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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.07.2025

Ein echtes Highlight!

National Geographic Kids - Jenseits der Unendlichkeit
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Ich erinnere mich noch sehr gut an den Start des Hubble-Teleskops in meiner Jugend, und als Familie von Naturwissenschaftlern finden wir natürlich die Erkenntnisse, die das James-Webb-Teleskop liefern ...

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Start des Hubble-Teleskops in meiner Jugend, und als Familie von Naturwissenschaftlern finden wir natürlich die Erkenntnisse, die das James-Webb-Teleskop liefern kann, ganz besonders spannend. Auch mein Sohn (11) ist fasziniert von den detailreichen und atemberaubenden Bildern, die „Jenseits der Unendlichkeit“ enthält. Ob Polarlichter am Uranus oder galaktische Spiralnebel – dieses Buch macht einfach Lust auf Astronomie. Neben Weltraumaufnahmen erfährt man einiges über die Technologie an Bord des Teleskopes und über die speziellen Herausforderungen, die durch die extremen Bedingungen im All an die Technik gestellt werden. Auch hierzu gibt es tolles Bildmaterial. Eine Doppelseite enthält zudem einen kleinen Exkurs über die Geschichte der Teleskopie. Sehr gut gefallen hat mir, dass in kurzen Interviews auch vier Astronominnen bzw. Astrophysikerinnen zu Wort kommen. Die kleinen Anekdoten über Missgeschicke und Pannen bei der Entwicklung des James-Webb-Teleskopes fand ich sehr charmant, und sie zeigen den Kindern, dass Rückschläge auch in der Wissenschaft dazugehören und überwunden werden können.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt sind die etwas wuchtig wirkenden sechseckigen Textboxen, die manchmal zudem etwas ungünstig platziert sind und Bildteile verdecken. Hier hätte ich mir eine etwas dezentere Gestaltung gewünscht.

Fazit: Ein wirklich faszinierendes Buch für die ganze Familie, das zum Entdecken und Diskutieren einlädt und ein perfektes Geschenk für alle jungen Weltraumfans!

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Ein Leben in Co-Abhängigkeit

Vergiss mich
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In „Vergiss mich“ schreibt Alex Schulman über die Alkoholsucht seiner Mutter Lisette Schulman, die seine Kindheit und Jugend geprägt hat und ihn auch als Erwachsenen nicht loslässt. Über 30 Jahre hat es ...

In „Vergiss mich“ schreibt Alex Schulman über die Alkoholsucht seiner Mutter Lisette Schulman, die seine Kindheit und Jugend geprägt hat und ihn auch als Erwachsenen nicht loslässt. Über 30 Jahre hat es gedauert, bis Alex Schulman seine Mutter auf ihren Alkoholismus anspricht. Lisette blockt daraufhin komplett ab und die Mutter-Sohn-Beziehung droht daran zu zerbrechen. Sehr einfühlsam beschreibt Alex Schulman seine Gefühlswelt, seine Ängste, Sorgen, Trauer und auch Wut. Trotz allem, was seine Brüder und er durch die Sucht seiner Mutter mitgemacht haben, ist im Text eine tiefe Liebe zu seiner Mutter spürbar, verbunden mit dem Wunsch nach Verständnis und Versöhnung.

Immer wieder blickt Schulman zurück in seine Kindheit: Gesten, Blicke und typische Verhaltensweisen seiner Mutter rufen Erinnerungen an oft schmerzliche Begebenheiten hervor. Sehr klar zeigen sich hier die klassischen Zeichen der Co-Abhängigkeit: Alex übernimmt schon früh viel Verantwortung, kompensiert die Ausfälle seiner Mutter, hilft seiner Mutter, die Sucht nach außen hin zu vertuschen. Immer wieder fördern die Brüder und auch der Vater durch ihr Verhalten die Sucht geradezu. Besonders berührt hat mich hierbei, wie sehr Alex sich als Kind nach der Anerkennung seiner Mutter sehnt und darunter leidet, dass sie ihn immer wieder mit Missachtung straft. Generell handelt Lisette gegenüber Alex immer wieder hoch manipulativ, und in diesen Momenten fiel es mir tatsächlich sehr schwer, Mitgefühl für Lisette aufzubringen, und ich hätte Alex am liebsten wachgerüttelt, damit er hier eine klare Grenze zieht.

Noch immer wird Alkohol in unserer Gesellschaft mehrheitlich nicht als gefährliche Droge und Zellgift wahrgenommen, sondern gehört leider bei Feiern und häufig auch im Alltag ganz selbstverständlich dazu. „Vergiß mich“ zeigt, wie Alkohol das Leben des Süchtigen, aber auch seiner Familienangehörigen massiv beeinträchtigt und prägt, und das oft für den Rest des Lebens. Unbedingt lesenwert!

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Veröffentlicht am 13.06.2025

Herrlich!

Alles muss man selber falsch machen
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Ich kannte von Alena Schröder bisher nur ihre beiden Romane „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und „Bei euch ist es immer so unheimlich still“. Da ich diese ganz wunderbar fand, ...

Ich kannte von Alena Schröder bisher nur ihre beiden Romane „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und „Bei euch ist es immer so unheimlich still“. Da ich diese ganz wunderbar fand, war ich umso neugieriger auf die Kolumnensammlung, und schon der Titel ließ mich schmunzeln.

Die Texte sind direkt aus dem Leben gegriffen, viele der beschriebenen Situationen kommen einem aus dem eigenen Alltag bekannt vor. Alena Schröder nimmt sich selbst nicht zu ernst und schreibt mit entwaffnender Selbstironie, voller Humor und herrlich pointiert, so dass ich beim Lesen mehrmals laut musste, was bei mir eine absolute Seltenheit ist. Diese Kolumnen sind genau die richtige Lektüre, um sich zwischendurch eine kleine Auszeit zu gönnen und erzeugen sofort gute Laune. Ich hätte noch stundenlang weiterlesen können und hoffe sehr auf einen zweiten Band!

Von mir eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 11.06.2025

sehr bewegend und lesenwert

Ein Glück, dass ich den Tod nicht fürchte
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„Ein Glück dass ich den Tod nicht fürchte“ ist entstanden aus Gesprächen, die die erfahrende Journalistin Lara Marlowe mit der inzwischen 29-jährigen Julija Mykytenko geführt hat. Julija Mykytenko meldete ...

„Ein Glück dass ich den Tod nicht fürchte“ ist entstanden aus Gesprächen, die die erfahrende Journalistin Lara Marlowe mit der inzwischen 29-jährigen Julija Mykytenko geführt hat. Julija Mykytenko meldete sich 2016 nach Ihrem Bachelor in Sprachwissenschaften freiwillig zur ukrainischen Armee und ist inzwischen als Oberleutnant Kommandeurin einer Drohneneinheit. 2018 starb ihr Mann im Kampf, der ebenfalls als Soldat im Donbass in Einsatz war, 2020 entzündete sich in Vater selbst auf dem Maidan.
Lara Marlowe tritt im Buch selbst vollständig in den Hintergrund und überlässt Julija Mykytenko das Wort. Diese berichtet eindrucksvoll von ihren Beweggründen, in die Armee einzutreten und für die Unabhängigkeit der Ukraine unter Einsatz ihres Lebens zu kämpfen. Ihre Schilderungen vermitteln ein eindrückliches Bild vom Einsatz an der Front, den die ukrainischen Soldaten und Soldatinnen mit den begrenzten Mitteln, die Ihnen zur Verfügung stehen, führen. Julija Mykytenko zeigt auf, wie der Mangel an Ausrüstung, Munition, gepanzerten Fahrzeugen, Drohnen, Waffen- und Abwehrsystemen den Kampf gegen die russische Invasoren erschweren. Auch für strukturelle Probleme der ukrainischen Armee findet sie deutliche Worte, ebenso klar kritisiert sie Teile von Wolodymyr Selenskyis Politik und Kriegsführung.
Julija Mykytenko engagiert sich zudem in verschiedenen Organisationen für die Gleichberechtigung von Frauen in der ukrainischen Armee und sammelt Sachspenden für die Soldaten sowie Geld für die Beschaffung von Ausrüstung und Drohnen.
In weiteren Kapiteln des Buches erzählt Julija Mykytenko von ihrer Kindheit und Jugend und dem Beginn ihres politischen Engagements auf dem Maidan 2014 als junge Studentin.
Da die einzelnen Kapitel immer wieder zeitlich in den Jahren zwischen 2014 und 2024 hin- und herspringen, ist es manchmal nicht ganz einfach, die Geschehnisse gedanklich in die richtige Reihenfolge zu bringen. Hier hätte ich eine stärker chronologische Erzählweise bevorzugt.
Julija Mykytenkos Mut und ihr unbeirrbarer Einsatz für Freiheit und Unabhängigkeit hat mich sehr beeindruckt. Ein bewegendes, wichtiges und sehr empfehlenswertes Buch!

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Eine herzerwärmende Geschichte!

Glim aus dem Ginsterwald
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Die Laubwichtelin Glim hat ihre Ausbildung in der Zauberstab-Werkstatt abgeschlossen und begibt sich, wie es die Tradition vorgibt, auf Wanderschaft. Hierbei begegnet Glim der abenteuerlustigen, redseligen ...

Die Laubwichtelin Glim hat ihre Ausbildung in der Zauberstab-Werkstatt abgeschlossen und begibt sich, wie es die Tradition vorgibt, auf Wanderschaft. Hierbei begegnet Glim der abenteuerlustigen, redseligen und tollpatschigen Elfe Annivè, die eine Chronik schreiben möchte. Die beiden freunden sich miteinander an und setzen ihren Weg gemeinsam fort. Zur gleichen Zeit geschehen unheilvolle Dinge: Rätselhafte Unwetter fegen durchs Land und Eisblitze fahren hernieder. Glim und Annivé sind fest entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen und das Land vor der drohenden Katastrophe zu retten.

Ich habe das Buch gemeinsam mit meinem elfjährigen Sohn gelesen. Indem der Autor Marcus Raffel seine Leser und Leserinnen immer wieder direkt anspricht, wird man sofort in die Geschichte hineingezogen. Ravenholm und seine Bewohner werden sehr bildlich beschrieben, allen voran natürlich Glim und Annivé. Dabei spielt der Autor immer wieder mit gängigen Klischees: Drachen, die gar keine Schuppen haben und bei näherem Hinsehen gar nicht böse sind, eine Elfe, die eben nicht elfengleich anmutig, sondern ungelenk ist, und Zauberer, die ihre Macht nur einsetzen um Grütze in Blaubeerquark zu verwandeln. Der Schreibstil ist sehr unterhaltsam und humorvoll, wir mussten beim Lesen immer wieder lachen oder schmunzeln. Durch die zahlreichen Dialoge wird die Geschichte zudem sehr lebendig erzählt.

Glim und Annivé halten fest zusammen, überwinden ihre Ängste und zeigen, wie viel man erreichen kann, wenn füreinander eintritt und etwas wirklich will. „Glim aus dem Ginsterwald“ ist eine herzerwärmende, wundervolle Geschichte über Freundschaft, Mut und die Fähigkeit, über sich selbst hinauszuwachsen. Die im Buch thematisierte Katastrophe kann als Hinweis auf den Klimawandel und die Ausbeutung der Natur durch den Menschen verstanden werden, der wir entschlossen entgegen treten müssen, um unsere Erde zu bewahren.

Der Verlag empfiehlt das Buch ab 9 Jahren. Aufgrund des eher kindlichen Erzählstils würde ich die Altersangabe etwas niedriger ansetzen. Meiner Ansicht nach eignet sich „Glim aus dem Ginsterwald“ auch sehr gut zum Vorlesen ab ca. 7 Jahren. Etwas ältere Kinder können Glims und Annivés Abenteuer dann selbst entdecken. Die kurz gehaltenen Kapitel sind hierfür ideal.

Ein wirklich schönes, rundum lesenswertes Abenteuer!

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