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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2020

mitreißende Erzählung und das fabelhafte Leben

City of Girls
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Schon nach den ersten Seiten war mir klar, dass mir dieses Buch mehr als gefallen wird. Während im Hintergrund der 2. Weltkrieg sich immer weiter aufbraust entführt uns Vivvie durch ihre glorreichen und ...

Schon nach den ersten Seiten war mir klar, dass mir dieses Buch mehr als gefallen wird. Während im Hintergrund der 2. Weltkrieg sich immer weiter aufbraust entführt uns Vivvie durch ihre glorreichen und glamourösen Momente als Kostümschneiderin im Theater ihrer Tante Peg. Die erste Hälfte kam erfolgreich ohne Drama aus und trotzdem war es bis zum Trubel nicht langweilig. Im Gegenteil, denn die Autorin hat Vivian eine Stimme verliehen, die frech, charmant und energiegeladen und ehrlich in ihrer Naivität ist. Ihr Eifer und ihre Lebenslust sind mitreißend und ich habe es genossen New York City durch ihre Sicht zu erleben. Jung, sorgenfrei und auf der Suche nach Abenteuer und sich selbst. Für ein paar Kapitel war ich unglaublich neidisch auf diesen Elan und diese Unerschütterlichkeit für das Leben welche Vivvie gegenüberbringt.

Als die Konflikte zunahmen, wird die Stimmung bedrückter und ernster, doch der Ton und die Leichtigkeit mit der die Autorin die Geschichte Vivians erzählt bleibt ermunternd und hoffnungsvoll. Trotz des Übergangs von anfänglich aufregenden Erlebnissen zu den zwischenzeitlich dunkleren Momenten des Lebens, bleibt Vivian sich treu und lernt aus ihren Erfahrungen und über sich hinauszuwachsen. Die Nebencharaktere sind ebenfalls gut ausgearbeitet und abgerundet.

Dieser Roman blüht durch seine lebendigen Beschreibungen und der Energie ihrer Figuren. Er ist witzig, versteckt hier und da einige Weisheiten und inspiriert und fasziniert durch die Erkenntnis und der Bedeutung von alltäglichen Abenteuern, der furchtvollen Furchtlosigkeit sich ins Neue zu wagen und tritt offen gegenüber den nicht so schönen Dingen im Leben wie Scham, Trauer und Vergebung, vor allem für sich selbst.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2020

erschütternd ehrlich, ergreifend und menschlich

Miracle Creek
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Ein Jahr ist das Schrecken und die Tragödie her, als die Miracle Submarine, (eine unter Druck stehende Sauerstoffkammer wo Patienten "tauchen", in der Hoffnung Autismus und Behinderungen zu lindern,) Feuer ...

Ein Jahr ist das Schrecken und die Tragödie her, als die Miracle Submarine, (eine unter Druck stehende Sauerstoffkammer wo Patienten "tauchen", in der Hoffnung Autismus und Behinderungen zu lindern,) Feuer fachte und dabei einen jungen Patienten und die Mutter einer weiteren Patientin das Leben nahm. Auch die Tochter des Paares, das die experimentelle Behandlung durchführt ist verletzt und der Vater paralysiert. Die Mutter des toten Jungen wird des Mordes angeklagt.

Das Buch ist eingeteilt in vier Tage eines Gerichtsprozesses und während dieser Tage wechseln die Perspektiven zwischen den involvierten Personen. Im Verlauf des Prozesses werden Geheimnisse, Lügen und Rivalitäten aufgedeckt, während kleinere zunächst belanglose Handlungen plötzlich eine Bedeutung bekommen.

Immer wenn ich das Gefühl hatte, dem Brandstifter näher zu kommen, präsentierte mir die Autorin mehr Geheimnisse und Motive anderer Figuren, die für den Vorfall verantwortlich sein könnten. Es besteht ein stetiger Spannungsschlag und diese Emotionalität mit der der Leser von den Charakteren konfrontiert wird ist erschütternd real und lässt mitfühlen. Diese Geschichte ist mehr als nur ein Mordprozess.

Kim hat es geschafft, dass ich mit mir anfänglich suspekten Charakteren sympathisiere. Ihre Figuren sind unglaublich fein geformt, voller verschiedener Ebenen und Gefühlen. Die dargestellte Sorge, Wut, Verzweiflung und Angst mit der jeder der Figuren ihre Situation bewältigt ist authentisch und so menschlich. Die Bereitschaft und die Stärke die die Eltern ihren Kindern geben, um ihnen Gesundheit und Glück zu ermöglichen, ist beeindruckend. Sie vergraben dabei ihre eigenen Bedürfnisse, gehen unglaubliche Weiten, über aufwändige Anstrengungen und Herausforderung, und müssen mit Urteilungen von eigenem Kreis und von Fremden umgehen. Eltern von Kindern mit besonderen Bedürfnissen werden jeden Tag mit Schwierigkeiten konfrontiert. Das Leben und die Umstände drumherum sind oft chaotischer als es zu sein scheint und das hat die Autorin hier herausragend erarbeitet.

Miracle Creek ist nicht nur tiefgreifend wenn es um die Liebe und die Länge geht, die Eltern bereit sind einzugehen, um das eigene Kind zu schützen. Als Eltern ist es genauso wichtig moralische Beispiele zu setzen, um dem Kind Rechenschaftspflichten zu vermitteln. Das wurde auch hier geschafft und man beobachtet wahre, ehrliche Stärke und das Wachsen von Charakteren. Es geht hier auch um die eigene Identität, wie es ist ein Immigrant zu sein und die Fetischisierung von asiatischen Frauen, Kommunikation zwischen Ehepartnern und die Verteilung von Geschlechterrollen. Diese Themen wurden intelligent hineingewoben und machen nachdenklich.

Es hatte was von Celeste Ng's "Kleine Feuer überall" was das Mysteriöse und familiäre Beziehungen anging, doch ist es auf seine ganz eigene Art einzigartig, was die Hintergrundkulisse und die Handlung angeht. Die Prämisse ist ungewöhnlich und ich bin überrascht, dass dies ein Debütroman ist. Die Sprache an der sich die Autorin bedient ist exquisit und sie schafft eine Balance zwischen dem Drama im Gericht und den persönlichen Problemen ihrer Figuren. Die Beschreibungen, die Charakterentwicklung und die Spannung waren wie die eines erfahrenen Schriftstellers.

Das Buch ist weitaus komplexer, komplizierter und überzeugender, als es zunächst scheint. Ein spannender Mix aus Gerichtsdrama und Mytserythriller, zugleich aber auch eine Geschichte über die Gesellschaft und Identitäten, Anpassungsproblemen von Immigranten in einem neuen Land, Familiendynamiken, Elternschaft, und es öffnet einen Dialog über die Vor- und Beurteilungen von Menschen, die nicht den Normen der Gesellschaft entsprechen. Ein erschütternd ehrliches und menschliches Debüt!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2020

durchschnittlich und nicht wirklich berührend

Rendezvous in zehn Jahren
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Ich wollte eine romantische Liebesgeschichte mit Hoffen und Bangen und Lachen und Freude, wurde hiermit aber nicht bedient. Der Klappentext deutet auf totale Sehnsucht und Romantik hin, doch von dem verspüre ...

Ich wollte eine romantische Liebesgeschichte mit Hoffen und Bangen und Lachen und Freude, wurde hiermit aber nicht bedient. Der Klappentext deutet auf totale Sehnsucht und Romantik hin, doch von dem verspüre ich hier leider wenig. Was mich zu Beginn schon genervt hat war, wie häufig die Autorin den Namen der Protagonistin erwähnt hat. Die Sprache und der Schreibstil sind sehr schlicht und einfach. Auf manchen Seiten klang es sogar, als würde man die Geschichte so simpel erzählen, damit auch Kinder sie verstehen würden. Die Formulierungen waren teils komplizierter als sie sein mussten, gleichzeitig aber wieder so lasch, dass es keinen Spaß gemacht hat das Buch zu lesen.

Die Geschichte ist ziemlich vorhersehbar und obwohl verpasste Gelegenheiten und gemeinsame Momente mich sonst trotzdem begeistern können, konnte mich das Buch hier nicht überzeugen. Es ist alles sehr lapidar und durchschnittlich, teilweise sehr oberflächlich angeschnitten. Es fehlt eine gewisse Tiefe und die Entwicklung der Charaktere, welche ebenfalls flach und langweilig sind. Die wechselnden Perspektiven in der die Geschichte erzählt wird hat mich hin und wieder vergessen lassen, wie unsympathisch und kindisch Valerie mir eigentlich erscheint. Was die Perspektive aus den Nebenfiguren soll verstehe ich immer noch nicht. Es schien mir, als wollte man mit den zusätzlichen Handlungssträngen, die übrigens ebenfalls nur angeschnitten wurden, nur Seiten füllen. Das Buch war länger als es hätte sein müssen für den wenigen Inhalt den es erbracht hat.

Von der Idee her ist es nichts Neues, doch man hätte da viel mehr rausholen können. Ich war negativ überrascht und enttäuscht über fehlenden Tiefgang, Erarbeitung der Figuren und vom Schreibstil. Die fehlende Chemie zwischen den beiden Protagonisten ließ die Handlung eher nach einer Schnitzeljagd aussehen. Es war weder charmant, noch witzig oder romantisch, sondern nur trüb und stumpf.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.03.2020

Dante

Dankbarkeiten
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“Man muss kämpfen. Um jedes Wort. Jeden Zentimeter. Nichts aufgeben. Keine Silbe, keinen Konsonanten. Was bleibt, wenn die Sprache nicht mehr da ist?“

In diesem überschaubaren Roman schafft De Vigan ...

“Man muss kämpfen. Um jedes Wort. Jeden Zentimeter. Nichts aufgeben. Keine Silbe, keinen Konsonanten. Was bleibt, wenn die Sprache nicht mehr da ist?“

In diesem überschaubaren Roman schafft De Vigan es zu berühren und bringt zu verstehen, wie bedeutsam und befreiend es sein kann, seine Dankbarkeit und Wertschätzung bewusst zu äußern, bevor die Zeit uns einholt. Aus drei Blickwinkeln erfahren wir, wie flüchtig uns der Gedanke der Dankbarkeit erscheint, bis wir damit konfrontiert werden, uns mit dem auseinanderzusetzen, was wir im Stillen mit uns getragen haben.

Trotz ihres Leidens an Paraphrasie, dem Verlust der Worte und die Enge die die Protagonistin Michka widerfährt, seit sie nicht mehr selbstständig für sich sorgen kann und in einem Seniorenheim lebt, ist die bemerkenswerte starke Frau charmant und lebendig. Ihr Wortschatz und die Kontrolle verschmälern sich, doch ihr Esprit und ihre Persönlichkeit bleiben bis zu den letzten Seiten erhalten, welche ebenfalls auf Marie und Jérome abfärben.

Die Themen sind ernst, doch die Geschichte hat auch simple und schöne Momente, und bringt ein hervorragendes Zusammenspiel von Charakteren. Es erzählt vom Älterwerden, dem Verlust der Selbstbestimmtheit und ist geprägt von allem was wir mit uns tragen und noch mitteilen wollen.

Das Buch ist poetisch und echt, einfach in seiner Sprache und dennoch mitreißend. In wenigen Sätzen und in einem schmalen Rahmen entsteht eine Atmosphäre von Mitgefühl und Zuneigung, von Traurigkeit und Hoffnung. Was zählt, was bewegt und was bleibt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2020

Inspirierende Reihe

Hannah Arendt
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Die Buchreihe Little People, Big Dreams gehört zu meinen liebsten Reihen für kleine Leser. Die bunten Seiten mit liebevollen Illustrationen widmen sich wie immer einer Person der Geschichte, die Courage ...

Die Buchreihe Little People, Big Dreams gehört zu meinen liebsten Reihen für kleine Leser. Die bunten Seiten mit liebevollen Illustrationen widmen sich wie immer einer Person der Geschichte, die Courage und Ehrgeiz besitzt, ihrem Traum nachzugehen.

In diesem Fall wird über das Leben der Hannah Arendt erzählt. Die Texte sind kurz und überschaubar, kindgerecht geschrieben und die dazu abgebildeten Zeichnungen sind wirklich wundervoll. Es wird sich auf das Wesentliche konzentriert und man bekommt in wenigen Seiten einen guten Eindruck über Hannah und ihr Leben. Den Zeitstrahl auf der letzten Seite mit einer ausführlicheren Zusammenfassung und was man zusätzlich noch über die Philosophin lernen kann finde ich sehr gelungen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere