Cover-Bild Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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24,00 €
inkl. MwSt
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 544
  • Ersterscheinung: 14.08.2025
  • ISBN: 9783423283922
Susanne Abel

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104

Roman | »Wichtig und herzzerreißend« Elke Heidenreich

Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird mitten in Deutschland ein kleiner Junge gefunden, der nichts über sich selbst und seine Herkunft weiß. Sein Alter wird geschätzt, er bekommt den Namen Hartmut und wächst in einem katholischen Kinderheim auf, in dem viel Ordnung und noch mehr Zucht herrscht.

Wer ist man, wenn man niemand ist? 

Dort lernt er die etwas ältere Kriegswaise Margret kennen, die ihn Hardy nennt und schon im Heim zu beschützen versucht. Die beiden werden zu einer unverzichtbaren Stütze füreinander und beschließen, sich nie wieder loszulassen.

Klug, einfühlsam und berührend erzählt Susanne Abel in ihrem neuen Roman von der lebenslangen Liebe zweier Heimkinder.

Doch während sie mit aller Kraft versuchen, gemeinsam das Geschehene zu vergessen und ein normales Leben zu führen, werden die Folgen ihrer Vergangenheit auch für die nachkommenden Generationen bestimmend.

Eindringlich und aufrüttelnd. Ein bewegender Familienroman über den Einfluss unserer Vergangenheit auf unsere Nachkommen.

Die kleine Emily leidet unter dem hartnäckigen Schweigen ihrer Urgroßeltern Margret und Hardy, bei denen sie wegen des unsteten Lebenswandels ihrer Mutter aufwächst. Als Jugendliche beginnt sie schließlich, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Wird es ihr gelingen, das Erbe der unverarbeiteten Traumata ihrer Familie endlich aufzubrechen?

»Susanne Abel schreibt unterhaltsame, sogar humorvolle Romane aus dem Elend, in das wir alle hineingeboren werden, ohne es uns aussuchen zu können. Chapeau!« stern


»Seit Tagen wechselten sich Schnee und Regen ab, und es war glatt. Deshalb musste jedes größere Kind ein kleineres an die Hand nehmen. Und so marschierten die Heimkinder in Zweierreihen im Dunkeln hinunter nach Drolshagen. Der Zug wurde angeführt von zwei größeren Jungs, die mit Marschtrommeln den Rhythmus vorgaben. Dahinter schritt die Oberin, gefolgt von den übrigen Nonnen. Anders als sonst nahm es an diesem 24. Dezember 1947 niemand mit dem üblichen Redeverbot so genau. Doch mit wem hätte Margret sprechen sollen? Der kleine Kerl neben ihr, von dem sie nur die Nummer und nicht den Namen kannte, war dafür zu dumm. Er rutschte aus und Margret konnte nur durch beherztes Zugreifen verhindern, dass er stürzte und am Ende auch noch sie zu Fall brachte. ›Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104‹, ermahnte sie ihn. Der Kleine gab keine Antwort und setzte tapfer einen Fuß vor den anderen.«

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2026

Highlight

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544 Seiten, die ich binnen 48 Stunden verschlungen habe!
Die Geschichte der beiden Heimkinder Hartmut und Margret hat mich so in ihren Bann gezogen, dass ich selbst nachts nicht zur Ruhe kam.

Hartmut ...

544 Seiten, die ich binnen 48 Stunden verschlungen habe!
Die Geschichte der beiden Heimkinder Hartmut und Margret hat mich so in ihren Bann gezogen, dass ich selbst nachts nicht zur Ruhe kam.

Hartmut kommt als Junge ohne Namen 1945 in ein katholisches Kinderheim. Er weiß nicht wer er ist, und hat keine Angehörigen. Sein Alter wird geschätzt, und ein neuer Name wird ihm gegeben. Also heißt er nun Hartmut. Die Umstände in den Kinderheimen nach dem Krieg waren grausam. So erfahren wir als Leser, was Hartmut über sich ergehen lassen muss, und was dort mit anderen Heimkindern angestellt wird. Er lernt das Waisenmädchen Margret kennen, ebenfalls mit ihm in dieser Anstalt. Sie ist einige Jahre älter aber die beiden werden unzertrennlich.

Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen: Der Vergangenheit ab 1945 bis 1966 und der Gegenwart von 2006 bis 2017. Beide sind sehr eindringlich beschrieben; sehr anschaulich. Ich hatte die ganze Zeit das bedrückende Gefühl, selbst dabei zu sein. In der Gegenwart sehen wir Hartmut und Margret zusammenlebend. Sie haben eine Tochter, eine Enkelin und sogar Urenkelin Emily. Letztere lebt bei ihren Urgroßeltern und die Dynamik zwischen den Familienmitgliedern war ganz sonderbar. Wie weit reichen die Folgen der Kriegstraumata?

Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken angeregt. Es lässt viel Raum für eigene Gedanken. Mich haben die Informationen über die Zustände in den katholischen Heimen sehr schockiert. Auch wenn schon öfter mal was durchgesickert ist, so war es doch was anderes, das jetzt mal schwarz auf weiß zu lesen.

Eine schicksalhafte, berührende und aufrüttelnde Familiengeschichte. Sie hat mich komplett eingenommen. Der Schreibstil der Autorin ist wunderbar anschaulich, fesselnd und einnehmend. Dieser Sog beim Lesen wäre sonst auch gar nicht möglich gewesen. Ich bin einfach rundum begeistert und kann für mich ein weiteres Jahreshighlight vermerken.

⭐⭐⭐⭐⭐ | 5 Sternen

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Bewegend

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Schon nach wenigen Seiten war mir klar, dass dieser Roman mehr ist als nur eine bewegende Familiengeschichte. „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ hat mich so tief berührt, dass er für mich bereits ...

Schon nach wenigen Seiten war mir klar, dass dieser Roman mehr ist als nur eine bewegende Familiengeschichte. „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ hat mich so tief berührt, dass er für mich bereits im Januar zu einem echten Jahreshighlight geworden ist. Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich emotional so stark festgehalten hat, genauso fest, wie die Figuren in diesem Roman einander festhalten müssen, um zu überleben.

Susanne Abel nimmt uns mit in eine Kindheit, die von Entbehrung, Angst und Einsamkeit geprägt ist, und von den Erfahrungen vieler Kinder in deutschen Kinderheimen der Nachkriegszeit erzählt.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Margret und Hardy, zwei Menschen, deren Leben untrennbar mit einer schweren Vergangenheit, bestimmt von strengen Regeln, emotionaler Kälte und fehlender Geborgenheit verbunden ist.
Stück für Stück entfaltet sich vor meinen Augen ein Netz aus Erinnerungen, Schuld, Liebe und Schweigen.
Aufgewachsen in verschiedenen Heimen nach dem Zweiten Weltkrieg, erleben sie eine Kindheit, in der Zuneigung Mangelware ist und Gehorsam über allem steht. Die Spuren dieser Zeit ziehen sich durch ihr gesamtes weiteres Leben und prägen Beziehungen, Selbstbild und die Fähigkeit, Nähe zuzulassen, auch in der eigenen Familie.
Susanne Abel erzählt diese Geschichte ruhig, eindringlich und ohne zu dramatisieren, gerade dadurch geht sie unter die Haut.
Besonders bewegend ist, wie deutlich wird, dass das Leid nicht mit dem Ende der Kindheit verschwindet, sondern viele Betroffene ihr Leben lang begleitet.
Mich hat das Buch sehr berührt und nachdenklich zurückgelassen. Es zeigt, wie wichtig Halt, Vertrauen und menschliche Wärme für Kinder sind, und wie schwer es ist, all das später nachzuholen, wenn es einmal gefehlt hat.
und über die Kraft, die es braucht, sich seiner Vergangenheit zu stellen.

Fazit: Ein eindringlicher, wichtiger Roman über ein dunkles Kapitel der Nachkriegsgeschichte, sensibel erzählt und lange nachwirkend.

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Veröffentlicht am 09.01.2026

Keine leichte aber dafür sehr wichtige Kost ...

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Schnell wird beim Lesen des neuen Romans von Susanne Abel klar, warum der Titel „Du musst meine Hand fester halten, Nummer 104“ gewählt wurde. Diesen Satz bringt nämlich die elfjährige Margret auf dem ...

Schnell wird beim Lesen des neuen Romans von Susanne Abel klar, warum der Titel „Du musst meine Hand fester halten, Nummer 104“ gewählt wurde. Diesen Satz bringt nämlich die elfjährige Margret auf dem Weg zur Christmette 1947 gegenüber dem kleinen Hartmut über die Lippen. Die Beiden sind in einem der vielen Kinderheime in Deutschland untergebracht und der verschüchterte fünfjährige Junge, der mit niemandem spricht, droht auf dem Eis auszurutschen. Der Kleine kam mit einem Kindertransport aus Danzig und da der Name auf seinem Pappschild nicht mehr richtig leserlich war, nannte man ihn Hartmut und schätzte sein Geburtsdatum auf xx.xx.1942. Aus Hartmut wird Margret später liebevoll „Hardy“ machen. Auch Margret ist ein Waisenkind, sie war einst in Gelsenkirchen zu Hause. Als Margret bedingt durch den Erfolg des Kindersuchdiensts des Roten Kreuzes, das Glück hat von einer Tante gefunden und aufgenommen zu werden, verlieren sich die beiden Leidensgenossen vorübergehend aus den Augen. Der Zufall führt die zwei wieder zusammen und ihr gemeinsames Leben nimmt, wenn auch erst holprig, seinen wie vorbestimmten Lauf ...

In einem parallelen Handlungsstrang erfahren wir mehr über das spätere Leben von Margret und Hardy, die das Schicksal unwiederbringlich zusammengeschweißt zu haben scheint. Trotz des Altersunterschieds haben die beiden geheiratet und eine eigene Familie gegründet. Inzwischen sind sie recht jung Urgroßeltern geworden und wieder wird das Jugendamt auf die Familie aufmerksam. Schmerzhafte Erinnerungen aus ihrer eigenen Kindheit werden zu Tage gefördert und Margret und Hardy fangen erneut an, um ihr seelisches Überleben zu kämpfen …

In ihrem berührenden neuen Roman nimmt die Autorin Susanne Abel kein Blatt vor den Mund und zartbesaitete Leserinnen und Leser mögen Probleme mit der schonungslosen Deutlichkeit haben, mit welcher Frau Abel die damalige Situation in den Kinderheimen beschreibt. Auch für mich waren diese offengelegten Tatsachen oft schwer zu ertragen, aber dennoch weckten sie in mir auch immer wieder die Hoffnung, dass Margret und Hardy die Dämonen der Vergangenheit besiegen werden. Während Hardy sein Leben lang der zupackende Praktiker bleiben wird, wächst Margret über sich hinaus und verwaltet ihre Familie wie ein kleines Unternehmen. Gefühlsausbrüche lässt sie bei sich nicht, sie ist nach außen hin immer die Starke, bis auch sie eines Tages an ihre Grenzen stößt …

Wie nicht anders erwartet, hat mich nach der „Gretchen“ Dilogie auch diese Geschichte aus der Feder Sabine Abels mehr als abgeholt. Das Buch zog mich derart in den Bann, dass es schwer war, es zur Seite zu legen, wenn dies auch zwischendurch bedingt durch die erschütternde Thematik notwendig war. Ich vergebe für diesen emotional ergreifenden Roman, der zwar als solcher fiktional ist, aber durchaus auf wahren Begebenheiten basiert, sehr überzeugte fünf Sterne verbunden mit einer absoluten Leseempfehlung, da ich der Meinung bin, dass solche Themen niemals totgeschwiegen und unter den Teppich gekehrt werden dürfen!

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Veröffentlicht am 06.01.2026

Kind Nr. 104, geb. XX. XX. 1942

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Auf dieses Buch hatte ich lange gewartet und mich darauf gefreut und ich wurde auch nicht enttäuscht. Der erste Band von Susanne Abel „Stay away from Gretchen“ war mein absolutes Lesehighlight des Jahres ...

Auf dieses Buch hatte ich lange gewartet und mich darauf gefreut und ich wurde auch nicht enttäuscht. Der erste Band von Susanne Abel „Stay away from Gretchen“ war mein absolutes Lesehighlight des Jahres 2021 und auch, wenn ich das Lesehighlight für dieses Jahr Anfang Januar noch nicht benennen kann, so ist dieses Buch auf jeden Fall ein Werk, das in Erinnerung bleibt.

1945 wird im Sauerland ein kleiner Junge in einem Kinderheim abgeliefert, der nicht weiß, woher er kommt. Er weiß nicht wie alt er ist und kennt seinen Namen nicht. Man gibt ihm zwar den Namen Hartmut, meistens aber wird er als Nr. 104 bezeichnet und er wächst in einem katholischen Kinderheim auf. Weil er nicht spricht, glaubt man, dass er behindert sei, damals nannte man das noch schwachsinnig. Eine fünf Jahre ältere Waise, Margret, die ebenfalls in diesem Heim aufwächst, kümmert sich um ihn und die beiden werden zu einer Stütze füreinander.

Die zweite Zeitebene spielt im Hier und Jetzt. Emily, die Urenkelin von Margret und Hardy, wird nach einem nächtlichen Ausreißen der Fünfjährigen bei ihren Urgroßeltern in Obhut gegeben. Sie sollen das Sorgerecht übernehmen, so wie sie es schon bei ihrer Enkelin vorher getan haben. Mutter und Großmutter sind eher unstet, befinden sich in wechselnden Partnerschaften und sind für die Erziehung zu unzuverlässig. Hier spielt das Jugendamt eine positive Rolle und nimmt seine Verantwortung ernst.

Hardy erlebt in seinen Heimjahren alle nur denkbaren Grausamkeiten: Essensentzug, Einsperren in dunkle Keller, Schläge und später nach einem ihm zugeschriebenen Unfall auch noch Verlegung in ein anderes Heim und Medikamentenversuche an ihm. Sein Mutismus ist keine böse Absicht, sondern durch seine Angst begründet. Er könnte sprechen, tut es aber nur, wenn er mit Margret allein ist. Nur sie hat Zugang zu ihm, bei ihr kann er sich öffnen. Allerdings führt dieses Nicht-Sprechen auch dazu, dass man ihm jede Schulbildung verweigert, er lernt nie Lesen und Schreiben.

Auch Margret scheint zunächst Glück zu haben und findet Verwandte, die sie aufnehmen, wenig später schon wird sie missbraucht und flüchtet, nachdem man ihr keinen Glauben schenkt. Erst Jahre später findet sie Hardy wieder und von da an bleiben die beiden zusammen. Beide sind durch diese Kindheit für ihr Leben geprägt und geben das Trauma, das sie erlebt haben, unbewusst an die Tochter weiter. Allerdings sprechen sie nie darüber, was sie in den Nachkriegsjahren erlebt haben.

Beide gehen ganz unterschiedlich mit diesem Trauma um. Margret überbehütet ihre Kinder und provoziert damit den Freiheitsdrang von Tochter und Enkelin. Die Kontrolle, die sie früh übernahm, gibt sie ein Leben lang nicht mehr ab. Hardy glaubt auch als Urgroßvater immer noch daran, minderbemittelt zu sein. Auch im Erwachsenenalter nimmt er es nicht auf sich, noch lesen und schreiben zu lernen. Er arbeitet als Hilfsarbeiter und ist für die schweren körperlichen Arbeiten zuständig. 40 Jahre schleppt er Mehlsäcke in der Aurora-Mühle. Dabei ist er ein ausgesprochen lebenskluger Mann. Erst Emily, die Urenkelin, ist zwar auch davon genervt, überall überwacht zu werden, aber sie ist die erste, die nach dem „Warum“ fragt und die die Geschichte aufarbeitet.

Das vorliegende Buch hat im Aufbau durchaus Ähnlichkeiten zu den beiden Vorgängern. Und so hatte ich den packenden, versöhnenden und emotionalen Abschluss schon erwartet und tatsächlich traf er auch ein. Witzig fand ich, dass selbst Tom Monderath mit seiner Fernsehshow noch einen kleinen Auftritt hat, egal ob man das Stilmittel nun Easter Egg oder Cross-Over nennen will. Es gab auf jeden Fall dem Ganzen noch mehr fiktive Glaubwürdigkeit und war ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

Susanne Abel hat vorzüglich recherchiert und es ist fair von ihr, zu erwähnen, dass einige der genannten Einrichtungen, wie das Franz Sales Haus in Essen, ihre Vergangenheit aufgearbeitet haben und von sich aus auf ehemalige Heiminsassen zugegangen sind, um sich zu entschuldigen. Andere versuchen bis heute, die Vorkommnisse zu leugnen.

Ich empfehle das Buch sehr gerne mit voller Punktzahl weiter. Möge es viele begeisterte Leser finden.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Erschütterndes Schicksal

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Der neue Roman von Susanne Abel zeigt auf erschütternde Weise, welchem grausamen Schicksal Kinder in Heimen in den 50er und 60er Jahren ausgeliefert waren. Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. ...

Der neue Roman von Susanne Abel zeigt auf erschütternde Weise, welchem grausamen Schicksal Kinder in Heimen in den 50er und 60er Jahren ausgeliefert waren. Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. Die aktuelle Ebene stellt die kleine Emily in den Mittelpunkt, die von ihrer Mutter vernachlässigt wird und schließlich bei ihren Ur-Großeltern aufwächst. Diese wollen unter allen Umständen verhindern, dass die Enkelin ins Heim kommt. Zu schlimm sind die Erinnerungen an ihre eigene Zeit in einem Kinderheim nach dem Krieg. Dies ist die zweite Zeitebene im Buch, die Jahre ab 1945. Ein kleiner Junge, der seinen Namen nicht weiß und letztlich Hardy genannt wird, kommt in den Nachkriegswirren in ein Kinderheim. Dort wird er aufgrund seiner Sprachlosigkeit als schwachsinnig eingestuft. Allein das ist schon schlimm genug. Doch die Nonnen drangsalieren und quälen die Kinder. Die meisten haben nicht einmal einen Namen, sie werden mit Nummern gerufen. Der kleine Hardy findet in Margret eine Stütze und Freundin. Doch eines Tages findet Margret ihre Verwandten wieder und entkommt dem heim. Hardy ist fortan auf sich allein gestellt. Er kommt in eine weiter Erziehungsanstalt, die noch viel schlimmer ist als die erste. Hier werden Medikamententests an den Kindern durchgeführt. Dies berührt mich sehr. Unfassbar wie Hardy sich dennoch zu einem liebevollen, sozialen Freund, Mann, Vater und Opa entwickeln konnte. Schließlich begegnet er Margret wieder, mit der es das Schicksal auch nicht gut gemeint hat. Beiden gelingt die Flucht und sie verbringen den Rest ihres Lebens miteinander. Diese tiefe Liebe und Verbundenheit macht den Kern des Romans aus. Margret ist aber auch eine sehr dominante Frau, die den Ton angibt und für Hardy alles regelt. Ich frage mich beim Lesen, ob das gut für ihn und seine Entwicklung ist. Doch die beiden sind glücklich und zufrieden in ihren eigenen vier Wänden, ohne Türen, ohne Reisen. Zufrieden mit sich. Während es Hardy ganz gut gelingt, den Schrecken der Vergangenheit zu verdrängen, wird Margret immer wieder von ihren Schatten eingeholt. Die kleine Emily bringt Licht in das Leben. Doch auch sie hat Probleme, sich der übermäßig behütenden Uroma zu entziehen. In der ersten Hälfte nahm mir die Geschichte um Emily und ihre Mutter etwas zu viel Raum ein. Im letzten Drittel fand ich es dann seff sehr rührend, wie die mittlerweile fast erwachsene Emily sich kümmert und sorgt. Ein berührender Roman, der in lebhafter, sehr direkter, aber auch str liebevoller Art eine Familiengeschichte erzählt, die von tiefen Gräben und Schatten geprägt ist.

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