Profilbild von thenerdybookbird

thenerdybookbird

Lesejury Profi
online

thenerdybookbird ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit thenerdybookbird über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.08.2021

Das Schicksal wird seine Gründe haben..oder nicht?

Gefallene Helden
0

Der Forstmann Aaslo wächst zusammen mit seinem besten Freund Mathias im kleinen Dorf Goldenwald auf. Jahrelang werden sie von Groma, Mathias Großmutter im Kampf unterrichtet und auf eine uralte Prophezeiung ...

Der Forstmann Aaslo wächst zusammen mit seinem besten Freund Mathias im kleinen Dorf Goldenwald auf. Jahrelang werden sie von Groma, Mathias Großmutter im Kampf unterrichtet und auf eine uralte Prophezeiung vorbereitet. Als der Tag der Prophezeiung endlich gekommen ist und Mathias als der Auserwählte sich auf den Weg macht, das drohende unheilvolle Schicksal der Menschheit abzuwehren, gerät er des Nachts in einen Hinterhalt und wird hinterrücks ermordet. Nun liegt das Schicksal dieser Welt in den Händen der Zweitbesetzung, die nie damit gerechnet hat, eine solche Aufgabe erfüllen zu müssen. Vorhang auf für den Forstmann Aaslo.

Schon der Klappentext machte mich sehr neugierig auf dieses Buch, da es sich nach einer sehr ungewöhnlichen Geschichte angehört hat. In den meisten Geschichten zieht der Auserwählte los, um sein Schicksal zu erfüllen und die Menschheit zu retten. Nicht so in dieser Geschichte. Es dauert nur wenige Seiten, bis der Auserwählte sein Leben aushaucht und an seine Stelle Aaslo treten muss. An dem Punkt, an dem die meisten Erzählungen ihr Ende finden würden, da die Welt nun dem Untergang geweiht ist, geht die Geschichte in diesem Buch einfach weiter und ich fand es großartig!

Vor allem da die Geschichte sehr humorvoll erzählt wird. Zwar kann Mathias die Prophezeiung nicht mehr selbst erfüllen, aber er steht als sprechender Kopf seinem Freund Aaslo mit Rat und Tat zur Seite. Zwar kann niemand außer Aaslo den sprechenden Kopf hören, aber das hält ihn nicht davon ab, sich in munteren Diskussionen mit ihm zu verstricken. Zudem wird Aaslo nach und nach, wie es sich für einen richtigen Auserwählten in Ausbildung gehört, von einigen Gefährten begleitet. Am Anfang ist es nur sein treues Schlachtross Trottel, dass einen sehr eigenwilligen Charakter hat und wahrscheinlich mehr als einmal von einem Pferde-Wickeltisch gefallen ist, aber nach einer Weile gesellen sich auch eine Magierin, zwei Diebe und ein Prophet zu seiner Gruppe. Gerade die Auseinandersetzungen und Diskussionen in der Gruppe sind einfach göttlich und spätestens als der Prophet auftaucht, konnte ich nur noch mit einem fetten Grinsen weiterlesen.

Dabei sind die Gefährten noch lange nicht das beste der Geschichte, denn wir erleben das Schicksal der Welt auch aus der Perspektive der Gottheiten, die dafür verantwortlich sind. Denn eine alte Fehde zwischen zwei Gottheiten führt zu dem ganzen Schlamassel, mit dem sich nun Aaslo und seine Gefährten konfrontiert sehen. Aber sie sind dabei nicht allein, sondern bekommen auch aus der Götterwelt Unterstützung. Am Anfang noch unbeabsichtigt verfolgt die Schnitterin Myropa das Schicksal von Aaslo und möchte unbedingt wissen, wie die Geschichte für ihn endet. Zwar ist eigentlich ihre Aufgabe, die Seele von Verstorbenen in den Weltenfluss zu bringen, aber das Schicksal der ganzen Welt ist natürlich weitaus interessanter. Zudem kann sie so auch manchmal den Tod von Kameraden verzögern, damit sie vielleicht doch noch gerettet werden können.

Mein Lieblingscharakter war auf jeden Fall Myropa. Sie war mir direkt sympathisch und als ob ich es geahnt habe, ist ihre Rolle in der ganzen Geschichte weitaus größer und bedeutender, als man noch am Anfang geahnt hat. Ich bin auf jeden Fall so gespannt auf den zweiten Band, denn der erste endet mit einem fiesen Cliffhanger.

Darum bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich jedem dieses Buch empfehlen kann, der eine fantastische und lustige Geschichte über eine Prophezeiung lesen möchte, die dieses Mal von der Zweitbesetzung erfüllt werden muss. Ein Hoch auf die Zweitbesetzung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.08.2021

Entfernung trennt die Menschen nicht voneinander. Schweigen tut es.

König und Meister
0

Ada Königs Leben wirkt geordnet, aber sie selbst ist mehr als verloren. Als sie ihr Vater zu einem Abendessen einlädt, weil er ihr unbedingt etwas Wichtiges sagen muss, sagt sie zu, aber ist nicht mit ...

Ada Königs Leben wirkt geordnet, aber sie selbst ist mehr als verloren. Als sie ihr Vater zu einem Abendessen einlädt, weil er ihr unbedingt etwas Wichtiges sagen muss, sagt sie zu, aber ist nicht mit dem Herzen dabei. Sie streiten sich mehr, als sie einander zuhören und auf der Rückfahrt passiert es dann: Ein tragischer Unfall versetzt Adas Vater ins Koma und Ada bleibt mit mehr Fragen als Antworten zurück. Was war diese eine wichtige Sache, die ihr Vater ihr unbedingt sagen wollte und warum sieht sie nach diesem Unfall nun überall einen verbrannten Mann?

Ich fand die Geschichte der Ada König durchweg spannend. Am Anfang weiß man noch nicht recht, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird, aber spätestens nach dem tragischen Unfall von Ada und ihrem Vater nimmt die Geschichte zunehmend an Fahrt auf. Dieses einschneidende Erlebnis ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, und schon bald merkt Ada, dass das Geheimnis ihres Vaters in ihrer Vergangenheit liegt. So deckt Ada nach und nach Vorkommnisse auf, die sich in ihrer Kindheit ereignet haben, die sie aber damals nicht als solche wahrgenommen hat und über allem steht die Frage „was ist damals wirklich passiert?“.

Auf der Suche nach der Wahrheit und was damals wirklich passiert ist, taucht auch ihre Mutter auf, die sich vor einigen Jahren von ihrem Vater getrennt und sich für ihre Karriere entschieden hat. Ada sehnt sich in der schweren Zeit ohne ihren Vater nach einer Mutter, die ihr wieder Mut zuspricht, aber ihre Mutter kann nicht über ihren Schatten springen. Sie selbst hat einige Probleme zu bewältigen und fühlt sich in ihrem alten Leben überhaupt nicht mehr wohl, sodass sie Ada einfach keine Mutter sein kann. Allerdings fand ich die auftauchenden Konflikte der beiden gut umgesetzt und nachvollziehbar. Man leidet in gewisser Weise mit den beiden, die verlernt haben, sich einander zuzuhören. Zudem werden innerhalb dieses Konflikts auch ernste Themen angesprochen wie z.B. die Krankheit Bulimie.

Allerdings steht Ada nicht gänzlich allein da, sondern wird nach kurzer Zeit vom Obdachlosen Elvis mehr oder weniger unterstützt. Er versteht Adas Gefühlswelt und verschafft ihr einen anderen Blickwinkel auf die Dinge. Manchmal ist eben nichts so, wie es auf den ersten Blick erscheint. Die Freundschaft der beiden empfand ich als schönen Lichtblick zwischen den ganzen dunklen Geheimnissen, die um Ada herumschwirren.

Ebenso fand ich die Atmosphäre des Buches großartig. Immer wieder tauchen beunruhigende Kapitel über einen mordenden Walnussbaum namens Meister auf oder Ada wird von einem verbrannten Mann verfolgt, der ihr Aufgaben stellt, um ihre Seele zu retten. Diese Kapitel haben mich stets motiviert weiterzulesen, da ich unbedingt wissen wollte, was hinter alldem steckt. Die Auflösung des ganzen Rätsels fand ich schön gelöst und wirkte auf mich sinnig.

Aus diesem Grund kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der einfach nach einem guten Mystery-Thriller sucht über eine Frau, die ihr ganzes Leben vor der Wahrheit, die Augen verschlossen und sich selbst dabei verloren hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.08.2021

Ich bin kein Dieb, ich borge nur von denen, die zu viel besitzen

Stadtflimmern und Kajal
0

Als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahre 2008 wird Robina Hood von einem auf den anderen Tag plötzlich arbeitslos. Obwohl sie ihr Möglichstes versucht, wieder eine Arbeit zu finden, muss sie ...

Als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahre 2008 wird Robina Hood von einem auf den anderen Tag plötzlich arbeitslos. Obwohl sie ihr Möglichstes versucht, wieder eine Arbeit zu finden, muss sie sich bald eingestehen, dass es doch nicht so einfach ist wie anfangs gedacht. Um nicht auch noch ihre Wohnung zu verlieren, beschließt sie sich Geld auf illegaleren Weg zu beschaffen: Sie bestiehlt im Businessviertel einer Großstadt reiche Menschen, um es den Armen und damit ihr zu geben. Allerdings bleiben ihre Raubzüge nicht unbemerkt und schon bald wird sie gesucht..

Ich hatte sehr viel Freude mit der Geschichte der Robina Hood, denn die Geschichte hat es geschafft, mich gut zu unterhalten und ein paar Sorgen des Alltags zu vergessen. Zwar ist diese Geschichte nicht sonderlich komplex, aber sie schafft es dennoch, einen Spannungsbogen aufzubauen in Hinblick darauf, ob die doppelte Identität, die Robina angenommen hat, um unbemerkt die Leute bestehlen zu können, auffallen und wie sie mit der Situation umgehen wird.

Denn die Alternative zu ihren Raubzügen sehen alles andere als rosig aus. So erhält man auch einen Einblick darin, wie es laufen kann, wenn man beim Arbeitsamt vorstellig werden muss. Als wäre es nicht schon genug, seinen Job zu verlieren, bekommt man z.B. auch vorgeschrieben in welcher Wohnung man nur noch leben darf. In diesen Kapiteln hat mir Robina wirklich leidgetan, denn man merkt, dass sie nur widerwillig in ihrer Situation steckt und gerne wieder ein normales Leben hätte.

Sowieso finde ich Robina eine sehr sympathische Person, die aufgeweckt und witzig ist. Allerdings erlebt man diese Seiten erst von ihr als sie den Geschäftsmann Gero kennenlernt. Zwischen den beiden herrscht von Anfang an eine magische Anziehung und ich habe ihr langsames Näherkommen gerne verfolgt.

Neben Gero und Robina gibt es aber auch noch viele andere tolle Charaktere in diesem Buch wie z.B. die Pommesbuden-Besitzerin Marlene, der Besitzer der Steaktafel Falk, die Küchenaushilfe Sven oder der Theaterregisseur Adrian. Sie alle verleihen der Geschichte ihren besonderen Charakter und man würde gerne am Ende des Buches wissen, wie es mit allen weitergehen wird.

Auf jeden Fall die ideale Lektüre für einen schönen Tag am See oder auf dem Balkon, um einfach mal vom Alltag zu entspannen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.12.2020

Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ist ein Ozean

Kaleidra - Wer das Dunkel ruft
0

Nur noch wenige Tage trennen Emilia und ihre besten Freunde Matti und Tizi von ihrem Schulabschluss. Eine ihrer letzten Schulstunden im Fach Geschichte führt sie ins Museo Nazionale Romano. Dort wird das ...

Nur noch wenige Tage trennen Emilia und ihre besten Freunde Matti und Tizi von ihrem Schulabschluss. Eine ihrer letzten Schulstunden im Fach Geschichte führt sie ins Museo Nazionale Romano. Dort wird das sagenumwobene Voynich-Manuskript ausgestellt, dessen Inhalt bis dato noch von keinem Wissenschaftler entschlüsselt werden konnte. Als Emilia jedoch einen Blick auf den Text wirft, kann sie nicht verstehen, warum die anderen diesen Text nicht lesen können. Der Text ist klar und deutlich, in einem altmodischen Stil, aber unverkennbar in ihrer Muttersprache italienisch geschrieben. Als sie ihre Verwirrung kundtut, stößt sie nur auf Unverständnis, ohne zu wissen, dass sie damit die Aufmerksamkeit eines jungen Mannes, der sich im Hintergrund aufhält, auf sich zieht. Schon bald wird Emilia in eine jahrhundertealte Fehde gezogen, dessen Ursprung in einer verbotenen Liebesbeziehung fußt. Wie konnte Emilia da nur hineingeraten?

Am Anfang brauchte ich zunächst meine Zeit, um mit den Charakteren warm zu werden, da sie mir alle etwas „überdreht“ erschienen. Als ich gelesen habe, dass Mariagrazia Visconti ihren Vater selbst als „Paperino“ bezeichnet, der ihrer Principessa nichts abschlagen kann oder von einem Matti gelesen habe, der eine Wette verloren hat und nun fortan ein neongrünes Scrunchie mit glitzernden Einhörnern in seinen Haaren tragen muss, hat dies zunächst sehr schräg auf mich gewirkt, da ich mir nur dachte: „Wer redet so?“. Zum Glück zeigt sich diese Überdrehtheit nur am Anfang und spätestens als Emilia von der Existenz der Gold-Loge erfährt, wird das Buch zunehmend ernster.

Mit dem Ernst zieht auch die Spannung spürbar an. Ich wollte unbedingt wissen, warum Emilia scheinbar die Einzige ist, die das Voynich-Manuskript lesen kann. Zudem wird es ab dem Auftauchen der Gold-Lodge schön mystisch und geheimnisvoll, warten doch jahrhundertealte Geheimnisse darauf, von Emilia entschlüsselt zu werden. Damit entwickelt sich das Buch zu einer spannenden Schatzsuche rund um den Erdball.

Ein weiteres interessantes Element stellen die Kämpfe auf Basis der Alchemie dar. Zwar konnte ich mich in der Schule nie wirklich für Chemie begeistern, dafür empfand ich die Kämpfe zwischen den einzelnen Logen in diesem Buch als äußerst spannend. So kann sich Emilia z.B. nur aus einer Situation retten, da sie es schafft, Chlorgas in harmloses Streusalz zu verwandeln mit Hilfe von Natrium. Gerade diese Kämpfe besitzen viel Potenzial, da sie sehr taktisch sind und von den Kämpfern ein großes Wissen über die chemischen Elemente erfordern. Zudem lernt man als Leser so ganz nebenbei einiges über die Elemente und wie sie miteinander reagieren.

Natürlich darf auch neben der ganzen Schatzsuche rund um das Voynich-Manuskript nicht die Liebe zu kurz kommen. Oder wie man auch immer das bezeichnet, was Ben und Emilia miteinander verbindet. Am besten passt der Spruch „was sich liebt, das neckt sich“ zu ihrer Beziehung. Emilia und Ben schenken sich nichts und geraten wegen jeder Kleinigkeit aneinander. Aber gerade diese Streitereien sind sehr unterhaltsam und lockern die Geschichte auf.

Aus diesem Grund kann ich jedem dieses Buch empfehlen, der eine spannende und wendungsreiche Geschichte rund um das sagenumwobene Voynich-Manuskript sucht, in dessen Zentrum eine ganz normale Schulabsolventin steht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.08.2020

Kleider machen Leute - der Beginn der Berliner Modewelt

Das Lichtenstein
0

Hedi Markwardt arbeitet entgegen dem Wunsch ihrer Mutter Hilde als Ladenmädchen im Warenhaus „Lichtenstein“ in Berlin im Jahre 1913. Am Anfang wird sie noch für kleinere Dienstbotengänge eingesetzt oder ...

Hedi Markwardt arbeitet entgegen dem Wunsch ihrer Mutter Hilde als Ladenmädchen im Warenhaus „Lichtenstein“ in Berlin im Jahre 1913. Am Anfang wird sie noch für kleinere Dienstbotengänge eingesetzt oder darf in der Krawattenabteilung unter Aufsicht von Peter Bernhard den Besen schwingen, aber schon bald wird ihr Talent für Formen und Farben entdeckt, als sie die neue Ware des Zwischenmeisters im Atelier einfach so nach Farben sortiert. Ab dem Zeitpunkt wird Hedi in der Damenbekleidung eingesetzt und bekommt schnell die Aufmerksamkeit von dem Konfektionär Hannes Hallberg, der auch weiterhin ihr Talent fördert. Allerdings stehen dem Lichtenstein nicht nur rosige Zeiten bevor auch in Hinblick auf den nahenden 1. Weltkrieg. Schon bald muss das Personal des Lichtensteins enger zusammenrücken und es zeigt sich, dass es in einer Krise keine Standesunterschiede gibt.

Mir haben besonders beim Lesen des Buches die tiefen Einblicke in die Modegeschichte von Berlin des Jahres 1913 gefallen. Während des Lesens erhält man zahlreiche Hintergrundinformationen, über die Situation der Modewelt in Berlin und wie es Berlin als Modestandort geschafft hat, sich von seinen großen Vorbildern Paris und Mailand zu separieren, um etwas Eigenes zu erschaffen. Es ist eine Geschichte des Aufbruchs und der Neuanfänge.

Dies gilt nicht nur für die Modewelt, sondern auch für die Rolle der Frau zur damaligen Zeit. Der Krieg brachte in allen Bereichen Veränderungen und man musste sich anpassen, um nicht unterzugehen. Allerdings brachte der Krieg nicht nur negative Veränderungen, sondern änderte auch das Bild der Frau in Bezug auf die Arbeitswelt. Am Anfang des Buches erlebt der Leser noch die vorherrschende Meinung über die „arbeitende Frau“ zur damaligen Zeit in Form von der Mutter von Hedi, die meint Hedi solle ja nichts den Nachbarn sagen, dass sie arbeiten gehen würde und sie ja nur arbeiten geht, bis sie verheiratet sei. Auch innerhalb des Warenhauses darf Hedi nur Dienstbotenaufträge ausführen, da eine Frau nicht in den Verkauf gehört. Der Krieg änderte dieses Meinungsbild, da alle gesunden und fähigen Männern an die Front geschickt wurden und große Lücken in der heimischen Wirtschaft verursachten, da ihr Arbeitsplatz unbesetzt blieb. Nur die Frauen blieben übrig und übernahmen behelfsweise auch die Arbeiten der Männer. Eine Sache, die vorher undenkbar war, wurde nun in der Not einfach so umgesetzt und es funktionierte!

Eine Sache, die mir auch besonders gut gefallen hat, sind die verschiedenen Blickwinkel der Frauen, die durch eigene Kapitel Einzug in das Buch gefunden haben. Da wäre zum einen, z.B. Ella Winkler zu nennen. Eine Schauspielerin mit noch mäßigem Erfolg, die aber nie ihren Traum aufgibt und sich nicht von der Männerwelt unterkriegen lässt. Im Kontrast dazu steht Thea Stübner, die nur im Warenhaus Lichtenstein arbeitet, da sie aus ärmlichen Verhältnissen kommt und so auch hofft einen Ehemann zu finden. Eine vermittelnde Rolle nimmt dabei Hedis Mutter Hilde ein. Sie ist in der „alten Welt“ aufgewachsen, aber nach dem Verlust ihres Ehemanns, lernt sie das Leben noch einmal neu kennen und merkt, dass früher doch nicht alles besser war.

Ebenso fand ich das Verhältnis zwischen den Arbeitgebern in Form der Familie Lichtenstein und ihren Arbeitnehmern schön zu Lesen. Die Familie Lichtenstein betrachtet ihre Arbeitnehmer als Teil einer einzigen großen Familie an und setzt sich für ihre Belange ein. Dies empfand ich als sehr herzlich und ist bestimmt auch der Grund, warum das Lichtenstein sich nicht unterkriegen lässt, egal wie groß die Krisen auch sind.

Demnach kann ich nur jedem dieses Buch empfehlen, der etwas über die Anfänge der Berliner Modewelt erfahren und die Gedankenwelt der Kriegsjahre nachvollziehen möchte, um auch zu sehen, welche Auswirkungen diese auf die Modewelt hatten. Ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Band und wie es mit dem Lichtenstein weitergehen wird!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere