Veröffentlicht am 10.01.2026

Spannend und atmosphärisch - eine würdige Fortsetzung

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Seitdem Bristol Keats sich auf einen Deal eingelassen hat, der sie nach Elfheim lockte, ist eine Menge passiert. Sie ist nicht länger eine Rekrutin ohne Zauberkräfte, sondern eine Blutgesegnete mit Einfluss und zudem Tyghans Freundin. Die übrigen Rekrutinnen sind ihre besten Freunde, sie ist mit den Sitten Elfheims vertraut sowie mit der Kunst des Kampfes und der Verteidigung … und das erweist sich auch als bitter nötig. Die Wahlzeremonie, die nur alle hundert Jahre stattfindet und den ultimativen Herrscher des Elfenreichs krönt, steht kurz bevor, und Kormick, der König Fomorias, lechzt noch immer danach, sich denjenigen, die sich seiner Kandidatur in den Weg stellen, zu entledigen. Hinzukommend wird Bristol von dem Wissen herumgetrieben, dass ihre Mutter weiterhin eng an den Feind gebunden ist und sie nicht mit Sicherheit vermag, zu ihr durchzudringen. Auch ihr Vater verursacht Probleme, da er sich beharrlich weigert, diese unsichere Welt zu verlassen und nach Hause zurückzukehren. Dann wären da noch Tyghans Bruder Cael, der noch immer in Kormicks Gefangenschaft ist, und unzählige weitere Geheimnisse, die unter der Oberfläche schwelen. Die Zeiten sind turbulent – Bristol und ihre neuen Freunde werden auf eine Probe nach der anderen gestellt.

Obwohl sich die Dilogie rund um »Bristol Keats« um Fae dreht – ein Thema, dem ich normalerweise weniger zugeneigt bin –, hat mir der erste Teil überraschend gut gefallen. Da stand es außer Frage, dass ich mich auch an Band zwei heranwage. Tatsächlich hatte ich leise Zweifel, ob er so gut sein würde wie der erste, aber die Zweifel haben sich als unbegründet herausgestellt. Der Leser wird übergangslos wieder in der gleichen Atmosphäre gefangengenommen, und beinahe ist es, als wäre zwischen dem Lesen des ersten und des zweiten Bandes keine Zeit vergangen.
Die Unterhaltsamkeit war bereits in Teil eins unglaublich präsent, im folgenden Teil legt sie sogar nochmals eine Steigerung hin. Kritiker bemängeln, dass die Handlung Schlag auf Schlag erfolgt und die Autorin sie mit Leichtigkeit auf ein weiteres Buch hätte ausdehnen können, allerdings teile ich diese Meinung nicht. Im Gegenteil, mir persönlich gefällt es, wenn die Handlungshöhepunkte einen dermaßen packen, dass man zwischenzeitlich kaum zu Atem kommt. Des Weiteren habe ich während des Lesens förmlich gespürt, wie geschickt die Handlung gewebt ist, wie extrem vielschichtig sie ist und wie viel Fantasie und Raffinesse es sicherlich benötigt hat, sie zu ihrem vollendeten Finale zusammenzuführen.
Auch die Wendungen waren abermals brillant. Ein paar von ihnen habe ich vorhergesehen, die meisten jedoch kamen vollkommen überraschend. Es gab während des Lesens nicht eine Sekunde, in der Langeweile aufgekommen ist. Ich war durchgehend gefesselt und jedes Mal gespannt, auf die nächste Seite zu blättern.
Die Atmosphäre ist absolut einmalig – im positiven Sinne. Sie ist geprägt von dem fantastischen Feenland mit seiner unglaublichen Diversität; von bemoosten Wäldern, schroffen Gebirgen und Höhlen bis hin zu friedlichen Gewässern ist alles mit dabei. Einen wesentlichen Beitrag zu der wunderschönen Stimmung trägt auch bei …

Der Schreibstil. Da gibt es nicht viel sagen, außer lobende Worte. Beim ersten Teil war ich anfangs etwas zurückhaltend, als ich festgestellt habe, dass aus der dritten Sicht erzählt wird, die manchmal einen distanzierten, unpersönlichen Eindruck erweckt. Jedoch hat die Erzählperspektive Bristols Nahbarkeit keinen Abbruch getan. Der Schreibstil vermag es, ein hochauthentisches Bild der Figuren zu zeichnen, tiefe Emotionen einfließen zu lassen, ein atemberaubendes Setting und eine absolut charakterstarke Atmosphäre zu kreieren – von der Aufrechterhaltung der Spannung ganz zu schweigen. Der Schreibstil ist fraglos einer von der besonders schönen Sorte – kein solides Gut, sondern ein zauberhaftes Überragend, wie es eher selten zum Einsatz kommt.

Die Authentizität der Geschichte wird gestützt von den zahlreichen Charakteren. Zu Beginn hat es ein wenig gedauert, bis ich mir sämtliche Namen und die dazugehören Gesichter merken konnte, aber sobald das geschehen ist, war selbst die kleinste Nebenrolle nicht mehr aus den Ereignissen wegzudenken. Bristol und Tyghan sind tolle Protagonisten, darüber braucht man nicht zu diskutieren, jedoch waren es auch die Nebenfiguren, die mich begeistert haben. Sie alle haben prägende Alleinstellungsmerkmale und einen großen Facettenreichtum. Als das Buch zu Ende war, fand ich es sehr schade, es zuzuklappen und mich von all den Charakteren, die mir ans Herz gewachsen sind, verabschieden zu müssen. Es kommt nicht häufig vor, dass alle Figuren so perfekt aufeinander und auf ihr Umfeld abgestimmt sind.

Wie meinen Lobesworten zu entnehmen ist, kann ich gar nicht anders, als auch für »The Last Wish of Bristol Keats« eine große Leseempfehlung auszusprechen. Was ich zu beanstanden habe, sind lediglich die ständig wechselnden Sprünge der Erzählperspektive sowie die offenen Fragen, die zum Schluss der Dilogie noch bestehen. Unabhängig davon liebe ich alles an der Dilogie: die Authentizität und Vielseitigkeit der Figuren, die Spannung, die Wendungen, die Energie der beiden Bücher sowie das Setting. Wer einem Gemisch aus Urban- und High-Fantasy – überwiegend High-Fantasy – zugetan und zudem offen für eine gute Portion Liebesgeschichte – mit Spice – ist, der wird ein ebenso großer Fan der Dilogie sein wie ich.

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