Cover-Bild Der Salzpfad

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14,99
inkl. MwSt
  • Verlag: DuMont Reiseverlag
  • Genre: keine Angabe / keine Angabe
  • Seitenzahl: 336
  • Ersterscheinung: 16.01.2020
  • ISBN: 9783770166886
Raynor Winn

Der Salzpfad

SPIEGEL-Bestseller
Christa Prummer-Lehmair (Übersetzer), Heide Horn (Übersetzer)


Alles, was Moth und Raynor noch besitzen, passt in einen Rucksack. Sie haben alles verloren – ihr Zuhause, ihr Vermögen und Moth seine Gesundheit. Mit einem kleinen Zelt machen sie sich auf, den South West Coast Path, Englands berühmten Küstenweg, zu wandern. Mit einem Mal ist ihr Zuhause immer nur dort, wo sie gerade sind. Sie kämpfen mit Vorurteilen, Ablehnung und der Sorge, dass das Geld für den nächsten Tag nicht mehr reicht. Und zugleich entdecken sie auf ihrer großen Wanderung das Glück: herzliche Begegnungen, ihre neu erstarkte Liebe und die Fähigkeit, Kraft aus der Natur zu schöpfen. Allen Prophezeihungen zum Trotz führt sie der mehrmonatige Trip zurück ins Leben und öffnet die Tür zu einer neuen Zukunft.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.06.2019

hier ist Empathie gefragt…..

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Ich habe schon die ein oder andere Rezension zu dem Buch gelesen. Nicht immer ist das Buch dabei gut weggekommen. Dabei wurde meist die" Blauäugigkeit" und der "Leichtsinn" von Moth und Raynor angesprochen ...

Ich habe schon die ein oder andere Rezension zu dem Buch gelesen. Nicht immer ist das Buch dabei gut weggekommen. Dabei wurde meist die" Blauäugigkeit" und der "Leichtsinn" von Moth und Raynor angesprochen oder der sich "immer wiederholende" Inhalt. Es fehlten die "Landschaftsberichte" bzw. mehr "Hintergrund" zu dem berühmten Küsten-Trail.
Aber war der Klappentext den wirklich so zu verstehen, dass hier ein "Reisebericht" über den "South West Coast Path" zu erwarten wäre?

Meine Antwort darauf lautet "Nein". Hier geht es definitiv nicht in erster Linie um den berühmten Küsten-Trail. Hier geht es um mehr! Um das Leben von zwei Menschen, die von "heute auf morgen" ihre Existenzgrundlage verlieren und als ob es nicht reicht noch eine vernichtende Diagnose gestellt bekommen.

Es bedarf vom Leser eine gehörige Portion Empathie, um sich in diese Situation zu versetzten. In unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft ist dies nicht mehr unbedingt denkbar. Vielleicht erklärt diese Tatsache ja die ein oder andere Rezension.

Natürlich kommt vielleicht nun auch der ein oder andere Leser und glaubt hier an einen Marketing-Trick. Bücher verkaufen sich vielleicht besser, wenn dem Leser eine solche Situation vorgestellt wird und auf die Tränendrüse gedrückt wird. Ich kann dies nicht überprüfen und will es auch nicht ausschließen, aber ich kann es mir nicht vorstellen. Die Geschichte wirkt zu authentisch. Ich habe auch ein wenig im Netz recherchiert. Hier finden sich diverse Seiten (oftmals in englischer Sprache), in der die Geschichte der Beiden thematisiert wird.

Aber nun noch mal zurück zum Inhalt des Buches. Moth und Raynor machen sich tatsächlich ein wenig "blindäugig" auf den Weg. Aber welche andere Möglichkeit hatte sie ansonsten. Sie wollten nicht in eine Sozialwohnung landen und ihren Lebensabend dort verbringen. Stattdessen wollten sie sich nicht mit diesem Schicksal abfinden und haben sich auf den Weg gemacht.

Anfangs gibt es diverse Probleme. Dazu gehört mit Sicherheit auch das "Geldproblem" und die Sorge um Wasser. Auch das sie nicht immer den richtigen Weg finden und so z.B. in einem Truppenübungsgelände landen passiert halt. Warum auch nicht? Sie haben keine App auf deinem Smartphone welcher den Weg weist, noch ein GPS Gerät zur Orientierung. Und ja, beide klagen oft über die Belastung und die damit verbundenen Schmerzen sowie über die eintönige Versorgung mit Lebensmittel und deren Hunger. Der Leser sollte sich aber bewusst machen, dass es hier um zwei Menschen geht, die nicht das nötige Geld und Equipment besitzen, um ihren Urlaub zu leben.

Stattdessen kommen die Beiden an ihre physischen und psychischen Grenzen, über die sie berichten. Unterwegs treffen sie andere Wanderer und ansässige Personen, mit denen sie sich austauschen und so manche Lebensweisheit mit auf den Weg bekommen. Sie reden auch anfangs nicht gerne über ihre Geschichte und dass sie obdachlos sind, da sie Angst vor den Reaktionen haben. Das Thema wird von ihnen auch politisch dargelegt, um zu verstehen was in England damit verbunden ist.

Und doch finden sich auch geschichtliche und aktuelle Hintergründe zum "South West Coast Path", die einem Reisebericht nahekommen. Vor allem kommt ganz klar rüber, dass es ein beeindruckender, fordernder und naturgewaltiger Trail ist. Man kann ihn als Urlaubstrip begehen und in festen Unterkünften oder Zeltplätzen unterkommen oder auch Wildzelten. Man kann sein Gepäck selber tragen oder es von Ort zu Ort bringen lassen.

Abschließend kann ich das Buch demjenigen empfehlen, der genug Empathie mitbringt und sich auf die Erfahrungen von Moth und Raynor einlässt. Nicht nur einfach urteilen und den Kopf schütteln, sondern zwischen den Zeilen auch die Hoffnungen, Mut, Ängste, Sehnsüchte, Freuden, Niedergeschlagenheit.... erspüren. Es ist die Geschichte von zwei Menschen, die dem Leser einladen einen Teil ihres Lebens mitzugehen. Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, sich darauf einzulassen. Und vielleicht weckt es im ein oder anderen Leser auch das Verlangen, den Alltag zu vergessen und sich auch auf ein Abenteuer einzulassen. Entweder mit oder ohne Sicherheitsnetz.

Veröffentlicht am 08.06.2019

Der Weg aus der Hoffnungslosigkeit

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Dieses Buch erzählt in mehrfacher Hinsicht von einem Weg, den es zurückzulegen gilt. Zum einen geht es – wie der Name des Buches schon sagt – um den „Salzpfad“, den South West Coast Path in Großbritannien, ...

Dieses Buch erzählt in mehrfacher Hinsicht von einem Weg, den es zurückzulegen gilt. Zum einen geht es – wie der Name des Buches schon sagt – um den „Salzpfad“, den South West Coast Path in Großbritannien, der sich von Minehead nach Westen über Cornwall bis nach Lands End und an der Südküste in Richtung Osten zurück bis nach Poole erstreckt. Der noch wichtigere Weg jedoch ist für Raynor und Moth in diesem Buch der Weg aus der Hoffnungslosigkeit nach einem schweren Schicksal.

Beginnen wir am Anfang der Geschichte… Raynor und Moth verlieren ihr Haus. Ihre Farm, die sie viele Jahre lang bewirt-schaftet haben. Der Ratschlag eines „guten“ Freundes führte zu einer Investition mit Folgen… das angeblich sichere Investment scheiterte – bis das Paar nach unzähligen Gerichtsterminen obdachlos und völlig bankrott vor dem Nichts stand. Zudem hatte Moth gerade eine schwierige Diagnose zu verarbeiten – er leidet an einer Krankheit ohne Aussicht auf Heilung.

Ray und Moth flüchten sowohl innerlich als auch tatsächlich vor der Realität und beginnen, den Küstenwanderweg zu laufen. Oft machen sie sich Sorgen darum, was eigentlich passieren wird, wenn sie das Ende der Wanderung erreicht haben… werden sie es überhaupt gemeinsam erreichen?

Ray und Moth schildern ihre Wanderung als Reise zu sich selbst. Mit einem Budget von 48 Pfund pro Woche sind sie kaum in der Lage, genügend Lebensmittel zu beschaffen um zu überleben. Eine Tüte Pommes an der Strandpromenade eines Ferienortes wird zum fast unerschwinglichen Luxus. Ein Zimmer für eine Nacht in einem Bed & Breakfast ist indiskutabel. Bei Wind und Wetter, bei Hitze und Sturm kämpfen sich Ray und der angeschlagene Moth an der Küste entlang. Und finden trotzdem immer wieder den ein oder anderen Lichtblick auf ihrer Reise. Sie begegnen hilfsbereiten Menschen genauso wie überheblichen, intoleranten genauso wie großzügigen. Am Ende des Wegs steht für das Paar ein neuer Anfang (der sich erst auf der Wanderung herauskristallisiert).

Dieses Buch schlicht als „Reisebericht“ zu bezeichnen greift zu kurz und wird ihm nicht gerecht. Es ist viel mehr als das, und genau das ist wohl auch der Grund, weshalb das Buch in Groß-britannien so ein Erfolg geworden ist. Es ist die Lebensbeichte eines Paares, die zweifeln und sich fragen, ob sie nicht viele falsche Entscheidungen getroffen haben (und wie man falsche Entscheidungen in der Zukunft vermeidet). Und die eine Ant-wort darauf finden: nein. Denn es geht. Immer. Weiter. Und wenn es mit einem kleinen Zelt und zwei Rucksäcken als ein-ziger Habe ist. Es geht weiter.

Das Buch regt an, seine eigenen Besitzstände zu hinterfragen und sich selbst ein wenig „Marscherleichterung“ zu verschaffen. Die Fragen „Was brauche ich wirklich?“ und „Wieviel kann ich mir zumuten?“ stehen groß im Raum, wenn man dieses Buch nach dem Lesen aus der Hand legt. Ich persönlich würde sagen, ich würde eine solche (Tor)tour nicht schaffen. Aber wer weiß… man kann scheinbar ziemlich viel, wenn man muss.

Wer dieses Buch liest und den Salzpfad mit Raynor und Moth beschreitet, liest über zwei Wege: den Weg, den die Füße gehen, und den Weg, den der Kopf dabei geht. Wer sich darauf einlässt, entdeckt neben interessanten Land-schaftsbeschreibungen ein inspirierendes Buch, das Hoff-nung macht.