Platzhalter für Profilbild

xana15

aktives Lesejury-Mitglied
offline

xana15 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit xana15 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.04.2021

In Ordnung

Die dritte Frau
0

"Die Dritte Frau" ist von Vielem ein bisschen, aber von Nichts ein Ganzes. In diesem Roman, oder eher Metaroman, geht es um einen Schriftsteller in einer Schaffens- und Lebenskrise. Er ist geschieden, ...

"Die Dritte Frau" ist von Vielem ein bisschen, aber von Nichts ein Ganzes. In diesem Roman, oder eher Metaroman, geht es um einen Schriftsteller in einer Schaffens- und Lebenskrise. Er ist geschieden, weiß nicht, worüber er schreiben soll, und weiß im Grunde nicht, was er überhaupt noch vom Leben erwartet. Durch einige kuriose Umstände trifft er auf die schöne Camille – eine intelligente, talentierte Frau, die als Nachfahrin eines alten, französischen Adelsgeschlechts auch aus historischer Sicht für den Erzähler interessant ist.
Eigentlich geht es in der Geschichte darum, wie der Schriftsteller zu seiner Geschichte gekommen ist, daher Metaroman. Der Schreibstil wirkt auf mich eloquent, ohne übertrieben zu sein, der Aufbau der Geschichte hat durchaus seine spannenden Stellen, auch wenn insgesamt doch immer wieder Langeweile aufkommt, denn obwohl in der Geschichte viel passiert, passiert eigentlich nichts.
Die beiden Hauptcharaktere sind unnahbar. Obwohl, oder vielleicht auch weil man teils tiefe Einblicke in ihr Seelenleben erhält und sie auch ihre Weltanschauung dem Leser durchaus kundtun, bleiben sie fremd. Was zumindest als Eindruck von Camille übrig bleibt ist eine gewisse Faszination und gleichzeitig befremdliche Ablehnung. Der Schriftsteller erscheint mir bis zum Schluss vollkommen verschlossen und emotional unfähig, die Situation, in die er sich manövriert hat, zu händeln. Viele Fragen bleiben letztendlich unbeantwortet. Man erhält nur einen kleinen Ausschnitt aus der Begegnung zweier Menschen, die beide nicht wissen, wohin mit sich.
Insgesamt ist der Roman unterhaltend genug, um gelesen zu werden, aber nicht unterhaltend genug, um ihn wirklich zu empfehlen.

Veröffentlicht am 26.02.2021

Toller Anfang, schwache Mitte, gutes Ende

Between Your Words
0

Between your words ist ein Roman, den man durch seine spannende und mitnehmende Geschichte sowie den alltäglichen Sprechstil sehr schnell lesen kann.
Es geht um Thea und Jim, aus deren Perspektiven man ...

Between your words ist ein Roman, den man durch seine spannende und mitnehmende Geschichte sowie den alltäglichen Sprechstil sehr schnell lesen kann.
Es geht um Thea und Jim, aus deren Perspektiven man ihrer beider Geschichte liest. Thea hat eine Gehirnverletzung und nur jeweils 5 Minuten, bevor sie alles, was sie erlebt, wieder vergisst. Da sie jung und wunderschön und charmant ist, verliebt sich der super-sexy-Harley-fahrende-Lederjacke-tragende-Gitarre-spielende-stotternde-Pflegekind Jim dennoch in sie und tut alles, um ihre scheinbar hoffnungslose Situation zu verbessern.
Das Buch ist in drei Teile gespalten und so ist es auch mit meiner Bewertung des Buchs: erster Teil 5 Sterne, zweiter Teil 3 Sterne, dritter Teil 4 Sterne, insgesamt also 4. Es hat durchaus viel Spaß gemacht, es zu lesen, aber man muss ein paar unrealistisch wirkende Geschehnisse außen vor lassen. Zudem ist der Schreibstil teilweise etwas plump ("Oh Gott", etwa 30 mal), gerade in den – Achtung, kleiner Spoiler – kapitellangen Sexszenen, die irgendwie nichts aussagen, nichts zur Handlung beitragen, und aus meiner Sicht hätten komplett weggelassen werden können.
Dennoch ist die Darstellung der alles andere als perfekten Charaktere gut gelungen. Die Geschichte nimmt schnell mit und lässt nicht so schnell los, wenn man vom langweiligen Sextal in der Mitte absieht. Insgesamt durchaus empfehlenswert für Liebhaber romantischer, leicht kitschiger und teils schmerzhafter Geschichten.

Veröffentlicht am 02.02.2021

Nett, aber schwächelnd

Der Countdown-Killer - Nur du kannst ihn finden
0

Der Countdown-Killer ist zweifellos eine spannende Lektüre und hat eine insgesamt sehr dramatische Story. Elle sieht sich als eine unabhängige Ermittlerin und macht einen sehr beliebten Podcast, in dem ...

Der Countdown-Killer ist zweifellos eine spannende Lektüre und hat eine insgesamt sehr dramatische Story. Elle sieht sich als eine unabhängige Ermittlerin und macht einen sehr beliebten Podcast, in dem sie ungelöste Kriminalfälle zu lösen versucht. Der Countdown-Killer Fall liegt ihr besonders am Herzen und führt sie an ihre absoluten Grenzen – aber nicht nur sie, sondern auch ihre gesamte Umgebung. Mit ihrem Handeln bringt sie leider hin und wieder andere in Gefahr.
Der Schreibstil ist durch die abwechselnden Phasen zwischen erzählerischen und Podcast-Szenen erstmal ungewohnt und hin und wieder auch etwas sperrig, da die Transskipte gerne auch unnötige Informationen enthalten, aber wenn man sich daran gewöhnt, lässt sich das Buch gut lesen.
Die Charaktere sind vielseitig gestaltet. Ein Manko ist an der Stelle aus meiner Sicht die beinahe übertriebene Vielseitigkeit: Es wurde gefühlt jede klischeehafte Figur eingefügt, die sich irgendwie einfügen ließ. Prinzipiell finde ich Diversität in Büchern super,hier wirkt sie allerdings – nicht zuletzt wegen wiederholten Seitenhieben gegen den "weißen Mann" als Feindbild – schon eher gezwungen. Wie oft allein der Hijab der Ermittlerin erwähnt wird, wirkt seltsam, allerdings werden auch ständig die roten Augen der übermüdeten Beteiligten erwähnt. Ständig. Das Buch hat generell in vielerlei Hinsicht stark feministische Züge, die zum Teil durch einen bitteren Beigeschmack nicht so authentisch wirken, wie sie es bei einem so wichtigen Thema tun sollten.
Was ich ebenso als störend empfand ist die Tatsache, dass der aufmerksame Leser schon viel zu früh ahnt, wer Elle ist und wer CK ist. Ebenso ahnt man diverse Entwicklungen sehr schnell. Somit bleibt die große Überraschung leider für den kritischen Leser einfach aus.

  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.01.2021

Kurzgeschichten

Das Verschwinden der Erde
0

Das Verschwinden der Erde ist anders – obwohl es ein Thriller sein soll, ist es an vielen Stellen eher ein Roman, oder noch besser gesagt, eine Ansammlung von Kurzgeschichten.
Zu Beginn verschwinden zwei ...

Das Verschwinden der Erde ist anders – obwohl es ein Thriller sein soll, ist es an vielen Stellen eher ein Roman, oder noch besser gesagt, eine Ansammlung von Kurzgeschichten.
Zu Beginn verschwinden zwei kleine Mädchen auf Kamtschatka. Sie werden entführt, doch die Wenigsten scheinen an eine Entführung zu glauben. Für jeden Monat nach dem Verschwinden der Schwestern erzählt ein Kapitel über das Leben einer anderen Person und ihrer direkten Umgebung. Sie alle haben ihre eigene Meinung zum Verschwinden der Mädchen, doch in den Kapiteln geht es hauptsächlich um die jeweiligen persönlichen Leben. Nach und nach wird deutlicher, auf welche Weise die Personen zusammenhängen. Im Grunde kennt auf dieser Halbinsel jeder jeden über genug Ecken und dennoch bleiben die Mädchen verschwunden.
Der Fokus liegt ganz klar auf den Geschichten der Frauen: Das veraltete Rollenbild, das russische Frauen erleben, die Beziehungen zu Partnern, Freunden, Kollegen oder Eltern, und auch der Rassismus der indigenen Bevölkerung gegenüber kommt öfters zur Sprache.
Das Buch ist eigentlich wirklich toll - schön geschrieben und trotz der unterschiedlichsten Geschichten spannend gehalten.
Der Grund, warum es von mir 4 und nicht 5 Sterne bekommt, sind zu viele Charaktere. Man kommt auf Dauer kaum noch mit, wer wer ist und wem was passiert ist, und die Übersicht über die Personen vorne hilft nur bedingt weiter. Das Schlimmste daran ist allerdings, dass man von vielen Charakteren keine weiteren Informationen bekommt. Hin und wieder taucht ein Charakter als Nebenrolle auf, sodass man erfährt, wie das Leben der Person weitergelaufen ist, aber für die meisten bricht die Geschichte einfach komplett ab. Das Buch ist wie ein Fenster, das nur temporär in die Seele und das Leben eines Menschen blicken lässt, doch ist es einmal verschlossen, bleibt es das für immer.

  • Cover
Veröffentlicht am 03.01.2021

Nette Lektüre

Das Buch eines Sommers
0

Das Buch eines Sommers ist weniger ein Roman und mehr der Versuch, die Essenz des Lebens philosophisch aufzuzeigen, aber ganz von vorn:
Es geht um Nicolas, der sich aus Pflichtgefühl seinem Vater gegenüber ...

Das Buch eines Sommers ist weniger ein Roman und mehr der Versuch, die Essenz des Lebens philosophisch aufzuzeigen, aber ganz von vorn:
Es geht um Nicolas, der sich aus Pflichtgefühl seinem Vater gegenüber irgendwie in seiner beruflichen Laufbahn verrannt hat und eine Firma leitet, für die er seine ganze Zeit und Energie verbraucht. Als junger Mann wollte er eigentlich Schriftsteller werden wie sein Onkel Valentin. Der Onkel Valentin ist in dieser Geschichte der mit Abstand interessanteste Charakter und ich hätte mir gewünscht, die Geschichte würde sich eher um ihn drehen, und nicht lediglich um die Erkenntnis, die er bei Nicolas angestoßen hat. Im Laufe der Geschichte wird Nicolas immer wieder mit Fragen konfrontiert, was er sich denn eigentlich vom Leben erhofft, warum er daran forscht, das Altern aufzuhalten und wieso er nicht doch noch einen neuen Schreibversuch wagt.
Die Geschichte lässt sich angenehm und zügig durchlesen, die 240 Seiten fühlen sich nicht sonderlich lang an. Das Buch reicht höchstens für ein Wochenende.
Ein Spannungsaufbau ist im Grunde genommen kaum vorhanden. Es gibt einige Stellen, an denen man als Leser kurz stutzt und etwas "Größeres" erwartet, aber es kommt letztlich immer wie es kommen muss: Die Geschichte ist extrem vorhersehbar; man weiß schon sehr früh, worauf sie hinausläuft, man wundert sich lediglich, dass Nicolas so viele doch sehr eindeutige Hinweise braucht, um "sich selbst zu finden".
Was ich als störend empfand, sind die vielen Parallelen, die beinahe penetrant vor die Augen des Lesers geführt werden. Ein oder zwei Parallelen machen eine Geschichte rund, fünf oder sechs Parallelen bauschen sie allerdings auf, ohne sie voranzubringen.
Meine Empfehlung für das Buch mache ich davon abhängig, wie viel sich der Leser mit der Thematik der Selbstfindung bereits auseinandergesetzt hat. Wer schon hin und wieder über seine Lebensziele kritisch nachgedacht hat, wird vermutlich nichts erfahren, was ihm noch nicht bewusst ist. Wer allerdings das Hinterfragen seines Werdegangs stets unterlässt, weil er oder sie das Ergebnis fürchtet, sollte sich das Buch unbedingt durchlesen. Leider wird in dem Buch nie darauf eingegangen, wie es sich auf unsere Gesellschaft auswirken würde, wenn alle "werden, was sie sind". Für den Einzelnen ist es vermutlich immer fantastisch. Für die Gesellschaft wäre es eventuell schwierig, wenn die meisten nur noch Künstler, Schriftsteller oder Weinhersteller werden wollen würden. Diese Beleuchtung fehlt mir.
Insgesamt ist das Buch dank seiner sympathischen Charaktere und der sehr sommerlichen, leichten Beschreibung der Villa Mystica eine nette Lektüre.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere