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Veröffentlicht am 28.01.2018

Mit Raffinesse führt Ursula Poznanski ihre Leser in die Irre.

Layers
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Du hast dich unseren Grundsätzen verpflichtet.
Der Kader begrüßt dich als einen seiner Master.
Du wirst mehr wissen als alle anderen und dieses Wissen wird dein Lohn und deine Bürde zugleich sein.
Unsere ...

Du hast dich unseren Grundsätzen verpflichtet.
Der Kader begrüßt dich als einen seiner Master.
Du wirst mehr wissen als alle anderen und dieses Wissen wird dein Lohn und deine Bürde zugleich sein.
Unsere Ziele sind größer als wir, bedeutender als wir und sie rechtfertigen jedes Opfer.
Auch unser Leben.
Auch dein Leben.
"Layers" - Ursula Poznanski
[S. 169]

Inhalt:
Dorian lebt auf der Straße, ohne Dach über dem Kopf, mit lediglich 5 Euro, einem Taschenmesser, einem Rucksack und einer Flasche Wasser ausgestattet. Obwohl das Leben auf der Straße nicht einfach ist, ist es besser, als das Leben was zu Hause auf ihn wartet – denn seinen prügelnden Vater vermisst er hier nicht. Von Tag zu Tag schlägt er sich aufs Neue durch: Durchwühlt die Mülleimer der großen Supermärkte, auf der Suche nach Nahrung, durchstöbert Kleidersäcke an Altkleidercontainern, um warme Kleidung für den nahenden Winter aufzutreiben und versucht kläglich die gähnende Langeweile totzuschlagen, die seine Tage kennzeichnen. Am Meisten vermisst er Bildung und das Gefühl etwas Sinnvolles tun zu können.
Eines Nachts erwacht er mit dröhnenden Kopfschmerzen, voller Blut, neben einer Leiche. Mitten in der sich langsam ausbreitenden Blutlache, findet er sein Taschenmesser. Die Erinnerung, an das was passiert ist, hat er jedoch verloren. Während er schon panisch an die Konsequenzen denkt, die ihn hier erwarten könnten, spricht ihn ein Mann an, der die Tat gesehen haben will. Sein Name ist Nico und er liest Jugendliche von Straße auf, um ihnen eine neue Chance zu geben. Sein Boss ist der Großunternehmer Bornheim. In einer bereitgestellten Villa, genannt „Bornheims-Villa“, bekommen die Jugendlichen frische Kleidung, ein Dach über dem Kopf, einen warmen Schlafplatz, Essen und Bildung – für Dorian geht ein Traum in Erfüllung. Die einzige Gegenleistung: Die Jungen und Mädchen müssen für Bornheim Flyer in der Stadt verteilen und dürfen sich von ihrem Verkaufsplatz maximal 10 Meter entfernen. Ein kleines Opfer, wie Dorian findet.

Doch dann beginnt er Fragen zu stellen. Fragen, die er nicht stellen sollte und ehe er sich versieht, ist er auf der Flucht und die Jagd auf ihn eröffnet. Ein mörderischer Wettlauf beginnt.

Meinung:
Der Name Ursula Poznanski, ist seit dem großen Erfolg ihres Jugend-Debütromanes: „Erebos“, nicht mehr unbekannt. Ihr besonderes Kennzeichen: Gekonnt hält sie Schlüsselinformation bis ans Ende ihrer Geschichte zurück und überrascht, schockt und verwirrt ihre Leser dann, gnadenlos mit der Wahrheit. Zuvor verstreut sie, ohne dass es bemerkt werden könnte, Köder, die vorgeben die Wahrheit zu sein, es dann jedoch nicht sind. Ganz wie in ihrem aktuellen Roman „Layers“, ist die Wahrheit nämlich vielschichtig. Dieses Grundthema, scheint in fast all ihren Werken zu dominieren.

Auch „Layers“ hat mehrere Schichten, viele Wahrheiten und einige Geheimnisse in sich. Dabei versteht sich die Autorin darauf, unnötige Informationen möglichst gering zu halten, wodurch ein kontinuierliches Lesetempo entstehen kann. In jedem Kapitel scheint sich das Puzzle immer mehr zusammen zu setzen, dadurch gibt es immer neues zu entdecken. Ganz nach dem Motto „Ich lese nur noch ein Kapitel, bevor ich das Licht ausmache“, ist kein Ende in Sicht und es fällt schwer, einen geeigneten Platz für das Lieblingslesezeichen zu finden. Besonders am Anfang der Geschichte, wirft Frau Poznanski zahlreiche Fragen auf, die im Kopf zu wilden Spekulationen führten. Das ist es, was ich liebe: Wenn man als Leser gefordert wird, mitfiebern, mitraten und miträtseln kann. Da sich die Autorin mit Antworten, wie bereits erwähnt, eher zurückhält, kann man dies auch mit Freuden, das ganze Buch über fortführen.

Die Charaktere konnten mich hingegen nicht ganz von sich überzeugen. Zwar wächst einem Dorian irgendwann ans Herz und durch seinen Mut und seinen Drang nach Antworten, fiebert man mit ihm mit, jedoch bleiben alle anderen Figuren eher schemenhaft hinter ihm zurück. Seine Liebesgeschichte mit Stella bleibt kühl, farblos und ohne jegliche Kontur. Es ist kaum nachvollziehbar, wie sie entstehen konnte, geschweige denn, wie sie sich so kraftvoll über das Werk hinweg erhalten kann. Aber auch die Anderen Schauspieler des Werkes, bleiben Schatten, denen man sich an der einen oder anderen Stelle zwar gegenübersieht, die einem jedoch fremd und nicht greifbar bleiben.

Fazit
Schicht, um Schicht, um Schicht tragen sich alle Lügen voneinander ab und enthüllen das, auf was der Leser von der ersten Seite an wartet: Die gnadenlose und endgütige Wahrheit von „Layers“. Mit Raffinesse führt Ursula Poznanski ihre Leser in die Irre. Verstreut falsche Fährten und gibt etwas vor, was sich am Ende lediglich als Trugschluss entpuppt. Ihr flüssiger und spannender Schreibstil sorgen dafür, dass man dem Geschehen mühelos folgen kann und nach Antworten lechzt. Auch wenn die meisten Charakter nur Schemen bleiben und die Liebesgeschichte leicht unterkühlt wirkt, kann „Layers“ auf seine Weise überzeugen. Bestimmt nicht das interessanteste und beste Werk der Autorin, trotzdem eine Reise wert.

Veröffentlicht am 28.01.2018

Nicht der beste Fitzek. Dieser Geschichte fehlt es besonders an einem: An Tiefe, an Perspektive & an Farbe.

Passagier 23
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Er hasste es, wenn die Dinge nicht nach Plan liefen. Wenn das Betäubungsmittel falsch dosiert war. Oder die Auserwählten sich in letzter Sekunde wehrten und den Zugang aus dem Arm rissen. "Bitte nischt...nein", ...

Er hasste es, wenn die Dinge nicht nach Plan liefen. Wenn das Betäubungsmittel falsch dosiert war. Oder die Auserwählten sich in letzter Sekunde wehrten und den Zugang aus dem Arm rissen. "Bitte nischt...nein", lallte sein Mandant. Der Doktor bevorzugte diese Bezeichnung. Auserwählt war zu hochtrabend, und Patient klang irgendwie falsch in seinen Ohren, denn wirklich krank waren die wenigsten, die er behandelte.
"Passagier 23" - Sebastian Fitzek
[S. 7]

Inhalt:
Die meisten Menschen würden sich freuen, wenn sie auf einem großen und luxuriösen Kreuzfahrtschiff die Welt erobern könnten – nicht so Martin Schwartz. Denn genau vor fünf Jahren, verlor der Polizeipsychologe auf tragische Weise seine Frau und seinen Sohn, auf der „Sultan oft he Seas“. Abschließen konnte er mit diesem Verlust bisher nicht, denn die Faktoren des eigentlichen Tathergangs, konnten Martin nicht genau erklärt werden. Seitdem ist er ein emotionales Wrack und begibt sich in seinem Job öfters in Lebensgefahr, als gut für ihn wäre, sieht er doch im Leben kaum noch einen Sinn, ohne seine Familie.
Eines Tages erreicht ihn ein seltsamer Anruf, einer alten Dame, die sich derzeit auf dem Kreuzfahrtschiff befindet, auf welchem damals alles begann. Sie bittet Martin, ihr auf das Schiff zu folgen und lockt ihn mit Beweisen, die sie zum Verschwinden seines Kindes und seiner Frau gefunden haben will. Auch wenn der Polizeipsychologe sich geschworen hatte, nie wieder einen Fuß auf ein Schiff zu setzen, treibt ihn das Verlangen nach Antworten an.

Meinung:
Wer Thriller mag und keine Angst vor großen Schockmomenten hat, liest heutzutage einen Fitzek. Denn Sebastian Fitzek gehört mit zu den großen Autoren im Genre. Spätestens nach seinen großen Erfolgen mit „Das Kind“ und „Der Seelenbrecher“, stehen die Fans bei ihm Schlange, voller Blutdurst auf mehr. Obwohl er äußerlich nicht danach aussieht, schreibt er Geschichten, die es in sich haben. Vor dem Lesen, während des Lesens und auch nach des Lesen, schaut man sich als Leser, ganz verstohlen in seiner Umgebung um, darauf wartend, dass der Killer gleich aus der eigenen Küche springt und einen mit einem blutverschmierten Messer durch die Wohnung jagt. Einen Fitzek zu lesen bedeutet: Gänsehaut haben. Bedeutet Angst vor dem Menschen zu bekommen, der mit einem das Bett teilt. Bedeutet Panik zu bekommen, beim kleinsten Knacken, das man in seiner Wohnung vernimmt. Ohne Zweifel: Der deutsche Autor gehört zu den ganz großen Schockmeistern.

Deshalb war ich auch so aufgeregt, als ich im Buchladen zu „Passagier 23“ griff und fast nach Hause rannte, nur um endlich in einer neuen Geschichte des Autors zu versinken. Ich hatte besonders hohe Erwartungen, denn die vorherigen Schätze, die ich von ihm gelesen hatte („Der Augensammler“ & „Der Augenjäger“) hatten mir Wort wörtlich den Schlaf geraubt. Vielleicht war ich aufgrund der hohen Erwartung schließlich so enttäuscht. Denn obwohl die Buchidee an sich viel Potential in sich trägt, konnte Sebastian Fitzek sie nicht in den Monsters-Schlund verwandeln, wie er es sonst tut.

Was eine spannende und beängstigende Idee: Menschen verschwinden auf See. Und dabei handelt es sich nicht einmal nur um eine Idee, dieser Fakt stimmt nämlich mit der Realität überein. Durchschnittlich verschwindet jeder 23. Passagier auf einer Bootsreise. Deshalb auch der Titel „Passagier 23“. Denn in der Geschichte geht es nicht nur um auf See verschwundene Passagiere, sondern zusätzlich um einen Passagier, der nach Jahren wieder auftaucht – gruselig! Wie bereits erwähnt schafft es Herr Fitzek leider nicht, diese Idee genauso gruselig auszubauen.

Es beginnt bereits bei den Figuren. Jede von ihnen, auch der Protagonist, bleibt während der ganzen Geschichte fast charakterlos. Lediglich Konturen werden gezeichnet, was dem Leser jedoch nicht hilft, eine Sympathie oder aber auch Abneigung gegen diverse Personen aufzubauen. Dies ist in dieser Weise schlimm, da man meistens nur in eine Geschichte findet, wenn man in sie hinein schlüpfen kann. Die Buchfiguren bieten sich an dieser Stelle immer besonders an. Bei „Passagier 23“ passiert dies, meiner Meinung nach jedoch nicht. Stets war ich eine Armlänge von Gefühlen und Geschehen entfernt. Ich war und blieb ein Beobachter, auf einem anderen Schiff, auf einem weit entfernten Leuchtturm. Der Schreibstil des Autoren schaffte es zwar an einigen Stellen eine kleine Brücke zu bauen, ein Rettungsboot nach mir auszusenden, jedoch trieben mich meine Schritte und die Wellen nie ganz ans Ziel.

Selbst der Spannungsbogen, mit der Frage: „Wer ist der Täter?“, konnten mich diesmal nicht ködern. Bereits ziemlich gegen Anfang des Thrillers, hatte ich eine grobe Ahnung davon, wer oder was sein Unwesen auf der „Sultan oft he Seas“ treibt und siehe da, ich sollte recht behalten.

Fazit:
Was bleibt, ist ein Nachgeschmack. Wer was auf Thriller und große Schockmomente hält, der liest einen Fitzek – soweit, so gut. Jedoch bitte nicht unbedingt „Passagier 23“. Denn wer hier auf große Überraschungsmomente, einen besonders grausamen und verachtenswerten Täter und ausgereifte Figuren wartet – die man gerne noch in weiteren Werken als Schausteller sehen würde – wird hier enttäuscht – so wie. Denn dieser Geschichte fehlt es besonders an einem: An Tiefe, an Perspektive & an Farbe.

Veröffentlicht am 28.01.2018

Schnappt euch euren Notizblock, einen Stift und werdet Ermittler in diesem großartigen, mitreißenden und leidenschaftlichen Thriller!

Todesbräute
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Sehr bald würden die Cops eine weitere Tote im Graben finden und mit ihren Ermittlungen die sprichwörtlichen Leichen im Keller der Säulen der Gemeinde ans Licht zerren. [...] Wer würde einknicken? Wer ...

Sehr bald würden die Cops eine weitere Tote im Graben finden und mit ihren Ermittlungen die sprichwörtlichen Leichen im Keller der Säulen der Gemeinde ans Licht zerren. [...] Wer würde einknicken? Wer würde plaudern? Wer würde das idyllische kleine Örtchen zum Einsturz bringen? Er lachte leise bei der Vorstellung. Sehr bald würden die ersten beiden Zielobjekte Briefe erhalten. Und er fing an, sich richtig gut zu amüsieren.
"Todesbräute" - Karen Rose
[S. 115]

Inhalt:
Nachdem Special Agent Daniel Vartanian nur knapp dem Tod entkommen ist und seinen Bruder Simon als Serienkiller und Mörder seiner Eltern identifiziert hat, ist für den jungen Mann nichts mehr wie es einmal war. Nun muss er sich mit seiner Vergangenheit und der Vergangenheit seiner Familie auseinandersetzen und dessen und seine Schuld wiedergutmachen. Doch damit nicht genug: Eine Woche nach dem Begräbnis seiner Eltern, wird auch in seiner Heimatstadt Dutton, ein lang geglaubtes und fast vergessenes Kapitel der Vergangenheit wieder aufgeschlagen. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen. Vergewaltigt, schändet und tötet junge Frauen und lässt sie in eine alte Decke gewickelt in einem Graben zurück. Die perfekte Kopie eines vor Jahren begangenen Verbrechens. Daniel und seine Kollegen ermitteln und versuchen verzweifelt weitere Frauen vor dem Killer zu retten, doch dieser scheint der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein. Eine rasante Schnitzeljagd beginnt und ehe Daniel das Ausmaß der Ereignisse wirklich begreifen kann, schwebt er erneut in Lebensgefahr.

Meinung:
Es gibt sie einfach: Jene Bücher, über die man nicht viele Worte verlieren muss, die mit ihrem Inhalt direkt diese ganz besondere und für das Lesen wichtige Atmosphäre schaffen können. Karen Rose gehört definitiv zu den Thrillerautorinnen, die ihr Handwerk verstehen. Doch nicht nur das: Denn auch das besondere Merkmal von Frau Rose, auch der Liebe in einem blutigen, grausamen und beängstigenden Schmöker einen Platz einzuräumen, ist einfach perfekt und macht das Leseerlebnis zu etwas ganz besonderem. Von Kapitel zu Kapitel, schafft es die Autorin immer mehr, den Puls ihrer Leser in die Höhe zu treiben, sei es vor Spannung oder Leidenschaft.

„Todesbräute“ bietet, genau wie sein Vorgänger, die genau richtige Mischung verschiedener Komponenten. Dabei stellt Frau Rose uns Daniel Vartanian und Alex Fallon an die Seite, zwischen denen es nicht nur einmal gewaltig funkt. Die Beiden sind ein wunderbares Paar, mit Ecken und Kanten, aber auch wenn nötig, einer ganz weichen Seite. Man liebt, lacht, weint, ängstigt und hofft mit ihnen, dass die ganze Geschichte ein Happy End nehmen möge.

Der rote Faden der Reihe wird nicht nur aufgegriffen, sondern führt uns immer näher an den finalen dritten Band. Frau Rose reicht den Lesern immer mehr Puzzleteile und animiert so zum mit rätseln und analysieren. Man fühlt sich nicht nur wie ein Detektiv, durch den gekonnten und mitreißenden Schreibstil der Autorin, ist man ein Detektiv. Ein Teil der Geschichte, Mittendrin und schlittert von Kapitel zu Kapitel immer tiefer in dieses große Abenteuer.

Einziger Kritikpunkt an diesem Band stellt das sonstige Figurenkonstrukt dar. Frau Rose schafft sehr viele Charakter, die teilweise aus ihrer Sicht das Geschehen beschreiben. Es dauert eine ganze Weile, bis man dieses in seiner vollen Auswirkung nachvollziehen und durchschauen kann. Sicher auch ein gewollter Schachzug, von Frau Rose, jedoch an einigen Stellen kein spannender, sondern vielmehr verwirrender und anstrengender Faktor. Für den Lesefluss wäre es sicher hilfreich gewesen, die Kapitel mit Namen zu versehen, oder einige Blickwinkel aus dem Buch heraus zu nehmen.

Fazit:
Damit bleibe ich auch bei meinen eingehenden Worten: Manche Bücher verlangen nicht viele Buchstaben, um sie zu beschreiben, denn sie sind einfach perfekt. Bei diesen Schätzen sind eigentlich nur diese Worte nötig, eine Aufforderung: Schnappt euch euren Notizblock, einen Stift und werdet Ermittler in diesem großartigen, mitreißenden und leidenschaftlichen Thriller! Der ganz auf die Farbe Rot setzt und somit die Komponenten Liebe und Blut mit viel Charme vereint.

Veröffentlicht am 28.01.2018

Herzliche Figuren, überzeugende Story, witzig und farbenfroh - der erste Band einer vielversprechenden Reihe!

Percy Jackson 1: Diebe im Olymp
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"Zeus Herrscherblitz", fügte Chiron hinzu. Er redete sich langsam in Rage. "Das Symbol seiner Macht, dem alle anderen Blitze nachgebildet sind. Die erste Waffe, die die Zyklopen für den Krieg gegen die ...

"Zeus Herrscherblitz", fügte Chiron hinzu. Er redete sich langsam in Rage. "Das Symbol seiner Macht, dem alle anderen Blitze nachgebildet sind. Die erste Waffe, die die Zyklopen für den Krieg gegen die Titanen geschmiedet haben, der Blitzstrahl, der den Gipfel des Äthna gekappt und Kronos vom Thron geworfen hat, der Herrscherblitz, in dem eine Kraft steckt, die Wasserstoffbomben der Sterblichen wie Chinaböller wirken lässt." "Und der ist verschwunden?" "Er wurde gestohlen", sagte Chiron. "Von wen?" "Von wem", korrigierte Chiron. Einmal Lehrer, immer Lehrer. "Von dir."
"Percy Jackson - Diebe im Olymp" - Rick Riordan
[S. 165]

Inhalt:
Percy Jackson, zwölf Jahre alt, leidet unter ADHD, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Desaster - zumindest glaubt er das - und hat in seinem Leben schon mehrere Schulen besucht, von jeder wurde er runter geschmissen, weil er auf jeder für Ärger sorgte. Auf seiner neuen Schule soll alles anders werden. Zusammen mit seinem besten Freund Grover, schlägt sich Percy von Tag zu Tag. Bei einem Museumsbesucht läuft dann jedoch alles aus dem Ruder, als sich seine Mathelehrerin Mrs. Dodds vor seinen Augen in ein riesiges Monster verwandelt, auf Percy los geht, ihm sein Lateinlehrer einen Kugelschreiber zuwirft, der sich in ein riesiges Schwert verwandelt und der Zwölfjährige seine besagte Lehrerin schließlich erschlägt und diese sich in Rauch auflöst. Doch damit beginnt das Abenteuer erst. Wenige Zeit später findet sich Percy im Camp-Half-Blood wieder, ein Sommercamp für Halbgötter und sein Leben ändert sich schlagartig.

Meinung:
Einige Geschichten müssen zur richtigen Zeit gelesen werden, damit man sich voll und ganz auf sie einlassen kann. "Percy Jackson" gehört für mich zu einer jener Geschichten. Bereits vor ein paar Jahren wollte ich in ein göttliches Abenteuer mit ihm schlittern, doch bereits nach 80 Seiten schlug ich das Werk enttäuscht zu, vertauschte es und vergaß es. Vor einer Woche ließ ich ausversehen meine aktuelle Lektüre zu Hause liegen und fand mich, ohne Buch, auf einer zweistündigen Zugfahrt wieder. Gezielt schlenderte ich an der nächsten Haltestelle auf den Buchladen zu und wurde von einem Werk ganz besonders angezogen: "Percy Jackson". Ohne lange zu überlegen, griff ich zu und schlitterte endlich in das Abenteuer, was ich mir schon vor Jahren gewünscht hatte. Percy und ich waren endlich auf der gleichen Zeitachse unterwegs und ich stellte schnell fest, wie viel Potenzial sich hinter den Seiten verbarg.

Auch wenn es sich bei der renommierten Buchreihe von Rick Riordan um ein Kinderbuch handelt, welches sich durch Kurzweile und schnelle Handlungssprünge auszeichnet, trägt es diese ganz bestimmte und göttliche Magie in sich, die es letztlich trotzdem schafft, seine Leser zu verzaubern und mitzureißen. Gekennzeichnet durch einen farbenfrohen, greifbaren und lustigen Schreibstil, entführt der amerikanische Autor in eine neue und erfrischende Buchidee, mit viel Action und Spannung, die die Handlung auch für ältere Leser interessant gestaltet.
Dabei lebt diese Geschichte besonders durch seine gut gezeichneten und durchweg gelungenen Buchfiguren. Bei jeder Beschreibung von Herrn Riordan wird deutlich, wie viel Herzblut er in diesen Schmöker gesteckt hat. Jede Figur lebt durch seine Einzigartigkeit. Die Guten - hier haben mich hauptsächlich Annabeth, Percy, Chiron und Grover verzaubert - sind zusätzlich von einer Herzlichkeit und Sympathie umrissen, dass einem das Herz warm wird. Aber auch die Bösen in dieser Geschichte gliedern sich in Handlung und Buchatmosphäre ein und sorgen für den perfekten Gegenspieler.

Rick Riordan ist Lehrer für Englisch und Geschichte und so sprüht das Werk vor Mythologie und Sagen rund um die Götterwelt, die er gekonnt weiß in Szene zu setzen und ausführlich erklärt - Vorwissen ist nicht von Nöten. Und wenn man doch einmal ins Straucheln gerät, sorgt ein ausführliches Glossar am Ende der Geschichte, für die nötigen Informationen, um diverse Götter und mystische Wesen.

Die Handlung ist dicht gewoben und erlaubt es, sich mit rasanter Geschwindigkeit von Kapitel zu Kapitel zu hangeln. Actionreiche Kämpfe und Aufgaben, lassen die Zeit verfliegen und sorgen für viel Abwechslung. Am Ende, wenn man auf der letzten Seite angekommen ist und den letzten Satz mit einem Gefühl von Wehmut in sich aufsaugt, kann man nur noch einen Gedanken fassen: In den nächsten Buchladen zu rennen und sich den zweiten Teil zuzulegen, um endlich zu erfahren, wie es mit Percy und seinen Freunden weitergeht.

Fazit:
Von Zeit zu Zeit sollte man gewissen Geschichten eine zweite Chance einräumen, denn es könnte sein, - nicht immer, aber manchmal - dass man beim ersten Versuch einfach den falschen Zeitpunkt gewählt hat und dadurch eine spannende und überzeugende Geschichte verpasst. Ich bin froh, dass ich "Percy Jackson" diese Chance gegeben habe. Ein Werk, bei dem nichts ist, wie es anfangs scheint. Ein Werk, dass durch gut umrissene, ausgereifte und herzliche Charakter und einen farbenfrohen, aufregenden und mitreißenden Schreibstil, sowie einer grandiosen Buchidee lebt. Ich wurde ins Camp Half-Blood aufgenommen, habe gegen Monster und Götter gekämpft, mich selbst gefunden und das größte Abenteuer meines Lebens erlebt - zumindest bist jetzt. Denn es steht fest, dass ich unbedingt ins Camp zurückkehren muss und was mich dann für Abenteuer erwarten, kann ich jetzt noch nicht sagen - aber ich werde es herausfinden.

Veröffentlicht am 28.01.2018

Wiedersehen mit altbekannten Figuren - Monika Feth ist ein Stück Jugend für mich.

Der Libellenflüsterer
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Die Nachbarn, die Briefträgerin, Papas Kollegen, der Doktor und die Sprechstundenhilfen - sie alle kennen nur den Papa, der alles über den Wald weiß und über die Tiere, die da zu Hause sind. Der sich für ...

Die Nachbarn, die Briefträgerin, Papas Kollegen, der Doktor und die Sprechstundenhilfen - sie alle kennen nur den Papa, der alles über den Wald weiß und über die Tiere, die da zu Hause sind. Der sich für Lo Geschichten ausdenkt und ihr seine Lieblingsplätze zeigt. Der nett sein kann zu Mama. Ab und zu. Von dem anderen Papa haben sie keine Ahnung. Er ist Mamas und Los und Amandas und Fumées Geheimnis. Schon immer.
"Der Libellenflüsterer" - Monika Feth
[S. 431]

Inhalt:
In Jettes Leben und dem ihrer Freunde ist Ruhe eingekehrt. Luke zieht endlich auf den Hof, Merle hat sich mit Claudio vertragen, Jette strebt eine Zukunft als Polizeipsychologin an und auch sonst, läuft alles perfekt. Als Merle bei der Recherche für einen Artikel einer Tierschutzzeitschrift, mit einem alten Fall von Tiermissbrauch konfrontiert wird, will sie den damals angeklagten, aber wieder freigesprochenen Förster, der seinen Hund kaltblütig totgeschlagen haben soll, erneut zur Rede stellen. Ohne ihre Freunde in ihre Pläne einzuweihen macht sie sich, mit ein wenig Proviant, auf den Weg und verschwindet kurze Zeit später spurlos. Jette spürt sofort, dass etwas Schlimmes passiert sein muss und wendet sich umgehend an die Polizei, doch diese kann und will noch nicht eingreifen - also macht sie sich schließlich selbst auf die Suche und gerät in einen Strudel aus Geheimnissen, Gewalt und Gefahr.

Was ist mit Merle passiert? Und wird Jette ihre Freundin rechtzeitig finden?

Meinung:
Obwohl zwischen dem Erscheinen der einzelnen Jette-Bände meist mehrere Monate liegen, habe ich nach Beginn des neusten Buches nie das Gefühl, mehr als ein paar Stunden von Jette, Merle, Luke und Co. getrennt gewesen zu sein. Ich habe es bereits in einer vorherigen Rezension geschrieben: Für mich bedeutet der Name Monika Feth, auf der Wiese liegen, die Sonne auf der Haut spüren, voller Spannung den Atem anhalten und Buchstaben inhalieren. Mein erstes Abenteuer habe ich während eines heißen Sommerstages im Urlaub eingesogen. Seit dem fällt es mir nicht schwer, die gleichen Gefühle beim Lesen wachzurufen, wie damals. Diese Jugendbuchreihe begleitet mich jetzt schon so lange, dass sie irgendwie zu mir und meiner Buchgeschichte dazugehört. Nach dem Erscheinen von "Der Libellenflüsterer" war meine erneute Rückkehr demnach selbstverständlich.

Meiner Meinung nach unterscheidet sich dieser siebte Teil in einigen Punkten von seinen Vorgängern. In "Der Libellenflüsterer", lösen wir uns vom städtischen Plot und tauchen ein in die Wildnis, in der wir ein genaues Bild von dem Kontrast natürlicher Schönheit und nackter Gewalt bekommen. In der ruhigen und farbenfrohen Umgebung dieses Waldes, treten Brutalität, Ungerechtigkeit und Grausamkeit noch mehr hervor und schaffen es so mit Leichtigkeit, den Leser in den Strudel der Handlung zu ziehen. Auch der altbekannte und malerische Schreibstil von Frau Feth, schlägt sich mit einer Schärfe in die Gedankenwelt seiner Leser und schafft es so nur all zugut, die Buchwelt zum realen Schauplatz werden zu lassen.

Wieder ermöglicht es die Autorin, durch den mehrmaligen Perspektivwechsel, die innere Welt der einzelnen Charaktere nach außen treten zu lassen. Dadurch, dass wir in der Serie immer die gleichen Figuren begleiten, ausgenommen der Täter, entwickelt sich eine Beziehung zwischen ihnen und dem Lesenden, was dazu führt, dass man noch mehr mit den Buchfiguren fühlt, als etwa bei Einzelbänden. Ich bin mit Jette groß geworden und sie und ihre Freunde haben sich, so wie ich, von Teil zu Teil weiterentwickelt. Es ist schön, diese Entwicklungen miterleben zu können und seine eigenen Wünsche und Ängste darin wiederzufinden.

Obwohl wir hier erneut einen grausamen Täter haben, ist die Spannung im Buch nicht besonders dicht und gleichmäßig verteilt. Ich mag es zwar, die einzelnen Gedanken der Charaktere zu verfolgen, jedoch streckt sich die Handlung deswegen an einigen Stellen. Erst auf den letzten ca. 150 Seiten nimmt die Spannung enorm zu, steigert sich bis aufs Höchste und lässt einen erst nach der letzten Seite aufatmen.

Fazit:
Frau Feths Ideen und Beschreibungen sind unglaublich authentisch und werden durch den für mich, lokalen Zusammenhang, noch realistischer. Es ist schön, altbekannte Figuren beim Heranwachsen beobachten zu können und sich von der Spannung, die sich leider erst gegen Ende verdichtet, durch den Schmöker tragen zu lassen. Auch wenn ich mir vom siebten Jette-Band - angesichts der Seitenzahl - etwas mehr erhofft hätte und das Werk jäh abbricht, so hat es mich doch unterhalten und mitreißen können, weswegen ich an dieser Stelle kleine Fehler nur allzu gerne verzeihe und voller Erwartung dem nächsten Abenteuer entgegensehne.