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12,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Goldmann
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 240
  • Ersterscheinung: 19.10.2020
  • ISBN: 9783442488810
Takis Würger

Stella

Roman
Im Jahr 1942 kommt Friedrich, ein stiller junger Mann, vom Genfer See nach Berlin. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in verbotene Jazzclubs, trinkt mit ihm Kognac, stillt seinen Hunger nach Erfahrungen. Sie beginnen eine Liebesbeziehung. Bei Kristin kann er sich einbilden, der Krieg sei weit weg. Eines Morgens klopft sie an seine Tür, verletzt, mit Striemen im Gesicht: »Ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt.« Sie heißt Stella und ist Jüdin. Die Gestapo hat sie enttarnt und zwingt sie zu einem unmenschlichen Pakt: Um ihre Familie zu retten, soll sie untergetauchte Juden denunzieren.
Eine Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.11.2020

Die jüdische Spionin der Gestapo

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1942 Berlin. Der 20-jährige naive Schweizer Friedrich, Sohn wohlhabender Eltern, reist nach Berlin, um sich dort nicht nur für ein Zeichenseminar einzuschreiben, sondern auch den sich um den Krieg rankenden ...

1942 Berlin. Der 20-jährige naive Schweizer Friedrich, Sohn wohlhabender Eltern, reist nach Berlin, um sich dort nicht nur für ein Zeichenseminar einzuschreiben, sondern auch den sich um den Krieg rankenden Gerüchten nachzuspüren. Bei seinem Zeichenkurs an der Kunstschule trifft Friedrich auf das Aktmodell Kristin, in die er sich sofort verliebt und mit ihr um die Häuser zieht, während er das Kriegsgeschehen auszublenden versucht. Als Kristin nach mehreren Tagen Abwesenheit, die Friedrich schon die Sorgenfalten auf die Stirn trieben, misshandelt vor seiner Tür steht, erfährt er nach und nach, wer Kristin wirklich ist. Sie ist Jüdin, heißt eigentlich Stella Goldschlag und ist dabei, einen Pakt mit dem Teufel einzugehen, um ihre Familie zu retten…
Takis Würger hat mit „Stella“ einen sehr kontroversen Roman vorgelegt, der sich zwar der historisch belegten Person Stella Goldschlags bedient, durch die fiktive Liebesgeschichte mit dem jungen Schweizer Friedrich aber einen ganz anderen Weg einschlägt, als man ihn als Leser erwartet hätte. Mit flüssigem, jedoch recht nüchternem Erzählstil beschränkt sich der Autor nur auf das Jahr 1942, handelt sämtliche stattgefundenen Ereignisse des jeweiligen Monats schon in der Überschrift ab, bevor er den Leser in die eigentliche Handlung entlässt. Obwohl es sich um eine fiktive Geschichte handelt, liegt dem Autor viel daran, mit Ausschnitten aus historischen russischen Militärgerichtsakten die Realität mit einzublenden. Während der Leser also dem Liebesreigen von Friedrich und Kristin/Stella folgt, wird er gleichzeitig mit den harten Fakten konfrontiert, die innerhalb der eigentlichen Romangeschichte kaum Erwähnung finden. Das erklärt auch die naive und oberflächliche Sichtweise von Friedrich, der seinem eigentlichen Beweggrund für den Berlinbesuch nicht einmal ansatzweise nahe kommt, weil er anscheinend entweder nicht nur farbenblind ist, sondern seine Augen vor den Tatsachen verschließt oder einfach nur zu sehr auf sich fokussiert ist, um sein Umfeld richtig wahrzunehmen. Den tatsächlichen Aktivitäten der Stella Goldschlag trägt dieser Roman auf keinen Fall Rechnung. Vielleicht ist aber gerade dieser Gegensatz vom Autor gewollt, dem Leser zu zeigen, dass Kristin/Stella auch nur ein mit Fehlern behafteter Mensch war wie jeder andere auch. Ihre Taten mögen uns anekeln, wir mögen sie verteufeln, doch sind wir mal ehrlich, wie hätten wir gehandelt, wenn es um unsere Liebsten geht.
Charakterlich ist Würger nicht sehr in die Tiefe gegangen, seinen Protagonisten fehlt es an Wärme, Ausstrahlung und Emotionen, was den Leser dazu verdammt, aus einer Ecke heraus dem Treiben zu folgen, wobei er gern oftmals mit Zwischenrufen gestört hätte. Stella wird zwar als abenteuerlustig, feierlaunig und charismatisch beschrieben, doch der Funke will nicht überspringen. Friedrich ist unbedarft und naiv, rettet sich mit seinem Schweizer Pass und dem Geld der Familie, sucht sich ein Kriegsgebiet als Urlaubsziel, absurder geht es gar nicht. Bei ihm kann man nur mit dem Kopf schütteln über seine angeborene Ignoranz. SS-Mann Tristan dagegen genießt seinen Status, gönnt sich alles, während andere nichts haben, spielt den großen Zampano, doch am Ende ist er auch nur ein widerliches Nazischwein, das seine Macht gehörig in die Waagschale wirft.
„Stella“ ist ein Buch voller Widersprüche, Fiktion gepaart mit Realität, eine recht banale Liebesgeschichte steht harten Fakten gegenüber. Der Spagat war bestimmt nicht leicht und hat interessante Ansätze, doch aufgrund der fehlenden Emotionalität und der eher unterkühlten Schreibweise bleibt es leider nur Mittelmaß, aber trotzdem lesenswert!

Veröffentlicht am 07.05.2020

Ein verstörendes Stück Zeitgeschichte

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Als Friedrich, ein junger, in sich gekehrter, künstlerisch begabter Mann im Jahr 1942 aus der Schweiz nach Berlin reist, um dort die Wahrheit zu finden, ahnt er nicht, dass sich sein Leben für immer verändern ...

Als Friedrich, ein junger, in sich gekehrter, künstlerisch begabter Mann im Jahr 1942 aus der Schweiz nach Berlin reist, um dort die Wahrheit zu finden, ahnt er nicht, dass sich sein Leben für immer verändern wird. Denn er trifft dort auf eine hübsche Blondine, eine kesse Berlinerin, die sich im als Kristin vorstellt und die er sich Hals über Kopf verliebt. Sie zeigt ihm die verbotenen Jazz-Spelunken Berlins, macht ihn mit Tristan von Appen, einem Lebemann – und SS-Offizier – bekannt. Doch schlagartig ändert sich alles, nachdem Kristin mitsamt ihrer Familie gefangen genommen und ins Lager Große Hamburger Straße gebracht wird. Denn Kristin heißt in Wahrheit Stella Goldschlag und ist Jüdin. Um sich und ihre Familie zu retten arbeitet sie ab diesem Zeitpunkt als „Greiferin“ und geht täglich für die Nazis auf Jagd nach Juden.
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Von der Kritik wurde Stella verrissen, zu romantisch die Liebesgeschichte, zu schwach die Frage nach der Schuld, überhaupt kann man sich einem solchen Thema nicht auf diese Art nähern.

Mich persönlich hat Takis Würger mit seinem Roman gefesselt. Ich fand es faszinierend, wie er in 12 Kapiteln – für jeden Monat des Jahres 1942 – die unfassbare Geschichte der Stella Goldschlag und das Leben im Berlin jener Zeit, eingebettet in eine fiktive Liebesgeschichte und immer wieder unterbrochen durch Vernehmungsprotokolle, erzählt hat. Für mich ein absolut lesenswertes Buch.

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