Cover-Bild Die Hauptstadt

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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Suhrkamp
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 459
  • Ersterscheinung: 11.09.2017
  • ISBN: 9783518427583
Robert Menasse

Die Hauptstadt

Roman
Der große europäische Roman | Deutscher Buchpreis 2017
In Brüssel laufen die Fäden zusammen – und ein Schwein durch die Straßen.
Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. David de Vriend dämmert in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; ≫zu den Akten legen≪ wäre zu viel gesagt, denn die sind unauffindbar. Und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank der Kommission vor den Denkbeauftragten aller Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten. In seinem neuen Roman spannt Robert Menasse einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen. Und was macht Brüssel? Es sucht einen Namen – für das Schwein, das durch die Straßen läuft. Und David de Vriend bekommt ein Begräbnis, das stillschweigend zum Begräbnis einer ganzen Epoche wird: der Epoche der Scham.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2017

Bürokratie der Europäischen Kommission unterhaltend dargestellt

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In Brüssel spielt ein großer Teil der Handlung des Romans „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse, der dafür den Deutschen Literaturpreis 2017 erhalten hat. Der Roman heißt aber nicht nur so, weil Brüssel ...

In Brüssel spielt ein großer Teil der Handlung des Romans „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse, der dafür den Deutschen Literaturpreis 2017 erhalten hat. Der Roman heißt aber nicht nur so, weil Brüssel die Hauptstadt Belgiens und nebenbei auch Sitz der Europäischen Kommission ist, sondern weil es nach einem der Charaktere endlich an der Zeit ist, nachnational zu denken und eine Hauptstadt für Europa zu bauen, funktionell vergleichbar mit Brasilia.

Die Protagonisten des Romans lernte ich im Prolog kennen, der umklammert wird von einem Tier, nämlich einem Schwein. Man könnte meinen, hier wird dem Sprichwort nach eine Sau durchs Dorf getrieben, aber erstens rennt es geschlechtslos durch eine Stadt und zweitens ist die Ursache dazu nicht sichtbar, allerdings ist ihm Aufmerksamkeit auf der ganzen Ebene sicher. Und dabei bleibt es nicht nur für diese kurze Begebenheit, sondern das Thema „Schwein“ zieht sich durch den Roman in vielerlei Form.

Soviel Interesse wie für das Schwein wünscht sich die Leiterin der Generaldirektion Kultur der EU auch für ihr Ressort. Denn der Kultur kommt bei weitem nicht die Beachtung zu wie etwa der Wirtschaft oder der Energie verbunden mit der Diskussion um den Klimawandel. Eine Jubiläumsfeier zum 50. Jahrestag der Gründung der Europäischen Kommission soll daher das Image und damit die Bedeutung der Kultur aufwerten. Nach einer Idee der Festausrichtung wird gesucht und gefunden, doch die Umsetzung gestaltet sich schwierig durch die Notwendigkeit der Zustimmung auf nationaler Ebene der angeschlossenen Staaten.

Während die EU-Mitarbeiter an den Planungen feilen, bereitet sich einer der letzten Überlebenden von Auschwitz, der in Brüssel lebt, auf seine letzten Tage vor und ein Kommissar versucht ein vertuschtes Verbrechen aufzudecken, dass in einem zentral gelegenen Hotel Brüssels geschehen ist just an dem Tag, an dem das Schwein durch die Straßen rannte. Robert Menasse greift die losen Fäden der Erzählung auf und führt den Leser unter verschiedenen Berührungspunkten stringent durch den Roman bis hin zu einem besonders traurigen Moment in Brüssel im März 2016, der uns alle erschüttert hat.

Mit Martin Schulz und Armin Laschet sind zwei führende Politiker in diesem Jahr ins Rampenlicht getreten, die eine politische Vergangenheit auf europäischer Ebene haben und die mir vorher nur deshalb bekannt waren, weil sie hier im Grenzland zu den Niederlanden zur lokalen Prominenz gehören. Sollte ich heutige Europapolitiker nennen, käme ich ins Grübeln und ich glaube, dass es sehr vielen so geht. „Die Hauptstadt“ hat mein Augenmerk auf einen wichtigen Part unserer Geschichte gelenkt, auf die Zusammenarbeit der Staaten mit den vielen, nötigen, oft kleinteiligen Abstimmungen zur Steuerung des Schiffs Europa. Am Rand seines Romans blickt der Autor auf die Gründe zurück, die zur Zusammenarbeit der ersten Länder Europas führten.

Um seine Schilderung authentisch zu gestalten ist Robert Menasse für eine Weile nach Brüssel gezogen. Er hat dort das Alltagsleben beobachtet, den Flair der Stadt aufgenommen und vor allem Gespräche mit Arbeitnehmern der Europäischen Kommission geführt bei Kaffee und Zigarette, damit er sich in deren Denkweise hineinversetzen konnte. Seine Charaktere bringen Europa mit in die multikulturelle Hauptstadt Belgiens. Die meisten Mitarbeiter verlassen ihre Heimat, um hier zu arbeiten wie beispielsweise die Griechin und Zypriotin Fenia oder der Österreicher Martin. Der Autor blickt auf deren familiären Hintergründe und schweift in seinen Schilderungen gern mal ab auf Begebenheiten, die mir weitere Zusammenhänge in der Europapolitik aufzeigten. Und immer wieder ist auf allen Ebenen ein großer bürokratischer Aufwand zu bewältigen. Doch ich konnte die Figuren auch im Privaten Ebene begegnen: der liebenden Frau mit Hintergedanken, dem eher unwirschen und dennoch besorgten Bruder, dem auf einer Idee beharrenden und seiner Frau nachtrauernden Emeritus und auch dem Mörder.

Gewürzt mit einer Portion Sarkasmus und einer Prise Ironie gelingt es dem Autor, die große Politik Europas verbunden mit dem Intrigenspiel und Machtgerangel der Funktionäre auf allen Ebenen und taktischen nationalen Abwägungen, ob man den Vorschlägen der Europäischen Kommission zustimmen soll und will, in einer nachvollziehbaren, ansprechenden Geschichte darzustellen. Meiner Meinung nach, hat „Die Hauptstadt“ den Deutschen Buchpreis zu Recht erhalten und ich wünsche dem Roman noch viele weitere Leser.

Veröffentlicht am 11.02.2018

Brüsseler Intrigen und eine mögliche Zukunft Europas

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„Wir haben Experten für alles, sagte Hidekuti. Wir können Regen machen, und wir können das so machen, dass die Kommission im Regen steht.“ (Zitat Seite 330)

Inhalt:
Fenia „Xeno“ Xenopoulou hat Wirtschaft ...

„Wir haben Experten für alles, sagte Hidekuti. Wir können Regen machen, und wir können das so machen, dass die Kommission im Regen steht.“ (Zitat Seite 330)

Inhalt:
Fenia „Xeno“ Xenopoulou hat Wirtschaft studiert, doch der erhoffte Aufstieg innerhalb der Europäischen Kommission beförderte sie ausgerechnet ins Kultur Ressort, als Leiterin der Direktion C, Kommunikation. Dies möchte sie rasch ändern und zumindest wieder ins Ressort Handel zurück. Gleichzeitig sucht Grace Atkinson, die neue Generaldirektorin des Kommunikationsdienstes nach einer zündenden Idee, das Image der Europäischen Kommission bei den EU Bürgern zu verbessern, das 50 Jahre-Jubiläum in zwei Jahren scheint ihr der perfekte Anlass. Fenia Xenopoulou wiederum sieht eine Chance, sich zu profilieren und erklärt das Big Jubilee Project zu einer Sache des Ressorts Kultur. Ihr Mitarbeiter Dr. Martin Susman kommt von einem Besuch in Auschwitz zurück und eine Idee für das Jubiläumsprojekt. Die Überlebenden von Auschwitz, die der Wunsch nach einem Leben in Würde und Freiheit einte. Doch wo findet man diese Überlebenden?
Neue Visionen zur Zukunft der EU „New Pact for Europe“ sind auch das Thema eines Think-Tank aus internationalen Fachleuten, dem auch der österreichische Professor DDr. Alois Erhart. Er schlägt dem Gremium die Errichtung einer neuen Hauptstadt vor …
Für weitere Verwirrung sorgt ein Schwein, das durch Brüssel irrt und ein Mord im Hotel Atlas, den Kommissar Brunfaut untersuchen will, aber nicht darf.

In seinem Europa-Roman stellt der Autor die Hauptpersonen, um die er seine Geschichte entwickelt, dem Leser vor, indem er sie durch eine Gemeinsamkeit eint: alle sehen ein Schwein, das durch Brüssel läuft und einen keineswegs friedlichen Eindruck macht.
Dies sind die ehrgeizige Fenia „Xeno“ Xenopoulou, gegen ihre Wünsche ins Kultur Ressort befördert und Kai-Uwe Frigge, Kabinettchef Generaldirektion Handel, mit dem sie eine lockere Beziehung hat;
Dr. Martin Susman, Mitarbeiter in ihrem Team, Kind österreichischer Bauern, dessen Bruder Florian den elterlichen Schweinemastbetrieb erfolgreich weiterführt;
Ryszard „Mateusz“ Oswiecki, der einen Auftrag ausgeführt hat und untertaucht;
David de Vriend, der in Brüssel lebt, Auschwitz überlebt hat und gerade in ein Altersheim übersiedelt ist;
Prof. DDr. Alois Erhart, auch im Alter noch damit beschäftigt ist, seine Kindheit zu verarbeiten und endlich seine eigenen Visionen findet;
Kommissar Emile Brunfaut der einen Mordfall vergessen soll, statt ihn aufzuklären.

Jede dieser Hauptpersonen hat ihre eigene Geschichte, die Menasse erzählt, teilweise durch Rückblenden, vor allem aber, indem er uns an ihren Gedanken teilhaben lässt. Dadurch erklären sich Verhaltensweisen und Handlungen. Manche der Personen kennen einander, andere begegnen sich, verharren jedoch in der Anonymität der Großstadt und als Leser möchte ihnen zurufen, doch miteinander zu reden, weil es wichtig wäre. Die Sprachenvielfalt in Brüssel macht die Kommunikation nicht einfacher.

Robert Menasse beschreibt in diesem Roman das Gefüge der Europäischen Union, Abläufe in der Bürokratie von Brüssel, und dies alles so realistisch, dass es genau so passiert sein könnte, teilweise auch ist. Ähnliche Personen wie die Hauptakteure seiner Geschichte kennen wir alle. Kritisch werden Verträge hinterfragt, die internen Querelen nachvollzogen, aber Kernstück ist die Frage nach der Eigenständigkeit der Nationen unter der Idee einer supranationalen Zukunft – und der nach wie vor aktuelle Umgang mit der Vergangenheit.

Die parallel laufenden Einzelschicksale machen die Geschichte spannend, dazu kommt die gekonnte sprachliche Qualität, die Lesevergnügen garantiert. Besonders die genialen philosophischen Betrachtungen über Dinge wie Senf und Insekten, die der Autor Dr. Martin Susman anstellen lässt, sind skurril, geistreich und witzig.

Leider lässt die Spannung in der zweiten Hälfte des Buches etwas nach, der Autor will uns hier meiner Meinung nach einfach zu viel über Abläufe in der EU und in den Kommissionen mitteilen und auch die langatmigen inneren Selbstdialoge von Prof. Erhart haben dazu geführt, dass mich der Autor kurzzeitig verloren hat, die Geschichte schien mir irgendwie in Nebensächlichkeiten auszufransen. Dann jedoch führt der Autor die Personen im Finale nochmals zusammen und lässt das Schicksal einen gewaltigen Schlusspunkt setzen.

Beim Erscheinen dieses Romans war ich natürlich gespannt, aber die Leseprobe hat mich eher ratlos gemacht. Als Österreicherin kannte ich Menasse bisher nur als Essayist und dieser Roman schien für mich in Richtung Essay, zum Ganzen zusammengefügt, zu gehen. Doch trotz kleiner Einschränkungen hat mich dieser Roman überzeugt und ich habe ihn mit Vergnügen gelesen. Ich empfehle ihn für Leser, die am Thema Europa uinteressiert sind und mögliche Lösungswege für eine gemeinsame Zukunft, und an mit ihren Eigenheiten nur allzu menschlichen Personen. Wenn sie zu wissen glauben, dass EPP für European People's Party, Europäische Volkspartei, steht, dann sollten sie lesen, was Menasse dazu eingefallen ist.

Veröffentlicht am 19.01.2018

Das Schwein und störende Ideen.

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Meine Meinung

Das Schwein und störende Ideen.

Der Roman beginnt damit, dass ein Schwein panisch durch Brüssel läuft. Männer und Frauen geraten in Panik. Manch einer stürzt vor Schreck auf den regennassen ...

Meine Meinung

Das Schwein und störende Ideen.

Der Roman beginnt damit, dass ein Schwein panisch durch Brüssel läuft. Männer und Frauen geraten in Panik. Manch einer stürzt vor Schreck auf den regennassen Straßen und wälzt sich im Dreck.
Ich dachte bei mir, wie skurril diese Situation anmutet. Ein Schwein jagt erwachsenen Menschen Angst ein. Mutig sind wir Menschen wirklich nur dann, wenn so ein beschauliches Nutztier paniert und dampfend auf unserem Teller liegt. Das Thema Schweinehandel hat mir sehr zu denken gegeben. Wie hier mit Lebewesen gehandelt wird, ist einfach nicht richtig. Aber, das wissen wir längst. Ich habe mir die Frage gestellt: Ist das Schwein als Symbol für unsere Politik gedacht?

Ich habe vorher noch nie ein Buch gelesen, dessen Schwerpunkt auf Politik beruht. Der Autor hat es geschafft, dass mich die Geschichte um die EU gefesselt hat.
Man lernt viele Personen kennen, bei denen man sich fragt, was sie mit der Handlung zu tun haben. Nach und nach fügen sich die Protagonisten in das Geschehen ein.
Sei es der demente David de Vriend, der seinen Lebensabend in einem Altenheim verbringt oder der Referent Martin Susman. Mit David de Vriend beginnt die Geschichte. Er zieht aus seiner Wohnung aus. Eigentlich weiß er gar nicht warum. Er wird in dieser Geschichte noch sehr wichtig werden. Er hat den Holocaust überlebt.
Susman und seine ehrgeizige griechische Kollegin Fenia Xenopoulou aus der EU-Kommission, versuchen eine Kunstausstellung zur Jubiläumsfeier zu gestalten. Als Hauptthema: Die letzten Überlebenden des Holocaust.

Kommissar Brunfaut schien mir einer von den wenigen Charaktermenschen in der Geschichte zu sein. Übergewichtig und ehrlich. Er weiß nicht mehr, wem er noch trauen kann. Er darf bei einem Mord nicht mehr weiter ermitteln. Die Daten aus seinem PC sind komplett gelöscht. Brunfaut wird beurlaubt. Brunfaut ist nicht gesund. Brunfaut möchte der Sache trotzdem auf den Grund gehen.

Die katholische Kirche schickt einen polnischen Agenten auf Reisen, der nun auf der Flucht ist.
Der österreichische Emeritus der Volkswirtschaft Alois Erhart, plant beim Think-Tank seine letzte Rede zu halten. Er nimmt kein Blatt mehr vor den Mund und stößt die Denkbeauftragten mit seinen Worten vor den Kopf.

Der Autor hat Fiktion und Realität gekonnt miteinander verwoben. Sei es das Flüchtlingsproblem oder die katastrophale Situation in Griechenland. Besonders deutlich wird, dass es in der Politik eigentlich kein Miteinander gibt. Jeder möchte das größte Stück vom Kuchen. Jeder will die Karriereleiter hochklettern und geehrt werden. Für Idealisten gibt es wenig Platz in der politischen Maschinerie. Nichts Neues!
Überlebende Holocaustopfer benutzt man zu Werbezwecken. Das Image der europäischen Komission soll mit geheuchelter Empathie aufpoliert werden. Das sind so meine Gedanken.


Mein Fazit

Der Schreibstil ist nüchtern und stellenweise sehr humorvoll. Es wird stets aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten erzählt. Es wird viel philosophiert und diskutiert. Jedes Kapitel beginnt mit einem philosophischen Satz.
Ein raffinierter Prolog holt den Leser von Anfang an ab.
Das Schwein läuft in der Geschichte immer wieder seine Bahnen.
Stellenweise war mir die Geschichte etwas zu ausschweifend. Es wurde, für meinen Geschmack, zuviel in die Geschichte hineingepackt.
Nichtsdestotrotz hat der Autor einen Roman geschrieben, der auch für Menschen geeignet ist, die nicht leidenschaftlich gerne politisieren.
Vegetarier dürften nun darüber glücklich sein, dass sie keine Konsumenten von Schweinefleisch sind. Schweine sind Lebewesen! Warum nur geht das immer wieder unter?
Mir ist es unheimlich schwer gefallen, über dieses Buch meine Meinung zu schreiben, da ich mich zuvor nie so eingehend mit der Thematik befasst habe. Ich habe viel dazu gelernt. Vor allem, warum Raucher Angorawäsche tragen sollten.

Danke Robert Menasse

Meine Lieblingszitate

>>Ideen stören, was es ohne sie gar nicht gäbe,<< (Überschrift 2. Kapitel)

Von einem verstorbenen Baron aus Brüssel, der mit einer "Negerin!" verheiratet war: >>Ich bin lieber mit dieser Frau glücklich geächtet als ohne sie geachtet.<< (Seite 90)

Veröffentlicht am 05.12.2017

Die Hauptstadt

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Ein Schwein macht die Straßen Brüssels unsicher, die EU Kommission muss unbedingt ihr Image aufpolieren und ein Mord der nicht stattgefunden hat, sind nur die Spitze des Eisbergs. Die dahintersteckende ...

Ein Schwein macht die Straßen Brüssels unsicher, die EU Kommission muss unbedingt ihr Image aufpolieren und ein Mord der nicht stattgefunden hat, sind nur die Spitze des Eisbergs. Die dahintersteckende Problematik ist tiefgründig und es bedarf einer geschickt angelegten Taktik, um dem Dilemma ein Ende zu setzen. Zwischen Bürokratie und Machtkampf, voller Tragik und Komik, wird mit allen Mitteln um die Durchsetzung der jeweiligen Interessen gekämpft. Lobbyisten, Karrieristen und Heuchler, das Strippenziehen ist in vollem Gang und sorgt für so manche Überraschung, die sich immer mehr zu einer satirischen Persiflage entwickelt.

Fazit
Ein äußerst vielschichtiger Roman, der zwischen Fiktion und Realität, viele verschiedene Handlungsstränge zu einer geschickt miteinander verwobenen Geschichte verbindet, die sich zeitkritisch mit der europäischen Idee auseinandersetzt.

Veröffentlicht am 07.11.2017

"Bürokratie? Wahnsinn!"

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Ein Schwein läuft durch Brüssel, ein Mord verschwindet aus den Akten, eine Jubiläumsfeier der europäischen Kommission soll ausgerichtet werden...

...das sind die Rahmenhandlungen der Geschichte "Die Hauptstadt", ...

Ein Schwein läuft durch Brüssel, ein Mord verschwindet aus den Akten, eine Jubiläumsfeier der europäischen Kommission soll ausgerichtet werden...

...das sind die Rahmenhandlungen der Geschichte "Die Hauptstadt", die -wie ich finde- ein würdiger Preisträger des deutschen Buchpreises ist.

Ich mag den Humor, diese auf den Punkt gebrachten Seitenhiebe, ich musste so manches Mal beim Lesen laut auflachen. Das hat mich ehrlich gesagt überrascht. Bei einer Geschichte über den Bürokratie-Wahnsinn in Europa hatte ich nicht mit solch guter Unterhaltung gerechnet. Es ist intelligent geschrieben und lässt sich dabei flüssig lesen. Hier steht eine gewählte Ausdrucksweise dem Lesevergnügen nicht entgegen.

Schon den Einstieg ins Buch fand ich ausgesprochen originell: ein Schwein läuft mitten durch Brüssel und man lernt die Personen kennen, während jeder von ihnen das Schwein entdeckt.
Es gibt ziemlich viele Personen, daher war es anfangs etwas schwierig, den Durchblick zu bekommen, was aber dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan hat. Nach einer Weile war ich dann mit den Personen vertraut. Die einzelnen Erzählstränge werden manchmal durch zufällige Begegnungen der beteiligten Personen verwoben und am Ende befinden sich alle Beteiligten zur "falschen" Zeit am selben Ort...

Bereits während der Lektüre bin ich vom eBook zum Hardcover gewechselt, weil für mich klar war, dieses Buch ist so toll, dass es in meinem Bücherregal stehen muss.