Cover-Bild Das Buch der vergessenen Artisten
22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Limes
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 752
  • Ersterscheinung: 10.09.2018
  • ISBN: 9783809026792
Vera Buck

Das Buch der vergessenen Artisten

Roman
Die wundersame Welt des Jahrmarkts, dramatische Zeiten und eine Liebe, die auch die größte Dunkelheit erhellt …

Deutschland, 1902. Mathis ist der dreizehnte Sohn eines Bohnenbauern, sein Leben zwischen Äckern und Feldern scheint vorherbestimmt. Erst als der Jahrmarkt im Dorf Einzug hält, bekommt Mathis eine Ahnung von der großen, weiten Welt jenseits der Hügel, die den Ort umgeben. Eine Welt, in der elektrische Wunder, Kuriositäten und schillernde Showbühnen auf ihn warten und in der auch er einen Platz haben will. Zusammen mit den Schaustellern begibt sich Mathis auf eine außergewöhnliche Reise.

Nach über dreißig Jahren als Röntgenkünstler lebt Mathis mit seiner Partnerin, der Kraftfrau Meta, in einer Wohnwagensiedlung am Rande Berlins. Es sind düstere Zeiten für die Artisten: Auftrittsverbote werden verhängt, Bühnen dichtgemacht. Doch in geheimen Clubs und Künstlertreffs lebt die Vergangenheit weiter. Genau wie in dem Buch, an dem Mathis schreibt – einem Buch, das Geheimnisse birgt und unter keinen Umständen in die falschen Hände geraten darf …

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.01.2019

Ein Stück wertvoller Erinnerungen

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Ein Stück wertvoller Erinnerungen

Was macht man, wenn man als dreizehnter Sohn eines Bohnenbauern geboren wird, und eine Bohnenallergie hat? Man geht zum Jahrmarkt!
So hat Mathis Bohnsack es zumindest ...

Ein Stück wertvoller Erinnerungen

Was macht man, wenn man als dreizehnter Sohn eines Bohnenbauern geboren wird, und eine Bohnenallergie hat? Man geht zum Jahrmarkt!
So hat Mathis Bohnsack es zumindest gehandhabt.
Mathis ist immer schon derjenige in der Familie gewesen, der viel einstecken musste. Er hat ein krankes Bein das ihn einschränkt, sein Verstand jedoch ist herausragend. Doch in dem kleinen Dörfchen in dem er lebt, ist dies nicht von großer Bedeutung. Als der Jahrmarkt Einzug hält, ist Mathis fasziniert vom Röntgenapparat. Eine Welt öffnet sich ihm, die er fortan nicht mehr missen möchte. Er begibt sich also mit den Schaustellern auf die Reise. Meister Bo, der den Röntgenapparat betreibt, stellt Mathis als seinen Assistenten ein. Der griesgrämige Röntgenkünstler ist nicht sehr einfühlsam, doch Mathis hat seine Berufung gefunden, er möchte nichts anders mehr tun.

Später, nach dem Tod Meister Bos, lernt er die Kraftfrau Meta kennen und lieben. Er wohnt mit ihr und ihrem zurückgebliebenen Bruder Ernsti in einer Wohnwagensiedlung. Doch die Zeiten sind hart, vieles wird verboten in Deutschland zu dieser Zeit. Meta und Ernsti sind Juden, sie müssen fürchten weggesperrt zu werden.
Mathis kann dies alles nicht nachvollziehen. Er möchte den Artisten eine Stimme geben, er möchte, dass ihr Tun nicht in Vergessenheit gerät. Er schreibt an einem Buch, in dem er die Lebensgeschichte der Schausteller schreibt. Er muss dabei sehr vorsichtig sein, das Buch darf nicht versehentlich in die falschen Hände geraten. Außerdem plagt Mathis die Sorge seine Hand zu verlieren. Die Röntgenstrahlen schädigen ihn seit vielen Jahren. Kaum jemand wusste von der Gefahr, die Mathis wahrscheinlich aufgrund der Faszination sogar in Kauf genommen hätte.
Als Ernsti und einige andere Schausteller abgeholt werden, beginnt für Mathis und Meta ein wahre Odysee um in wieder zu finden.

Vera Buck hat einen sehr bewegenden und fesselnden Schreibstil. Sie bringt viele bekannte Ikonen in die Handlung mit ein. Die Idee, die Geschichte der vergessenen Artisten in einem Roman einzufangen ist mehr als gelungen. Ein Tribut an all die genialen und talentierten Sänger, Schauspieler und der anderen Künstler, die im nationalsozialistischen Deutschland ausgegrenzt und an ihren Darbietungen gehindert wurden.
Am Beispiel der Geschichte von Mathis und Meta, die der Leser aus verschiedenen Zeiten kennenlernt, bekommt man einen guten Einblick in die Wirren und Zustände der damaligen Zeit. Die Ängste und die Ungerechtigkeit wird klar beschrieben, die Hilflosigkeit der Einzelnen ebenso.
Der Roman macht aber auch Mut, und zeigt, dass es trotz der schwierigen Lage noch Menschen gab, die sich gegenseitig geholfen haben. Mehr als eine brenzlige Situation in die Mathis und Meta geraten sind, wurde durch die Unterstützung netter Menschen zum positiven gewendet.
Der Roman hat mich sehr überrascht. Erwartet habe ich eine spannende Geschichte, die habe ich auch bekommen! Mit so einem Tiefgang habe ich allerdings nicht gerechnet. Vera Buck konnte mich mit diesem Werk voll und ganz überzeugen!

Veröffentlicht am 10.10.2018

Super! :)

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Das Cover ist ganz nach meinem Geschmack, es ist in einem schönen Vintagestyle gehalten, welches mit der Schrift und der Farbwahl den Leser gut auf die damalige Zeit einstimmt. Auch der Titel ist sehr ...

Das Cover ist ganz nach meinem Geschmack, es ist in einem schönen Vintagestyle gehalten, welches mit der Schrift und der Farbwahl den Leser gut auf die damalige Zeit einstimmt. Auch der Titel ist sehr anziehend, da man von Artisten aus der vergangenen Zeit nicht wirklich Bücher bzw. Romane findet. Deswegen hat mich das Buch auch angesprochen :) Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, einmal im Jahre 1902 und einmal im Jahre 1935, so sieht man sehr schön den Werdegang von Mathis und kann diesen als Leser wunderbar nachvollziehen. Die Autorin erzählt sehr lebhaft die Geschichte der Artisten und Künstler, sodass man sich als Leser sehr gut in die Geschichte und die Charaktere hineinversetzen kann. Man sieht die Welt , wie sie damals war, Menschen die anders waren, wurden zur Unterhaltung wie Tiere zur Schau gestellt, aber es zeigt auch wie die Artisten damals zusammengehalten haben und sich untereinander geholfen haben. Die Charaktere sind erwachen, durch sehr viele Details beim Lesen wahrlich zum Leben und man hat das Gefühl, als ob man selbst die Nebencharaktere kennt, wie einen guten Freund. Man sieht die guten Zeiten, aber auch die schlechten Zeiten unter dem Naziregime, wo Artisten spurlos verschwinden und Mathis anfängt ihre Geschichten aufzuschreiben. Die Autorin erzählt ,wie die Nazis die Opfer behandelt haben, sie beschönigt nichts, sondern erzählt die damalige harte Welt , wie sie war. So kann man als Leser wenigstens ein bisschen nachvollziehen wie es damals unter dem Naziregime war und welche Grausamkeiten damals gang und gebe waren. Die Autorin schafft es leicht den Leser zu fesseln mit einer Erzählweise, die eine leichte Ironie besitzt, aber auch etwas schwarzen Humor und so verfliegen die 750 Seiten nur so im Flug, da es nie langweilig wird. Man Die Geschichte hat mich sehr berührt und ich kann nur sagen, dass dieses Buch einfach der Wahnsinn ist. Absolut empfehlenswert! :)

Veröffentlicht am 02.10.2018

Gegen das Vergessen

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In einer Wohnwagensiedlung am Rand von Berlin leben 1935 die Kraftfrau Meta und ihr Partner, der Röntgenkünstler Mathis, inmitten anderer ehemaliger Artisten. Fast alle haben inzwischen Auftrittsverbot. ...

In einer Wohnwagensiedlung am Rand von Berlin leben 1935 die Kraftfrau Meta und ihr Partner, der Röntgenkünstler Mathis, inmitten anderer ehemaliger Artisten. Fast alle haben inzwischen Auftrittsverbot. Meta und Mathis kennen sich seit über 30 Jahren und haben immer wieder versucht, den Sprung über den großen Teich nach Amerika zu schaffen, doch jedes Mal ist etwas dazwischen gekommen. Auch jetzt geht die Angst um, denn seit ihnen Blut für „Untersuchungen zu Züchtungskreisen von Zigeunermischlingen und anderen asozialen Psychopathen“ abgenommen wurde, verschwinden immer mehr Bewohner. Mathis ist der Einzige, der auf seine ganz eigene Art rebelliert, indem er die Geschichten aller Artisten aufschreibt, die er noch befragen kann. „Aber wir können doch nicht einfach nur dasitzen und wegsehen.“ (S. 54) Doch Meta hat Angst, dass ihnen dieses Buch irgendwann zum Verhängnis wird, da auch ihre eigenen Geheimnisse darin stehen.

Vera Buck hat in ihrem Buch ein Thema gewählt, dass mir bis dato relativ unbekannt war. Zwar wusste ich, dass die Nationalsozialisten versucht haben, sich aller „minderwertiger“ Menschen zu entledigen, aber mir war nicht klar, dass auch Artisten und Schausteller in diese Sparte fielen, egal welcher Abstammung sie waren.

In einer zweiten Zeitebene erzählt sie Mathis Werdegang und die Geschichten seiner Weggefährten. Er ist der dreizehnte Sohn eines Bohnenbauern, hat ein durch Kinderlähmung verkrüppeltes Bein und war zu Hause und in seinem Dorf der Prügelknabe. Er hat keine Träume, bis er auf dem Jahrmarkt einen Röntgenapparat und dessen Besitzer entdeckt: „Es war, als öffnete der Apparat ein Fenster, durch das er in ein zweites Universum blicken konnte. Eines, in dem nichts verschlossen blieb, keine Tür und kein Körper.“ (S. 68) Erst als „Röntgen-Assistent“ blüht er auf, fühlt sich endlich als ganzer Mensch und nicht mehr als Krüppel. Dass die Röntgenstrahlen fatale Nebenwirkungen haben, wird ihm erst spät klar.
Meta war ein Waisenkind, die sich schon früh ihr Haut erwehren und um ihren geistig behinderten Bruder Ernsti kümmern musste. Dabei hat sie unglaubliche Kräfte entwickelt. Wenn sie nicht gerade trainiert oder auftritt, dreht sich ihr Leben fast ausschließlich Ernsti. Dessen Bedürfnisse stehen immer an erster Stelle, ihre oder Mathis an zweiter.

Die Autorin lässt einerseits eine sehr skurrile, bunte Welt lebendig werden, in der Röntgenapparate der Unterhaltung dienen, sich Artisten mit Kanonenkugeln beschießen lassen und Menschen fremder Kulturen oder Kleinwüchsige wie Vieh ausgestellt werden. Aber sie zeigt auch, dass die Künstler zusammenhalten, erst Recht, nachdem die Nazis an die Macht kommen. Vera Buck beschönigt nichts. Sie erzählt was passiert, wenn die Menschen doch aufgegriffen werden, in Lager verbracht, zwangssterilisiert oder mit Medikamenten ruhig gestellt. Schonungslos beschreibt sie die Gewaltorgien bei den Festnahmen und Verhören, die Machtdemonstrationen der Überlegenen.

Das Buch hat mich sehr berührt, gefesselt, erschüttert und aufgewühlt. Ich habe die 750 Seiten innerhalb von zwei nur Tagen gelesen. Es ist wichtig, dass immer wieder darauf hingewiesen wird, was damals alles passiert ist, denn: „Ohne Geschichte gibt es keine Zukunft. ... Wenn wir die Vergangenheit vergessen, sind wir gezwungen, sie zu wiederholen. Und dann ist alles umsonst passiert.“ (S. 185)

Veröffentlicht am 24.09.2018

Mitreißend und fesselnd!

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Mathis ist fasziniert von dem Jahrmarkt, der mit all seinen Artisten und Attraktionen durch sein kleines verschlafenes Dorf zieht. Besonders angetan hat es ihm ein Mann mit einer Maschine, ...

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Mathis ist fasziniert von dem Jahrmarkt, der mit all seinen Artisten und Attraktionen durch sein kleines verschlafenes Dorf zieht. Besonders angetan hat es ihm ein Mann mit einer Maschine, mit der man das Innerste aller Gegenstände und Lebewesen sehen kann, die man dahinter plaziert. Da er ein lahmes Bein hat und von seinen Brüdern täglich geschlagen wird, beschließt Mathis kurzerhand, den Artisten und dem Besitzer der Maschine zu folgen und dessen Assistent zu werden.

Anfang der 30er Jahre ist Deutschland ein Land voller Veränderungen, die auch nicht vor den Artisten halt machen. Immer mehr erhalten von der nationalsozalistischen Regierung Berufsverbote, verschwinden auf wundersame Weise oder werden geholt. Zu dieser Zeit beschließt Mathis, der schließlich in Berlin gelandet ist, ein Buch über all diese Artisten zu schreiben, die verschwinden und langsam in Vergessenheit geraten. Doch dabei trifft er nicht immer auf Zustimmung und Unterstützung. Mit dem Laufe der Zeit enthält sein Buch einige wichtige Informationen über Untergrundorganisationen für Artisten, deren Enthüllung sowohl für Mathis als auch für alle anderen Artisten in diesen dunklen Zeiten drastische Maßnahmen haben würde...

Auf "Das Buch der vergessenen Artisten" bin ich vor allem aufgrund des Namens Vera Buck aufmerksam geworden. Buck ist auch die Autorin des Buches "Runa", was mich damals wirklich sehr begeistern konnte. Deshalb war ich auch so neugierig auf ihr neues Werk und bin mehr als froh, ein Auge auf dieses Buch geworfen zu haben.

Mathis ist ein Charakter, den ich zu Anfang des Buches nicht so recht verstehen konnte, aber in Laufe der Geschichte immer mehr gemocht habe. Das Buch berichtet gleichzeitig sowohl von der Zeit, als Mathis sein Zuhause verlassen hat, als auch davon, wie Mathis schon im Berlin der Nationalsozialisten lebt. Den "jüngeren" Mathis konnte ich meist ein wenig mehr verstehen als den "älteren", vor allem da der erwachsenere und ältere Mathis sich etwas von seiner Lebensgefährtin Meta unterdrücken ließ. Viele Situationen zwischen den beiden habe ich nicht verstanden aber das hat mich nicht daran gehindert, Mathis in mein Herz zu schließen.

Mit dem Schreibstil von Vera Buck werden in "Das Buch der vergessenen Artisten" gleich zwei Zeitgeister geweckt und die Bevölkerung von damals unglaublich gut porträtiert: Einmal zu Beginn des 19. Jahrhunderts, dann zur "Machtergreifung" Hitlers und die folgenden Jahre. Hinter der Geschichte muss so viel Recherche stecken, denn anders könnte ich mir die Entstehung des Gefühls, dass dabei vermittelt wird, nicht vorstellen. Es war bei "Runa" genauso wie bei "Das Buch der vergessenen Artisten": Wenn man ein Buch von Vera Buck in die Hand nimmt ließt man die Geschichte nicht nur, man verfällt ihr, begeistert sich dafür und ist mehr als nur traurig, wenn sie dann letztendlich vorbei ist. Die Intensität und Einmaligkeit der Geschichte sind wirklich zauberhaft und suchen ihresgleichen in dieser Welt voller unglaublich guter Bücher!

Eine absolute Empfehlung für alle, die auf der Suche nach einer richtigen Geschichte sind, die einen abholt und mitreißt und nicht mehr loslässt!

Meine Empfehlung: 5/5

Dieser Beitrag enstand in Zusammenarbeit mit dem Limes-Verlag und enthält Werbung für "Das Buch der vergessenen Artisten" von Vera Buck.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Veröffentlicht am 23.09.2018

Leseempfehlung

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Allgemeines:

Vera Buck hat bereits mit ihrem ersten Roman Runa große Anerkennung gefunden und legt nun ihr zweites Werk vor, das sich mit einem bisher wenig beachteten, aber gerade deshalb umso wichtigeren ...

Allgemeines:

Vera Buck hat bereits mit ihrem ersten Roman Runa große Anerkennung gefunden und legt nun ihr zweites Werk vor, das sich mit einem bisher wenig beachteten, aber gerade deshalb umso wichtigeren Thema beschäftigt, der politischen Verfolgung von Schaustellern, Artisten und Varieteekünstlern im Dritten Reich.

Das Buch der vergessenen Artisten ist am 10.09.2018 im Limes Verlag erschienen und umfasst 752 Seiten.

Inhalt:

„Deutschland, 1902. Mathis ist der dreizehnte Sohn eines Bohnenbauern, sein Leben zwischen Äckern und Feldern scheint vorherbestimmt. Erst als der Jahrmarkt im Dorf Einzug hält, bekommt Mathis eine Ahnung von der großen, weiten Welt jenseits der Hügel, die den Ort umgeben. Eine Welt, in der elektrische Wunder, Kuriositäten und schillernde Showbühnen auf ihn warten und in der auch er einen Platz haben will. Zusammen mit den Schaustellern begibt sich Mathis auf eine außergewöhnliche Reise.

Nach über dreißig Jahren als Röntgenkünstler lebt Mathis mit seiner Partnerin, der Kraftfrau Meta, in einer Wohnwagensiedlung am Rande Berlins. Es sind düstere Zeiten für die Artisten: Auftrittsverbote werden verhängt, Bühnen dichtgemacht. Doch in geheimen Clubs und Künstlertreffs lebt die Vergangenheit weiter. Genau wie in dem Buch, an dem Mathis schreibt – einem Buch, das Geheimnisse birgt und unter keinen Umständen in die falschen Hände geraten darf …“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Vera Bucks Das Buch der vergessen Artisten ist etwas ganz Besonderes. Schon das Cover ist ein echter Hingucker, der Umfang des Buches ist beeindruckend. Die Thematik ist schwere Kost, geht es doch um Menschen, die im Dritten Reich, verfolgt, gedemütigt, misshandelt und weggesperrt wurden. Buck nimmt sich einer Seite der Gesellschaft an, die es auch in der heutigen Zeit noch schwer hat, sie stellt die Artisten und Schausteller und deren Schicksale in der Zeit von 1902 bis 1939 in den Fokus ihrer Geschichte. Es handelt sich hier sozusagen um eine Geschichte in der Geschichte, denn die Hauptfigur Mathis Bohnsack setzt alles daran, um dieses Buch der vergessenen Artisten zu schreiben. Er, der selber zu einer Gruppe von Schaustellern gehört, sucht nach Menschen, die ein Auftrittsverbot haben, weil ihre Texte, ihre politische Einstellung, ihre Herkunft, nicht systemkonform sind. Und davon gibt es im erstarkenden Hitlerdeutschland genug. Er will sie befragen, um ihr Schicksal aufzuschreiben und sie so unvergessen zu machen.

Buck schafft es, in diesem Buch trotz der harten Thematik, den Humor nicht zu kurz kommen zu lassen. Ihre Figuren verfügen über einen gesunden Menschenverstand und eine gehörige Portion Lebenstüchtigkeit und Selbstironie. Diese Mischung macht das Buch so lesenswert.

Das Buch der vergessenen Artisten nimmt zwei Zeitebenen in den Blick: Die Zeit um 1900, Mathis‘ Kindheit, und die Zeit um 1930, sein weiteres Leben in der Zeit der Sanktionen und Verfolgung.

Was zwischen diesen Abschnitten seines Lebens geschieht, erfährt man nach und nach und kann sich so ein eigenes Bild von diesem Leben machen.

Mathis‘ große Liebe Meta spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in diesem Buch. Sie ist in vielerlei Hinsicht sein Gegenspieler. Er handelt fast immer überlegt und denkt über mögliche Konsequenzen seines Handelns nach, sie ist sehr impulsiv, hat einen ausgeprägten Spürsinn für Gerechtigkeit und handelt oft so, dass sie sich und andere durchaus in Gefahr bringt. Außerdem hat sie eine besondere Achillesferse: ihren geistig behinderten Bruder, der bei ihr und Mathis in der Schaustellerkolonie in Berlin lebt. Menschen wie er werden besonders verfolgt, daher muss und will sie ihn schützen, was immer schwieriger wird. Dann gibt es noch einen Künstler, der von Meta begeistert ist und sie unbedingt als Statue verewigen will. Seine Figur ist ambivalent angelegt: Man weiß nicht, wie weit seine Sympathie mit der Ideologie der Rassisten konform geht, ein weiterer Baustein des Romans, der die Spannung erhält.

Bucks Buch wird zunehmend düster und geht so konform mit der politischen Situation im Deutschen Reich.

Fazit:

Das Buch hat mich sehr berührt und gleichzeitig mein geschichtliches Wissen erweitert. Ich kann es sehr empfehlen.