Cover-Bild Vorkommen und Schweregrad Mycoplasma hyopneumoniae assoziierter Lungenläsionen beim Schwein unter Berücksichtigung verschiedener Impfkonzepte

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inkl. MwSt
  • Verlag: VVB Laufersweiler Verlag
  • Genre: keine Angabe / keine Angabe
  • Seitenzahl: 97
  • Ersterscheinung: 17.05.2018
  • ISBN: 9783835966741
Stephan von Berg

Vorkommen und Schweregrad Mycoplasma hyopneumoniae assoziierter Lungenläsionen beim Schwein unter Berücksichtigung verschiedener Impfkonzepte

M. hyopneumoniae ist einer der weltweit wichtigsten Atemwegserreger beim Schwein. Seroprävalenzen in Europa liegen zwischen 82 und 98 %. Die häufigste Infektionsquelle für Ferkel ist der direkte Kontakt mit der Sau. Über Oberflächenproteine haftet das Bakterium an den Zilien und beeinflusst Membranrezeptoren und Transportvorgänge. In der Folge verklumpen die Zilien was mit Funktionsverlust einhergeht, respiratorisches Epithel wird durch Virulenzfaktoren zerstört, Abwehr und Immunsystem werden über M. hyopneumoniae-spezifische Faktoren destabilisiert. Schleim und Erreger können einerseits nicht abtransportiert werden, andererseits können bakterielle und virale Erreger nun leichter eindringen. Aufgrund der geringen Eigenvalenz der Mykoplasmen kommt der Erreger kaum als Monoinfektion vor. Als bakterielle Sekundärerreger spielen insbesondere P. multocida, A. pleuropneumoniae, S. suis und H. parasuis eine Rolle. Des Weiteren gibt es potenzierende Effekte mit PRRSV, PCV2 und Influenza A. Haltungsstressoren wie Besatzdichte, kontinuierliche Belegung, ungünstiges Stallklima und Schadgase können das Krankheitsbild zusätzlich beeinflussen.
Klinische Symptome treten frühestens 2 Wochen nach der Infektion auf. Obwohl alle Altersgruppen empfänglich sind, manifestiert sich die Erkrankung häufig bei Läufern und Mastschweinen. Trockener, unproduktiver Husten, insbesondere nach dem Auftreiben, erlaubt eine Verdachtsdiagnose. Die Morbidität ist hoch und ökonomische Verluste entstehen durch die verringerten Tageszunahmen, Futterverwertung und Kosten durch die Medikation. Die Mortalität ist gering.
Die Diagnostik ist sehr komplex, da der alleinige Erregernachweis keinen Aufschluss über die klinische Relevanz zulässt. Zur Abklärung der Relevanz einer Mykoplasmeninfektion ist neben dem Erregernachweis der Nachweis entsprechender pathologisch–anatomischer und pathohistologischer Veränderungen notwendig (Mosaikdiagnose). Schlachtlungenuntersuchungen geben hierbei einen guten Überblick über die Herdengesundheit und ermöglichen die Probenentnahme. Verschiedene Systeme zur Durchführung des sogenannten Schlachtlungenchecks zur Bewertung der makroskopischen Veränderungen sind beschrieben. Die Einteilung nach Madec und Kobisch (1982) hat sich gut etabliert und ist einfach am Schlachtband umzusetzen. Mindestens 30 Schlachtlungen werden in je 7 Lungenlappen unterteilt. Jedem Lappen wird durch Adspektion und Palpation ein Wert (0-4) für die Läsionen zugeordnet. Zusätzlich ist eine umfangreiche Beprobung am Schlachtband möglich.
Die Impfung als Prophylaxemaßnahme ist nahezu flächendeckend etabliert, mit Impfdichten zwischen 85 % (USA) und bis zu 95 % (Deutschland). Die intramuskuläre Saugferkelimpfung hat sich durchgesetzt und bringt gute Ergebnisse. Seit 1994 sind two-shot Impfstoffe in Deutschland zugelassen. Sie werden für gewöhnlich in der 1. und 3. Lebenswoche verimpft. Seit einigen Jahren sind auch one-shot Impfstoffe erhältlich, die nur einmalig in der 1. Lebenswoche, 3. Lebenswoche oder später anzuwenden sind. Viele Landwirte präferieren den Einsatz von one-shot Impfstoffen aufgrund von arbeitsökonomischen Vorteilen. Weitere Möglichkeiten zur Prophylaxe liegen in der Optimierung der oben genannten Haltungsfaktoren.
Anstoß für die Untersuchung waren Verdachtsmomente aus der Praxis, die für eine zunehmende Problematik mit M. hyopneumoniae im Untersuchungsgebiet sprachen. Sie wurden durch ansteigende Prävalenzen und Erregermengen in den Jahren 2009 bis 2014 im Untersuchungsgut der Klinik für Schweine unterstützt. Mit der vorliegenden Untersuchung sollte nun geklärt werden, ob Unterschiede in der Effizienz unterschiedlicher Impfstrategien ursächlich an der Ausweitung der Mykoplasmenproblematik auf Bestandsebene beteiligt sein könnten.
In der vorliegenden Untersuchung wurden 854 Lungen von 20 Betrieben in Hessen mit dem Schlachtlungencheck von Madec und Kobisch beurteilt. Die Studie fand zwischen Dezember 2011 und Februar 2012 statt. Anamnestisch lag jeweils ausschließlich die Information des Impfregimes und des eingesetzten Impfstoffes vor. So wurden 3 Gruppen gebildet. Die Gruppen one-shot 1 und one-shot-2 setzten die jeweils am häufigsten im Feld genutzten Einmalimpfstoffe ein, Gruppe 3 (two-shot) einen beliebigen two-shot Impfstoff. Von jeder Partie wurden mindestens 30, durchschnittlich 43 Lungen untersucht. Außerdem wurde jede 5. Lunge beprobt. Die Proben wurden mittels qPCR auf M. hyopneumoniae und PCV2 sowie mittels qualitativer PCR auf differentialdiagnostisch relevante Atemwegserreger untersucht. Zusätzlich wurde eine histologische Untersuchung durchgeführt, in der typische Veränderungen bei einer Mykoplasmeninfektion mit einem Score von 0-3 erfasst wurden.
Die Ergebnisse zeigen, dass signifikante Korrelationen zwischen allen geprüften Parametern vorliegen. Die two-shot geimpften Tiere hatten die geringsten makroskopischen Veränderungen in den Lungen. One-shot 2 und two-shot geimpfte Tiere unterschieden sich in den anderen untersuchten Parametern nicht signifikant. Jedoch lagen für alle untersuchten Merkmale signifikante Unterschiede zwischen one-shot 1 und one-shot 2 oder two-shot Impfung vor.
Die Diagnostik einer Mykoplasmeninfektion im Hinblick auf die klinische Relevanz für den Bestand ist aufwendig und kostenintensiv. Der Erregernachweis in einem erkrankten Bestand erlaubt nur zusammen mit dem entsprechenden pathologisch–anatomischen und pathologisch–histologischen Bild sowie dem Ausschluss möglicher Differentialdiagnosen eine zielführende Diagnose.
Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass die einzelnen Befunde der Mosaikdiagnose eng miteinander korreliert sind. Zudem traten signifikante Unterschiede in der Effizienz der Impfstrategien zu Tage. Diese können mehrere Ursachen haben. Entscheidend für den Impferfolg sind der korrekte Impfzeitpunkt und die Impffähigkeit der Tiere. Weitere Faktoren können unterschiedliche Adjuvantien, Impfdosen und die korrekte Durchführung der Impfung sein. Unterschiede in den Haltungsbedingungen können den Impferfolg zudem beeinflussen. Weitere Studien sind nötig, um den Einfluss dieser Faktoren zu klären.

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