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Veröffentlicht am 15.09.2016

Engelsspiel

Engelsspiel
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Klaus Schuker beschreibt in einem leichten und sehr gut lesbaren Stil, das Schicksal eines Mannes der ohne eigene Schuld alles verliert, seine Familie, seinen Job und seine Ehre, dies zusammengenommen ...

Klaus Schuker beschreibt in einem leichten und sehr gut lesbaren Stil, das Schicksal eines Mannes der ohne eigene Schuld alles verliert, seine Familie, seinen Job und seine Ehre, dies zusammengenommen hätte nun ein schmalziger, weinerlicher Roman werden können, oder die Geschichte eines Helden, der mit Edelmut und Tapferkeit seinen guten Ruf wiederherstellt und am Ende alles Verlorene zurückgewinnt. Daniel Schönwind aber ist kein strahlender Held, im Gegenteil, selten habe ich mit einem mir so unsympathischen Protagonisten mit gelitten, gehofft und gebangt das sich seine Unschuld doch noch beweisen lässt.Engelsspiel ist ein Roman ohne Sympathieträger, die 17jährige Janina, möchte man schütteln und zum Nachdenken zwingen, alles was sie tut hat nur einen Zweck, ihr soll es gut gehen, nichts gegen eine gesunde Portion Egoismus, aber skrupellos das Leben eines anderen zu zerstören, zeugt von einem kranken Geist.

Klaus Schuker war, vor seiner Karriere als Schriftsteller, Polizist und so ist der Ablauf der Geschehnisse wie im Buch beschrieben wohl sehr nah an der Realität.

Für Engelsspiel gebe ich gern eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Sturz in die Zukunft

2086 - Sturz in die Zukunft
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Robert A Heinleins erstes Buch wurde erst 2003 veröffentlicht, nachdem es so weit überarbeitet wurde, das es für den Leser auch verständlich ist, zu komplex war wohl das Ursprungswerk. Heinlein stellt ...

Robert A Heinleins erstes Buch wurde erst 2003 veröffentlicht, nachdem es so weit überarbeitet wurde, das es für den Leser auch verständlich ist, zu komplex war wohl das Ursprungswerk. Heinlein stellt seine Gegenwart einer Zukunft gegenüber, wie sie hätte sein können und bei der man sich so manches Mal fragt warum es noch nicht so ist. Heinlein war zweifellos ein Visionär.

Der Pilot Perry, erwacht nach seinem Unfalltod in der Zukunft, in der er von Diane, einer berühmten Tänzerin aufgenommen, versorgt und mit Hilfe ihrer Freunde auch unterrichtet wird, so lernt er in Gesprächen vieles über Weltgeschichte, Politische Ereignisse, Sittenlehre und die technische Entwicklung seit seinem Tod kennen. Mir fehlte da so ein bisschen das Erstaunen und die Panik die jeder normale Mensch empfinden würde, erwachte er in einer ihm vollkommen fremden Welt, oder auch mehr Einblicke in die zukünftige Welt,als Minuspunkte mag ich das aber nicht werten, denn Heinlein hat das Buch, soweit mir bekannt, nicht nochmals überarbeitet, ich vermute nach der Lektüre des Buches sowieso das Heinlein nie vorhatte 2086 zu veröffentlichen, sondern das er seine Visionen und vielleicht auch seine Träume und Wünsche an die Zukunft, einfach nur niederschreiben wollte, aber das ist eine ganz private Spekulation.

Ohne das Original zu kennen, möchte ich dem Übersetzer Jan Enseling, ein Lob aussprechen, er hat ein schwieriges und anspruchsvolles Buch in eine sehr gut lesbare und vor allem verständliche Form gebracht.


Veröffentlicht am 15.09.2016

Ausradiert

AUSRADIERT
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Zuerst war ich etwas skeptisch ob mir das Buch gefallen würde, beginnt es doch gleich mit einem Paukenschlag: Moritz wird in seiner Wohnung brutal angegriffen, von einem Wesen das direkt aus einem Horrorfilm ...

Zuerst war ich etwas skeptisch ob mir das Buch gefallen würde, beginnt es doch gleich mit einem Paukenschlag: Moritz wird in seiner Wohnung brutal angegriffen, von einem Wesen das direkt aus einem Horrorfilm zu stammen seid und dann kommt auch gleich der Grund warum ich skeptisch war: Moritz scheint diesen Angriff einfach so weg zustecken,er zieht sich die Splitter aus dem Arm nimmt sich ein Bier und geht zur Tagesordnung über, aber das waren nur die ersten Seiten und da mir der Schreibstil gefiel habe ich weiter gelesen. Zuerst sind es nur Kleinigkeiten die die Veränderungen in Moritz Leben einleiten, sein Name als Kameramann steht nicht mehr im Abspann einer Reportage, es scheint dunkler zu sein trotz Sonnenschein, sieht er alles wie durch einen Schleier. Nach und nach löst sich sein Leben in Nichts auf, wird er von langjährigen Kollegen plötzlich für einen Freiberufler gehalten, erkennen sie ihn kurze Zeit später gar nicht mehr.

Und er ist nicht der Einzige dem es so geht, gemeinsam mit anderen Opfern und einem hilfsbereiten neuen Nachbarn, macht er sich auf die gefährliche Reise zur Lösung des Rätsels.

Nach den schon angesprochenen Anfangsschwierigkeiten, konnte mich Martin S.Burkhardt , wirklich in seinen Bann ziehen, es ist spannend und gibt dem Leser das eine oder andere Rätsel auf, ich habe tatsächlich mitgelitten, mit Moritz auch wenn er nicht der klassische, sympathische Held ist, den man in Romanen dieses Genres vermutet. Die Story ist in sich schlüssig und das Ende tatsächlich überraschend. Ich vergebe hier gern eine Leseempfehlung, das Buch kommt ohne sinnlose Gewalt aus, wer also Eingeweide und spritzendes Blut auf jeder Seite erwartet, ist hier falsch, das Buch lebt von der Atmosphäre die der Autor zu vermitteln versteht. Wenn die Sonne strahlend und hell am Himmel steht und euch scheint es trotzdem trüb und diesig zu sein, lest das Buch, vielleicht steht da die Lösung.


Veröffentlicht am 08.04.2022

Monster auf der Couch

Monster auf der Couch
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Als die Frau einer Psychologin verschwindet, findet die Polizei in derem Büro Patientenakten von bekannten Persönlichkeiten; Dorian Gray, Dr. Jekyll, Vampirin Carmilla und Fam. Frankenstein und es sind ...

Als die Frau einer Psychologin verschwindet, findet die Polizei in derem Büro Patientenakten von bekannten Persönlichkeiten; Dorian Gray, Dr. Jekyll, Vampirin Carmilla und Fam. Frankenstein und es sind nicht etwa alte Akten, sie sind aktuell und weisen darauf hin, dass sich die Personen in Therapie befanden.

Ich liebe Schauergeschichten, klassische Vampirstorys sind genau mein Ding, die Geschichte um Frankensteins Monster hat mich schon als Kind fasziniert, also habe ich mich sehr gefreut einige der bekanntesten Figuren in einem Buch vereint zu sehen. Das Konzept des Buches ist wirklich gut. Die Akten aus dem Büro der Psychologin sind recht interessant und die Notizen in ihrem Arbeitsheft geben Aufschluss in ihre Arbeit, sie zeigen aber auch ihre eigene Unsicherheit im Umgang mit ihren Patienten, wie auch die Randnotizen in ihren Akten.

Die Sitzungsprotokolle waren mal mehr mal weniger spannend und teilweise recht amüsant, auch wenn ich nicht glaube, dass sich Männer aus dem 19. Jahrhundert zu einer Frau in Therapie begeben würden, denn dass eine Frau nicht intellektuell nicht wirklich in der Lage ist, die Psyche eines Menschen zu verstehen, machte Dr. Jekyll der Psychologin ja gleich zu Beginn klar. Seine Worte nicht meine und aus heute natürlich längst widerlegt.

Das Buch ist nicht in klassischer Romanform geschrieben, ich glaube das im Vorfeld zu wissen ist recht wichtig, auch das mal die Akte des einen und dann wieder die eines anderen gelesen wird unterbricht den Lesefluss manchmal ein wenig.
Ein wenig erstaunt war ich, dass die Psychologin vorgab kaum etwas über die klassischen Romanfiguren zu wissen, mit denen sie es zu tun hat.

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Veröffentlicht am 24.01.2021

Das Verschwinden der Erde

Das Verschwinden der Erde
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Die Schwestern Aljona und Sofija verschwinden spurlos, die beiden kleinen Mädchen kommen von einem Ausflug an Meer nicht nach Hause zurück. Ihr verschwinden beeinflusst das Leben vieler unterschiedlicher ...

Die Schwestern Aljona und Sofija verschwinden spurlos, die beiden kleinen Mädchen kommen von einem Ausflug an Meer nicht nach Hause zurück. Ihr verschwinden beeinflusst das Leben vieler unterschiedlicher Frauen auf der Halbinsel Kamtschatka.

Der Klappentext, die Buchbeschreibung auf der Verlagsseite und die Bezeichnung: literarischer Krimi, die ich irgendwo gelesen hatte, brachten mich ans Buch, ich bin immer auf der Suche nach den besonderen Büchern, insbesondere nach Krimis die mich nicht nur durch eine spannende Handlung, sondern auch durch das Setting überzeugen können.
Das Verschwinden der Erde, beginnt vielversprechend, der Leser lernt die Mädchen kennen, er verfolgt ihren Weg und sieht die atemberaubende Landschaft durch ihre Augen, dann ändert sich das Genre, aus einem Krimi wird ein Gesellschaftsroman, der aus dem Leben der unterschiedlichsten Frauen erzählt. Ksjuscha, die Studentin, die nur für ihr Studium lebt und ihrem Freund Ruslan, der in ihrem Heimatdorf zurückblieb, über jede Sekunde Rechenschaft ablegen muss und das aus irgendeinem Grund auch gern tut, sogar als ihre Cousine Alisa sie überredet an einem Tanzkurs für traditionelle Tänze teilzunehmen und sie Tschander kennenlernt.
Oder Lada, die mit Freunden Silvester feiert und nach langer Zeit ihre einst beste Freundin Mascha wiedersieht, und die nach und nach die Gründe für Maschas Schweigen erkennt.

All diese Geschichten sind sprachlich wunderbar erzählt, sie machen neugierig auf das Land und die Leute, das zumindest ist der Autorin wunderbar gelungen, nur von der erwähnten Beeinflussung, die das Verschwinden der Mädchen ausgelöst haben soll, war für mein Empfinden nicht allzu viel zu spüren, man liest in jeder Geschichte etwas über die Kinder, sie beschäftigen die Protagonisten mal mehr mal weniger, aber dieser Aspekt des Buches ist für meinen Geschmack zu lose in die Geschichten gewebt und bekommt erst gegen Ende des Buches wieder eine tragende Rolle.
Die Autorin Julia Phillips erzählt in einem vorangestellten Interview von ihrer Zeit in Kamtschatka und man spürt in jeder ihrer Zeilen die Liebe zu diesem besonderen Land. Das Verschwinden der Erde ist ein wirklich beeindruckendes Debüt und auch wenn es meine Erwartungen nicht ganz erfüllte, ein literarischer Krimi, ist es meiner Meinung nach leider nicht. Und auch die Geschichten der Frauen hätten für meinen Geschmack noch ausführlicher sein dürfen.

Die Großeltern und der Vater lebten das ganze Jahr über mit den Herden in der Tundra, während die Mutter mit Tschegga und Ksjuscha bis zu den Schulferien in Esso blieb. Dann ging es zurück in die Wildnis. Ksjuscha hatte als kleines Mädchen alle Schulferien verpasst. Sie musste mit dem Rest ihrer Familie auf dem weiten offenen Weideland schuften, während die weißen Dorfkinder in den Straßen Fußball spielten.

Genau davon hätte ich gern mehr gelesen, vom Leben außerhalb der Dörfer und Städte Kamtschatkas, von den Veränderungen, die der Zerfall der Sowjetunion mit sich brachte, so viele Themen hätten es verdient ausführlicher behandelt zu werden und die Autorin besitzt sicher das Talent und das Gefühl für das Land um einen Roman zu schreiben der nicht nur gut, sondern Großartig ist.

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