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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.08.2020

Eindrucksvolles Portrait

Der letzte Satz
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Ein kleines Büchlein mit einem eindrucksvollem Inhalt!
Der berühmte Komponist und Dirigent Gustav Mahler tritt schwer krank seine letzte Reise an. Gemeinsam mit seiner Frau Alma und seiner Tochter Anna ...

Ein kleines Büchlein mit einem eindrucksvollem Inhalt!
Der berühmte Komponist und Dirigent Gustav Mahler tritt schwer krank seine letzte Reise an. Gemeinsam mit seiner Frau Alma und seiner Tochter Anna reist er von New York zurück nach Wien und lässt sein Leben noch einmal Revue passieren.
Robert Seethaler schreibt - wie nach seinen anderen Büchern nicht anders zu erwarten - sehr sensibel und ausgefeilt über Mahlers Gedanken und Erlebnisse und taucht dabei tief in die Seele des kranken Mannes ein.
Sein schlechtes Verhältnis zu seiner schönen Frau Alma spielt dabei eine Rolle, aber auch die Trauer über den Verlust seiner ältesten Tochter, Kompositionsideen zu seiner unvollendet gebliebenen 10. Sinfonie, Erinnerungen an die Kindheit und Jugend und der immer wiederkehrende Ärger mit Institutionen. Man kommt Mahler dabei sehr nahe.
Es hilft, wenn man Mahlers Musik und Leben zumindest in groben Zügen kennt, aber auch sonst ist das Buch eine zwar anspruchsvolle, aber auch erfreuliche Lektüre.

  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2020

Unbekannte Historie

Der Empfänger
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Josef (Joe) Klein ist in den 1920er Jahren in die USA ausgewandert und schlägt sich mit einfachen Jobs durch. Er ist begeisterter Funker und tritt auf diese Weise in Kontakt mit der ganzen Welt.
Als die ...

Josef (Joe) Klein ist in den 1920er Jahren in die USA ausgewandert und schlägt sich mit einfachen Jobs durch. Er ist begeisterter Funker und tritt auf diese Weise in Kontakt mit der ganzen Welt.
Als die Nazis in Deutschland an die Macht kommen, entsteht auch in der deutschen Community in New York eine starkte Nazibewegung und Josef gerät in diese Kreise. Er soll angeblich für einen Unternehmer Geschäftsdaten nach Hamburg funken, doch in Wirklichkeit funkt er verschlüsselte Informationen für die deutsche Abwehr. Als er auf Drängen seiner Freundin Lauren aussteigen will, wird er zusammengeschlagen.
1941 treten die Amerikaner in den 2. Weltkrieg ein und Josef wird wie viele andere Deutsche auf Ellis Island interniert, kann aber 1946 nach Deutschland ausreisen. Dort nimmt er wieder Kontakt zu seinem Bruder Carl auf.
Das Buch ist eingebettet in eine Rahmenhandlung im Jahr 1953, als Josef in Costa Rica lebt. Dazwischen pendelt die Handlung zwischen den USA und Deutschland. Das macht das Buch lebendig und wegen der Zeitangaben auch gut verständlich.
Ich habe viel über das Wirken der Nazis in den USA gelernt, mit war nicht bewusst, dass es dort so eine starke Nazibewegung gab, die auch sogar in die schwarze Bevölkerung hinein reichte.
Ulla Lenze schreibt sehr sachlich, aber pointiert und gut lesbar. Ihre manchmal sehr poetische Sprache hat mir gut gefallen. Die Heimatlosigkeit und Einsamkeit des Mannes wird sehr deutlich.
Das Titelbild fand ich sehr gelungen, denn trotz der gut erzählten Geschichte bleibt Josef Klein schemenhaft und nicht wirklich zu fassen.

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Veröffentlicht am 18.12.2020

Brutal

Der erste Tote
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Der irische Journalist Andrew und sein Freund und Fotograf Carlos sind in der Erdölstadt Poza Rica in Mexiko unterwegs, um für einen Artikel zu recherchieren. Als sie nach Mexico City zurückfahren wollen, ...

Der irische Journalist Andrew und sein Freund und Fotograf Carlos sind in der Erdölstadt Poza Rica in Mexiko unterwegs, um für einen Artikel zu recherchieren. Als sie nach Mexico City zurückfahren wollen, finden sie eine ganz übel zugerichtete Leiche und können gerade noch ein paar Fotos machen, bevor die Gardia Civil die Leiche fortschafft. Carlos will die Hintergründe ermitteln und entdeckt, dass es ein junger Umweltaktivist war, der getötet wurde. Kurze Zeit später ist auch Carlos tot, er wurde schwer gefoltert. Andrew will zum Andenken an seinen Freund nach den Tätern und ihren Hintermännern suchen und bringt sich dabei selbst in höchste Gefahr.

Wer die Mexikotrilogie von Don Winslow gelesen hat, weiß, dass es in Mexiko brutal zugeht. Drogenkartelle haben die Aufgaben des Staates weitgehend übernommen, sorgen für Schulbücher und Medikamente, um damit die Basis für ihre Drogen- und Waffengeschäfte in der Bevölkerung zu festigen. Menschenleben zählen nicht, wer das Pech hat zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, geht mit drauf und landet in einem Betongrab oder im Meer.

Auch dieses Buch ist teilweise grausam bis zur Schmerzgrenze und nichts für schwache Nerven. Dabei ist es gut geschrieben und liest sich flüssig. Die Vielzahl von Personen und die teilweise nicht übersetzten spanischen Ausdrücke machen allerdings dem Leser manchmal das Leben schwer.

Deshalb gilt meine Leseempfehlung nur für Menschen, die auch die grausamen Szenen verkraften können und davon keine Alpträume bekommen.

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Veröffentlicht am 26.03.2021

Noch Luft nach oben

Nasses Grab (Zwischen Mord und Ostsee, Küstenkrimi 1)
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Ina Drews und Jörg Appel sind neu in der Flensburger Mordkommission und bekommen gleich einen Fall auf ihre Schreibtische: ein Mann wurde auf der Halbinsel Holnis tot aufgefunden. Er arbeitete auf einem ...

Ina Drews und Jörg Appel sind neu in der Flensburger Mordkommission und bekommen gleich einen Fall auf ihre Schreibtische: ein Mann wurde auf der Halbinsel Holnis tot aufgefunden. Er arbeitete auf einem Fischerboot, das wahrscheinlich nicht nur Fische transportierte.
Die Zusammenarbeit von Appel und Drews gestaltet sich von Beginn an schwierig, denn Appel war einmal mit Drews Schwester verheiratet und hat sie betrogen. Drews dagegen hatte ein Verhältnis mit dem jetzigen Polizeidirektor. Keine einfachen Verhältnisse!
Das Buch ist sehr konventionell geschrieben und das Privatleben der Ermittler steht (zu) oft im Vordergrund. Das geht auf Kosten der Spannung. Leider ist auch der Schreibstil etwas betulich und auf größere Überraschungen wartet man vergeblich.
Das Ermittlerduo hat noch viele Entwicklungsmöglichkeiten, da ist noch Luft nach oben!

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Veröffentlicht am 04.08.2020

Langatmig

Zeiten des Sturms
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Die Taunuskrimis von Nele Neuhaus habe ich immer gern gelesen, sie waren spannend und die Figuren waren interessant. Mit diesem Buch kam ich allerdings nicht klar.
Lag es daran, dass ich die beiden Vorgängerbände ...

Die Taunuskrimis von Nele Neuhaus habe ich immer gern gelesen, sie waren spannend und die Figuren waren interessant. Mit diesem Buch kam ich allerdings nicht klar.
Lag es daran, dass ich die beiden Vorgängerbände nicht gelesen habe? Die Figur der Sheridan Grant, die ein wirklich schweres Schicksal erlitten hat, blieb mir fremd. Mich nervten die ständigen Rückblicke, obwohl sie teilweise ja auch hilfreich waren, um das geschehen zu verstehen. Sie machen das Buch aber auch langatmig. Dass Sheridan sich am Ende ihren großen Traum erfüllen kann, ist für mich so ein typisch amerikanisches Happyend...
Nele Neuhaus kann in diesem Buch zwar ihre große Stärke - Spannung und unerwartete Wendungen - ausspielen, aber für mich blieb das Buch trotzdem blass. Schade, ich hatte mehr erwartet!

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