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Veröffentlicht am 16.06.2025

»Immer, wenn Menschen sich der Tiere annehmen, ginge das für die Tiere übel aus.«

Blöße
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»Immer, wenn Menschen sich der Tiere annehmen, ginge das für die Tiere übel aus.«

Am 03. März 2033 beginnt die Protagonistin Sibylle einen Brief an eine Galeristin und ehemalige Unterstützerin, indem ...

»Immer, wenn Menschen sich der Tiere annehmen, ginge das für die Tiere übel aus.«

Am 03. März 2033 beginnt die Protagonistin Sibylle einen Brief an eine Galeristin und ehemalige Unterstützerin, indem sie Rechenschaft über ihr bisheriges Leben als Präparatorin und Künstlerin ablegt. Dieser Brief erstreckt sich passagenweise über das gesamt Buch hinweg und wird durch Tagebucheinträge, insbesondere von Betrachtungen besonderer Exponate, erweitert.
Als Sibylle 1983 beginnt, die Kunst der Tierpräparation zu erlernen, ist sie fasziniert und als Leser*in wird man in den Bann dieses außergewöhnlichen Handwerks zwischen Tod, Kunst, Natur und Faszination gezogen.
Kurze Zeit später begegnet sie Bea, von ihr Moira genannt, die sich als Aktivistin für das Leid der Tiere einsetzt und darauf öffentlich aufmerksam machen will. Auch wenn beide andere Ansichten haben, denkt Sibylle ständig an Moira und beide nähern sich an. Insbesondere ein Erlebnis schweißt beide ganz früh zusammen: Sibylle muss für ihren Unterricht eigenständig ein Tier töten und ausgerechnet Moira ist ihr dabei behilflich…
Eine explosive Kombi, die dennoch harmoniert, bis ein Geheimnis zwischen sie gerät…

Letztlich besteht der Roman aus vielschichtigen Ebenen – lyrisch, erzählend und informierend – und grenzt sich deutlich von populäreren Romanen ab. Allen, die sich darauf einlassen, wird eine ganz besondere, einzigartige Lektüre geschenkt, welche die Grenzen des moralisch-ethischen Umgangs mit Tieren auslotet und zugleich eine denkwürdige Hommage an die Kunst der Tierpräparation, ausgerottete Tierarten sowie sämtliche naturkundlichen Museen darstellt.
Ganz nebenbei streut die Autorin Wissen über dieses Berufsfeld, sodass man nicht nur einen tollen Roman liest, sondern dabei auch einiges mitnimmt.
Dieses Buch ist ganz gleich wie die Tierpräparation ein komplexes und einzigartiges Kunstwerk für sich!

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Veröffentlicht am 13.06.2025

»Es kenne mich die Welt«

Thomas Mann
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»Es kenne mich die Welt nicht nur in dem, was ich als Literarisches geleistet habe, sondern in meinem Leid und in meinem Kampf.«

Was Hermann Kurzke bereits vor über 25 Jahren angerissen, wird von Tilmann ...

»Es kenne mich die Welt nicht nur in dem, was ich als Literarisches geleistet habe, sondern in meinem Leid und in meinem Kampf.«

Was Hermann Kurzke bereits vor über 25 Jahren angerissen, wird von Tilmann Lahme mehr in den Fokus gerückt, gar zur Hauptthematik des Buchs – Thomas Manns Homosexualität. Doch war er ein Homosexueller, ein bisexueller Mann oder doch heterosexuell mit den in der Forschung sog. beschönigten „homoerotischen Neigungen“?

Laut Tilmann Lahme war er eindeutig homosexuell und das belegt seine Argumentation an bisher unveröffentlichten Briefen mit seinem Schulfreund Otto Grautoff, zensierten Tagebucheinträgen, die bewusst (!) zurückgehalten wurden und deutlichen Hinweisen in seinen Werken. All das lässt kaum Zweifel offen und trotzdem erregt dieses Buch großen Unmut. Warum will man Thomas Mann nicht als Homosexuellen sehen?
Thomas Mann selbst sprach oft von seinen fünf großen Lieben, alles junge Männer, darunter nicht mal seine Frau.

Noch dazu wollte er selbst, dass seine Tagebücher veröffentlicht und er als derjenige erkannt werde, der er wirklich war und nicht nur vorgab zu sein.

Frühe „wissenschaftliche“ Lektüren, wie die „Psychopathia sexualis“ von Richard Krafft-Ebing, die Homosexualität im harmlosesten Fall als Perversion schildert, hat ihn zeitlebens sehr beeinflusst und animiert gegen seine Sexualität vorzugehen, worauf der Autor detailliert eingeht.
Anders wie bei sonstigen Biografien über Mann nehmen seine frühen Jahre bis zur Ehe im Jahr 1905 die Hälfte des Buchumfangs ein.
Zudem ist die Biografie unterhaltend geschrieben und regt zum Nachdenken an.

Nachdem diese Biografie Thomas Mann erstmals als Homosexuellen schildert, der sein Leben grandios als ein heterosexuelles inszeniert hat, wäre als Nächstes ein neuer Blick auf die Ehe mit Katia – mit der er sich selbst eine „Verfassung“ gegeben hat – interessant.

Und was hat überhaupt Susan Sontag mit Thomas Mann zu tun? In diesem Buch erfährt man so viel über Thomas Mann und ich gebe Daniel Kehlmann recht: „Wer nur ein einziges Buch über Thomas Mann lesen möchte, sollte dieses auswählen.“

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Veröffentlicht am 13.06.2025

Ein Klassiker von großer Aktualität

Bartleby, der Schreiber
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»Ach, wir glauben, dass es in der Welt fröhlich zugeht, weil alles Glück zum Licht drängt; weil das Elend sich aber im Dunkeln verbirgt, glauben wir, dass es kein Elend gibt.«

Geschildert wird eine Amtsstube ...

»Ach, wir glauben, dass es in der Welt fröhlich zugeht, weil alles Glück zum Licht drängt; weil das Elend sich aber im Dunkeln verbirgt, glauben wir, dass es kein Elend gibt.«

Geschildert wird eine Amtsstube eines Notars an der Wall Street und dessen Schreibern, die alle als Figuren mit Eigenarten geschildert werden. Doch keiner, nicht der nur vormittags leistungsfähige Turkey, nicht der ehrgeizige und unter Verdauungsproblemen leidende Nippers und schon gar nicht der minderjährige Ginger Nut sind so interessant wie Bartleby, der Schreiber, der seinem Job tadellos und mit großem Ehrgeiz nachkommt, aber alle anderen Tätigkeiten, wie das Abgleichen seiner Abschriften, mit den Worten „Ich möchte lieber nicht“ vehement ablehnt. Dabei lässt er sich auf keine Diskussion ein, sondern beharrt wiederholend auf seinem Ausspruch. Irgendwann hört er sogar mit seiner eigentlichen Arbeit auf.
Trotz allem bleibt der Notar geduldig und gutmütig, obwohl dieser sich Sachen herausnimmt, die er bei keinem anderen geduldet hätte.

Ist Bartleby‘s Verhalten also eine Revolution im Stillen, eine friedliche Verweigerung?

Im beigefügten Essay „Vom Drang, das Rätsel zu lösen“ des Übersetzers Karl-Heinz Ott werden verschiedene Ansätze zur Deutung dargelegt und die Ähnlichkeit zu Kafkas Werk beleuchtet, was durchaus einleuchtend ist, da die Situation mit Bartleby für den Notar schier ausweglos erscheint. Ganz egal, was er macht, ob er ihm mit Mitgefühl oder Entschlossenheit entgegnet, Bartleby möchte lieber nichts.

Besonders die genaue, nicht selten zum Schmunzeln animierende Zeichnung der Figuren und die stilvolle Sprache haben dazu geführt, dass ich diesen dünnen Klassiker mit Freude gelesen habe.
Umso erstaunter war ich, dass dieser Text – 1853 in einer Zeitschrift veröffentlicht – erstmals 1946 auf Deutsch erschienen ist und noch später überhaupt Anerkennung gefunden hat und trotz ihrer über 150 Jahre, immer noch – oder jetzt erst recht – aktuell ist.
Von mir eine große Empfehlung für diese Erzählung!

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Veröffentlicht am 10.06.2025

Trotz anspruchsvoller Lektüre, ein Gewinn!

Zeit der Magier
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»Es waren schwere Tage, die hinter uns liegen, aber nun sind wir über den Berg und werden besser gehen, – zusammen, wenn Dir’s ums Herz ist, wie mir.«

Dass die beiden Brüder Heinrich und Thomas nicht ...

»Es waren schwere Tage, die hinter uns liegen, aber nun sind wir über den Berg und werden besser gehen, – zusammen, wenn Dir’s ums Herz ist, wie mir.«

Dass die beiden Brüder Heinrich und Thomas nicht nur die lübische Herkunft verband und sie sich zeitlebens – trotz teils starker Entfremdung durch unterschiedliche Ansichten wie zur Zeit des ersten Weltkriegs – vertraute und unendlich wichtige Bezugspersonen waren, zeigt dieses Buch von Hans Wißkirchen, dem Präsident der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft, in äußerst eindrücklicher Weise.
Es scheint, als würde er dabei keinen Aspekt, so klein er auch sein möge, auslassen und dies ist wirklich einmalig.

Wer einen der beiden lesen und verstehen will, muss sich dem jeweils anderen gleichermaßen widmen, da sie sich gegenseitig ergänzen und erst zusammen durch Beschäftigung mit den Romanen, Essays, etc. ein Gesamtbild entsteht.
Dabei beschränkt sich das Buch keineswegs nur auf das Literarische, sondern gleichermaßen auch auf das persönliche Leben, besonders in sexueller Hinsicht und das politische Streben der beiden Brüder. In frühen Jahren war es meist Heinrich, der voranging und auch politisch das sagte, wovon er in progressiver Weise überzeugt war. So übte Vieles was er tat Einfluss auf Thomas Mann aus. Auch Motive der literarischen Texte zeigen nachahmende Handlungen seitens des jüngeren Bruders. Das änderte sich jedoch mit dem Exil und den späteren Leben der beiden.

Trotz der wirklich beeindruckenden Analyse hat mir das Buch aufgrund unzähliger Details und fast zu präzisen Ausführungen und teilweisen Abschweifungen einiges abverlangt.
Kennt man sich mit dem Leben und Werk der Mann-Brüder noch nicht so aus, wird einen dieses Buch vermutlich aufgrund der komplexen Fülle an Informationen erschlagen und ist eher wenig zu empfehlen.
Wer sich allerdings der Geschwisterbeziehung vollumfänglich widmen möchte, wird an diesem Buch – früher oder später – nicht vorbeikommen.
Denn auch wenn es anspruchsvoll ist, ist es trotz allem ein Gewinn!

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Veröffentlicht am 26.05.2025

Eine besondere Novelle

Lorna
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Schon immer war Lorna besonders. Das fällt auch dem Ich-Erzähler Markus auf, der in sie verliebt ist und sich doch nie hätte träumen lassen, mit ihr zusammenzukommen. Aber genau das geschieht und nur kurze ...

Schon immer war Lorna besonders. Das fällt auch dem Ich-Erzähler Markus auf, der in sie verliebt ist und sich doch nie hätte träumen lassen, mit ihr zusammenzukommen. Aber genau das geschieht und nur kurze Zeit später ziehen sie gemeinsam in eine WG. Alles scheint perfekt, bis sowohl der Ich-Erzähler als auch die Mitbewohnerin Katharina bemerken, dass sie sich verändert hat. Ihre Fröhlichkeit weicht aggressiven und unberechenbaren Verhaltensweisen. Als Lorna vor Katharinas Zimmer Feuer schürt, ist dies ein Warnruf und sie kommt in die Psychatrie und stellt die gemeinsame Beziehung auf eine Probe. Alles, was davor so sorgenlos erschien, ist es nun nicht mehr. Nichts ist mehr, wie es war.

In relativ kühlem und nüchternem Stil mit knappen Sätzen erzählt Paul Maar diese ganz eigenartige und besondere Novelle, die reflektiert und nachdenklich daherkommt. Jedes Wort bewusst gewählt, keines zu viel.
Was so harmlos anmutend erscheint, beginnt sich etwa ab der Hälfte zu wandeln und ohne zu viel zu verraten, schlägt die Novelle eine ungeahnte Richtung ein und das mit voller Wucht. Nach Beenden der Lektüre musste ich erstmal durchatmen und lange über das, was ich eben gelesen hatte, nachdenken.

Die versteckten Bamberger Bezüge, hinsichtlich örtlicher Begebenheiten, wie dem Gabelmann oder der Stadtgeschichte, z.B. anhand des Kaiserpaars Kunigunde und Heinrich, erzeugten dabei vertraute Gefühle in mir.

Aber was war das jetzt nun für eine Novelle?
Sie liest sich flüssig und doch muss man sie langsam und genau lesen, ansonsten verpasst man viele Details. Dabei ziehen sich bestimmte Motive annähernd durch die ganze Erzählung oder tauchen vermehrt auf. Sie ist teils sehr modern, was bei dem mittlerweile 87-jährigen Autor beachtlich ist. Auch sind manche Szenen befremdlicher Natur und doch ist es großartig!

Ich werde die Novelle auf mich wirken lassen und vielleicht demnächst gleich nochmal lesen.
Gegen Ende formte sich auch immer mehr der Wunsch, dass dieser Text Schullektüre wird, schließlich lässt sich darüber viel diskutieren.

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