Cover-Bild Herzklappen von Johnson & Johnson
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22,00
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  • Verlag: Suhrkamp
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Generationenroman
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 174
  • Ersterscheinung: 17.02.2020
  • ISBN: 9783518429174
Valerie Fritsch

Herzklappen von Johnson & Johnson

Roman
Alma und Friedrich bekommen ein Kind, das keinen Schmerz empfinden kann. In ständiger Sorge um ihren Jungen, ist es vor allem Alma, die ihn unaufhörlich auf körperliche Unversehrtheit kontrolliert. Jeden Abend tastet sie das Kind ab, um keine Blessur zu übersehen. Und nichts fürchtet die junge Mutter mehr als die unsichtbare Verletzung eines Organs, die ohne ein Zeichen bleibt. Halt findet Alma bei ihrer Großmutter, die jetzt, hochbetagt und bettlägerig und nach lebenslangem Schweigen, zu erzählen beginnt: vom Aufwachsen im Krieg, von Flucht, Hunger und der Kriegsgefangenschaft des Großvaters. Mit dem Kind auf dem Schoß, das keinen Schmerz kennt, sitzt Alma am Bett der Schwerkranken, die sich nichts mehr wünscht, als ihren Schmerz zu überwinden. Und in den Geschichten der Großmutter findet sie eine Erklärung für jene scheinbar grundlosen Gefühle der Schuld, der Ohnmacht und der Verlorenheit, die sie ihr Leben lang begleiten.
Wie wird ein Kind zum Menschen, zu einem mitfühlenden sozialen Wesen, wenn es die Verwundbarkeit nicht kennt? Wenn es nicht versteht, wie sehr etwas wehtun kann? In eindringlichen Bildern erzählt Valerie Fritsch von einem Trauma, das über die Generationen weiterwirkt, sie lotet die Verletzlichkeit des Menschen aus und fragt nach dem Wesen des Mitgefühls, das unser aller Leben bestimmt.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.10.2020

Eine ausdrucksstarke Autorin

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„Die Menschen in dieser Familie trugen das Schweigen wie einen Mantel, sie hüllten sich ein darin, aber er wärmte nicht im Winter, und man fror auch im Sommer daran.“

Alma wächst allein in einem großen ...

„Die Menschen in dieser Familie trugen das Schweigen wie einen Mantel, sie hüllten sich ein darin, aber er wärmte nicht im Winter, und man fror auch im Sommer daran.“

Alma wächst allein in einem großen Haus mit ihren Eltern auf. Die Eltern (ver)schweigen viel, sie kommt sich oft vor wie in einem Theaterstück. Vieles bleibt ungesagt und geheim. Als sie schließlich Friedrich kennenlernt, lernt sie zum ersten Mal Liebe kennen. Mehrere Jahre lernen die beiden sich kennen, ziehen schließlich zusammen und bekommen ein Kind. Aber Sohn Emil kann keinen Schmerz verspüren – und von nun an lebt Alma in Angst. Angst vor Verletzungen, unsichtbarem Trauma, Gefahr…

„Wie brachte man jemandem Schmerz bei, wie erklärte man ein Gefühl, das nicht erfahrbar war, wie beschrieb man ein Weh, das immer ausblieb. Was war Fleisch ohne die fundamentale Fähigkeit, zu leiden.“

Fritsch hat einen sehr poetischen Schreibstil und ist sehr sprachbegabt. Viele Teile des Buches lesen sich sehr gut. Was mich jedoch sehr irritierte, ist, dass der Klappentext ein ganz anderes Buch beschreibt als das vorliegende. Dem Klappentext nach zu urteilen geht es v.a. um Emil, allerdings wird dieser meist eher am Rande behandelt. Die Geschichte ist außerdem eher langatmig. Die Autorin hat viel Potential, aber dieses Buch war leider nichts für mich.

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Veröffentlicht am 24.09.2020

Die große Angst

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!ein Lesehighlight 2020!



Klappentext:

„Alma und Friedrich bekommen ein Kind, das keinen Schmerz empfinden kann. In ständiger Sorge um ihren Jungen, ist es vor allem Alma, die ihn unaufhörlich auf körperliche ...

!ein Lesehighlight 2020!



Klappentext:

„Alma und Friedrich bekommen ein Kind, das keinen Schmerz empfinden kann. In ständiger Sorge um ihren Jungen, ist es vor allem Alma, die ihn unaufhörlich auf körperliche Unversehrtheit kontrolliert. Jeden Abend tastet sie das Kind ab, um keine Blessur zu übersehen. Und nichts fürchtet die junge Mutter mehr als die unsichtbare Verletzung eines Organs, die ohne ein Zeichen bleibt. Halt findet Alma bei ihrer Großmutter, die jetzt, hochbetagt und bettlägerig und nach lebenslangem Schweigen, zu erzählen beginnt: vom Aufwachsen im Krieg, von Flucht, Hunger und der Kriegsgefangenschaft des Großvaters. Mit dem Kind auf dem Schoß, das keinen Schmerz kennt, sitzt Alma am Bett der Schwerkranken, die sich nichts mehr wünscht, als ihren Schmerz zu überwinden. Und in den Geschichten der Großmutter findet sie eine Erklärung für jene scheinbar grundlosen Gefühle der Schuld, der Ohnmacht und der Verlorenheit, die sie ihr Leben lang begleiten.



Wie wird ein Kind zum Menschen, zu einem mitfühlenden sozialen Wesen, wenn es die Verwundbarkeit nicht kennt? Wenn es nicht versteht, wie sehr etwas wehtun kann? In eindringlichen Bildern erzählt Valerie Fritsch von einem Trauma, das über die Generationen weiterwirkt, sie lotet die Verletzlichkeit des Menschen aus und fragt nach dem Wesen des Mitgefühls, das unser aller Leben bestimmt.“



Valerie Fritsch hat mit „Herzklappen von Johnson und Johnson“ ein kleines Meisterwerk geschaffen! Ihre Wortwahl, ihre Ausdrucksweise und das Spiel der Emotionen, lassen diesen Roman wahrlich schweben. Die Geschichte von Alma und Friedrich und dessen Kind Emil, ein besonderes Kind welches keine Schmerzen verspürt, klingt im ersten Moment völlig an den Haaren herbei gezogen. Man merkt aber schneller als man denkt beim lesen des Buches, das hier viel mehr dahinter steckt als Almas Angst. Sie ist so intelligent, so klug aber auch so sehr Alma...Als dann die Geschichten von Almas schwerkranker Oma dazu kommen, hat man das Gefühl, das sich der Kreis der offenen Fragen schließt. Hier geht es erst recht spät um Emil, dafür sehr viel um Alma, da ist der Klappentext etwas verwirrend, da man glaubt, es geht zum Großteil um Emil.

Fritsch geht mit so großer Hingabe auf die Verletzlichkeit des Menschen ein, nicht nur körperlich sondern eben auch seelisch, das es einem fast den Atem raubt. Ich habe viele Stellen zwei Mal gelesen, weil ich so beeindruckt davon war.

Dieses Buch strotz vor so vielen Themen die aber alle zusammen gehören und ein wunderbares Ganzes ergeben. Fritsch blickt unheimlich tief in die Menschenseele und das hatte ich eigentlich zuletzt bei Hanya Yanagihara’s „Ein wenig Leben“ erlesen.

Dieser Roman hat mich gepackt und hallt nach, wie es schon lange kein Buch mehr getan hat. Es ist ein anspruchsvoller Roman, auf den man sich einlassen muss um ihn zu verstehen. Man muss genau lesen, mitfühlen und es versuchen zu verstehen....

Ein wahnsinnig toller Roman der von mir 5 von 5 Sterne erhält!

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Veröffentlicht am 18.09.2020

Das große Schweigen

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Schweigen. Alma wächst in einer Familie auf, die vom schweigen geprägt ist. Die Eltern, die nur hinter verschlossenen Türen sprechen und leben, doch nie wenn Alma dabei ist. Die Großeltern, die von den ...

Schweigen. Alma wächst in einer Familie auf, die vom schweigen geprägt ist. Die Eltern, die nur hinter verschlossenen Türen sprechen und leben, doch nie wenn Alma dabei ist. Die Großeltern, die von den Kriegsjahren und dem Krieg geprägt sind und nie Worte dafür gefunden haben, weshalb auch sie sich in das Schweigen zurückgezogen haben. Dieses Schweigen durch das Alma maßgebend geprägt ist. Erst durch Friedrich, ihren späteren Mann kehrt sie zu einer Art Leichtigkeit zurück, aber doch nie so, wie man es wohl unter normalen Umständen wohl wäre. Und dann ist da natürlich auch noch Emil, der Sohn, der erst nach vielen Untersuchungen und Vermutungen die Diagnose erhält keinen Schmerz empfinden zu können. Schuld daran ist eine Mutation.

Valerie Fritsch hat mit ihrem Roman „Herzklappen von Johnson & Johnson“ einen Generationenroman geschaffen, einen in dem das Schicksal von vier Generationen auf eine Bildhafte Art und Weise dargestellt wird. Das Besonders daran ist, dass sie nur durch Alma verbunden doch durch das Schweigen vereint sind.

Dieser Bildgewaltigeroman transportiert auf nur wenigen Seiten eine unheimliche Menge. Er beschreibt Orte und Personen bis ins kleinste Detail, geht mit der Sprache besonders um und führt den Leser durch die Leben und Jahre der einzelnen Personen, die mit fast jedem Kapitel wechseln und ihre eigene Geschichte erzählen. Auch die Vergleiche die Valerie Fritsch im Buch zieht sind bemerkenswert! Der Großvater, dem im Krieg das Herz gebrochen wurde und der später nur noch mit den Herzklappen von Johnson & Johnson leben kann, da es ihm sonst das Herzbrechen würde. Äußerlich ist dieser alte, gebrochene Mann jedoch unversehrt. Und dann Almas Sohn, Emil, der Junge der laut und aktiv ist, äußerlich jedoch beschädigt ist. Dies ist er durch seine Krankheit die ihn keinen Schmerz fühlen lässt und die ihn auch nie zum schweigen bringt. Vier Generationen, mehrere Schicksale und doch einen sie sich in der eigenen Geschichte.

Dennoch, der Roman konnte mich nicht so recht mitreißen. Keine Emotionalebindung aufbauen. Er ist eher ein Roman, der durch seinen Aufbau und das Konstrukt , sowie die Sprache mitreißt die am Ende nachwirkt und dem Leser noch lange im Gedächtnis bleibt. Er hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

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Veröffentlicht am 05.09.2020

Valerie Fritsch - Herzklappen von Johnson & Johnson

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Alma wächst in einer Familie des Schweigens auf. Das Leben der Eltern scheint nur hinter verschlossenen Türen vorzukommen, das Zuhause insgesamt erweckte mehr den Anschein einer Kulisse, vor der Leben ...

Alma wächst in einer Familie des Schweigens auf. Das Leben der Eltern scheint nur hinter verschlossenen Türen vorzukommen, das Zuhause insgesamt erweckte mehr den Anschein einer Kulisse, vor der Leben eher simuliert wurde als dass es tatsächlich stattfindet. Die verrückte Mutter, die mondsüchtig des nächtens aus dem kontrollierten Alltag ausbricht, fasziniert das Mädchen, bringt dies wenigstens ein wenig Bewegung in den ansonsten stillen und nüchternen Alltag. Dieser wird auch von den Großeltern bestimmt, denen die Kriegserfahrung nicht nur in den Knochen steckt, sondern die diese regelrecht auf die Enkelin übertragen, die die Erfahrungen der älteren Generation in Alpträumen nacherlebt. Mit Friedrich erlebt sie schließlich die alles aufzehrende Liebe, Emotionen, die sie zuvor nicht kannte. Die Geburt des gemeinsamen Sohnes Emil jedoch stürzt sie zurück in eine abgeriegelte Welt, deren Grauen vor allem in ihrem Kopf stattfindet. Doch auch mit Emil stimmt etwas nicht, es dauert einige Jahre, bis das Ergebnis der Ärzte feststeht: Emil kann keinen Schmerz empfinden.

Valerie Fritsch wurde für ihren Roman mit einer Nominierung auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2020 honoriert. Es ist die Geschichte vierer Generationen, die durch Alma verbunden und im Schmerz vereint sind. Die Großeltern, die die schmerzlichen Kriegserfahrungen nicht überwinden konnten und versuchten, durch eigenes Schweigen die Stimmen und Bilder im Kopf mundtot zu machen. Die Eltern, die nur hinter Türen reden, aber nicht mit dem Kind. Alma selbst, für die Schweigen und Schmerz identisch werden und die beides überwinden möchte bis zu Emil, der laut, geradezu vorlaut ist und durch das fehlende Schmerzempfinden das gegenteilige Extrem darstellt.

Die grausamen Kriegserlebnisse haben den Großvater gebrochen, so sehr, dass sein Herz es nicht mehr ertragen konnte und nur noch von metallenen Klappen der Firma Johnson&Johnson am Laufen gehalten wird. So wie er innerlich beschädigt wurde, trägt sein Urenkel permanent äußerliche Bandagen als Zeichen der unzähligen Verletzungen, die dem Körper schaden, von ihm aber nicht wahrgenommen werden. Immer wieder spiegelt die Autorin die Figuren an den zentralen Elementen Schmerz und körperlicher Verletzung. Und gerade in den Sprachbildern wird der Roman herausragend, so schreibt sie etwa Alma

„wünschte sich eine Ersatzpsyche, die die Welt besser ertrug, eine Identitätsprothese, die ihr einen sicheren Schritt durch die Tage ermöglichte.“

Die unterschiedlichen Traumata schreiben sich in die Körper ein, bleiben dort als sichtbare Wunden, die sich nicht einfach kosmetisch übertünchen lassen.

Ein bildgewaltiger Roman, der dicht auf wenigen Seiten doch unheimlich viel und dies noch dazu sehr intensiv transportiert. Kein Roman, der mich emotional völlig mitgerissen hätte, sondern eher einer der Sorte, die durch Konstruktion und Sprache am Ende nachwirken und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.