest, dass es bislang kaum effektive Unterstützungs- oder Hilfsmaßnahmen für Eltern mit betroffenen Kindern gibt. „Viele bleiben auf sich selbst gestellt.“

Dies wollen Petra und Edgar Friedrichs ändern. Wie bereits erwähnt, skizzieren sie hier auch mögliche Therapien, wie z.B. die Neurofeedback-Therapie. Sie betonen aber auch immer wieder, dass die Wahl der Therapieansätze von der individuellen Situation jedes Patienten abhängt. Ein „Rezept“, das allen Betroffenen gerecht wird, gibt es leider nicht – und kann damit hier in diesem Buch folgerichtig auch nicht angeboten werden.

Sehr positiv finde ich es, dass dieses Buch auch vielfältige Impulse gibt, wie betroffenen Kindern grundsätzlich geholfen werden kann, sowohl zu Hause, als auch in KiTa und Schule. Der Ansatz, den Petra und Edgar Friedrich hierbei verfolgen, spricht mir persönlich voll und ganz aus dem Herzen: „Im Mittelpunkt der Förderung eines Kindes steht, dass sich ein Kind entsprechend seiner Begabungen, Fähigkeiten und Kompetenzen trotz Beeinträchtigungen bestmöglich entfalten kann und einen Bildungserfolg erzielen soll.“ Ein schöner Schlusssatz, oder?

FAZIT:
Eine Pflichtlektüre für alle Eltern von Kindern mit ADHS-Verdacht. Darüber hinaus sollte dieses Buch sollte zum Standard-Werk für das Lehramtsstudium werden!

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