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Veröffentlicht am 06.10.2020

Die Handlung hat mich trotz des Wolfsthemas leider nicht gepackt.

Verlorenes Vernègues
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"Verlorenes Vernègues" ist der siebte Band der Provence-Krimireihe von Cay Rademacher aus dem Dumont Verlag.

Anfang Januar werden Capitaine Roger Blanc und Lieutenant Tonon zu einem rätselhaften Einsatz ...

"Verlorenes Vernègues" ist der siebte Band der Provence-Krimireihe von Cay Rademacher aus dem Dumont Verlag.

Anfang Januar werden Capitaine Roger Blanc und Lieutenant Tonon zu einem rätselhaften Einsatz in eine Geisterstadt gerufen. Vieux Vernègues ist ein mittelalterlicher Ort, dort wurden ein paar Schafe von Wölfen gerissen. Nun steht der Wolf unter Naturschutz, aber die Angst lässt seine Gegner zu den Waffen greifen. Doch nicht nur Wolfsinteressierte sind hier unterwegs, kurz darauf wird ein Toter gefunden.

Es ist das zweite Buch dieser Reihe für mich und leider muss ich feststellen, diese Reihe liegt mir leider nicht.

Capitaine Blanc wird zum Protokoll der gerissenen Schafe für die Schadensbegleichung hinzugezogen. Eigentlich ein perfekter Aufhänger für einen Krimi, doch dann folgt auf den darauffolgenden Seiten nur die Einführung neuer Figuren. Die Försterin Madame Hulot engagiert sich für den Schutz der Wölfe, Blancs Exfrau ist Erdbebenforscherin und erfasst die Daten ihrer Messgeräte. Ein ehemaliger Astrophysiker sucht in den Ruinen von Vernègues mit einer Drohne nach Außerirdischen.

Cay Rademacher hat im Krimi die Themenvielfalt recht weit gefasst, Grundthema sind die Wölfe und die Urängste der Menschen und die Schäden in der Weidehaltung. Weiterhin gibt es einen Alien-Experten, eine Erdbebenforscherin und einen Anhänger der Prophezeiungen von Nostradamus. Als Grundlage passt das aktuelle Wolfsthema und deren Übergriffe auf Weidetiere zum Tagesgeschehen, damit wird die Bühne für Wolfsbefürworter und Gegner freigemacht und die Menschen greifen zu ihren Waffen. Doch dann überfluten die recht skurrilen Personen, ja sogar Nostradamus prophetische Gedichte und mystische Szenen die Handlung und damit wird mir eindeutig zuviel in einen Topf geworfen. Das ist einfach nicht mein Geschmack und in diesem Durcheinander kommt wenig Spannung auf und ich kann nicht gut mitraten. Der zauberhafte Reiz der Provence verschwindet leider im nächtlichen Wald, die Personen blieben mir weitgehend fremd und ich habe mich mit Nostradamus abgemüht, der für jedes Problem den passenden Vierzeiler parat hatte.

Als zur Hälfte des Buches der erste Tote gefunden wird, untersucht Blanc alle Spuren und müht sich sehr, im Interessenklüngel einen Zusammenhang herstellen zu können. Am Ende löst er alle Knoten auf, wenn auch nicht sehr spektakulär.

Rein sprachlich beweist Cay Rademacher hier sein Können, leider hat mich der Fall inhaltlich nicht abholen können.

Als Grundlage für einen Krimi ist das Wolfsthema und der Konflikt mit den Menschen gut gewählt, allerdings blieb die Spannung etwas auf der Strecke und Nostradamus wurde in diesem Buch etwas überstrapaziert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2020

Spannendes Krimi-Lesevergnügen pur!

Tod im Alten Land
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Der Kriminalroman "Tod im Alten Land" von Daniel E. Palu erscheint im Emons Verlag.

Gabriele Berlotti zieht zurück zu seinen Eltern ins Alte Land und fängt seinen Dienst als Hauptkommissar in Hamburg ...

Der Kriminalroman "Tod im Alten Land" von Daniel E. Palu erscheint im Emons Verlag.

Gabriele Berlotti zieht zurück zu seinen Eltern ins Alte Land und fängt seinen Dienst als Hauptkommissar in Hamburg an. Kurz vor der Bürgerschaftswahl wird der Mord an einem bekannten Journalisten zu seinem ersten Fall. Es ist Berlottis Bewährungsprobe und er gerät in einen Strudel von politischen Intrigen, Korruption und Fremdenhass.

"Es gibt Kamele mit einem Höcker, und es gibt welche mit zwei Höckern, die größten Kamele aber haben keinen." Zitat Seite 256

Um es gleich vorweg zu nehmen, das ist ganz großes Krimikino.

Daniel E. Palu konnte mich von Anfang an mit seinem hervorragenden Schreibstil begeistern und auch die fesselnde Ermittlung nahm mich bis zum Ende gefangen. Der Ermittler Gabriele Berlotti ist ein sympathischer Charakter, der mit seiner klugen, einfühlsamen Art für mich ein neuer Stern am Krimihorizont geworden ist. Die italienischen Wurzeln des Ermittlers sorgen für einige Vorfälle, die teilweise amüsant, aber auch sehr bedrohlich sind. Auch unter seinen Kollegen muss sich Berlotti mit Spott über seine Herkunft herumärgern. Er hat eine kluge und lässige Art, dazu eine Neigung zu Lebensweisheiten und Sprüchen, die für Unterhaltung sorgen. Gleichzeitig bringt der Ermittlungshintergrund interessante Einblicke in die Politszene, die Machenschaften von Journalisten und Politikern aufdecken. Die Tatmotive können politische Hintergründe haben oder aus Eifersucht geschehen sein, hier rätselt man gerne mit.

Ausgesprochen gut gefällt mir das besondere Sprachtalent des Autors und die rasante Handlung. Auch Szenen mit Belottis Mutter muss ich hier erwähnen, sie sucht händeringend nach einer Frau für Gabriele, was ihm natürlich überhaupt nicht recht ist.

Ein ernsthafter Politkrimi der Fakten und Fake News thematisiert und mit den humorvollen Sprüchen des Ermittlers zu einem spannenden Lesevergnügen wird.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.10.2020

Einfache Alltagsküche auch für Anfänger, dafür mit viel Glitzer

Die Katze kocht!
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Daniela Katzenberger, als Katze bekannt, ist eine lebensfrohe Person mit großem Familiensinn. Ihr Alltagsleben lässt sich auf Social Media beobachten und für ihre humorvollen Sprüche ist sie bekannt. Nun ...

Daniela Katzenberger, als Katze bekannt, ist eine lebensfrohe Person mit großem Familiensinn. Ihr Alltagsleben lässt sich auf Social Media beobachten und für ihre humorvollen Sprüche ist sie bekannt. Nun kann man ihr beim Kochen über die Schulter schauen, sie verrät nicht nur alte Familienrezepte, sie beschreibt was zu Weihnachten, Kindergeburtstag oder beim Fernsehabend im Hause Katzenberger auf den Tisch kommt. Es sind die Lieblingsgerichte ihrer Familie, die mit wenig Aufwand zuzubereiten sind.

"Wer für dich kocht, hat dich lieb." Zitat Seite 23

Einfache Rezepte zeigen was Daniela selbst für ihre Familie kocht und was bei ihr so auf den Tisch kommt. Die Kreativität bei der Gericht-Auswahl hält sich in Grenzen, dafür gibt es katzentypisch viel rosa und Glitzerstaub. Die Zutaten beschränken sich auf wenige Produkte, das ist für die schnelle und unkomplizierte Küche sehr vorteilhaft. Hier muss man nicht stundenlang in der Küche stehen, der zeitliche Aufwand ist meistens sehr gering. Die Gerichte wirken wie alltagstaugliche Hausmannskost, es gibt eine kleine mediterrane Note in Form von Melone, Tomate und Mozzarella. Schliesslich lebt Daniela ja auf Mallorca.

Als Kind aus der Pfalz kennt Daniela deftige Gerichte wie die Pfälzer Leberknödel. Sie stellt den Käsekuchen und Spaghetti Blognese ihrer Mutter vor und zeigt als typisches Familienessen Chili con Carne oder Bouletten mit Kartoffelbrei. Alles gängige Hausmannskost, die keine großen Kochanforderungen nötig macht und einfach gut schmeckt. Auch low carb ist vertreten in Form von Kichererbsen-one-pot oder Zucchini mit Schinken und Käse.

Amüsiert habe ich mich über Danielas Motto "Kochen statt Fitness", indem sie Kochen auch als Fitnessprogramm ansieht, schließlich bewegt man sich ja in der Küche. Wer sie kennt, weiß von ihrer Vorliebe für Hüttenkäse. Für Fans der Katze gibt es auch reichlich Fotos von Daniela, die verleihen dem Buch allerdings den Charakter eines Fotoalbums, ich hätte das nicht gebraucht.

Gekocht wird: Bauernsalat, Ofengemüse, gefüllte Paprika, Nudelsalat, schnelle Paella, Rahmgeschnetzeltes mit Kartoffelbrei (mit ganz viel Butter und Sahne) und einen Vorschlag für ein leckeres Dinner für zwei.

Natürlich gibt es rosa Cupcakes mit Glitzer (schmeckt auch ohne Glitzerkram), außerdem Buttergebäck, Zimtsterne und Leckereien für Sophias Geburtstagsfeier, hier wird auch der süße Gaumen verwöhnt.

Wer die Katze kennt, erwartet natürlich auch etwas Kosmetik aus der Küche. So gibt es ein Rezept für ein Peeling und eine Gesichtsmaske mit Honig und Joghurt.

Die Rezepte sind übersichtlich erklärt, enthalten neben Personenzahl auch die Kaloroienangaben und die Zubereitungszeit. Ein übersichtliches Register rundet das Buch ab.

Insgesamt keine schwierigen Gerichte und damit für Anfänger wunderbar geeignet. Beim Anblick der anschaulichen und appetitanregenden Foodfotos möchte man sofort das ein oder andere nachkochen oder backen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.10.2020

Eine vielschichtige und unterhaltsame Fortsetzung der Reihe

Die Fotografin - Die Stunde der Sehnsucht
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"Die Stunde der Sehnsucht" ist der vierte Band von Petra Durst-Bennings historischer Romanreihe "Die Fotografin" aus dem Blanvalet Verlag.

Schwäbische Alb, Münsingen, 1914. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges ...

"Die Stunde der Sehnsucht" ist der vierte Band von Petra Durst-Bennings historischer Romanreihe "Die Fotografin" aus dem Blanvalet Verlag.

Schwäbische Alb, Münsingen, 1914. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges zerstört Mimis und Antons Pläne ihrer gemeinsamen Druckerei. Die Männer werden als Soldaten an der Front benötigt und die Frauen sorgen allein um das Überleben ihrer Familien. Der Krieg zieht eine große Hungersnot nach sich, jeder kämpft in dieser Not um das eigene Überleben. Für Mimi eine schwere Zeit, in der sie entdeckt, was wirklich im Leben zählt und wem ihr Herz gehört.

Bei diesem Roman sollte man die Vorbände gelesen haben, denn die Entwicklungen der Figuren bauen aufeinander auf.

Dieser Roman beginnt auf einem Neujahrsempfang in der Druckerei. Doch durch den Kriegsausbruch ändert sich das Leben auf der Schwäbischen Alb gewaltig. Dabei lief die Druckerei von Mimi und ihrem Geschäftspartner Anton gerade richtig gut. Anton verbringt den Krieg als Sanitäter in Frankreich hautnah mit, seine Erlebnisse sind sehr dramatisch und schockierend und er riskiert mehrfach für die Verwundeten sein Leben. Wir begleiten die Freundinnen Mimi, Corinne und Bernadette, die sich trotz aller Schwierigkeiten mit Mut und viel Willenstärke durch diese schwere Zeit kämpfen. Man taucht in die Lebens- und Gefühlswelt der Frauen ein und kann sie nur für ihre Tatkraft bewundern. Einzig der Erzählstrang um Alexander, der sich in diesem Band Paon nennt, hat mich nicht ganz überzeugt.

Petra Durst-Benning schreibt sehr flüssig, bildhaft beschreibend und haucht ihren Figuren echtes Leben ein. Mit viel Ausdruck erlebt man die menschliche Seite der Personen, ihre Gefühle, die zwischen Glück und Leid, Liebe und Trauer schwanken und die Schwere dieser Zeit verdeutlichen. Die Geschichte ist eine abwechslungsreiche Unterhaltung, bei der die Charaktere im Vordergrund stehen. Sie entwickeln sich weiter und werden durch die Kriegsjahre schwer geprüft. Nicht jeder bleibt in Deutschland, manche suchen ihr Glück auch in Übersee wie die Schauspielerin Chrystal.



Der vierte Band präsentiert sich sehr unterhaltsam, vielschichtig und durch die vielen Figuren auch sehr abwechslungsreich. Die Reihe wird mit dem Hintergrund des Krieges sehr interessant fortgesetzt und doch hat mir das gewisse Etwas für 5 Sterne gefehlt.

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 01.10.2020

Ein fesselnder Top-Thriller

Zerrissen
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"Zerrissen" ist der neue True-Crime-Thriller aus dem Knaur Verlag von Rechtsmediziner und Autor Michael Tsokos, den er gemeinsam mit Andreas Gößling geschrieben hat.

Ein besonderer Einsatz als Gutachter ...

"Zerrissen" ist der neue True-Crime-Thriller aus dem Knaur Verlag von Rechtsmediziner und Autor Michael Tsokos, den er gemeinsam mit Andreas Gößling geschrieben hat.

Ein besonderer Einsatz als Gutachter für Rechtsmediziner Dr. Fred Abel, vor Gericht muss er in einem schweren Fall von Kindes-Misshandlung aussagen. Das Opfer ist ein kleines Mädchen, die Nichte seiner Kollegin Sabine Yao. Gleichzeitig findet Abels Freund Lars Moewig in seinem Kickboxclub in einem Boxsack eine schwer zugerichtete Leiche. Was ist hier geschehen und wer aus dem Club hat da seine Finger im Spiel? Lars bittet Abel um Hilfe, die Spuren führen in die gefährliche Drogenszene eines libanesischen Clans. In dieser Parallelwelt darf es keine Zeugen geben.

Wenn True-Crime-Thriller von einem Rechtsmediziner geschrieben werden, weiß man genau, dass dort auch authentische pathologische Beschreibungen enthalten sind. Michael Tsokos ist vom Fach und bringt in seine Bücher die Plots ein, die ihm im normalen Berufsalltag täglich umgeben. In diesem Fall geht es um das skrupellose Verhalten von Clans in Berlin, die mit ihren menschenverachtenden Verbrechen unsere Gesellschaft mit Füßen treten.

Ein schwerer Fall von Kindes-Misshandlung wirft einige Fragen auf, Sabine Yaos Nichte soll sich angeblich beim Spielen so schwer verletzt haben. Als Gutachter hält Abel das kaum für möglich. Hier steckt etwas anderes dahinter, doch was will die Mutter des Kindes verbergen?

Sehr real wirken die Ermittlungen, die auch in die Kickbox-Szene führen, das Milieu der Boxer wird hier sehr glaubhaft dargestellt und wenn sich Sportler aus diesem Studio in der Pathologie wiederfinden, scheinen hier einige Rachezüge abzulaufen.

Beim Lesen lief mir oft ein kalter Schauer über den Rücken, schon allein der Prolog ist klasse. Ein wenig Privates von Abel erfährt man ebenfalls und die Spannung steigt, als Abels Partnerin Lisa in Gefahr gerät.

Dieses Buch ist ein Pageturner, der flüssige Schreibstil lässt sich leicht lesen, die klaren Angaben und Beschreibungen von Personen und Vorgängen kann man gut nachvollziehen und die Handlung wirkt gut durchdacht und wird logisch aufgelöst. Die recht kurzen Kapitel sorgen für einen rasanten Lesefluss und die vielfältigen Handlungen halten die Spannungskurve durchgängig hoch. Die Überschriften benennen reale Orte in Berlin: Charité, Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg, BKA-Einheit "Extremdelikte", JVA Plötzensee. Diese Angaben und die authentisch dargestellten Charaktere erwecken ausdrücklich, wie real die beschriebenen Verbrechen auch im wahren Leben stattfinden.

Auch wenn hier der vierte Band einer Reihe vorliegt, kann man den Titel als ohne Verständnisprobleme als stand-alone lesen.

Besonders interessant und erschreckend fand ich das Nachwort des Autors, in dem er auf die wachsende Gefahr von Clan-Kriminalität in Berlin und anderswo hinweist. Sie ist eine Bedrohung für unsere Gesellschaft und unseren Rechtsstaat und muss mit äußerster Strenge der Justiz bekämpft werden.

Unglaublich spannender und sehr empfehlenswerter Thriller, authentisch mit rasanten Szenen und ein sehr glaubhafter Plot machen ihn zu einem Buchhighlight. Das Leben von Parallelgesellschaften in Berlin wird hier sehr authentisch in die Handlung eingebaut.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere