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Veröffentlicht am 13.10.2020

Schwarzhumorige Weihnachtsanthologie zum Fest der Liebe

Hol Oma von der Bowle weg!
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Alle Jahre wieder rückt zu Weihnachten die bucklige Verwandtschaft an, was für reichlich Turbulenzen sorgt und manchmal nur mit Kirschlikörchen oder ein paar Bechern Bowle zu überstehen ist. Dazu noch ...

Alle Jahre wieder rückt zu Weihnachten die bucklige Verwandtschaft an, was für reichlich Turbulenzen sorgt und manchmal nur mit Kirschlikörchen oder ein paar Bechern Bowle zu überstehen ist. Dazu noch die problematische Geschenksuche im Vorfeld für diese "Lieben", da bleibt die Freude oft auf der Strecke. Halt, eine Geschenkidee hätte ich schon, wie wäre es mit diesem Buch?

"Das Schmücken des Baumes hatte Pauls Vater übernommen. Grundprinzip: Solange noch Grün an den Zweigen zu sehen ist, kann noch was drauf." Zitat Seite 205 aus "Das Ende der echten Kerzen- Lea Streisand"

In "Frohe Abreise" gibt Markus Lesweng Reisetipps für Weihnachtsmuffel, andere Geschichten erzählen von Weihnachtsnomaden und es geht an den Nordpol.

In diesem Buch werden viele Themen angeschnitten, schöne, böse, hoffnungsvolle und auch streitlustige Themen, wie das eben bei so Familienzusammenkünften der Fall ist. Da gibt es nie wieder echte Kerzen, weil aufgedrehte Kleinkinder schnell mal für Flammenwirbel sorgen, da wird die CO2-Bilanz der Nordmanntanne diskutiert und bei einem vorweihnachtlichen Treffen wird eine Freundin mal eben durch einen vorbeirasenden Zug regelrecht entsorgt. Andere hungern extra vor dem Fest, damit die kalorienhaltige Ernährung der Feiertage nicht zu sehr auf der Waage zu sehen ist, und dann kommt alles ganz anders und ein zusätzlicher Gast sorgt für Verdruss und Hungergefühle.

Es wird sehr schwarzhumorig, sehr böse und besonders der dunkle Part der menschlicher Psyche wird hier beschrieben.

Aufgrund der breit aufgestellten Autorenschaft ist eine bunte Mischung an Geschichten vorhanden, nicht alles trifft meinen Humor oder spricht mich sofort an. Manches ist langatmig, anderes macht mich auch nachdenklich und der Großteil hat mich gut unterhalten. Die Geschichten stimmen auf das Fest ein, denn es geht vielen so, mit der Anmeldung der Verwandten haben einige Familien schon im Vorfeld ihre bösen Vorahnungen.

Neben all den quirligen und streitlustigen Weihnachtsgeschichten fehlt mir hier ein wenig die romantische Seite eines Weihnachtsfestes, mit Lametta und Kinderlachen, Geschenken und Weihnachtsfreude.

Allerdings macht dieses Buch sozusagen als Anschauungsmaterial mal deutlich, dass auch in anderen Familien zum Fest nicht immer Eitelsonnenschein herrscht. Man muss sich halt arrangieren, dann kann man über die Macken der Verwandschaft auch mal schmunzeln statt sich darüber aufzuregen.


Eine unterhaltsame und schwarzhumorige Weihnachtsanthologie, die für Lesemomente der besonderen Art in der Vorweihnachtszeit sorgt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.10.2020

Ein lesenswertes kleines Juwel

Weihnachten am Ku’damm
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Passend zu Brigitte Riebes Trilogie «Die Schwestern vom Ku'damm» gibt es eine Weihnachtsgeschichte mit den Thalheim-Schwestern, die im Rowohlt Wunderlich Verlag erscheint.

Als Hungerwinter ging der Winter ...

Passend zu Brigitte Riebes Trilogie «Die Schwestern vom Ku'damm» gibt es eine Weihnachtsgeschichte mit den Thalheim-Schwestern, die im Rowohlt Wunderlich Verlag erscheint.

Als Hungerwinter ging der Winter des Jahres 1946 in die Geschichte ein. Nach dem Krieg lag alles in Schutt und Asche, dazu herrschte eisige Kälte, keine Kohlen und wenig Lebensmittel machten den Menschen das Leben schwer. Auch das prunkvolle Kaufhaus am Ku’damm ist ein Trümmerhaufen. Im provisorisch eingerichteten Modegeschäft verkauft Rike weiterhin Kleidung. Dort entdeckt sie den kleinen Erich, der sie an ihren verschollenen Bruder Oskar erinnert und allein und hungrig einen dermaßen mitleiderregend Eindruck macht, dass Rike ihn mit nach Hause nimmt. Die drei Schwestern möchten dem Kleinen ein schönes Weihnachtsfest machen, doch dazu brauchen sie einen Weihnachtsbaum. Ein schwieriges Unterfangen, denn sogar der Tiergarten ist abgeholzt.

"Deutschland, Deutschland ohne alles, ohne Butter, ohne Speck. Und das bißchen Marmelade frisst uns die Besatzung weg." Zitat S. 93

Wieder einmal ist Brigitte Riebe die Ausarbeitung der Figuren ganz wunderbar gelungen, sie sind lebendig und gut erkennbar weiter entwickelt. Von Anfang an war ich wieder mit den Thalheims verbunden und ich habe sie in dieser schwierigen und doch weihnachtlichen Zeit begleitet und auf ein gutes Ende der Story hingefiebert. Der Weihnachtsbaum steht als Symbol der Hoffnung zum Fest, in dieser Zeit ist er jedoch so schwer zu bekommen wie die Kronjuwelen mancher Königshäuser. Kann es den Thalheims gelingen, zum Fest einen Baum zu ergattern?

In dieser Geschichte spielt sich sehr anschaulich das alltägliche Leben der Thalheims und anderen Bewohnern Berlins ab. Der Hungerwinter ließ die Menschen darben, viele erfroren in ihren ungeheizten Wohnungen, Lebensmittel gab es auf Zuteilung und davon viel zu wenig. Einquartierungen von Vertriebenen ließen die Menschen enger zusammen rücken, was nicht immer einfach war und selten eine Geste der Humanität, es wurde von oben durch die Besatzungsmächte angeordnet.

Die liebevolle Fürsorge um den kleinen Erich, auch ein Vertriebener, macht die eigentliche weihnachtliche Stimmung aus. Sie ist Sinnbild von Hoffnung und Zuversicht und lässt mich als Leserin gespannt in die Geschichte eintauchen. Denn Rike und ihre Schwestern setzen alles daran, Erichs Situation zu verbessern.

Eine wunderschön erzählte Weihnachtsgeschichte mit dem spürbaren Zeitgeist der Nachkriegsjahre. Ein lesenswertes kleines Juwel in der Ku'damm-Reihe.


  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.10.2020

Eine bewegende Identitätssuche

Ada
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Nach Christian Berkels Familiengeschichte "Der Apfelbaum" folgt nun der Roman "Ada", der wieder den familiären Rahmen Berkels aufgreift und im Ullstein Verlag erscheint.

Im Februar 1945 wird Ada in Deutschland ...

Nach Christian Berkels Familiengeschichte "Der Apfelbaum" folgt nun der Roman "Ada", der wieder den familiären Rahmen Berkels aufgreift und im Ullstein Verlag erscheint.

Im Februar 1945 wird Ada in Deutschland geboren, ihre ersten neun Lebensjahre verbringt sie vaterlos mit ihrer Mutter in Argentinien. Zurück in Berlin muss sie erst einmal die Sprache und Mentalität ihrer deutschen Landsleute lernen, über die politische Vergangenheit wird geschwiegen. Sie erlebt den Berliner Mauerbau, das Wirtschaftswunder und die 68er-Bewegung mit. Sie sucht nach ihren Wurzeln und erhält auf ihre Fragen hin nur Schweigen.

Die Vorkenntnis von "Der Apfelbaum" ist nicht erforderlich, es hilft jedoch dabei, die Hintergründe von Sala und Otto besser zu verstehen. In diesem Buch geht es um Ada, ihr Leben gleicht einer Achterbahn von Hochs und Tiefs, ihre Gedanken und Ängste, Wünsche und Erlebnisse schildert sie in Gesprächen während einer Psychotherapie, die sie zu Beginn der 90er Jahre zur Aufarbeitung ihres Selbst macht. Dort erfährt man von ihrer Kindheit, in der sie sich eine normale Familie wünschte. Die Abstammung wird verschwiegen, Antworten über die Vergangenheit ihrer jüdischen Mutter bekommt sie nicht oder über Umwege. Sie grenzt sich von ihrer Familie ab, beginnt ein Studium, probiert die Liebe und die Drogen, erlebt die Studentenbewegung in Berlin mit, reist nach Paris und Woodstock.

In diesem Roman taucht man mit Ada eindrucksvoll in ihre Vergangenheit ein, erlebt ihren Zwiespalt mit ihrer Identität, die Frage nach ihren Wurzeln und ihre weitere Entwicklung in dieser sich politisch verändernden Zeit der 68er Jahre. Sie ist Deutsche und Argentinierin, katholisch und auch jüdisch. Ihre Mutter Sala verschweigt ihre eigene Vergangenheit, all das Leid und die erlebten Schwierigkeiten möchte sie für immer hinter sich lassen. Adas Fragen werden nicht beantwortet, der später geborene Bruder wird das Lieblingskind der Eltern, sie wird in ein Internat geschickt, das macht ihr zu schaffen. Sie löst sich von ihrer Familie und beginnt einen neuen Lebensweg.

Sprachlich ist das Buch wieder ein echter Genuß, Christian Berkels Sprachgewandtheit und sein schnörkelloser Erzählfluss sind mitreißend und die Handlung lässt sich spannend verfolgen. Er füllt Adas Persönlichkeit mit Leben und daraus erklärt sich ihre Depression in den 90er Jahren. Dennoch fehlen mir die Erlebnisse der 80er Jahre, um Adas Lebenswege genau zu kennen. Dafür lassen sich die 68er Jahre umso intensiver miterleben.
Sämtliche Charaktere haben wiedererkennbare Züge, besonders Sala mit ihren Sprüchen und Ausrufen oder Otto mit seiner Heimatverbundenheit. Gefangen in dieser Familienkonstellation erlebt man die Emotionen mit, sieht die Fragen und versteht die Ausgrenzung Adas in der Familie nicht.

Viele Hintergründe haben mich zum Nachdenken gebracht, wie es dieser Generation von jüdischen Nachfahren in Deutschland erging. Das Schweigen über die Vergangenheit lässt keine Identität zu.

Ein bewegend erzählter Lebensweg einer interessanten Protagonistin, die sich ihrer jüdischen Abstammung erst spät bewusst wurde. Was macht das mit einem Menschen?

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.10.2020

Eine bezaubernde Weihnachtsbotschaft

Robin, kleiner Weihnachtsheld
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Im cbj Verlag erscheint das Kinderbuch ab "Robin, kleiner Weihnachtsheld", das von Jan Fearnley geschrieben und auch wunderschön illustriert wurde. Zum Vorlesen ab 3 Jahren geeignet.

In sieben Tagen ist ...

Im cbj Verlag erscheint das Kinderbuch ab "Robin, kleiner Weihnachtsheld", das von Jan Fearnley geschrieben und auch wunderschön illustriert wurde. Zum Vorlesen ab 3 Jahren geeignet.

In sieben Tagen ist Weihnachten, darauf freut sich Robin Rotkehlchen schon sehr und weil es ordentlich geschneit hat, wäscht er seine sieben warmen Westen für seine Unternehmungen im Freien. Gegen die Kälte halten die Westen schön warm, eine zieht er gleich an und macht sich frohgelaunt auf zum Schlittschuhlaufen auf dem Teich. Dort trifft er auf den frierenden Frosch, der ihn um Hilfe bittet. Völlig großmütig und barmherzig trennt sich Robin von seiner Weste. Und es kommen noch mehr frierende Tiere, denen er seine Westen schenkt, solange, bis er selbst friert. Doch da geschieht das Weihnachtswunder...

Das Cover dieses Buches glitzert und funkelt sehr weihnachtlich mit silbernen Schneeflocken. Die Geschichte erinnert ein wenig an den heiligen Nikolaus, denn Robin verschenkt aufopfernd seine Westen an die frierenden Tiere, die ihm in der Natur begegnen.

Die Texte sind recht einfach und damit kindgerecht, die zauberhaften Bilder und toll dargestellten Tiere eine Augenweide und einfach wunderschön anzusehen. Doch am wichtigsten ist die erkennbare Botschaft von Hilfsbereitschaft und Barmherzigkeit und letztendlich die Bedeutung der Weihnachtsfreude, denn die bekommt Robin am Ende der Geschichte selbst zu spüren. Gleichzeitig lernen Kinder auch von 7 rückwärts zu zählen, denn Robins Westen verringern sich von Tag zu Tag.

Dieses wunderschöne Bilderbuch enthält eine klar erkennbare Weihnachtsbotschaft und versüßt die Vorweihnachtszeit, es passt auch gut als Geschenk zum Nikolaus.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.10.2020

Diese weihnachtliche Geschichte verbreitet Glücksgefühle

Rosa Räuberprinzessin – Tierisch schöne Weihnachten!
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Das Bilderbuch "Rosa Räuberprinzessin – Tierisch schöne Weihnachten!" von Annette Roeder erscheint im cbj Verlag. Es eignet sich ab 6 Jahren. Die Illustrationen stammen von Katrin Engelking.

Es ist Weihnachtszeit ...

Das Bilderbuch "Rosa Räuberprinzessin – Tierisch schöne Weihnachten!" von Annette Roeder erscheint im cbj Verlag. Es eignet sich ab 6 Jahren. Die Illustrationen stammen von Katrin Engelking.

Es ist Weihnachtszeit in Sonnenbühl und Rosa freut sich besonders auf das Wichteln in der Schule. Und dann ist da noch das Krippenspiel, dass sie mit ihrem Lehrer Apfelbeck aufführen wollen. Leider läuft nicht immer alles nach Plan und es ist ein Glück, dass Esel Einhorn wieder eine tolle I-Ah-dee hat. Vielleicht wird doch noch alles so wie erhofft.


Rosa ist eine wilde und lustige Räuberprinzessin, die mit ihrem Esel Einhorn immer tolle Abenteuer erlebt. Und sie liebt die Weihnachtszeit, denn da wird gebacken, gebastelt und auch gesungen. Das Wichteln in der Schule hat inzwischen Tradition und jeder Schüler kommt mal in den Genuss eines persönlichen Geschenks eines Mitschülers. Aber auch Lehrer Apfelbeck wird bewichtelt, Rosa hat seinen Namen gezogen und möchte ihm ein ganz besonderes Geschenk machen. Ein Wellnesstag wäre doch toll, leider hat sie nicht soviel Geld in der Spardose. Doch dann hat sie dank Rocco eine zündende Idee, ein Gurkenglas soll die Lösung bringen. Wieso Gurkenglas, fragt ihr euch jetzt sicher. Na, da gibt es... Aber das müsst ihr selbst lesen.

Auf alle Fälle wird es abenteuerlustig, witzig und auch eine große Überraschung für Lehrer Apfelbeck. Das Krippenspiel findet dieses Jahr auch mal ganz anders statt und am Ende ist es doch ein schöner Start in die Weihnachtsferien.

Bei den Aktionen kann man wunderbar mitlachen, sich sorgen und hoffen und das macht den besonderen Reiz dieser Story aus. Einhorns unverwechselbare I-A-Ideen sind sehr witzig und Rosas Vorhaben kann man einfach nur schön finden. Die Umsetzung ihres Plans ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, das wird den kleinen und großen Lesern schnell klar werden.

Für Leseanfänger eignet sich die große Schrift, die Texte sind gut verständlich und mit besonderen Wortfindungen aufgepeppt, was für großen Lesespaß sorgt. Sogar Corona findet im Buch als Krönchen-Virus Erwähnung.

Die wunderschönen Illustrationen geben dem Buch das letzte I-Tüpfelchen und sorgen für eine farbenfrohe und bildhafte Untermalung.

Ein abwechslungsreiches und amüsantes Weihnachtsabenteuer mit der sympathischen Rosa, das mir super gut gefallen gestimmt hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere