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Veröffentlicht am 08.03.2020

Starkes Debüt - starker Auftakt!

Eloise 1: Hinter den Mauern des Feindes
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Die besten Bücher sind doch die, die unterhaltend sind und gleichzeitig etwas zu sagen haben. Das eine grenzt das andere nicht aus, auch wenn viele das scheinbar glauben. „Eloise“ ist das perfekte Beispiel ...

Die besten Bücher sind doch die, die unterhaltend sind und gleichzeitig etwas zu sagen haben. Das eine grenzt das andere nicht aus, auch wenn viele das scheinbar glauben. „Eloise“ ist das perfekte Beispiel dafür, dass beides geht.

Gleich zu Beginn des Buchs merkt man, dass diese Geschichte wirklich etwas bedeutet. Die ganze Atmosphäre ist angespannt, drückend und fühlt sich beinahe apokalyptisch an. Es braucht eine Weile bis ein Bild der Welt besteht, in der sich die Geschichte abspielt, aber das fand ich sehr sinnvoll. So kann man jede neue Information tatsächlich verarbeiten und wird nicht mit aneinandergereihten Fakten überladen. Ich war beeindruckt, wie genau ich mir die Welt anhand der Beschreibungen vorstellen konnte, weil ich mich damit normalerweise eher schwertue. Es war aber so detailliert, so nuanciert und logisch aufgebaut, dass ich super schnell in der Welt gefangen war.

Ähnlich ging es mir mit den Figuren, vor allem natürlich mit der Protagonistin Eloise. Ihre Beweggründe sind glasklar und vollkommen nachvollziehbar. Ich mag es, wenn man nicht von Anfang an alles über eine Person weiß, schließlich ist das einfach unrealistisch. Daher mochte ich es sehr, dass man von Eloises Vergangenheit erst nach und nach erfährt. Auch die Umstände, wie was rauskommt, sind gut durchdacht und passen in den Kontext. Zu Beginn war ich etwas skeptisch, weil Eloise gerade einmal 19 Jahre alt ist und wirklich unfassbar erwachsen wirkt. Allerdings ist das durch die äußeren Umstände und ihre persönliche Geschichte sehr logisch, was mich schließlich ebenfalls überzeugt hat.

Die zweite wichtige Person ist der Mann mit Herz. Das ist eine wahnsinnig interessante Person. Aus tiefstem Herzen gut, unheimlich intelligent und von einer ungewöhnlichen Präsenz. Ich weiß nicht, wie die Autorin das geschafft hat, aber ich hatte das Gefühl, er würde jeden Moment einfach vor mir stehen. Falls jemand sich fragt, wie Männer Männer sein können, ohne der toxic masculinity zu frönen: Hier, bitte schön, der Mann mit Herz macht’s vor!

Die beiden haben eine großartige Dynamik. Sie verstehen sich auf eine sehr glaubhafte Art, auch wenn sie augenscheinlich unterschiedlichen Lagern angehören und einander skeptisch gegenüber sind. Was ich sagen muss, ist, dass beide Figuren einzeln aber gerade auch zusammen unheimlich reflektiert sind. Das hat mich manchmal etwas stutzig gemacht, weil es sehr oft zur Sprache kommt. Sie begreifen das große Gesamtbild dermaßen gut und denken aktiv über die Struktur ihrer Umwelt nach, dass es zwischendurch etwas viel wirkt. Allerdings passt es in den Gesamtkontext eindeutig rein. Das Besondere ist dabei aber, dass die beiden eher als Vorbild dienen, anstatt dass man sich sehr gut mit ihnen identifizieren kann. Und genau das ist schließlich auch Eloises Rolle in ihrer Welt. Wenn man das akzeptieren kann, fordert Eloise einen heraus, nachzudenken, über sich selbst, über Zusammenhänge und über die Welt.

Zu guter Letzt bleibt zu sagen, dass mich „Eloise“ vollständig überzeugt hat. Abgesehen von dem recht flüssigen Schreibstil von Jessica Wismar, spürt man vor allem, dass dieses Buch ihr am Herzen liegt und sie etwas zu sagen hat. Es ist also an uns, zuzuhören.

  • Cover
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  • Handlung
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Veröffentlicht am 18.12.2019

Frisch und wunderbar

Finde mich. Jetzt
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In dem riesigen Dschungel aus neuen New-Adult-Romanen ist „Finde Mich. Jetzt“ eine gelungene und erfrischende Abwechslung, die nicht nur eine schöne Liebesgeschichte erzählt, sondern auch von Freundschaft, ...

In dem riesigen Dschungel aus neuen New-Adult-Romanen ist „Finde Mich. Jetzt“ eine gelungene und erfrischende Abwechslung, die nicht nur eine schöne Liebesgeschichte erzählt, sondern auch von Freundschaft, Vergebung und Neubeginn.

Um Literatur zu studieren, aber vor allem um weit weg von ihren Eltern zu sein, zieht Tamsin nach Kalifornien. Mit vielen schönen Details erfahren wir, wie sie ihre Wohnung einrichtet, welche Bücher sie dabei hat und wie sie sich mit ihrem besten Freund Sam trifft, der ebenfalls in Pearley wohnt. Um ihre Kaffeesucht zu befriedigen, geht Tamsin in das kleine Café direkt gegenüber ihres Wohnhauses. Auch die Einrichtung und Atmosphäre dort beschreibt Kathinka Engel sehr schön, sodass man sich richtig wohlfühlt beim Lesen.

Tamsin trifft in dem Café auf Rhys, der eben erst aus dem Gefängnis entlassen wurde. Von Tamsins Geplapper und ihrer guten Laune ist er vollkommen überrumpelt, wovon sie sich allerdings nur wenig beeindrucken lässt. Dieses erste Aufeinandertreffen der beiden ist super witzig beschrieben, die Interaktion sehr lebendig und auch die Gedanken der zwei Protagonisten werden gut eingeflochten. Rhys und Tamsin sind zwei wunderbar ausgearbeitete Figuren, die ihre Ecken und Kanten haben, logisch agieren und keinen oberflächlichen Klischees entsprechen. Das ist nicht nur angenehm zu lesen, sondern erleichtert es dem Leser ungemein der Geschichte zu folgen und mit den Figuren mitzufühlen. Auch die Nebenfiguren sind schön, keine von ihnen ist überzeichnet. Sie kommen mit den eingeführten Charaktereigenschaften gut aus, ohne dass dem Leser seltsame Details um die Ohren gehauen werden, weil man sich sonst ihre Namen nicht merken kann.

Was mir besonders gut gefallen hat, war die Dynamik zwischen Tamsin und Rhys. Es gibt kein unnötiges Drama, die beiden gehen offen miteinander um und aus einer Mücke wird ausnahmsweise mal kein Elefant gemacht. Ja, so ein Roman kann auch so funktionieren, vollkommen ohne Übertreibung. Tamsin erweist sich als sehr rücksichtsvoll, gibt Rhys genug Raum sich an seine neugewonnene Freiheit zu gewöhnen. Dabei gibt es die eine oder andere wirklich witzige Situation, die einen zum Schmunzeln bringt.

Man merkt, dass Kathinka Engel sich mit Worten und Sprache auskennt. Sie weiß, was sie sagen will und wie sie es sagen will. Ihre Liebe zur Literatur ist greifbar und wundervoll. Das habe ich an dem Buch wirklich total geliebt. Sie beschreibt ihre Figuren, die Orte und Gefühle passend und abwechslungsreich, dadurch wird ihre Geschichte lebendig. Ich freue mich sehr auf die Fortsetzung!

  • Cover
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Veröffentlicht am 05.12.2019

Verspricht Fernweh

Show me the Stars
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Wenn man nichts mehr hat, was einen irgendwo hält, stehen einem alle Türen offen. Als Liv ihren Job verliert, beschließt sie kurzerhand Hamburg zu verlassen. Einen Freund hat sie nicht, Freunde auch nicht ...

Wenn man nichts mehr hat, was einen irgendwo hält, stehen einem alle Türen offen. Als Liv ihren Job verliert, beschließt sie kurzerhand Hamburg zu verlassen. Einen Freund hat sie nicht, Freunde auch nicht wirklich und der Kontakt zu ihrer Mutter ist eher erzwungen. Warum also nicht?

Liv findet eine Stellenanzeige, in der jemand gesucht wird, der ein halbes Jahr lang auf einen Leuchtturm aufpasst. In Irland. Auf einer winzigen Insel. Ehrlich gesagt, war genau diese Idee für mich der Grund, dieses Buch überhaupt erst zu lesen. In dieser Form kannte ich sowas bisher nicht, außerdem ist Irland einfach ein wunderschönes Land, ein Leuchtturm ein ganz klarer Sehnsuchtsort.

Liv wirkt manchmal ein wenig älter als sie ist, was aber hinsichtlich ihres mangelnden Verhältnisses zu ihrer Mutter sehr nachvollziehbar ist. Deswegen fand ich es aber auch nicht unlogisch, dass sie sich traut, diesen Schritt zu gehen und ein halbes Jahr in Irland zu verbringen. Sie ist sehr klug und kreativ, das kommt sehr schön rüber. Ihre Panik vor der Dunkelheit ist logisch aufgebaut und wirkt für mich weder erzwungen, noch übertrieben. Auch, wie sie beschließt, ihre Angst zu überwinden, passt zu Liv. Die Protagonistin ist einfach durchweg sympathisch, sie wäre wirklich eine Person, mit der ich befreundet sein könnte. Im Gegensatz zu vielen anderen Figuren (gerade bei NA-Romanen) hat sie keine seltsamen Angewohnheiten, ist nicht wahnsinnig unsicher oder hat sonst eine Eigenschaft, von der jemand dachte, die Figur bräuchte sie. Ich mochte Liv einfach wirklich sehr gerne.

Ihre Geschichte, wie sie ihren Job verloren hat und das Gefühl, dass sie zuhause eigentlich nichts mehr hält, hat mir gut gefallen. Sie hat einfach die Gelegenheit genutzt, um sich über sich selbst und ihre Wünsche klar zu werden. Ohne Eis, ohne Liebesschnulzen, ohne tagelanges Nicht-duschen. Ihre Reaktionen sind authentisch und wie ich finde, auch etwas, woran man sich ein Beispiel nehmen kann.

Das aber wohl Beste an dem Buch ist die Kulisse Irlands. Für mich gibt es kaum ein schöneres Land und ich habe beim Lesen unfassbares Fernweh bekommen. Die Weite des Meeres, das Rauschen des Windes und der Wellen habe ich fast schon selbst gehört, so toll beschreibt Kira Mohn die Umgebung. Dass Liv völlig fasziniert von ihrem neuen Zuhause ist, verwundert da kein bisschen!

Aber bei all den positiven Punkten, gab es für mich doch auch etwas, was ich nicht so gut fand. Zum einen war das Kjer, der männliche Protagonist. Alle Figuren sind wirklich schön erzählt und sehr sympathisch bzw. unsympathisch, wenn sie so rüberkommen sollten. Auch Kjer, allerdings ist er doch sehr klassisch gehalten: muskulös, schöne Augen, tolle Haare. Ja, klar, das ist hübsch anzusehen, aber doch hat mir bei ihm etwas Tiefe gefehlt. Außerdem fand ich es wirklich sehr schade, dass gar nicht auf seinen irischen Akzent eingegangen wurde. Auch wenn Liv offenbar sehr gut Englisch kann, ist es nicht sehr glaubhaft, dass sie diesen nicht mal wirklich zu bemerken scheint. Vor allem in einem überfüllten Pub und mit Alkohol hätte es nur Sinn gemacht, das mal zu erwähnen. Das ist irgendwie eine verschenkte Gelegenheit.

Die Liebesgeschichte selbst war nicht wirklich was Besonderes, finde ich. Ganz ehrlich gesagt, glaube ich sogar, dass mir das Buch ohne besser gefallen hätte. Livs Geschichte alleine war so interessant, da hätte es keinen Love Interest in dieser Form gebraucht. Es ist nicht verkehrt und stört auch nicht, aber trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Liebesgeschichte eher ein Nachtrag war als Kern des ganzen Romans, was ich sehr schade finde. Ich wundere mich darüber, weil es eindeutig nicht am Talent der Autorin liegt, dafür sind alle anderen Punkte zu gut geplottet und auserzählt.

Insgesamt fand ich „Show Me the Stars“ sehr schön zu lesen. Es war flüssig, die Geschichte machte Sinn und vor allem die Atmosphäre hat mich wirklich überzeugt. Nur die Liebesgeschichte hat sich nicht so eingeprägt, wie sie es vielleicht hätte sollen. Wer aber einfach einen schönen Leseabend verbringen möchte, der liegt hier auf jeden Fall nicht verkehrt!

  • Cover
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Veröffentlicht am 25.11.2019

Die inspirierende Geschichte einer starken Frau

Frida Kahlo und die Farben des Lebens
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Seit ich in der 10. Klasse im Spanischunterricht von Frida Kahlo und Diego Rivera gehört habe, war ich fasziniert von diesen beiden Ausnahmekünstlern. Besonders Frida, die nach so vielen Schicksalsschlägen ...

Seit ich in der 10. Klasse im Spanischunterricht von Frida Kahlo und Diego Rivera gehört habe, war ich fasziniert von diesen beiden Ausnahmekünstlern. Besonders Frida, die nach so vielen Schicksalsschlägen immer noch so ausdrucksstarke Kunst geschaffen hat, hat mir wahnsinnig imponiert.

Caroline Bernards Roman „Frida Kahlo und die Farben des Lebens“ erzählt ihre Geschichte. Angefangen bei der jungen Frida, die bei einem Busunfall so schwer verletzt wird, dass sie monatelang im Bett liegen muss und ihr ganzen Leben lang mit den Folgen zu kämpfen haben wird. Jede Etappe ihres ereignisreichen Lebens ist detailliert aufgearbeitet, nie verliert das Buch an Sogkraft.

Ganz besonders das Emotionale kommt in dem Roman super rüber. Man kann Fridas Glück, ihre Verzweiflung, ihren Schmerz richtig fühlen. Dabei hat man nie das Gefühl, es wäre unecht oder übertrieben. Die Beschreibungen passen perfekt, um den Leser mitzuziehen.

Dazu trägt vor allem auch die Figurencharakterisierung bei. Allen voran Frida ist eine total authentische, lebhafte Figur, deren viele Facetten ausgewogen zum Tragen kommen. Dabei steht nicht im Vordergrund, dass sie immer sympathisch ist, sondern ihre Authentizität. Egal, was sie sagt oder tut, es ist überzeugend und für ihre Person nachvollziehbar. Das Zusammenspiel mit den anderen Figuren, ihrer Familie zum Beispiel, ist sehr schön. Auch hier kommt es zu tollen, gefühlvollen, aber auch witzigen Dialogen und Situationen.

Die Beziehung zu Diego Rivera ist neben Fridas Kunst das Hauptthema des Buchs. Genauer gesagt, ihr Einfluss auf Frida selbst. Diese war von vielen Hochs und Tiefs geprägt, was die Autorin meiner Meinung nach sehr gut wiedergegeben hat. Dabei hat sie es geschafft, dass man mit Frida wirklich mitfühlt. Man versteht, was sie an Diego so anziehend findet, warum sie sich so unsterblich in ihn verliebt hat. Gleichzeitig versteht man auch, warum Frida sich von Diego zurückzieht, wie verletzt sie sich von ihm fühlt. Das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Richtungen ist schwierig, aber toll gelungen. Fridas innerer Konflikt wird greifbar.

Diese Greifbarkeit verkörpert sich in ihrer Kunst. Ich habe mich sehr gefreut, dass ihre Bilder sehr oft detailliert beschrieben werden. Der Schaffungsprozess, die Inspiration hinter der Kunst und wie sich Frida langsam zu einer selbstbewussten Malerin entwickelt, die für ein ganzes Land einsteht.

„Frida Kahlo und die Farben des Lebens“ erzählt die Lebensgeschichte der Ausnahmemalerin emotional, detailliert und authentisch nach. Es entwickelt einen wunderbaren Sog, der das Buch zu einem richtigen Leseerlebnis macht. Meiner Meinung nach wird der Roman dem facettenreichen Leben der Malerin tatsächlich gerecht und besticht durch beeindruckende Recherche, emotionale innere Konflikte und ausgearbeitete Figuren.

Veröffentlicht am 25.11.2019

Ein tolles und wichtiges Buch!

Bis es Sterne regnet
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Unzählige Mädchen träumen davon, Primaballerina zu werden. Sie gehen zum Ballettunterricht, lernen Tanzschritte, trainieren hart. Doch nur für wenige wird der Traum wahr, denn es gibt einfach zu viele ...

Unzählige Mädchen träumen davon, Primaballerina zu werden. Sie gehen zum Ballettunterricht, lernen Tanzschritte, trainieren hart. Doch nur für wenige wird der Traum wahr, denn es gibt einfach zu viele Einschränkungen, die es einem erschweren.
Juri ist ein grandioser Tänzer und wird an einer der weltweit renommiertesten Schulen in New York aufgenommen. Dort wird ihm Mae als Tanzpartnerin zugeteilt und wie es natürlich kommen muss, verlieben die beiden sich ineinander. Das wars dann aber auch schon mit den Klischees.

Ava Blum erzählt in „Bis er Sterne regnet“ von Juri, dem Sohn einer gefeierten Balletttänzerin, der in ihre Fußstapfen treten möchte und ebenso erfolgreicher Tänzer werden will. Damit dreht die Autorin kurzerhand das Klischee des tanzenden Mädchens um und hat nicht nur einen männlichen Balletttänzer erschaffen, sondern ihn auch noch zum Fokus der Geschichte gemacht – etwas, das im New Adult Genre nicht sehr häufig vorkommt.

Zwar spielt die Geschichte in NYC, Juri ist allerdings Russe, Sohn einer alleinerziehenden Karrierefrau und zieht nach deren Tod nach New York zu seinem Vater, den er kaum kennt und noch weniger schätzt. Auch hier trifft Juri auf eine berufstätige Frau und Mutter, Kate, und deren Tochter Sara, mit der Juri sich sehr gut versteht.

Das Vorurteil der hungernden Tänzer begegnet Ava Blum bewusst. Immer wieder wird das Thema aufgegriffen, aber so, dass dem Leser klar wird, das an diesem Vorurteil nichts dran ist. Gesundes Essen, ausreichende Kalorienzufuhr und sogar die Kontrolle des Gewichts durch die Academy unterstreichen die Wichtigkeit der Gesundheit der Tänzer.

Der wohl stärkste Bruch mit dem Klischee ist aber die Thematik der sexuellen Belästigung in „Bis es Sterne regnet“. Auch wenn statistisch gesehen, häufiger Frauen die Opfer sind, kommt es natürlich auch vor, dass Männer belästigt werden – eine Tatsache, die scheinbar oftmals vergessen oder unter den Tisch gekehrt wird. Schon zu Beginn seiner Ausbildung wird Juri von einem seiner Dozenten belästigt, es spitzt sich immer weiter zu. Die Entscheidung, dies in ihrer Geschichte zu thematisieren, finde ich sehr gut. Es ist an sich schon ein wahnsinnig wichtiges Thema, welches zu oft als Tabu angesehen wird. Damit außerdem noch ein Klischee zu brechen, ist wirklich toll.

Dabei gelingt es Ava Blum besonders Juris inneren Konflikt zu beschreiben. Auf der einen Seite, möchte er der starke Mann sein, der über solchen Dingen steht, auf der anderen Seite fühlt er sich hilflos und ist verzweifelt. Diese Zerrissenheit kommt gut rüber und ist ebenso wie die allgemeinen Charakterzüge der Figuren schön gezeichnet.

Alles in Allem, ist „Bis es Sterne regnet“ eine schöne Liebesgeschichte, die aber noch viel mehr zu bieten hat, als es vielleicht im ersten Moment den Anschein hat. Ein tolles und wichtiges Buch!