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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.01.2020

angehmer Schreibstil und prickelnde Erlebnisse

Verboten in der Öffentlichkeit - jetzt erst recht | Erotische Bekenntnisse
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Es in der Öffentlichkeit zu tun, ist nicht jedermanns Sache. Die Charaktere in den acht Kurzgeschichten, jeweils ca. 20 Seiten, genießen es in vollen Zügen. Ob Autofähre, Feld, Hinterhof, Balkon, Kirchweih, ...

Es in der Öffentlichkeit zu tun, ist nicht jedermanns Sache. Die Charaktere in den acht Kurzgeschichten, jeweils ca. 20 Seiten, genießen es in vollen Zügen. Ob Autofähre, Feld, Hinterhof, Balkon, Kirchweih, Bar, Campingplatz oder Tierpark, eine Gelegenheit findet sich immer. Und das beschreibt Simona Wiles ansprechend anturnend. In diesem Roman steht die Lust im Vordergrund und die Leser*innen können die Geschichten voyeuristisch verfolgen und genießen.
„Verboten in der Öffentlichkeit“ von Simona Wiles stellt den Akt in den Vordergrund, manchmal sinnlich und dann wieder mal hart, rauschhaft und schwärmerisch.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm. Die Geschichten sind das richtige für ein kurzes Leseabenteuer.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.01.2020

grandios geschrieben

Die Parade
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„Alle bewegten sich im Schritttempo der Asphaltiermaschine, als würden sie ehrfurchtsvoll einem Trauerzug folgen.“ [130]
Die Geschichte wäre schnell erzählt, mag man denken: Man, in diesem Falle der Westen, ...

„Alle bewegten sich im Schritttempo der Asphaltiermaschine, als würden sie ehrfurchtsvoll einem Trauerzug folgen.“ [130]
Die Geschichte wäre schnell erzählt, mag man denken: Man, in diesem Falle der Westen, baut eine Straße in einem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land, um den reichen Norden mit dem armen Süden zu verbinden.
Eigentlich ist das nicht viel Stoff für eine Geschichte und mit Dave Eggers „Der Circle“ konnte ich mich nicht richtig anfreunden, aber „Die Parade“ ist ganz anders, erfrischend anders. Dass Dave Eggers weiß, wie man Bücher schreibt, die Leserinnen fesselt, für ein Thema begeistert und dazu bringt, nach abgeschlossener Lektüre, viele Szenen und Situationen im Kopf noch einmal Revue passieren zu lassen, demonstriert er eindrucksvoll in seinem neuesten Werk. Kurz: hochaktuell, spannend und mit einem unerwarteten Ausgang.
„Von dem Baum ausbreiten, tief eingraben, Lebenskraft aus dem Baum beziehen, Möglichkeiten schaffen und damit auch Stabilität.“ [32]
Es ist eine Parabel die einen so schnell nicht mehr loslässt und zeigt, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern, dass vieles facettenreich ist. Und genau so zeichnet Eggers auch seine zwei Protagonisten, Vier und Neun. Beide Personen sind komplett unterschiedlich und je weiter die Straße vorankommt, desto mehr kommen die Beiden in Konfliktsituationen, auch mit sich selbst und stellen somit ihr Handeln in Frage. Tut man etwas Gutes, weil man denkt, dass man Gutes tun will? Dem geht Eggers in seinem Roman nach und wirft die eine oder andere politische Frage mit auf, verwebt diese mit dem Plot und lässt das Ganze bei den Leser
innen reifen.
Mir hat „die Parade“ gefallen. Sie las sich aufgrund des Schreibstils sehr gut. Die Seiten flogen nur so dahin, man war gefesselt und ertappte sich dabei, wie die anfängliche Meinung, in Bezug auf das Projekt, Protagonist und Ausgang, zusehends immer mehr variierte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.01.2020

Wunderbar geschrieben

Im Netz des Lemming
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„Der Lemming klappt den Mund ein paar Mal auf und zu, ihm bleibt die Sprache weg. Woher um alles in der Welt hat Mario dieses selbstzerstörerische Denken?“
Glücklicherweise bleibt Slupetzky bei seinem ...

„Der Lemming klappt den Mund ein paar Mal auf und zu, ihm bleibt die Sprache weg. Woher um alles in der Welt hat Mario dieses selbstzerstörerische Denken?“
Glücklicherweise bleibt Slupetzky bei seinem Roman „Im Netz des Lemming“ nicht die Sprache weg. Präzise und sprachlich ausgefeilt kommt das Werk rund um Leopold „Lemming“ Wallisch daher.
Auch wenn es am Anfang komisch erscheint, dass der Lemming nichts mit Internet und Co anzufangen weiß, so wenig störend ist das für die Geschichte.
„Er hat nicht nur die Entwicklung des Internets verpasst, sondern auch die Entwicklung seines Sohnes.“
Gekonnt zeichnet Slupetzky seine Charaktere, betrachtet sie von allen Seiten, haucht ihnen Leben ein, stellt sie äußerst glaubhaft dar und legt zugleich den Finger in die Wunden der Gesellschaft, wenn er Szenen entwirft, welche auch nach dem Lesen im Kopf bleiben. Er hält uns einen Spiegel vor ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu kommen.
Man ertappt sich beim Schmunzeln, wenn der Lemming und Chefinspektor Polivka ein Viertel nach dem anderen trinken oder als der Lemming einen Bären im Tiergarten vermutet und lauscht den Worten, wenn es politisch wird. Das Ganze liest sich so angenehm, so aktuell. Es ist ein außerordentlicher Genuss dem Lemming auf seiner Spurensuche zu folgen und es zeigt auch, welche Auswirkungen ein Shitstorm und Hass-Postings haben können. Auch wenn man, wie der Lemming, sich gar nicht im Internet bewegt.
Was mir besonders gefällt, dass man neben dem Krimi-Plot einen guten Einblick auf die Geschehnisse des letzten Jahres in Österreich bekommt. Der Roman ist bereits jetzt ein Lesehighlight für 2020.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.01.2020

Die Jagd beginnt

Die Stimme des Zorns
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„Es ist keine schöne Geschichte. Sie ist voller Dunkelheit, Schmerz und Hoffnungslosigkeit.“

Was für ein fulminanter Start in eine neue Reihe mit „Ackermann & Shirazi“. Ich muss zugeben, dass ich aktuell ...

„Es ist keine schöne Geschichte. Sie ist voller Dunkelheit, Schmerz und Hoffnungslosigkeit.“

Was für ein fulminanter Start in eine neue Reihe mit „Ackermann & Shirazi“. Ich muss zugeben, dass ich aktuell noch nichts von Ethan Cross gelesen hatte und mit „Die Stimme des Zorns“ positiv überrascht bin. Auch als Neueinsteiger rund um das Ackermannsche Geschehen kommt man sehr schnell in die Geschichte und ist bereits nach den ersten Seiten gefesselt. Das zu Beginn einführende Interview hilft gerade den neuen Leser*innen sich mit Ackerman jr. vertraut zu machen, ein Bild von diesem Mann im Kopf zu entwerfen und wirken zu lassen. Das wirkt so schnell, dass man, auch aufgrund des flüssigen Schreibstils, das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann und atemlos nur so durch die Seiten des Thrillers fliegt.
Ganz wie der Protagonist Francis Ackerman jr. - ihm zur Seite steht die taffe Agentin Nadia Shirazi – ist man getrieben das Geheimnis zu lüften, bzw. den Täter, das sogenannte „Alien“, zu finden. Auch wenn Kornkreise eine Rolle spielen, so sind die beiden Agenten des FBI weder Scully noch Mulder und der Täter doch eher ein menschlicher Dämon.
Teils ist die Geschichte bzw. deren Protagonist schon ein bisschen überzeichnet, aber gerade das macht hier den Lesespaß aus. Und natürlich gibt es auch die eine oder andere Aktion, in der schon vorhersehbar etwas schiefgehen wird. Man bleibt trotzdem fasziniert von Ethan Cross Werk, welches temporeich à la „Rache der Orphans“ von Gregg Hurwitz daher kommt.
Fesselnde und packende Action, ein gelungener Start und ein neugierig machender Ausblick auf Band 2 machen das Buch zu einer Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.12.2019

etwas speziellere Phantasien

Nimm mich jetzt | Erotische Geschichten
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Mit „Nimm mich jetzt“ präsentiert Xenia Marcici 5 erotische Kurzgeschichten, wobei die erste Geschichte aufgrund ihrer Länge oder eher gesagt Kürze, eher als Appetizer zu verstehen ist. Bis auf „gequältes ...

Mit „Nimm mich jetzt“ präsentiert Xenia Marcici 5 erotische Kurzgeschichten, wobei die erste Geschichte aufgrund ihrer Länge oder eher gesagt Kürze, eher als Appetizer zu verstehen ist. Bis auf „gequältes Verlangen“, leider auch zugleich die längste Geschichte und wohl auch die speziellste, sie konnte mich nicht wirklich berühren, haben mir die Kurzabenteuer richtig gut gefallen. Durchweg anregend und aufregend geschrieben, lassen die Geschichten die Leser*innen abschweifen und in die erotische Welt eintauchen. Und wer bei der letzten Story denkt, das Ganze wäre etwas an den Haaren herbeigezogen. Der irrt, denn den weiblichen, betörenden Intimduft als Riechstoff, sprich Parfum, den gibt es wirklich. Wer auf etwas speziellere Phantasien und Wünsche steht, wird mit diesem Buch gut bedient.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere