Herbe Enttäuschung statt atemloser Spannung - "Die Ehefrau" hält nicht, was sie verspricht
Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen?Sylvia steckt in der Klemme und braucht dringend einen Job. Da scheint der attraktive Adam wie ein Geschenk des Himmels: Er sucht eine Pflegekraft für seine Ehefrau Victoria, die seit einem Unfall schwer ...
Sylvia steckt in der Klemme und braucht dringend einen Job. Da scheint der attraktive Adam wie ein Geschenk des Himmels: Er sucht eine Pflegekraft für seine Ehefrau Victoria, die seit einem Unfall schwer beeinträchtigt ist. Doch was wie ein Glücksgriff beginnt, entwickelt sich schnell zu einem undurchsichtigen Geflecht aus Lügen und Intrigen.
Ein klassisches Muster ohne Überraschungen
Wer bereits „Wenn sie wüsste“ oder „Sie kann dich hören“ gelesen hat, wird hier ein sehr bekanntes Muster vorfinden: Eine junge Frau in Geldnot trifft auf einen gutaussehenden „Retter“. Leider krankt die Geschichte für mich an mehreren Stellen.
Die Kritikpunkte im Detail:
• Wenig authentische Charaktere: Sylvia (oder Sylvie) wirkt als Protagonistin leider extrem einfältig und teilweise sogar dreist – etwa wenn sie ernsthaft beleidigt ist, dass ihr Chef sie nicht frisch bekocht, sondern ihr „nur“ ein Mikrowellengericht serviert. Insgesamt blieb nur ein einziger Charakter sympathisch, der lediglich eine Nebenrolle spielte; alle anderen wirkten plump, oberflächlich oder psychotisch gezeichnet.
• Stereotype Rollenzeichnung: Erfolgreicher, wohlhabender Mann mit gutaussehender Frau als Anhängsel – so die Rollenaufteilung im Kern. Den Verlauf der stark stereotyp gezeichneten Story zu lesen und auch, wie wenig emanzipiert Victoria und Sylvia sind, ist schwer erträglich, wenn man sich als Leserin mit diesem Bild einer Frau nicht (mehr) identifizieren kann.
• Unglaubwürdige Erzählweise: Insbesondere die Tagebucheinträge von Victoria wirkten auf mich völlig unglaubwürdig und nicht authentisch. Weder der ausufernde Schreibstil noch der Inhalt passten zu einer nicht im Überfluss mit Freizeit gesegneten Krankenschwester oder zu den Personen, für die diese Zeilen ursprünglich gedacht waren.
Gleich zu Beginn wird das Alter der Hauptfigur thematisiert, es fällt ein Satz in der Art „als ich noch jünger war“, welcher mich eine etwas reifere Frau vermuten ließ, nur um dann zu erfahren, dass sie erst Mitte 20 ist.
• Sprachliche Redundanz: Die ständigen Wiederholungen darüber, wie unglaublich attraktiv und sexy Adam ist, waren kaum zu ertragen. Überhaupt zieht sich die Story auf über 400 Seiten unnötig in die Länge. Viele Szenen wiederholen sich inhaltlich, ohne die Handlung voranzutreiben.
• Vorhersehbarkeit statt Thrill: Da die Autorin selbst Ärztin ist, überrascht die medizinisch für mich eher unglaubwürdige Darstellung von Victorias Zustand. Das Ende war zudem in weiten Teilen vorhersehbar. Der Versuch, durch eine Aneinanderreihung von hanebüchenen Zufällen noch einen Plot-Twist zu erzwingen, konnte das Ruder für mich nicht mehr herumreißen.
Fazit
Nach dem großen Hype um Freida McFadden war dieses Buch für mich eine herbe Enttäuschung. „Die Ehefrau“ ist ein Thriller, dem es an Originalität, sympathischen Figuren und einem glaubwürdigen Spannungsbogen fehlt. Wer McFadden-Neuling ist, findet hier vielleicht kurzweilige Unterhaltung, für Kenner ihrer Werke ist es jedoch nur ein müder Aufguss bekannter Motive.