Starke Erzählstimme
Tia Williams ist für mich eine neue Autorin, aber die Verfilmung ihres Buchs „The Perfect Find“ habe ich auf Netflix gesehen und dementsprechend wurde ich direkt neugierig. Es ist schon interessant, dass ...
Tia Williams ist für mich eine neue Autorin, aber die Verfilmung ihres Buchs „The Perfect Find“ habe ich auf Netflix gesehen und dementsprechend wurde ich direkt neugierig. Es ist schon interessant, dass „Sieben Tage im Juni“ jetzt die erste Übersetzung eines Buchs von Williams ist, zumal eines, das schon von 2021 ist. Manchmal ist es schon seltsam, wann es welches Buch nach Deutschland schafft, aber ich wollte gerne mal reinlesen.
Ich habe gleich einige kritische Stimmen zum Buch gelesen und war dann gespannt, ob ich es mich den Kritikern anschließen werde und ich bleibe bei einem ganz unparteiischen jein. Kritikpunkt war vor allem der Schreibstil, dem ich mich aber nicht anschließen würde. Der Stil ist anders und er ist auch nicht immer einfach zu lesen, aber ich habe sofort eine typische Schwarze Erzählstimme rausgelesen. Wenn man Serien wie „Black-ish“ oder „Empire“ gesehen hat oder einen Film bzw. Buch wie „The Hate U Give“ konsumiert hat, dann ist einfach ein eigener Stil und ich mag ihn. Aber ich kann nachvollziehen, dass man sich dort erst einlesen/eingewöhnen muss. Aber es passte auch zu vielen Themen, die Williams verarbeitet hat, denn es geht um die oft schwierigen Karrierewegen von Autoren, die People of Color sind und ich kann mir vorstellen, dass es gerade im Ausland dann noch schwieriger sein kann. Ich fand die Erzählstimme insgesamt also authentisch, zumal man auch durchgängig gemerkt hat, dass Williams um intensive Charakterstudien bemüht war.
Genau dort sehe ich aber meinen eigenen Kritikpunkt an diesem Buch. Grundsätzlich hat Williams ihre Figuren sehr intensiv gezeichnet und weil auch viel Traumata in dem Inhalt drin steckte, war da auch viel rauszuholen. Mir hätte es aber mehr als gereicht, wenn sie sich nur auf die Perspektiven von Eva und Shane mitsamt der Rückblenden in die Jugend beschränkt hätte. Denn es ist ihre Geschichte und es geht um die große Frage, wer sie sind sie seit damals geworden, was ist damals vorgeworfen und kann es eine Zukunft geben? Wir bekommen aber zusätzlich noch weitere Perspektiven eingestreut. Hier Audre, hier Lizette, dann noch Cece, Ty. Es ist dann eigentlich immer nur ein Kapitel, manchmal sogar nur wenige Abschnitte, aber ich fand das eher irritierend und es hat für mich die eigene Handlung ausgebremst. Ich habe natürlich jeweils etwas über diese Figuren gelernt, auf jeden Fall, aber ich brauchte es nicht, weil sie nicht mal ansatzweise so viel Erzählzeit wie die anderen bekommen haben und dann war es einfach unnötig. Zumal gutes Schreiben es auch erlaubt, dass man Figuren auch genug begreifen kann, ohne ihnen in den Kopf gucken zu können. Gerade Lizette war schnell zu verstehen und zu begreifen, ihre Perspektive war mir sogar fast zu erschreckend.
Ansonsten würde ich zum Handlungsverlauf sagen, dass dieses Konzept, nur einen ganz kleinen Zeitrahmen zu erzählen, entweder über einen Tag in jedem Jahr oder wie hier eine Woche und das zweimal, das ist in der Literatur erprobt und funktioniert auch. Es ist sicherlich eine spezielle Art des Erzählens, aber Williams hat es hinbekommen, den Unterschied zwischen den insgesamt 14 Tagen eklatant aufzuzeigen. Ich fand die Rückblenden auch echt heftig zu lesen, weil man niemanden so leiden sehen will, aber es war gut, dass wir sie nicht auf einmal bekommen haben, denn die Gegenwart ist da deutlich leichter. Auch wenn Shane und Eva immer noch viel Arbeit an sich zu erledigen haben, so war es doch gewaltig, was sie jeweils aus sich gemacht haben. Ich mochte bei Eva auch extrem ihre Beziehung zu ihrer Tochter, gerade im Kontrast zu Lizette. Ich mochte aber auch, wie diese atemraubende Chemie zwischen Eva und Shane für uns rübergebracht wurde. Auch wenn sie in ihrer Jugend absolut falsch füreinander waren, so kam da schon was Spezielles rüber, aber gerade in der Gegenwart war es einfach so intensiv. Gerade vor dem Hintergrund, dass Adaptionen nie eins zu eins wie die Vorlage erzählt werden können, kann ich mir schon jetzt vorstellen, dass es sich ebenfalls toll als Verfilmung eignen würde.
Fazit: „Sieben Tage im Juni“ ist in vielerlei Hinsicht eine ungewöhnliche Lektüre. Der Schreibstil ist von einer starken Schwarzen Erzählstimme geprägt und auch die erzählten Schicksale haben Tiefe. Der Stil mit den vielen verschiedenen Perspektiven hat mir leider nicht so gepasst, aber dafür kam die ungewöhnliche Liebesgeschichte auch intensiv rüber. Das Buch ist sicherlich nicht Mainstream, aber es geht inhaltlich ja auch genau darum, den Weg außerhalb der vorgegebenen Trends zu finden und das beweist Tia Williams.