Cover-Bild Die Ladenhüterin
10,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Aufbau audio
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 18.02.2020
  • ISBN: 9783961051946
Sayaka Murata

Die Ladenhüterin

Roman
Bettina Storm (Sprecher), Ursula Gräfe (Übersetzer)

»Eine Liebesgeschichte aus den Tiefkühlregalen unserer Herzen.« rbb. Die literarische Sensation aus Japan, die auch die deutschen Leserinnen und Leser im Sturm erobert hat: Eine Außenseiterin findet als Angestellte eines 24-Stunden-Supermarktes ihre wahre Bestimmung. Beeindruckend leicht und elegant entfaltet Sayaka Murata das Panorama einer Gesellschaft, deren Werte und Normen unverrückbar scheinen. Ein Roman, der weit über die Grenzen Japans hinausweist. »Schlicht und schön ist die Moral dieser befremdlich tröstlichen Geschichte.« Die Zeit. »›Die Ladenhüterin‹ ist absurd, komisch, klug und präzise erzählt.« ZDF aspekte

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2020

Die wahre Bestimmung

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Schon als Kind war Keiko anders, sie nahm es schon damals allzu wörtlich. Fand sie einen toten Vogel, dachte sie, er könne zum Verzehr geeignet sein, während ihre Schwester das Tierchen ehrenvoll bestatten ...

Schon als Kind war Keiko anders, sie nahm es schon damals allzu wörtlich. Fand sie einen toten Vogel, dachte sie, er könne zum Verzehr geeignet sein, während ihre Schwester das Tierchen ehrenvoll bestatten wollte. Und so zieht es sich durch ihre Kindheit und Jugend. Ihr Studium schafft Keiko zwar mit Ach und Krach, aber einer richtigen Anstellung fühlt sie sich nicht gewachsen. Ihr Aushilfsjob in einem Convenience Store einem sogenannten Konbini ist wie eine Offenbarung. Endlich hat sie ein Vorbild im Verhalten ihrer Kollegen und ein Handbuch, endlich fällt sie nicht mehr auf.

Doch in diesem berührenden kleinen Roman bleibt es nicht lange bei dem angenehmen Leben im Konbini. Mit Mitte dreißig hat Keiko ihre Aushilfsstellung immer noch inne und wieder fällt sie auf. Normale junge Frauen haben in dem Alter eine ordentliche Arbeit, Hobbys, eine Familie. Keiko beginnt zu überlegen, wie sie ihre Situation verbessern könnte. Vielleicht bietet der neue Mitarbeiter, der ihr irgendwie ähnlich zu sein scheint, die Rettung.

In diesem kurzen Hörbuch/Büchlein steckt eine ganze Menge. Wie engstirnig ist die Gesellschaft - und das ist hier sicherlich nicht viel anders als in Japan - wenn sie eine junge Frau wie Keiko nicht einfach so sein lassen kann wie sie ist. Augenscheinlich hat Keiko eine Art autistische Störung, die sie zwar ganz gut funktionieren lässt, sie aber doch von denen unterscheidet, die sich als normal bezeichnen. Gut kann man Keikos Erleichterung nachempfinden als sie endlich im Konbini angekommen ist und ihre Bestimmung gefunden zu haben scheint. Warum verlangt ihre Familie von ihr, normal zu werden. Warum lassen ihr die Kollegen nicht einfach ihren Job? Wie traurig, dass sie darüber nachdenken muss, etwas an ihrem Leben zu ändern, um nicht mehr aufzufallen. Und mit ihrem männlichen Gegenpart findet sie tatsächlich einen, neben dem sie wie ein Ausbund an Normalität wirkt. Am Ende befreit sich Keiko von allen Konventionen und geht mit Freude und Erleichterung ihrer waren Bestimmung nach.

Ein gefühlvoller kleiner Roman, der einem vor Augen hält, dass Menschen grundsätzlich so genommen werden sollten wie sie sind.

Veröffentlicht am 03.03.2020

Gesellschaftliche Außenseiter der anderen Art

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Erstmal muss ich den deutschen Titel loben - klar ist unsere Protagonistin Keiko eine wahre Hüterin "ihres" konbini, der 24-Stunden-Shop, in dem sie jobbt. Doch auch die zweite Interpretation - ein ungewollter ...

Erstmal muss ich den deutschen Titel loben - klar ist unsere Protagonistin Keiko eine wahre Hüterin "ihres" konbini, der 24-Stunden-Shop, in dem sie jobbt. Doch auch die zweite Interpretation - ein ungewollter Artikel, vielleicht sogar eine alte Jungfer - trifft ebenso zu. Variante 1 enstricht Keikos Selbstbild, Variante 2 dem Bild, das andere von ihr haben.

Keiko arbeitet also als Aushilfe in einem dieser immer-offen-Shops, und das seit mehr als 15 Jahren. Sie fühlt sich wohl un angekommen, denn dass Keiko nicht der Norm entspricht, war schon früh klar. Sie kommt in sozialen Interaktion nur schwer zurecht, es fehlt ihr an Empathie und überhaupt wird sie von anderen als "komisch" beäugt. Erst im konbini mit seinen strikten Regeln und Vorgaben blüht sie auf. Hier weiß sie, was von ihr erwartet wird und wie sie sich zu verhalten hat - im Zwiefelsfall imitiiert sie einfach ihre Kolleginnen. Nachmachen um nicht aufzufallen, in der Gruppe verschwinden, um die Individualität zu verstecken.

Doch Freunde und Familie zweifeln: Sie ist über 30, hat nur einen Aushilfsjob, ist noch Jungfrau und ohne Aussicht auf oder gar Interesse an einer Ehe - im leistungsorientierten Japan besonders unverständlich.

Dann betritt mit Shiraha ein weiterer Außenseiter die Szenerie. Er ist ein ähnlicher Außenseiter wie Keiko: Arbeitslos, ohne Geld, keine Partie in Sicht. Doch Shiraha versucht gar nicht erst, dazuzugehören. Er rebelliert offen, bis zu einem Grad auch gegen Keiko: Er erkennt zwar ihre Gemeinsamkeiten, macht aber gleichzeitig neue Unterschiede zwischen ihnen auf, vor allem sexistische und misogyne.

Wie individuell kann oder darf eine Person in der heutigen Gesellschaft überhaupt sein? Sei du selbst - bis zu welchem Ausmaß? Wie weit würdest du gehen, um "hineinzupassen" - oder ist dir das sowieso egal? Sind wir wirklich so frei in der Entfaltung, wie wir glauben - oder tun wir nur so als ob? Und wie tolerant bist du selbst, wenn du auf Lebensentwürfe triffst, die weit außerhalb der gesellschaftlichen Norm liegen? Ja, das Buch gibt einige Ideen auf, aber präsentiert diese unterhaltsam und gut lesbar.