Cover-Bild Eure Leben, lebt sie alle
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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 336
  • Ersterscheinung: 12.01.2022
  • ISBN: 9783423282826
Sybille Hein

Eure Leben, lebt sie alle

Roman

Frauen wie wir – kurzzeitig aus der Spur geraten

Wer hat noch mal das Gerücht in die Welt gesetzt, dass man in der Mitte des Lebens auch in der Mitte von sich selbst angekommen ist? Ellen setzt den Abgründen ihrer Patienten immer bessere Rezepte entgegen, aber die eigenen werden zu Treibsand unter ihren Füßen. Freddy fragt sich, ob der enorme Umfang ihres Körpers die einzig sichtbare Größe in ihrem Leben darstellt. Luise verpfuscht ihre Bilderbuchfamilie, Johanna springt. Und Marianne? Der Grand Dame dieser Schicksalsgemeinschaft kriechen alte Geister durchs Schlüsselloch. Allen voran ihr früh verstorbener Sohn Jonas, der auch im Leben der anderen einmal eine große Rolle gespielt hat. Wie jede dieser fünf Frauen mit verrutschten Gewissheiten ringt, davon handelt dieser Roman.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.01.2022

Unterschiedliche Frauenschicksale, durch einen Mann verwoben

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Marianne war die Mutter von Jonas, der 1992 mit seinem Motorrad tödlich verunglückt. Seitdem ist sie verbunden mit den vier Frauen, die ihr Sohn geliebt hat.
Johanna, die selbst wegen eines Sturzes im ...

Marianne war die Mutter von Jonas, der 1992 mit seinem Motorrad tödlich verunglückt. Seitdem ist sie verbunden mit den vier Frauen, die ihr Sohn geliebt hat.
Johanna, die selbst wegen eines Sturzes im Krankenhaus liegt, bring alle wieder zusammen. Alle sind Ende Vierzig und haben ganz unterschiedliche Leben gelebt und befinden sich jetzt an wichtigen Punkten. Ellen, eine erfolgreiche Psychologin will ihre, durch Jonas Tod geendete Karriere als Sängerin wieder aufleben lassen. Wider besseres Wissen fängt sie noch eine außereheliche Beziehung an. Luise, die einen erfolgreichen Anwalt geheiratet hat, ist nur für den Haushalt und die Kinder da. Sie möchte, dass ihre Tochter Geige spielt und plant minutiös die Konfirmation ihres Sohnes. Freddy, die zuletzt mit Jonas zusammenlebte ist inzwischen sehr dick geworden (obwohl ich Kleidergröße 46 gar nicht so auffällig finde) und hat große finanzielle Probleme.
Marianne befürchtet, dass ihre Vergesslichkeit krankhaft ist, stellt sich aber dieser Befürchtung nicht wirklich, sondern verschweigt sie vor den anderen Frauen.
Die einzelnen Kapitel handeln immer von einer anderen Frau und werden quasi von jeder aus ihrer Sicht erzählt. Dadurch erfährt man als Lesenden, warum die einzelnen Protagonistinnen so handeln, und bietet Einblicke in die Geheimnisse der jeweiligen Frau.
Dadurch hält das Buch die Spannung und es gibt einige Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe.

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Veröffentlicht am 19.01.2022

Wer einmal sich selbst gefunden, kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren. (Stefan Zweig)

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Mit Lebensweisheiten ist das so eine Sache - sie könnten stimmen, tun sie aber meistens nicht. Und Erinnerungen sind meist auch nur ein Gefängnis, in dem man sich bewegen muss, weil sie einen nicht loslassen. ...

Mit Lebensweisheiten ist das so eine Sache - sie könnten stimmen, tun sie aber meistens nicht. Und Erinnerungen sind meist auch nur ein Gefängnis, in dem man sich bewegen muss, weil sie einen nicht loslassen. So ähnlich ergeht es Freddy, Ellen, Luise, Johanna und Marianne, die auf den ersten Blick nicht wirklich etwas gemeinsam haben und doch sind sie untrennbar miteinander verbunden - durch Jonas, Mariannes Sohn. Auch 20 Jahre nach seinem Tod sind die Frauen auf besondere Art und Weise miteinander verbunden und suchen trotzdem noch nach dem Sinn des Lebens...

"Euer Leben, lebt sie alle" erzählt von den Tücken des Älterwerdens, vom Gefangensein im eigenen Körper, der plötzlich mehr der Schwerkraft gehorcht als allen Erfolg versprechenden Cremes und Sälbchen und von dem Drang, immerzu perfekt sein zu müssen, um Anerkennung zu erhalten.

Die Charaktere der Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein und reichen von der übergriffigen Perfektionistin Luise über die immer ins Abseits geschobene Fredrike bis hin zu Marianne, die im Hamsterrad der Erinnerung gefangen ist und Angst hat, durch eine (eingebildete ?) Altersdemenz all die Erinnerungen an ihren Sohn zu verlieren, die ihr Leben noch aufrecht erhalten.

Mal sind es melancholische Töne, mal vollkommen überdrehte Szenen, die die Leser:innen hier erwarten, um sich den Herausforderungen des Lebens und Älterwerdens zu stellen. Die Erinnerungen einer jeden Einzelnen formen sich zu einer bunten Patchworkdecke und lassen das bis dato gelebte Leben in quietschbunten Farben Revue passieren. Schmunzler schleichen sich beim Lesen ein, aber auch ernste Töne begleiten die Erinnerungen.

Es wird von Affären und ihren Nachwehen berichtet, von dem Drang, an alte Zeiten anzuknüpfen, um das Rad des Alterns ein wenig langsamer drehen zu lassen. Vom Fluch und Segen des Elternseins und den Tücken der Pubertät ist zu lesen, aber auch von den Herausforderungen, der sich eine erwachsene Tochter gegenübersieht, wenn sie mit ansehen muss, wie der einst so agile Vater immer mehr in sich zusammen sinkt und die Finanzierung seiner Pflege nicht nur den Geldbeutel auffrisst, sondern auch die eigenen körperlichen Reserven.

Während Luise mit ihrem Drang zu absoluten Perfektionismus den Leser:innen mitunter auf die Nerven geht, schleicht sich Marianne ganz leise in die Leser:innenherzen, denn mit all ihren Erinnerungen an ihren verstorbenen Sohn lebt sie wie in einem Museum, um so lange wie möglich von den guten Momenten zehren zu können. Frederike ist mit ihrem Leben sichtlich überfordert, kompensiert mangelnde Unterstützung mit Essen und dabei gerät ihr Körper genau so aus den Fugen wie ihr Leben. Ellen therapiert ihre Patienten, doch die Ratschläge, die sie ihnen mit auf den Weg gibt, ignoriert sie selbst und wundert sich, dass das eigene Lebensgerüst immer wackliger und unsicherer wird. Und Johanna ? Johanna ist verrückt genug, um einfach zu springen...ohne die Auswirkungen zu bedenken.

Ein Roman über das Suchen und Finden des eigenen Ich, von Erinnerungen, die nie ganz verblassen und über die Tücken des Älterwerdens, die sich ab der Lebensmitte unaufhaltsam in den Weg stellen.

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Veröffentlicht am 22.01.2022

Veränderungen können befreiend sein oder verbinden

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Ein Frauenbuch, bei welchem die Protagonistinnen über einen Mann miteinander verbunden sind: Jonas.
Der ist viel zu früh verstorben und behält doch seine Mutter und vier seiner Freundinnen in seinem Bann. ...

Ein Frauenbuch, bei welchem die Protagonistinnen über einen Mann miteinander verbunden sind: Jonas.
Der ist viel zu früh verstorben und behält doch seine Mutter und vier seiner Freundinnen in seinem Bann. Nun 20 Jahre später, mit beginnenden hormonellen Veränderungen, stellen sich alle Frauen die Frage, ob sie noch so weiter machen können oder wollen. Da werden kleine OPs vorgenommen; Verhältnisse angefangen; das eigene Leben vernachlässigt und dafür der Vater gepflegt; nach Anzeichen von Demenz gesucht; gesungen oder ... der hatte Weg auf den Boden der Tatsachen gewählt.

Und diese Frauen, obwohl sie zum Teil nur durch Jonas eine Verbindung haben, stehen sich bei oder machen sich auch mal gegenseitig das Leben schwer. Am Ende findet jede einen neuen oder alten Weg für das eigene Leben.
Das Älterwerden wirft viele Fragen auf und lässt viele Antworten zu. Manche davon finden sich in diesem Buch. Und nicht jedes Vergessen oder jede Verwirrung ist gleich eine Demenz. Das macht Hoffnung:)
Sybille Hein findet immer wieder amüsante Formulierungen: ,Böhms Schweigen ist schon immer ein sehr lautes Schweigen gewesen' oder 'Aschekrümel rieseln auf meinen Schoß, sie könnten auch aus meinem Kopf gerieselt kommen'. Das bringt einen immer mal zum Grinsen.
Der Bucheinband ist fröhlich, hat aber mit dem Inhalt nicht viel zu tun. Der Titel klingt nach Ratgeber - der Roman ist keiner.
Das Buch ist leicht zu lesen und eine nette, unbeschwerte Lektüre.
Ich fühlte mich gut unterhalten und gebe 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 26.01.2022

Kurzweilig, leichtfüßig, allzu bemüht

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Wieder mal so ein Buch, das wirklich alle Klischees bedient: Frauenbuch, Frauenthemen, Frauenprobleme. Wie am Reißbrett ist der Handlungsaufbau konstruiert. Alle Spielarten weiblicher Charakteranlagen ...

Wieder mal so ein Buch, das wirklich alle Klischees bedient: Frauenbuch, Frauenthemen, Frauenprobleme. Wie am Reißbrett ist der Handlungsaufbau konstruiert. Alle Spielarten weiblicher Charakteranlagen kommen zum Zuge: die Kümmerin, die Narzisstin, das Sensibelchen, das Powerweib - und über allen thront die mütterliche Freundin, an der Oberfläche abgeklärt und weise, aber mit massiven Altersängsten, deren jung verstorbener Sohn die Konstruktion des weiblichen Quintetts zusammenhält. Alle, wirklich alle Probleme von Frauen in der Lebensmitte werden heruntergefiedelt, dargeboten in einem Tonfall, der penetrant um Beifall heischt: bin ich nicht witzig, sind meine Formulierungen nicht originell? Eine flotte Feierabendlektüre, ja - ein ambitioniertes Zeugnis literarischer Gestaltung: ganz gewiss nicht!

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