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Veröffentlicht am 02.06.2025

Familienepos über Entwicklungsmöglichkeiten, Familienmuster und alte Rechnungen

Die Frauen von Cornwall
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Daphne Du Mauriers Debütroman, im englischsprachigen Original mit dem Titel "The loving spirit", wurde nun von Brigitte Heinrich neu ins Deutsche übersetzt und vom Insel Verlag herausgebracht, diesmal ...

Daphne Du Mauriers Debütroman, im englischsprachigen Original mit dem Titel "The loving spirit", wurde nun von Brigitte Heinrich neu ins Deutsche übersetzt und vom Insel Verlag herausgebracht, diesmal unter dem Titel "Die Frauen von Cornwall". Als großer Fan von "Rebecca", Daphne Du Mauriers bekanntestem Werk, zu dem es auch das gleichnamige Musical gibt, war ich sehr gespannt auf dieses Buch und habe mich auf eine vielschichtige Familiengeschichte mit einem Hauch Mystik gefreut.

Diese Erwartung hat das Buch auch durchaus erfüllt und ich habe es sehr gerne gelesen. Es ist ein umfangreiches Werk, für das man sich Zeit nehmen sollte: nicht nur ist es fast 500 Seiten lang, sondern es ist auch auf eine Art und Weise geschrieben, die mich dazu eingeladen hat, länger bei manchen Kapiteln zu verweilen und so habe ich für die Lektüre dieses Buches deutlich länger gebraucht als sonst für ein Werk in diesem Umfang. Das heißt aber nicht, dass es langweilig zu lesen gewesen wäre - das war es überwiegend nicht und ich bin gerne den Geschichten der verschiedenen Familienmitglieder gefolgt.

Das Buch ist in vier große Teile geteilt, die jeweils ein Familienmitglied der Familie Coombe in den Mittelpunkt stellen: es beginnt mit Janet Coombe, geht weiter mit deren Sohn Joseph Coombe, danach folgt dessen Sohn Christopher Coombe und schließlich dessen Tochter Jennifer Coombe. Damit wird insgesamt eine Zeitspanne von 1830 (Beginn Janet) bis 1930 (Ende Jennifer) abgedeckt und somit genau ein Jahrhundert.

Janet ist ein Freigeist und träumt davon, zur See zu fahren, doch im frühen 19. Jahrhundert ist das für eine Frau undenkbar, und so verbringt sie ihr Leben damit, sich nach einem freieren Leben zu sehnen und sich zu wünschen, sie wäre ein Mann und könnte so leben, wie sie sich das wünscht, auch wenn ein Teil von ihr sich durchaus auch nach einer Liebesbeziehung sehnt.

Dieses Zitat zeigt ihre innere Zerrissenheit zu diesem Thema: "Janet war immer noch auf dem Hügel und blickte aufs Meer, und es hatte den Anschein, als gebe es zwei Seiten ihr; eine, die Ehefrau eines Mannes sein, ihn umsorgen und zärtlich lieben wollte, und eine andere, die sich einzig und allein danach sehnte, Teil eines Schiffs zu sein, Teil des Meeres und des Himmels, mit dem frohen, freien Leben einer Möwe." (S. 18)

Janet heiratet schlussendlich und bringt sechs Kinder zur Welt, eines davon ihr Sohn Joseph, dem sie sich am nächsten verbunden fühlt, in dem sie sich wiedererkennt und der ihre Sehnsucht nach dem Meer mit ihr teilt und schließlich Kapitän wird, auf dem nach ihr benannten Schiff "Janet Coombe", das in der familieneigenen Werft gebaut wurde.

Joseph verbringt sein Leben auf See, doch auch er ist ein unruhiger Geist und die berufliche Erfüllung macht ihn nicht glücklich, er wird sich zeitlebens nach der engen Verbindung mit seiner Mutter zurücksehnen und sich trotz vieler Affären und mehrerer Ehen auf keine Frau wirklich einlassen können. Dennoch hofft er, dass sein Sohn Christopher seinen Weg als Seemann fortsetzt.

Doch Christopher fühlt sich am Meer gar nicht wohl und zu einem anderen Leben berufen. Lange hadert er mit dem Erwartungsdruck seines Vaters, versucht, diesen zu erfüllen, scheitert daran und bricht aus diesem vorgeplanten Leben aus und flieht nach London. Doch dafür zahlt er einen hohen Preis: es kommt zum Bruch mit dem Vater.

Jennifer wiederum, Christophers jüngstes Kind und einzige Tochter, liebt ihren Vater auch sehr, wird ihn aber leider nur kurz in ihrem Leben haben. Sie wächst als kleines Kind teilweise in der alten Familiengegend im Cornwall auf, wird sich ihre ganze Jugend, die sie dann in London verbringen muss, danach zurücksehnen, und schließlich zurückkehren, um ihre Seelenruhe zu finden, aber auch, um eine alte familiäre Rechnung zu begleichen.

Die Figuren sind liebevoll und tiefgründig gezeichnet und ich habe insbesondere deren Entwicklung über das Jahrhundert sehr spannend gefunden: alle sehnen sie sich auf ihre Art nach Freiheit und Selbstverwirklichung, eigentlich ein sehr modernes Thema. Und alle haben sie ihre Begrenzungen darin, wie sie damit umgehen und was für sie im Leben möglich ist, welche Hoffnungen und Träume sich erfüllen und welche enttäuscht bleiben... doch insgesamt ist über die vier Figuren eine Entwicklung hin zur Moderne und hin zu freieren, selbstbestimmteren Menschen sichtbar. Das zeigt sich am allerstärksten im Vergleich von Jennifer mit ihrer Urgroßmutter Janet.

Das Buch ist somit nicht nur ein lesenswerter Klassiker, sondern auch ein durchaus aktuelles Werk, das auch für die heutige Zeit wertvolle Fragen stellt und zum Nachdenken anregt.

Schade finde ich allerdings, dass der Verlag sich dazu entschieden hat, es dermaßen stark als "Frauenbuch" zu positionieren: ein Titelbild mit rosa Wölkchen im Hintergrund, und dazu der unpassende Titel "Die Frauen von Cornwall", während das Buch bekanntlich zwei Männer und zwei Frauen, also ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis, mit ihren Lebensgeschichten thematisiert, und keineswegs ausschließlich oder überwiegend Frauen.

Ich finde es bedauernswert, dass mit dieser Positionierung wohl noch mehr als ohnehin schon ein weibliches Lesepublikum angesprochen und Männer eher abgeschreckt werden und damit der schon vorhandene Trend, dass viele Frauen "alles" lesen, also Bücher weiblicher und männlicher Autoren, aber die Werke von Frauen oft als "Frauenliteratur" positioniert und nur von einem Geschlecht gelesen werden, verstärkt wird - das hätte ich mir im Jahr 2025 anders gewünscht, und das hat dieses hervorragende Werk so nicht verdient.

Für diese Positionierung kann dieses tolle Werk aber nichts und ich kann es ansonsten allen, die sich für Klassiker und tiefgründige Familiensagas interessieren, sehr empfehlen.

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Sehr düsterer Krimi Noir mit außergewöhnlichem Antihelden & außergewöhnliches Gesellschaftsporträt

Tiefer Winter
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Der Polar Verlag hat sich auf die Herausgabe und Übersetzung von anspruchsvollen Krimis spezialisiert, die mehr bieten wollen, als nur zu unterhalten. Ein solcher ist auch der Krimi Noir "Tiefer Winter", ...

Der Polar Verlag hat sich auf die Herausgabe und Übersetzung von anspruchsvollen Krimis spezialisiert, die mehr bieten wollen, als nur zu unterhalten. Ein solcher ist auch der Krimi Noir "Tiefer Winter", das Debüt des US-amerikanischen Autors Samuel W. Gailey. Wie während des Lesens und auch nochmal stärker im Nachwort klar wird: hier schreibt einer, der die Schattenseiten des ländlichen Amerikas selbst gut kennen gelernt hat und sie präzise zu beschreiben vermag.

Wir befinden uns in Wyalusing, einem gottvergessenen Nest irgendwo im ländlichen Pennsylvania. Hier gibt es kaum etwas, das schön oder ansprechend wäre. Die Menschen leben in Trailern oder heruntergekommenen Häusern. Nicht einmal Straßenbeleuchtung gibt es hier. Alkohol, Drogensucht, Gewalt und Korruption sind allgegenwärtig, da ist auch der Deputy selbst keine Ausnahme, im Gegenteil, er treibt die Verkommenheit dort noch auf die Spitze. Jobs gibt es kaum, schon gar nicht solche mit Perspektive. Wer überhaupt einen hat, arbeitet meist im lokalen Schlachthaus. Und alle, die etwas aus sich machen wollen und können, verlassen diese schreckliche Gegend spätestens nach der High School... wer den Absprung nicht geschafft hat, bereut es oft später.

Somit finden wir in Wyalusing ein Sammelsurium der im Leben gescheiterten Existenzen vor. Da gibt es den Antihelden der Geschichte, Danny, ein freundlicher, kindlicher Riese, äußerlich erwachsen geworden, aber kognitiv nach einem Unfall als Kind, bei dem er auf dem Eis eingebrochen ist und zu lange unter Wasser war, für immer auf dem Stand eines liebenswerten, aber etwas naiven etwa 6-jährigen Jungen eingefroren. Bei dem Unfall hat Danny außerdem seine Eltern verloren, die ihn retten wollten, und musste danach bei einem eher abweisenden Onkel aufwachsen. Vom Leben verwöhnt wurde Danny also wahrhaftig nicht, hat sich aber seine Freundlichkeit und Herzensgüte bewahrt. Er lebt in einem Zimmer, das ihm die Bennetts vermieten, ein freundliches Ehepaar, das außerdem einen Waschsalon betreibt, in dem Danny aushelfen kann. Von den meisten in der Gegend wird Danny gemieden und verspottet, außer den Bennetts gibt es nur noch seine ehemalige Schulfreundin Mindy, die freundlich zu ihm ist.

Diese will er an ihrem Geburtstagsabend besuchen, um ihr ein handgeschnitztes Geschenk zu überreichen. Leider ist Mindy schon tot, als Danny zu ihr kommt... und damit verliert Danny nicht nur eine ihm wohlgesonnene Person und liebe Freundin, sondern bösartige, skrupellose Menschen wollen ihm auch noch den Mord in die Schuhe schieben, was erst einmal zu gelingen scheint. Denn die Menschen sind, wie sie sind, haben ihre Vorurteile gegenüber Menschen mit Handicaps und sind schnell bereit, die Lügen über ihn zu glauben...

Es kommt zu einer Verhaftung Dannys, dann zu seiner Flucht und am Ende zu einem dramatischen Finale im Schnee.

Die Kunst des Autors besteht darin, gleichzeitig ein tiefgründiges, düsteres Gesellschaftsporträt des ländlichen Lebens zu zeichnen und einen spannenden Krimi Noir zu erzählen, der höchst unterhaltsam zu lesen ist, obwohl man sehr früh weiß, wer der Mörder ist und wer nicht. Die Hauptspannung besteht also im Gegensatz zu vielen anderen Krimis hier nicht in der Ermittlungsarbeit der Kommissare (davon gibt es mehrere, aber das sind ähnlich heruntergekommene Figuren wie alle anderen in diesem Buch), sondern in der Frage, ob und wie es Danny schaffen könnte, gegen alle Wahrscheinlichkeiten zu entkommen und zu überleben. Ein kognitiv beeinträchtigter und verletzter Mann mitten im tiefsten Winter Pennsylvanias, und gleich mehrere Verfolger, die ihm nachstellen!

Dabei vermittelt dieser anspruchsvolle Krimi Noir gleichzeitig ein eindringliches Bild dessen, wie hart und brutal das Leben in manchen vergessenen ländlichen Teilen der USA sein kann. Es ist ein Buch, das stellenweise sehr hart zu lesen sein kann und von blutiger Gewalt und Fäkalsprache nur so trieft. Doch das passt zu diesem Milieu und macht das Buch gleichzeitig authentisch, auch wenn man es als Leser/in aushalten können muss. Besonders sympathisch habe ich Danny gefunden, und seine Wahl zum Mittelpunkt des Buches speziell bei einem Debütroman außergewöhnlich und mutig.

Ich selbst habe das Buch sehr gerne gelesen, weil es gleichzeitig unterhaltsam ist und zum Nachdenken anregt. Es ist abwechselnd aus den Perspektiven verschiedener Personen geschildert, was ich ebenfalls sehr schätze und es für mich noch interessanter gemacht hat. Insgesamt erweitert es das Verständnis dafür, in welchen düsteren Lebenssituationen auch manche Wähler in den USA leben, was sicherlich ihre Weltsicht und Wahlentscheidungen mit beeinflusst. Eine Leseempfehlung für alle, die sich auch für die sehr düsteren Seiten des ländlichen Amerikas interessieren und sich von Gewalt und Fäkalsprache nicht abschrecken lassen.

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Veröffentlicht am 26.05.2025

Persönlich & nahbar, mit vielen praktischen Tipps

Der Hormonwerte-Code
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Die approbierte Ärztin und fünffache Mutter Caroline Kreuzschmer ist selbst Jahrgang 1982 und somit in ihren Vierzigern. Aus dieser Position heraus, mit einer interessanten Mischung aus umfangreicher Berufserfahrung ...

Die approbierte Ärztin und fünffache Mutter Caroline Kreuzschmer ist selbst Jahrgang 1982 und somit in ihren Vierzigern. Aus dieser Position heraus, mit einer interessanten Mischung aus umfangreicher Berufserfahrung und dem eigenen Erleben hat sie dieses wertvolle Buch verfasst, das Frauen, die sich den Wechseljahren nähern oder sich schon in diesen befinden, dabei unterstützen soll, eigenverantwortlich die eigene Gesundheit zu analysieren und zu verbessern.

Das Buch beginnt mit einer Einführung in den weiblichen Zyklus, die Sexualhormone und gängige Herausforderungen, wenn sich die Menopause nähert, beispielsweise Progesteron-, Östrogen- oder DHEA-Mangel. In auch für Laien leicht verständlichen Worten erklärt die Autorin, was es damit auf sich hat und auch, welche Symptome darauf hindeuten könnten.

Wenn eine Frau solche Symptome an sich beobachtet hat, kann es sinnvoll sein, zur genaueren Diagnose die Hormone bestimmen zu lassen. Das ist sowohl im Speichel als auch im Blut möglich, je nachdem, was man wissen möchte. Die Leserinnen werden dazu angeleitet, verstehen zu lernen, welche Hormonbestimmung wann sinnvoll ist und wie man diese bei einem Labor veranlassen kann. Es ist also ein Buch, das mündigen Patientinnen auf Augenhöhe begegnet, das mag ich sehr daran.

Hat man dann die Laborergebnisse, gibt es Interpretationshilfen für verschiedene mögliche Resultate. Darauf folgen Behandlungsmöglichkeiten, sowohl im Bereich der bioidentischen Hormontherapie als auch andere Methoden wie Nährstoff- oder Phytotherapie, der Einfluss von Lebensstiländerungen und die traditionelle chinesische Medizin (TCM). Das Thema Schwanger werden mit Ende 30, Anfang 40 wird auch kurz gestreift, zu diesem Thema gibt es aber spezialisiertere Bücher, die es noch wesentlich ausführlicher behandeln.

Am Ende des Buches finden sich schließlich noch interessante Beispiele aus der Praxis sowie ein Nachwort zum Thema Spiritualität und Wechseljahre.

Insgesamt habe ich das Buch gerne gelesen und es wird in meinem Regal einen Platz als wertvolles Nachschlagewerk für eventuell in der Zukunft auftretende Wechselbeschwerden bekommen. Ich kann es allen Frauen in dieser Lebensphase, die sich nicht nur auf ärztlichen Rat verlassen, sondern sich selbstständig mit ihrer hormonellen Gesundheit auseinandersetzen wollen, sehr empfehlen. Der Schreibstil ist persönlich, nahbar, leicht verständlich und unterhaltsam.

Ganz am Ende gibt es noch ein Nachwort zum Thema Spiritualität und Wechseljahre, dem man anmerkt, dass die Autorin sich auch mit diesem Thema sehr beschäftigt hat. An dieser Stelle hat es mich ein bisschen traurig gestimmt, diesen Zugang von ihr nur im Nachwort und auf so kleinen Raum reduziert mitzubekommen.

Auch wenn ich weiß, dass es im naturwissenschaftlich geprägten medizinischen Bereich immer noch sehr viel Mut erfordert, in einen ganzheitlichen Zugang das Thema Spiritualität zu integrieren, hätte ich persönlich mir gewünscht, es wäre etwas mehr davon in dem Buch zu finden gewesen. Denn gerade dadurch kommt nach meinem Empfinden so viel Nahbarkeit, Verbindung und Ganzheitlichkeit in den oft so klinisch-sterilen medizinischen Bereich hinein.

Denn alleine das wenige dazu, was sich auf diesen allerletzten Seiten findet - etwa zum großen Tanz zwischen Menarche und Menopause oder zum Mandala und dem Weg zurück - davon hätte ich gerne mehr gehört und auch gern Bilder davon gesehen und über Praxisbeispiele gelesen. Vielleicht findet die Autorin dazu ja in einer Neuauflage oder in einem weiteren Buch den Mut - ich bin mir sicher, sie hätte auch zu diesem Thema viel Wichtiges zu teilen.

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Veröffentlicht am 19.05.2025

Liebevoll geschriebenes, praxisorientiertes Buch zur Geburtsvorbereitung

Dein Geburtscoach
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Es gibt mittlerweile so einige Bücher zum Thema Vorbereitung auf eine gute Geburt am Markt. Viele davon sind von Hebammen oder Doulas geschrieben, und die allermeisten von Frauen. So finde ich es erfrischend ...

Es gibt mittlerweile so einige Bücher zum Thema Vorbereitung auf eine gute Geburt am Markt. Viele davon sind von Hebammen oder Doulas geschrieben, und die allermeisten von Frauen. So finde ich es erfrischend und interessant, einmal ein Buch von einem Mann zu diesem Thema zu lesen, der als leitender Oberarzt und Geburtshelfer jahrzehntelange Erfahrung in diesem Bereich gesammelt hat und nun neben vielen anderen Tätigkeiten Geburtscoachings anbietet.

Äußerst sympathisch finde ich die liebevolle, farbenfrohe und persönliche Gestaltung des Buches. Als Leserin werde ich mit "Du" angesprochen und das Buch ist auf eine Art und Weise verfasst, die ich als sehr persönlich und nahbar empfinde, was ich sehr schätze. Es gibt viele Fallgeschichten und persönliche Reflexionsfragen, das macht das Buch sehr praxisorientiert und anschaulich. Durch diesen persönlichen Zugang fühle ich mich als Leserin wertgeschätzt und begleitet auf meiner Reise der Beschäftigung mit dem Thema Geburt. Bei mir ist es eine Rückschau, denn ich persönlich bin gerade nicht schwanger, sondern beurteile das Buch aus der Perspektive als Mama eines kleinen Kindes, die viele im Buch beschriebene Erfahrungen schon hinter sich hat.

Gleich am Anfang wird das Buch mit folgendem Zitat einer Mutter an ihre Tochter eingeführt: "Wenn der Sturm sich gelegt hat, bist du Mutter, und wenn du deine starken Wurzeln anschaust, siehst du die Kraft, die du hast und die dich besser als je zuvor durchs Leben trägt."

Was für eine schöne, positive und lebensbejahende Perspektive! Ein Blick auf die Ressourcen und die Resilienz, die in einer Geburt liegen können... auch wenn sie schwer war. Mit einigen Jahren Abstand kann ich diesem Spruch durchaus zustimmen.

Sturm... Wurzeln... Kraft... um viele dieser Themen geht es dann auch im Buch.

Eingeteilt in angenehm kurze, übersichtliche und leicht lesbare Kapitel geht es um Themen wie Geburtsvorbereitung, Familiengeschichte, Mindset, Ressourcen, den Ablauf der Geburt an sich und damit verbundene Herausforderungen (Angst, Schmerz, Anspannung und Erschöpfung, das Gefühl, nicht mehr zu können), aber auch Wege, mögliche Hindernisse im Vorfeld aus dem Weg zu räumen oder damit umzugehen.

Dabei gibt es viele praktische Fragen, die zum Nachdenken oder auch mit eigenen Familienmitgliedern ins Gespräch kommen anregen, beispielsweise zur eigenen Familiengeschichte: "Wie bist du selbst zur Welt gekommen?... Gibt es in deiner Familie Mythen, Traditionen oder Aufträge in Sachen "Geburt"?... Wie gehst du mit Beziehung und Bindung um?" (S. 34)

Dieser ganzheitliche und systemische Zugang zum Thema Geburt gefällt mir sehr. Es ist auch selbstermächtigend, sich damit zu beschäftigen, welche anderen Themen alle damit zusammenhängen könnten und mir bewusst zu machen, dass ich auf so einiges davon Einfluss nehmen kann, indem ich mich genauer damit beschäftige. Schmunzeln musste ich auch über so manche positive Reframings, z.B. Pause-Durchatmen-Auftanken für PDA .

Insgesamt ist es ein äußerst positives, hoffnungsvolles und Mut machendes Buch, das auf eine positive Geburt einstimmen und einige verbreitete Mythen zum Thema Geburt kritisch hinterfragen kann (z.B. zum Thema Schmerz: laut Angaben des Autors gibt jede 6. Gebärende an, zwar Druck unter der Geburt zu verspüren, aber keinen Schmerz).

Am Ende noch ein paar wenige Einschränkungen: insgesamt ist es ein Buch, in dem sehr stark die natürliche Geburt empfohlen wird und ein Kaiserschnitt nur als Ausnahmelösung. Dies ist wahrscheinlich medizinisch fundiert und berechtigt. Es könnte aber sein, dass dadurch Schwangere, die - aus welchen Gründen auch immer - fix mit einem Kaiserschnitt rechnen, sich nicht ganz so gut davon abgeholt fühlen könnten. Und die Bedingungen in der Geburtshilfe finde ich etwas zu positiv dargestellt: da ist von einer freien Wahl des Geburtsortes die Rede, von der Möglichkeit, während der Geburt auf Wunsch die Hebamme zu wechseln und so einiges mehr... ich und wohl so einige weitere Frauen, von denen ich gehört und gelesen habe, haben da leider deutlich schlechtere Bedingungen im öffentlichen Gesundheitssystem erfahren.

Es ist auch insgesamt ein Buch, das zwar erwähnt, dass es Gewalt und insgesamt oft große Missstände in der Geburtshilfe gibt und ganz kurz darauf eingeht, insgesamt liegt hier aber kein Schwerpunkt dieses Buches (muss es auch nicht, dazu gibt es andere).

Ich verstehe auch, dass der Autor dieses Thema nicht zu sehr ausbreiten möchte, denn, wie er schreibt und damit ja auch durchaus Recht hat (S. 31): "Wer in Risiken denkt, schafft und provoziert sie - wer an die Chancen glaubt, vergrößert sie." So ein Buch ist das hier: ein positives, hoffnungsvolles, das dabei unterstützen will, an Chancen zu glauben. Die erwähnten Einschränkungen sollen also den Wert des Buches nicht mindern.

Ich empfehle es also nicht als einziges Buch, um sich mit dem Thema Geburtsvorbereitung zu beschäftigen (dafür ist es mir fast ein bisschen zu unrealistisch positiv in der Darstellung der Geburtsbedingungen in öffentlichen Krankenhäusern - einiges, was der Autor beschreibt, stellt dar, wie es im Idealfall sein sollte, aber nicht, wie es oft tatsächlich ist), aber als eines von mehreren kann es wertvolle Dienste leisten, um eine möglichst positive und angstfreie Haltung zur Geburt zu entwickeln - dafür ist es ein sehr wertvolles Buch!

Es wird jedenfalls einen fixen Platz in meinem Bücherregal bekommen, für alle Eventualitäten in der Zukunft, die das Leben in Bezug auf dieses Thema noch für mich bereitstellen wird, und zur Weiterempfehlung an andere für eine positive Einstimmung zum Thema Geburt.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Sehr berührendes Epos über das Aufwachsen im kommunistischen China zwischen 1970 und 1989

Himmlischer Frieden
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"Himmlischer Frieden" ist das Debüt der mit ihrem Mann und den gemeinsamen zwei Töchtern in England lebenden, 1970 in China geborenen und aufgewachsenen, Autorin Lai Wen, die ihr Geburtsland 1989 nach ...

"Himmlischer Frieden" ist das Debüt der mit ihrem Mann und den gemeinsamen zwei Töchtern in England lebenden, 1970 in China geborenen und aufgewachsenen, Autorin Lai Wen, die ihr Geburtsland 1989 nach den Vorfällen auf dem Platz des Himmlischen Friedens für immer verlassen hat. Das Buch beschreibt die wahre Geschichte der Autorin in ihren ersten 19 Lebensjahren, leicht fiktionalisiert, aber grundsätzlich auf wahren Erlebnissen beruhend. Die Geschichte zieht sich über 560 Seiten und das braucht Zeit und Raum, zeitlich zum Lesen und auch emotional zum Verarbeiten.

Einfühlsam und unterhaltsam erzählt begleiten wir die Autorin von ihrer frühen Kindheit über ihre Grundschulzeit über die weiterführende Schule bis zur Zeit als Studentin der Literaturwissenschaft an der Pekinger Universität, in der es schließlich zu den Protesten für Demokratie und Meinungsfreiheit auf dem Platz des Himmlischen Friedens kommt, die am Ende - wie historisch bekannt ist - von der Chinesischen Regierung gewaltsam niedergeschlagen werden.

Eine besondere Stärke der Autorin liegt darin, menschliche Beziehungen und Emotionen spürbar zu machen. In diesem besonderen Buch geht es ganz viel um Beziehungen: um die Beziehung der kleinen Lai Wen zur geliebten Großmutter, die im gemeinsamen Haushalt mit der Familie lebt. Eine unbeugsame Frau mit sehr starken Meinungen, aber auch viel Humor und Liebe zur kleinen Enkelin, die aber tragischerweise gegen Ende ihres Lebens immer mehr im Nebel der Demenz versinkt, was ebenfalls ausführlich geschildert wird.

Vor dem Hintergrund dieser starken Persönlichkeit wirken Lai Wens Eltern sehr blass: der Vater wurde als Intellektueller während der Kulturrevolution verfolgt und vermutlich auch gefoltert, seitdem ist er nur mehr ein Schatten seiner selbst, körperlich zwar anwesend, psychisch und emotional kaum mehr. Die Mutter ist eine außergewöhnlich schöne, aber eher kalte Frau, die sich schwer damit tut, dem kleinen Mädchen ihre Liebe zu zeigen (und auch die Studentin Lai Wen fragt sich noch, ob die Mutter sie jemals geliebt habe). Es wird also spürbar, wie viel Traumatisierung in der chinesischen Gesellschaft nach der Kulturrevolution da ist.

Lai Wen wächst als grundsätzlich recht angepasstes, aber neugieriges und intelligentes Kind auf. Schon im Volksschulalter wird sie mit brutaler Polizeigewalt konfrontiert, als sie gemeinsam mit Gleichaltrigen eine Ausgangssperre missachtet, auf die Polizeiwache geschleppt und ihr von einem der Beamten der Arm ausgekugelt wird. Das wird ihre Angst vor dem Machtapparat noch verstärken. Gleichzeitig wird sie in der Schule mit kommunistischer Propaganda überschüttet, die Schulklasse macht einen Ausflug zur konservierten Leiche Maos und es wird immer wieder betont, wie wichtig der Verzicht für das große Ganze sei.

Als Jugendliche beginnt Lai Wen eine Beziehung mit einem ihrer Freunde aus der Kindergruppe, die gemeinsam gespielt und die Ausgangssperre missachtet hat. Er ist damals für sie eingetreten und hat vor der Polizei die Schuld auf sich genommen. Beide verbindet ihre Sensibilität und Intellektualität, gleichzeitig trennt sie der unterschiedlichen Klassenhintergrund: Lai Wen ist aus einer deutlich ärmeren Familie als er, und sein Vater ein hoher Beamter in der chinesischen Regierung.

Es gibt verschiedene Momente in Lai Wens Leben, die sie immer mehr politisieren: angefangen mit dem traumatischen Erlebnis als Kind und den Bruchstücken, die sie von ihrem Vater erfährt (einmal nimmt er sie mit zu einer Erinnerungsmauer an die Opfer der Kulturrevolution und öffnet sich ihr ein bisschen), ist es insbesondere auch die Literatur und die Freundschaft zu einem alten Buchhändler, der sie sehr fördert, die ihr helfen, einiges mit neuen Augen zu sehen: so liest sie beispielsweise das Buch "1984" von George Orwell, erkennt so einiges wieder und immunisiert sich damit gleichzeitig ein bisschen für die Zukunft gegen die Propaganda der gleich geschalteten Presse.

Ihre herausragenden intellektuellen Leistungen eröffnen ihr die Möglichkeit eines speziellen Förderunterrichts und schließlich, über einen Aufsatzwettbewerb, bei dem sie heraussticht, ein Stipendium für das Studium der Literaturwissenschaft an der staatlichen Universität Pekings. Dort wird sie sich mit verschiedenen anderen Studierenden anfreunden, ihre politischen Gedanken weiterentwickeln und ein (kleiner, unbedeutender, aber doch) Teil der Protestbewegung auf dem Tian'anmen-Platz werden.

Insgesamt ist das Buch besonders für jene interessant, die auch sehr gerne feinfühlige und tiefgründige Familiengeschichten lesen und sich gleichzeitig für eine wahre Geschichte aus der Zeit des kommunistischen Chinas interessieren. Ich lese solche sehr gerne und deshalb hat mir das Buch wirklich gut gefallen: ich mochte es, wie authentisch, feinfühlig und gleichzeitig unterhaltsam es der Autorin gelingt, die Tiefe und Differenziertheit menschlicher Beziehungen darzustellen. Wenn man sich darauf einlassen kann und will, wird man mit einer wunderschönen Geschichte belohnt und lernt wie nebenbei ganz viel über das Leben in Peking zwischen 1970 und 1989.

Wer hingegen lieber kurz und prägnant mehr über den Widerstand gegen das diktatorische Regime in China und über die Hintergründe des Tian-anmen-Aufstandes und -massakers lesen möchte, ist möglicherweise mit einem anderen Buch besser beraten: auch wenn der Titel das suggeriert, nimmt dieses Thema im Buch einen zwar wichtigen, aber angesichts des gewaltigen Umfangs insgesamt kleinen Teil ein: seitenmäßig weit ausführlicher geschildert werden die Details der verschiedenen Beziehungen, etwa zwischen Lai Wen und ihrer Großmutter, ihrem ersten festen Freund oder auch einer guten Freundin auf der Universität.

Mich persönlich hat das nicht gestört, im Gegenteil, ich mochte es und für mich hat es das Buch besonders gemacht. Insgesamt war es für mich dadurch auch deutlich angenehmer zu lesen als so manche andere Bücher, bei denen eine Gräueltat die nächste jagt... das ist hier zum Glück nicht im Zentrum des Buches, auch wenn naturgemäß gegen Ende, als es um den Tian-anmen-Platz geht, die dort verübten Grausamkeiten durchaus authentisch geschildert werden - aber das sind dann eben die letzten Seiten eines sehr langen Buches.

Es ist aber, wie bei allen Büchern, auch hier empfehlenswert, sich vorher damit zu beschäftigen, worum es sich handelt und ob man sich genau darauf gerne einlassen möchte. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und es wird einen festen Platz in meinem Herzen bekommen - Leseempfehlung!

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