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Veröffentlicht am 10.07.2025

Gut lesbarer und lehrreicher Einstieg in ein wichtiges Thema

Mekka hier, Mekka da
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Melina Borčak schreibt wie sie spricht und das finde ich toll! Mit einem feinen Humor und sehr direktem Ton thematisiert sie hier ein Thema, zu dem wir sicher alle noch lernen können. Es geht dabei vor ...

Melina Borčak schreibt wie sie spricht und das finde ich toll! Mit einem feinen Humor und sehr direktem Ton thematisiert sie hier ein Thema, zu dem wir sicher alle noch lernen können. Es geht dabei vor allem um sprachliche Phänomene, wenn es zu antimuslimischem Rassismus kommt. Wo werden willkürliche Kategorien geschaffen, wo mit verschiedenen Ansprüchen gearbeitet? Warum werden immer wieder bestimmte Bilder reproduziert, wenn über den Islam oder Musliminnen geschrieben wird? Wie soll so eine große Gruppe von Menschen auch nur im Ansatz homogen sein? Auf diese und viel mehr Fragen geht Borčak gut zugänglich ein.

Dass der Fokus vor allem auf (Bild-)Sprache liegt, war mir vorher nicht bewusst. Das ist auch nicht schlimm, aber zur eigenen Einordnung vorher sicher hilfreich. Und ich habe beim Lesen so Einiges lernen dürfen, eigene Bilder im Kopf hinterfragt, aber auch oft genickt. Manchmal war es mir sprachlich ein wenig zu repetitiv und zäh, an anderen Stellen hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht.

Besonders hervorzuheben ist natürlich das Kapitel zu Genozid, welches noch einmal besonders deutlich ist im Ton der Autorin - und das völlig berechtigt. Ich hatte in dem Feld ehrlicherweise durch den öffentlichen Diskurs noch einige Unsicherheiten und manche bleiben auch vorhanden. Und doch halte ich es für extrem wichtig, Expert
innen jeglicher Art zuzuhören und ihnen zu glauben. Die Lektüre hat dahingehend meine eigene Ambiguitätstoleranz noch einmal geschärft. Außerdem habe ich ein bisschen mehr über den Islam gelernt, was ich auch als Atheistin interessant fand. Klare Empfehlung und extra Sympathiepunkte für den Veganismus der Autorin. 🫶🏻

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Ein weiteres kurzweiliges Werk einer talentierten Autorin

Der alte Apfelgarten
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Zum Hörbuch:
Anja Kalischke-Bäuerle ist eine angenehme Hörbuchsprecherin. Ich höre Hörbucher immer auf mind. 1,5-facher Geschwindigkeit, weil es mir sonst zu langsam ist. Auch auf diese Stufe hört sich ...

Zum Hörbuch:
Anja Kalischke-Bäuerle ist eine angenehme Hörbuchsprecherin. Ich höre Hörbucher immer auf mind. 1,5-facher Geschwindigkeit, weil es mir sonst zu langsam ist. Auch auf diese Stufe hört sich die Stimme noch immer gut an. Manchmal klang mir vor allem Nina zu lieb für ihren anfänglichen Ärger und zwischen den einzelnen Figuren hätte ich mir noch ein wenig mehr Varianz gewünscht, um sie besser voneinander unterscheiden zu können. Das macht auch die Perspektivwechsel etwas schwer verständlich, da wäre eine Figureneinordnung am Anfang jedes Kapitels gut gewesen - aber das liegt natürlich nicht an der Sprecherin.

Zum Buch selbst:
Mein erster Kontakt mit Sharon Gosling war vor einem Jahr „Forgotten Garden“, was ich sehr mochte. Ich finde, dass Gosling ein Händchen für ganz besondere Landschaften hat, aber auch für zarte zwischenmenschliche Bande. An das konnte „Der alte Apfelgarten“ in vielerlei Hinsicht anknüpfen, wenngleich es für mich auch ein paar Dämpfer gab.

Aber erstmal zu all dem Guten. Das Setting ist einfach bemerkenswert schön, Gosling zeichnet mit ihren Worten kinderleicht Bilder in die Köpfe ihrer Leser*innen. Ich bin zwar gar nicht so ein Küstenkind, aber wie die Autorin schottische Natur beschreibt, macht mich doch sehnsüchtig.

Außerdem mochte ich die Wahl der Protagonistinnen sehr gern! Dass hier für eine Romance eine Schwesternschaft als zentrale Beziehung gewählt wurde, finde ich nämlich richtig toll. Bette und Nina sind spannende Figuren, alleinstehend und in Interaktion miteinander. Gosling zeigt damit, dass nicht immer die romantische Liebe im Zentrum stehen muss.

Wie schon bei ihrem vorherigen Werk hat mir generell gefallen, dass die meisten Figuren einfach warmherzig und undramatisch sind. Das bedeutet nicht, dass es kein Drama in der Handlung gibt (im Gegenteil!) , aber sie kommt eben weniger aus den Figuren selbst. Barnaby a.k.a. Superheld Seepocke und wie respektvoll die Erwachsenen mit ihm sowie seinen Bedürfnissen umgehen? Ich liebe alles daran! Auch Cam, Allie und Ryan sind liebenswerte Nebenfiguren, die ich immer wieder gern gelesen habe.

Der Roman ist eine gut lesbare Sommerlektüre und ich würde sie dafür auch jederzeit empfehlen. Dennoch hat mir der Vorgänger noch einen Ticken besser gefallen, weil da der Gemeinschaftsaspekt mehr zum Tragen kam. Außerdem muss ich die starke Überzeichnung des Antagonisten kritisieren. Die Figur fand ich völlig flach, eindimensional und vorhersehbar. Auch Bettes und Ryans Aufeinandertreffen und wie es dann endete, fand ich nicht gut geschrieben. Es war mir am Ende alles einfach ein wenig zu überspitzt dramatisch, ein bisschen weniger hätte es für mich auch getan.

Nichtsdestotrotz eine klare Leseempfehlung für diesen stimmungsgeladenen Roman in großartigem Setting und mit vielen netten Figuren. Das Apfelthema und die Geschichte rund um den Apfelgarten haben mich nebenher auch ziemlich fasziniert. Ich hatte eine angenehme, kurzweilige Lektüre und habe mich trotz meiner Kritikpunkte sehr gut unterhalten gefühlt.

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Ein weiteres kurzweiliges Werk einer talentierten Autorin

Der alte Apfelgarten
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Mein erster Kontakt mit Sharon Gosling war vor einem Jahr „Forgotten Garden“, was ich sehr mochte. Ich finde, dass Gosling ein Händchen für ganz besondere Landschaften hat, aber auch für zarte zwischenmenschliche ...

Mein erster Kontakt mit Sharon Gosling war vor einem Jahr „Forgotten Garden“, was ich sehr mochte. Ich finde, dass Gosling ein Händchen für ganz besondere Landschaften hat, aber auch für zarte zwischenmenschliche Bande. An das konnte „Der alte Apfelgarten“ in vielerlei Hinsicht anknüpfen, wenngleich es für mich auch ein paar Dämpfer gab.

Aber erstmal zu all dem Guten. Das Setting ist einfach bemerkenswert schön, Gosling zeichnet mit ihren Worten kinderleicht Bilder in die Köpfe ihrer Leser*innen. Ich bin zwar gar nicht so ein Küstenkind, aber wie die Autorin schottische Natur beschreibt, macht mich doch sehnsüchtig.

Außerdem mochte ich die Wahl der Protagonistinnen sehr gern! Dass hier für eine Romance eine Schwesternschaft als zentrale Beziehung gewählt wurde, finde ich nämlich richtig toll. Bette und Nina sind spannende Figuren, alleinstehend und in Interaktion miteinander. Gosling zeigt damit, dass nicht immer die romantische Liebe im Zentrum stehen muss.

Wie schon bei ihrem vorherigen Werk hat mir generell gefallen, dass die meisten Figuren einfach warmherzig und undramatisch sind. Das bedeutet nicht, dass es kein Drama in der Handlung gibt (im Gegenteil!) , aber sie kommt eben weniger aus den Figuren selbst. Barnaby a.k.a. Superheld Seepocke und wie respektvoll die Erwachsenen mit ihm sowie seinen Bedürfnissen umgehen? Ich liebe alles daran! Auch Cam, Allie und Ryan sind liebenswerte Nebenfiguren, die ich immer wieder gern gelesen habe.

Der Roman ist eine gut lesbare Sommerlektüre und ich würde sie dafür auch jederzeit empfehlen. Dennoch hat mir der Vorgänger noch einen Ticken besser gefallen, weil da der Gemeinschaftsaspekt mehr zum Tragen kam. Außerdem muss ich die starke Überzeichnung des Antagonisten kritisieren. Die Figur fand ich völlig flach, eindimensional und vorhersehbar. Auch Bettes und Ryans Aufeinandertreffen und wie es dann endete, fand ich nicht gut geschrieben. Es war mir am Ende alles einfach ein wenig zu überspitzt dramatisch, ein bisschen weniger hätte es für mich auch getan.

Nichtsdestotrotz eine klare Leseempfehlung für diesen stimmungsgeladenen Roman in großartigem Setting und mit vielen netten Figuren. Das Apfelthema und die Geschichte rund um den Apfelgarten haben mich nebenher auch ziemlich fasziniert. Ich hatte eine angenehme, kurzweilige Lektüre und habe mich trotz meiner Kritikpunkte sehr gut unterhalten gefühlt.

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Spannendes Generationenportrait, auch wenn der Zucker weniger verbindend war als erwartet

Zucker
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Ich mag komplexe Familiendramen, die sich über mehrere Generationen erstrecken und verschiedenen Perspektiven Raum geben. Auch „Zucker“ hat mir dahingehend gut gefallen, obwohl es figurentechnisch recht ...

Ich mag komplexe Familiendramen, die sich über mehrere Generationen erstrecken und verschiedenen Perspektiven Raum geben. Auch „Zucker“ hat mir dahingehend gut gefallen, obwohl es figurentechnisch recht überladen war.

Das verbindende Element der Geschichte soll der titelgebende Zucker sein. Dabei geht es nicht nur um Rohrzucker, sondern auch um seinen Konkurrenten: den Rübenzucker. Und Zucker spielt auch ganz klar immer wieder eine Rolle, irgendwie habe ich es aber noch konkreter erwartet. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die Verbindung zum Lebensmittel ein wenig konstruiert war.

Abgesehen davon muss ich aber klar sagen, dass die Autorin hier eine bemerkenswerte Recherchearbeit geleistet haben muss. Die Handlung findet zu grundverschiedenen Zeiten statt und immer bekommen wir eine enorme Masse an geschichtlichen Hintergrundinformationen mitgeliefert. Das hat mich phasenweise ebenso überfordert wie die vielen Figuren, aber mit der richtigen Erwartung ist es ein tolles historisches Werk.

Die Figuren selbst konnte ich nicht ganz so gut greifen, das mag aber auch an der hauptsächlich thematisierten Zeit liegen. Besonders Ejo konnte ich eine Weile gar nicht zuordnen und fand die Wahl ihrer Perspektive auch ein wenig eigenartig. Andere Figuren sind klarer und ich mochte auch die nach und nach verwobenen Zusammenhänge. Nicht so gut gelungen fand ich die zusätzlichen Perspektiven von Nebenfiguren, die sich irgendwann noch eingeschlichen haben. Da es schon mehr als genug Hauptfiguren gibt, hätte ich darauf lieber verzichtet.

Trotz aller Kritik ist das Buch authentisch und gut geschrieben, ich habe es gern gelesen. Vor allem Fans historischer Romane mit hoher Detaildichte werden hier ihre Freude haben. Die emotionale Tiefe der Figuren gerät da für mein Empfinden eher ein wenig in den Hintergrund, was den Roman aber auch nur überfrachtet hätte. In jedem Fall habe ich durch die Lektüre Einiges gelernt!

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Veröffentlicht am 13.06.2025

Kurzer, aber schöner Essay mit wohltuenden Impulsen

Mut
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Ich mag die übermorgen-Reihe sowieso sehr gerne und schätze sie für ihre prägnante Kürze ebenso wie für die oft bereichernden Impulse. Auch „Mut“ hat mir gut gefallen, obwohl ich den Text schon wirklich ...

Ich mag die übermorgen-Reihe sowieso sehr gerne und schätze sie für ihre prägnante Kürze ebenso wie für die oft bereichernden Impulse. Auch „Mut“ hat mir gut gefallen, obwohl ich den Text schon wirklich sehr kurz fand. Die Kapitel umfassen teilweise nur 3 Seiten, was zwar einen sehr guten Lesefluss erzeugt, aber manchmal auch ein wenig Tiefe vermissen lässt.

Andererseits fand ich wirklich einige Gedanken Reitingers sehr spannend. Wie sie Mut als Konzept neu definiert ist so simpel wie hilfreich. Sie hebt das sagenumwobene Wort vom Individuellen ins Gesellschaftliche und fragt, wie ein tägliches Existieren in einem von Ismen durchzogenen System nicht mutig sein kann und Mut stattdessen nur mit Extremsportarten oder einschneidenden Lebensveränderungen in Verbindung gebracht wird.

Diese Vergesellschaftlichung finde ich ganz toll, wird doch alles gerade immer weiter individualisiert und damit auch isoliert. Die Symbiose des Grauens - bestehend aus Kapitalismus, Patriarchat und Rassismus - zwingt uns in einen stetigen Wettbewerb zueinander, wo gelebte Solidarität doch so viel angebrachter wäre.

Im Anschluss daran wird die Autorin aber auch sehr persönlich und erzählt von ihren eigenen Mutschritten als mehrgewichtige Person in einer Welt, die durch und durch fettfeindlich ist. Diese Erzählungen halte ich für nicht weniger als mutig und wünschte gleichzeitig, sie müssten es nicht sein. Ich bin (noch) nicht selbst von Fettfeindlichkeit betroffen und trotzdem haben mich die Geschichten emotional bewegt.

Deshalb denke ich, dass dieser gut lesbare, zugängliche Text eine absolute Wohltat für alle Menschen sein kann, deren Körper innerhalb unserer Gesellschaft diskriminiert werden. Er verändert unser eigenes Denken über Mut hin zu einem viel alltäglicheren, in welchem tagtägliches Existieren und Sichtbarsein der widerständige Akt an sich ist. Es hätte für mich durchaus auch noch detaillierter sein können, aber ich würde die Lektüre auf jeden Fall empfehlen - vor allem Menschen, die sich gern neue Impulse holen und keine komplett vorgefertigte Lösung suchen.

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