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Veröffentlicht am 05.01.2021

Ein Follett mit Schnappatmung

Die Brücken der Freiheit
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Klappentext (USA 1770er, Verurteilung und Verbannung, Liebesstory), dann Titel und schliesslich Autor bewogen mich zum Kauf. Autor? Ken Follett! Seiten: moderate 440. Fortsetzung? Ausnahmsweise keine (Trilogie).
Meine ...

Klappentext (USA 1770er, Verurteilung und Verbannung, Liebesstory), dann Titel und schliesslich Autor bewogen mich zum Kauf. Autor? Ken Follett! Seiten: moderate 440. Fortsetzung? Ausnahmsweise keine (Trilogie).
Meine Erwartungen wurden aber enttäuscht. Statt auf die Unabhängigkeit der Kolonien vom Mutterland einzugehen oder die Situation von verbannten Sträflingen als Sklaven, artete es in eine seichte Liebesgeschichte zwischen einem Kohlearbeiter und einer Adligen aus. Intrigen und Bösewichte zwar vorhanden, aber sehr sehr zahm. Und dann in den Kolonien - Virginia und Tabak! - wieder irgendwie ein Geplänkel. Ich wurde nicht ganz schlau daraus und ich glaube, auch Ken Follett nicht recht. Dass dann noch Indianer auftauchten, die alles glätteten, irgendwie platt…
Man hatte die ganze Zeit über als Leser das Gefühl, dass ihm, dem Autor, nicht ganz wohl war bei der Story, die sich irgendwie hinzog. Das Ende?
Versandete sprichwörtlich. Man fragte sich hinterher, was die Story eigentlich sein hätte sollen: ein Aufbruch in die neue Welt, ein Bruch mit den Konventionen, ein historischer Ro-man oder ein Prä-Western?
Verglichen mit meinem Western/historischen Roman seichte Kost! Mir kam der Roman so vor, als ob er irgendwie zwischen zwei Trilogien hin-getippt worden wäre. Kein Follett im herkömmlichen Sinne also. Der Autor schien sich alles aus den Fingern saugen zu müssen. Die Story bekam Schnappatmung etappenweise. Warum er das Buch in 3 Teile (auch eine Art Trilogie) unterteilte, ist mir ein Rätsel, drehte sich doch alles um das Liebespaar Lizzie und Mack, die genauso gut im 21.Jahrhundert hätten spielen können. Dazu brauchte es keine Pioniere, Sklaven, Adel, Pöbel. Wenn schon der Schwerpunkt auf "Sklaven-Dienst" gelegt wurde, dann hätte das nicht schon in der Mitte aufhören sollen, da man Mack seinen Sklavenstatus nicht abnahm, und Lizzie ebenso wenig die hochwohlgeborene Aristokratin.
Ein Buch zum Vergessen. Lag wahrscheinlich auch daran, dass die USA als Handlungsort Follett nicht liegen. Die Sätze, die Handlung zäh, die Personen platt, seelenlos. Schade drum.
Ich erwartete etwas in der Art von Howard Fasts "Rachel & der Fremde", wo die Hauptperson unverschuldet die Schulden ihres Vaters mit Frondienst bzw. auf mehrere Jahre verpflichtetem "Sklaven-Dienst" abarbeiten musste (auch in den 1770ern!). Dort wurde deren Schicksal herausgearbeitet. Der einzige Ausweg: entweder heiraten oder sich freikaufen, wie auch immer. Dass nämlich auch Schuldner in den frühen USA zu (weissen) Sklaven wurden wie in Australien auch, scheint für einen Buchplot unpopulär - lieber stürzt man sich auf Liebesgeschichten und Indianermassaker.

Gemäss meiner Autorenfibel wird einzig Ken Follet neben 2 anderen Autoren als typischer Vertreter des historischen Romans genannt. Der historische Roman ist eher eine Art Stiefkind der U-Romane. Denn die meisten sog. HiRos verdienen nicht das Label, weil sie Liebesromane vor einem historischen Hintergrund sind. Und gerade das fiel mir beim Lesen auf: das ist kein richtiger Follett. Wenn ich die Rezensenten so durchlese, verstehe ich durchaus warum sie den Roman mögen: er ist einfach, unterhaltsam, etwas exotisch mit Romanze. Aber ihm fehlt eindeutig das Tiefgründige, das ich bei Follett so schätzen gelernt habe, auch das Komplexe, Vielschichtige. Wenn der Roman schon mit einem Halsring anfängt und sich dann entblättert, dann hätte ich mir gewünscht, dass dem Kapitel Frondienst viel mehr Raum gewidmet worden wäre. Ein Thema, an das sich wenige trauen. Ein schwarzer Sklave ist ok, aber ein weisser Sklave? Da lobe ich mir James Michener, dessen Protagonisten (welcher Farbe auch immer) in Indianer-Gefangenschaft zu deren Sklaven/Leibeigenen mutieren. Das könnte ich mir bei Folletts Romanen nciht vorstellen.

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Veröffentlicht am 05.01.2021

Bergarbeiter, Bolschewiken, Kapitalisten

Sturz der Titanen
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Gemäss Guido Knopp einer der Follett-Klassiker, den man gelesen haben muss. Okay, so wählte ich anhand des Covers "Sturz der Titanen".
Am Anfang ödete es mich an, dann gewann ich den Eindruck, dass mir ...

Gemäss Guido Knopp einer der Follett-Klassiker, den man gelesen haben muss. Okay, so wählte ich anhand des Covers "Sturz der Titanen".
Am Anfang ödete es mich an, dann gewann ich den Eindruck, dass mir das alles schon lange bekannt sei. Und so ging es weiter. Der Umfang erschlug mich, 1100 Seiten, dazu noch Namen, Ortschaften, die mir (englandmässig) nichts sagten, und ich mir zunächst eine Karte beschaffen musste, damit ich wusste, wo was liegt. Jetzt, wo ich weiss, wo Wales liegt und was es hergibt, geht's mir besser. Nur: für diese 1100 Seiten brauchte ich gut 11 Monate! Nicht, dass ich ein Buchmuffel wäre – ich schreibe ja selbst historische Romane -, aber ich fand's mühsam, alles bis ins Detail genau beschrieben zu bekommen. Ist ja nett gemeint, souverän und ein Zeichen von Kompetenz, aber einfach zuviel des Guten. Am schnellsten verschlang ich den Schluss, d.h. den 3.Teil des 1.Bandes. Dass der Autor darauf noch 2 weitere Bände folgen liess, stiess mich etwas ab. Zugegeben, die Personen und das Umfeld sind interessant, aber alles weitere in einer Fortsetzung wäre eine Zumutung.
Ich bin politisch sehr interessiert und fand's lehrreich, was er über die englische Politik vor und nach dem 1.Weltkrieg als Hintergrund schrieb, aber er hätte es meiner Meinung nach nur bei den wirklich wichtigsten Ereignissen bewenden lassen sollen. Mi wäre eigentlich lieber gewesen, die betroffenen Familien hätten einzeln je ein Buch gefüllt, anstatt portioniert in einem 1100 Seiten umfassenden Schinken.
Zugute muss ich ihm halten, dass seiner Meinung nach Deutschland die vernünftige, reife, weitsichtige Nation galt, die für Kinderspielchen wie die andren Grossmächte England, Frankreich, Italien und Russland nichts am Hut hatte. Da erwies er sich als wahrer Autor: neutral und analysierend, nicht von Emotionen geleitet. Aber ok, England und Deutschland sind schon Königin Viktorias wegen verwandt und sich ähnlich, ausser in der Durchsetzung der Ziele (wie man jetzt am Brexit sieht). Und Frankreich, stolz und nachtragend, hat sich ebenso wenig geändert, wie die schwachen, wankelmütigen Russen. Die USA mit Wilson als Vorkämpfer für die UNO war ein gelungener Fetzen, den ich mir bei den anderen Protagonisten ebenso kurz gewünscht hätte. Und schliesslich Österreich, mit dem der 1.Weltkrieg eigentlich anfing, ging im Roman gänzlich unter (Walters schwuler Cousin Robert aus Wien kam nur am Anfang und am Ende des Romans vor).
Mein Fazit: weniger wäre mehr gewesen! Ken Follett ist denjenigen zu empfehlen, die vielleicht weniger politisch und geschichtsfirm sind, aber nicht sog. Insidern. Stelle sich mal einer vor, der Roman bzw. die Trilogie würde verfilmt, wie viele Staffeln gäbe es dann davon bzw. müsste es davon geben?
Wenn er jeder Familie ein Buch gewidmet hätte - sagen wir 3 Bücher total - dann hätte Follett in einem vierten Band die Linien verbinden können. Ich denke mal, das hätte mehr gebracht, als das Buch 1100 Seiten mit Namen, Details, Schlachten etc. vollzupacken! Und ich dachte, meine Romane seien schon eine Zumutung, mit den Hintergründen und Infos. Nein, dieser eine Follett genügt mir - auch wenn er immer zitiert wird als der "beste" Vertreter dieses Genres gilt. Denn der historische Roman bzw. dessen Stoffen werden als Stiefkinder des Genres angesehen, eine Art romantisches Kostümfest . Wenn man einen Follett liest, dann beweist er einem das Gegenteil. Aber eben: diese Länge...!

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Veröffentlicht am 04.01.2021

Musketier-Verschnitt trifft auf "in 80 Tagen um die Welt"

Die Romanfabrik von Paris
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Das atemberaubende Tempo erinnert etwas an die 3 Musketiere, die Reisen an Jules Verne & Kapitän Nemo. Soweit so gut. Es fehlt die "Ruhe", die normalerweise ein historischer Roman aufweist. Aber dazu zählt ...

Das atemberaubende Tempo erinnert etwas an die 3 Musketiere, die Reisen an Jules Verne & Kapitän Nemo. Soweit so gut. Es fehlt die "Ruhe", die normalerweise ein historischer Roman aufweist. Aber dazu zählt der Roman nicht. Eher eine Allegorie zum Heute, zum spontanen Reisen, wohin man auch will, und zwar schnell. Die Figuren sind nicht fassbar und fallen durch ähnliche Anfangsbuchstaben auf (Schmaleur, Schuwalow, Seamur , Simes oder Alexandre, Anna, Alice). Wäre die Story fesselnd - und von einem einzigen Autoren verfasst! - könnte man die Vorwegnahme der Erfindungen (Rollator und Reisegeschwindigkeit Concorde, beide Mitte 1970er) akzeptieren.

Cover und Klappentexte machten mich neugierig, versprühten irgendwie etwas Pariser Charme. Aber weit gefehlt. Je länger ich las, desto mehr, hatte ich das Gefühl, der Autor hatte keine Vorstellung von seiner Story. Wenn schon ⅔ des (470 S.-)Buches Ende Dezember 1851 spielen, ⅓ wenigstens schon Januar 1852, und dann gleich an 3 Schauplätzen, da frage ich mich, ob der Autor seine Helden mit der Concorde fliegen liess, die 100 Jahre später in Betrieb kam. Baden-Baden, Paris, Brüssel, London bis St.Petersburg in knapp 30 Tagen? Unwahrscheinlich. Hätte er statt Dezember die Jahreszeit (Winter) genommen, ok, ich hätte mich nicht daran gestossen. So aber kam die Story wie Gelee vor, das auf dem Tisch liegt, Klassiker von Jules Verne, Tolstoi usw. daneben samt namhafter Persönlichkeiten und Museen als Garnitur. Eine gehbehinderte Heldin auch unglaublich, wie die Szene, wo ihr der Russe den Rollstuhl abtrotzt. Oder Dumas im Newgate-Castle. Viele Episoden, die keinen roten Faden ergeben. Und am Ende hat die Heldin sogar einen Rollator! Nicht ganz nachvollziehbar oder durchdacht. Dank des Nachworts, weiss ich jetzt auch, warum mich die Story enttäuscht: der Autor Husemann hat die Story mit einer Co-Autorin geschrieben! Da verwundert mich der Tenor nicht. Schade. Kein Vergleich zum "Bücherdieb” oder “Seidendiebe”. Obwohl etwas künstlerische Freiheit erlaubt ist, habe ich mich an der Story verschluckt.

Der Roman passt irgendwie zum Titel: Romanfabrik. In einer "Fabrik" wird am laufenden Band produziert wie hier Abenteuer an Abenteuer, ohne Atempause. Alles wird nur angerissen (Zensur, Pariser Gendarmen, die Dumas nach London verfolgen) und am Ende "billig" gelöst. Kommt mir so vor, wie die Klatschpresse, die einen guten Ruf ruiniert und nichts dagegen tut. Und am Ende jeder Metropole ist der Mord(versuch), wie eine Melodie. Damit hat sich der Roman das Label "historischer Roman" verwirkt. Und wozu gehört dann der Roman? Eine Art Hommage an den Schriftsteller, also eine Art Bio oder schlicht Abenteuerroman, aber nicht historisch genug.

Eins muss man den Roman zugute halten: er macht deutlich, wie ein Erfolg neue Ideen fördert, und dass es auch in der Literatur schon früh "Massenproduktion" gab. Daher hätte diese Idee besser umgesetzt werden können, nach der Devise: "Weniger ist mehr".
Ich wurde das ganze Lesen hindurch das Gefühl nicht los, als ob der Roman nicht aus freien Stücken, sondern auf Drängen des Verlages aus vorhandenen Ideen-Bruchstücken zusammengesetzt worden wäre. Einem Flickerl-Teppich gleich. Dieser kommt mir sehr lustlos und blutleer vor. Ein Scharlatan der besonderen Sorte als Equipment des Roman-Personals? Warum nicht. Nur hätte ich gern am Ende gewusst, warum sich Lemaître gleich an 3 Regierungen/Staaten/Grossmächten rächen wollte und wofür? Dass ihm eine Karriere aufgrund seiner Hautfarbe verunmöglicht wurde? Ein schwacher Grund. Wenn schon eine Hommage an den Verfasser der "3 Musketiere" im Stoff verwoben, dann bitte etwas spritziger, humorvoller, aber nciht so seicht. London oder St. Petersburg - er war ja in 3 Teile, Paris, London, St. Petersburg aufgeteilt - waren überflüssig bzw. der Roman wäre spannender gewesen, wen er nur um oder in einer Metropole gespielt hätte. Dann wäre die Story kurzatmiger gewesen. So kam sie mir wie selbst in einer "Romanfabrik" gewoben vor.

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