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Veröffentlicht am 05.08.2025

Ein Geschenk, das sich nicht umtauschen lässt

Das Geschenk
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Worum geht’s?

Schon oft habe ich mich gefragt, wie Autorinnen und Autoren wohl auf ihre Ideen kommen. Sebastian Fitzek hat in einem Schreibkurs mal geraten, sich die ›Was wäre, wenn?‹ -Frage zu stellen.

Also, ...

Worum geht’s?

Schon oft habe ich mich gefragt, wie Autorinnen und Autoren wohl auf ihre Ideen kommen. Sebastian Fitzek hat in einem Schreibkurs mal geraten, sich die ›Was wäre, wenn?‹ -Frage zu stellen.

Also, was wäre, wenn die Nachricht, dass der Präsident von Botswana wie letztes Jahr angedroht tatsächlich 20.000 Elefanten nach Deutschland geschickt hätte, um gegen das Einfuhrverbot für Jagdtrophäen zu protestieren, wirklich wahr wäre?

Gaea Schoeters hat daraus einen zwar kurzen, aber überaus packenden Roman geschrieben.

Plötzlich tauchen Elefanten mitten in Berlin auf … der Bundeskanzler glaubt zunächst an einen Ausbruch aus dem Zoo, doch es werden immer mehr. Allgemeine Verwirrung und Verkehrschaos inklusive. Was also tun? Wohin mit den Hinterlassenschaften von 20.000 Elefanten? Und was, wenn sich die ungeliebten Gäste auch noch vermehren?

Wie war’s?

»Das Geschenk« ist ein Buch, das auch langsame Leserinnen und Leser gut an nur einem Abend durchsuchten können. Ich hatte die Autorin bisher noch gar nicht auf dem Schirm, werde mir aber nach diesem elefantastisch unterhaltsamen Buch auf jeden Fall auch »Trophäe« anschauen.

Eigentlich lese ich lieber längere Bücher, aber bei diesem muss ich wirklich sagen, in der Kürze liegt die Würze. Besonders gut gefallen haben mir die Parallelen zur aktuellen Flüchtlingspolitik (à la: ›Keine Sorge, wir schaffen das!‹) inklusive des Besuchs bei der Altkanzlerin, die mich verdächtig an Frau Merkel erinnert hat.

Fazit

Ein absolut elefantastisches Lesevergnügen! Auch die Übersetzung der Kollegin Lisa Mensing hat mir sehr gut gefallen, sie liest sich wie aus einem Guss. 5 Sterne und eine dicke Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 21.06.2025

Literaturtipps von einem, der es wissen muss!

Einfach Literatur
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Worum geht’s?

Klaus Willbrand, Kölner Antiquar und Büchernarr, bekannt und beliebt, lädt ein … nämlich dazu, Literatur zu entdecken.

Wie war’s?

Klassische Literatur – für viele ein Thema, um das sie ...

Worum geht’s?

Klaus Willbrand, Kölner Antiquar und Büchernarr, bekannt und beliebt, lädt ein … nämlich dazu, Literatur zu entdecken.

Wie war’s?

Klassische Literatur – für viele ein Thema, um das sie seit der Schulzeit und der ›Zwangslektüre‹ im Deutschunterricht einen großen Bogen machen. Peinlicherweise muss selbst ich als Literaturübersetzerin gestehen, dass das bisher so gar nicht mein Thema war. Ich bin zwar immer über die neuesten Neuerscheinungen informiert, aber Thomas Mann? Emily Dickinson? Alles schon mal irgendwo gehört, aber nie einen näheren Blick darauf geworfen.

Auch Klaus Willbrand war mir nur vom Antik-Markt auf dem Kölner Neumarkt ein Begriff. Nun, nachdem ich »Einfach Literatur – Eine Einladung« gelesen habe und dabei leider auch erfahren musste, dass Herr Willbrand im Januar 2025 verstorben ist und die Fertigstellung des Buches nicht mehr erleben durfte, bereue ich es, diesen wunderbaren Menschen nicht persönlich kennengelernt und seinem Antiquariat mal einen Besuch abgestattet zu haben.

Klaus Willbrand bzw. Daria Razumovych, die Klaus und sein Antiquariat auf Instagram und Tick-Tock berühmt gemacht und etlichen Menschen den Weg zurück zur Literatur gezeigt hat, geben auf 220 Seiten seine Empfehlungen weiter. Locker-flockig, nie belehrend, zu keinem Zeitpunkt hat man das Gefühl, dass man hier irgendwie beeinflusst oder von jemandem, der es besser weiß, in eine bestimmte Richtung gedrängt wird. Nein, es ist einfach nur eine Einladung, in die Welt der Literatur einzutauchen. Umfassend werden zunächst die deutsche Literatur, dann die anglo-amerikanische und schließlich auch die französische Literatur aufgegriffen und die aus Klaus Sicht wichtigsten Werke genannt. Das Ganze gespickt mit Anekdoten aus Klaus eigenem Werdegang, von der Kindheit, wo er während eines langen Krankenhausaufenthaltes den Weg zum Buch gefunden hat, über sein dreijähriges Lese-Sabbatical, um das ihn bestimmt nicht nur ich glühend beneide, bis hin zur Begegnung mit Daria und der erfolgreichen Rettung seines von der Schließung bedrohten Antiquariats.

Fazit

Ich bin begeistert von diesem Büchlein. Es wird einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal bekommen und wer weiß, vielleicht wird zukünftig doch mal der eine oder andere Klassiker neben ihm einziehen. Lustige, aber wahre Anekdote: An dem Tag, an dem ich »Einfach Literatur« ausgelesen hatte, fiel mir auf einem Spaziergang durchs Severinsviertel plötzlich eine uralte Ausgabe von Thomas Manns »Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull« in die Hände, achtlos weggeworfen, nur einen Tag, nachdem ich Klaus Meinung zu dem Buch lesen hatte. Ob da wohl jemand vom Himmel aus seine Hand im Spiel hatte? Ich habe es jedenfalls direkt mitgenommen und werde es als nächstes Buch in Angriff nehmen.

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Veröffentlicht am 21.06.2025

Lasst uns ›Büro‹ spielen!

Geht so
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Worum geht’s?

Marisa hasst ihren Job von Herzen. Erdrückt von der gefühlten Sinnlosigkeit ihrer Arbeit in einer Madrider Werbeagentur flüchtet sie sich in Beruhigungsmittel, YouTube-Videos und gelegentliche ...

Worum geht’s?

Marisa hasst ihren Job von Herzen. Erdrückt von der gefühlten Sinnlosigkeit ihrer Arbeit in einer Madrider Werbeagentur flüchtet sie sich in Beruhigungsmittel, YouTube-Videos und gelegentliche nächtliche Eskapaden mit ihrem Nachbarn. Dann steht ein Teambuilding-Wochenende an, an dem einfach kein Weg vorbeiführt, und Marisa stellt sich der Situation – mit einer gehörigen Portion Angst und einer Extra-Ration Drogen im Gepäck. Ob das wohl gutgeht?

Wie war’s?

Eigentlich ein ziemlich alltäglich-banales Thema: Eine Frau hasst ihren Job. Gähn – schnarch? Keinesfalls. »Geht so« ist bei allem Elend urkomisch und ein Buch, in dem man von Anfang an mit der Protagonistin mitfühlt und mitleidet. Man merkt Marisa deutlich an, wie sehr ihr alles im Büro am Allerwertesten vorbeigeht, erlebt ihr »Bürospiel« aus nächster Nähe mit. Ihr geht es nicht nur um den Job an sich (den könnte man ja wechseln), sondern um die Notwendigkeit, überhaupt 8 Stunden pro Tag einer fremdbestimmten Tätigkeit nachgehen zu müssen. Was sogar zu dem bizarren Wunsch führt, sie möge doch bitte bitte auf dem Weg zur Arbeit möglichst irgendwie überfahren werden oder auf sonstige Weise verunglücken, um bloß nie wieder arbeiten zu müssen.

Fazit

»Geht so« ist bitterböse, urkomisch und obendrein von der lieben Kollegin Christine Quandt brillant übersetzt. Ich jedenfalls habe mich bestens unterhalten gefühlt und ich empfinde ein bisschen Mitgefühl mit allen, die in einer ähnlichen Situation feststecken und keinen Ausweg sehen. Ohne das Ende zu spoilern, Marisas Erkenntnis, worauf es letztlich im Leben ankommt, hat schon etwas für sich!

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Aufgepasst, hier gibt's was auf die Löffel!

Hase und ich
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Worum geht’s?

Chloe Dalton, vielbeschäftigte politische Beraterin, zieht sich während der Pandemie im Corona-Lockdown aufs Land zurück. Eines Tages entdeckt sie auf einem Spaziergang einen neugeborenen ...


Worum geht’s?

Chloe Dalton, vielbeschäftigte politische Beraterin, zieht sich während der Pandemie im Corona-Lockdown aufs Land zurück. Eines Tages entdeckt sie auf einem Spaziergang einen neugeborenen mutterlosen Feldhasen, erst hadert sie mit sich, dann nimmt sie den Winzling mit nach Hause, um ihn vor dem sicheren Tod zu retten. Das Ergebnis? Eine außergewöhnliche Freundschaft zwischen Mensch und Tier.

Wie war’s?

»Hase und ich« war für mich ein Buch außerhalb meines gewohnten Beuteschemas, denn Nature Writing und alles über Tiere ist eigentlich gar nicht mein Fall. Trotzdem, ob es nun das Cover oder die Kurzbeschreibung war, irgendwie führte doch kein Weg an diesem Buch vorbei.

Belohnt wurde mein Interesse mit einer einzigartigen, warmherzig erzählten Geschichte. Meine anfängliche Befürchtung, Chloe könne den Hasen verniedlichen und/oder verhätscheln, hat sich absolut nicht bewahrheitet. Hase bekommt nicht mal einen Namen, ist eigensinnig, hat stets seinen eigenen Kopf – und Chloe lässt ihm seinen Willen.

Nebenbei gibt’s hier so einiges auf die Löffel, nämlich geballtes Hasenwissen. So auch die oft gestellte Frage, ob man es mit einem Hasen oder einem Kaninchen zu tun hat (die wird im Buch ein für alle Mal erschöpfend beantwortet). Was frisst ein Hase eigentlich? Wann ist er ausgewachsen? Wie funktioniert das mit dem Nachwuchs? Man erfährt ganz nebenbei so allerlei Wissenswertes über Feldhasen, das so geschickt in die Geschichte verpackt ist, dass man nicht das Gefühl hat, sich durch einen Sachtext zu quälen.

Fazit

Eine herzerwärmende Geschichte, die mich wirklich überrascht hat. 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 03.05.2025

Sommerland ist abgebrannt

Das Echo der Sommer
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Worum geht’s?

Die dreizehnjährige Ingá, ihre Mutter Rávdná und Tante Ánne – drei samische Frauen, immer auf Achse zwischen ihrem Winterquartier und dem »Sommerland« im schwedischen Nordwesten.
Gleich ...

Worum geht’s?

Die dreizehnjährige Ingá, ihre Mutter Rávdná und Tante Ánne – drei samische Frauen, immer auf Achse zwischen ihrem Winterquartier und dem »Sommerland« im schwedischen Nordwesten.
Gleich zu Beginn des Buches stehen sie wieder einmal vor dem Nichts, weil die schwedische Verwaltungsbehörde beschlossen hat, den Staudamm zu erhöhen und dafür die Siedlung zu opfern, nicht zum ersten Mal. Mühsam werden einige wenige Dinge gerettet.
Rávdná hat endgültig genug, sie wünscht sich ein richtiges Haus, will sesshaft werden, beantragt dafür sogar einen Kredit. Dieser wird ihr allerdings verwehrt mit der Begründung, es sei nicht vorgesehen, dass Samen sesshaft werden. Sie seien auch nicht in der Lage, sich um eine eigene Behausung zu kümmern und müssten auch künftig als Nomaden leben. Rávdná, die dies nicht hinnehmen will, macht sich trotzdem daran, eine feste Behausung zu bauen. Schließlich kommt es, wie es kommen muss, sie wird von der Verwaltung aufgefordert, diese abzureißen.

Im zweiten Teil der Geschichte ist Ingá erwachsen, Tante Anne ist längst tot und es entwickelt sich eine immer größere Distanz zwischen Mutter und Tochter. Rávdná protestiert weiter gegen die ungerechte Behandlung durch die Schweden, Ingá hingegen versucht, sich mit der Situation zu arrangieren und trotz allem ihr Glück zu finden.

Wie war’s?

Selten habe ich mich so schwer getan mit einer Rezension. »Das Echo der Sommer« hat mich begeistert, aber auch tief erschüttert und sehr nachdenklich gemacht. Was wissen wir eigentlich über das Volk der Samen und sein Schicksal? Und wie vermessen ist es von einem Staat, zu entscheiden, dass ein Volk auch künftig zum Nomadentum verdammt sein soll?
Mich hat der bildhafte Schreibstil von Elin Anna Labba tief beeindruckt (was selbstverständlich auch der großartig gelungenen Übersetzung von Hanna Granz geschuldet ist).
… doch er schien die Worte nicht zu hören, nicht wirklich. Er nahm entgegen, was ihm gesagt wurde, und legte die Wörter hinter sich auf die Fensterbank, und wenn er ging, würde er sie dort liegen lassen. Keiner der Männer am Tisch war gekommen, um ihnen wirklich zuzuhören. (S. 277)

Besonders gut gefallen haben mir die an zahlreichen Stellen eingestreuten Ausdrücke in samischer Sprache, die nochmal ein ganz anderes Flair vermitteln und einen noch tiefer in die Geschichte eintauchen lassen, sowie die sehr gelungenen Naturbeschreibungen.

Das Ende ist traurig, tragisch und zeigt (ohne zu viel vorwegzunehmen), dass man alte Bäume eben nicht verpflanzen soll.

Fazit

Eines meines bisherigen Lesehighlights dieses Jahr. Keine einfache Kost und nichts, was man nebenher wegliest, aber eine fesselnde, berührende und äußerst tragische Geschichte, die in mir die Neugier auf das Leben der Samen geweckt und mich in eine mir fremde Welt entführt hat. Und das ist es doch schließlich, was einen gelungenen Roman ausmacht. Von mir volle Punktzahl und eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

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