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Veröffentlicht am 18.08.2025

»Woran sich eine Gesellschaft erinnert, prägt ihre Identität, denn: Die Vergangenheit ist der Resonanzraum für unsere Gegenwart.«

Erinnern nicht vergessen
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»Woran sich eine Gesellschaft erinnert, prägt ihre Identität, denn: Die Vergangenheit ist der Resonanzraum für unsere Gegenwart.«

Nürnberg ist nicht nur Kaiserstadt und ein in vielerlei Hinsicht geschichtsträchtiger ...

»Woran sich eine Gesellschaft erinnert, prägt ihre Identität, denn: Die Vergangenheit ist der Resonanzraum für unsere Gegenwart.«

Nürnberg ist nicht nur Kaiserstadt und ein in vielerlei Hinsicht geschichtsträchtiger Ort, sondern auch eine Stadt, die sich bewusst mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt und diese in das heutige Stadtleben integriert.
Besonders zur Zeit des Nationalsozialismus fiel Nürnberg eine bedeutende Rolle zu. Dort fanden auf dem eigens dafür angelegten Reichsparteitagsgelände riesige Reichsparteitage statt, die Nürnberger Gesetze wurden am 15. September 1935 verabschiedet und ab Ende 1945 begannen die Nürnberger Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher.
Auch zahlreiche Razzien und Deportationen nicht nur von jüdischen Menschen, sondern auch von Homosexuellen, sog. „Asozialen“, Zeugen Jehovas, etc. ereigneten sich.
Darüberhinaus streckte sich der Greifarm des Gedankenguts in die jüngere Vergangenheit – allein in Nürnberg wurden drei türkische Männer vom NSU ermordet.

Dieses Buch widmet sich vielen Schicksalen, die sich in Nürnberg ereigneten und denen mit diesem Buch, aber auch durch Gedenkorte, gedacht wird.
Die jeweiligen Kapitel widmen sich verschiedenen Gedenkorten hinsichtlich ihrer Geschichte hin zu der Bedeutung als Mahnmal und Reflexion für unsere Zeit und unser eigenes Handeln.
Ergänzt werden sie teilweise durch Kurzinterviews und einigen Schilderungen von persönlichen Schicksalen von Opfern oder Widerstandskämpferinnen, was das Buch bereichert, da sie eindrücklich auf die Leserinnen wirken und die unzähligen grausamen Morde unschuldiger Menschen schonungslos vor Augen führen.
Ich wusste weder etwas von dem Goldenen Saal unter der Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände, eines KZ-Außenlagers oder dem ehemaligen „Lagerfriedhof“.

In Zeiten, in denen Erinnerungskulturen von nicht wenigen in Frage gestellt werden, ist die Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit umso wichtiger.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

»Nicht alles, was man mit eigenen Augen zu sehen glaubt, ist auch wirklich wahr.«

Das Bierkomplott
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»Nicht alles, was man mit eigenen Augen zu sehen glaubt, ist auch wirklich wahr.«

Nachdem sich Evi Pflaum von ihrem Ex-Freund getrennt hat, ist sie wieder in ihr Heimatdorf Schweinsbrunn und tritt ihren ...

»Nicht alles, was man mit eigenen Augen zu sehen glaubt, ist auch wirklich wahr.«

Nachdem sich Evi Pflaum von ihrem Ex-Freund getrennt hat, ist sie wieder in ihr Heimatdorf Schweinsbrunn und tritt ihren neuen Job als Staatsanwältin an. Gleich am ersten Tag läuft alles anders wie erwartet. Erst weiß sie nicht, wie sie dorthin kommen soll, dann nimmt sie Peter mit, der sich ständig misogyn und sexistisch äußert und zuletzt gibt es auch schon bald eine Leiche. Und es bleibt nicht nur bei einer. Außerdem machen es ihr einige neuen Kolleg*innen nicht gerade leicht. Doch sie bleibt sich selbst und ihrem Sinn für Gerechtigkeit treu. Ein einziger Lichtblick in diesem familiären und beruflichen Schlamassel scheint der grünäugige Gerichtsmediziner Dr. Rosenbeet.

Obwohl ich selbst gebürtig aus Franken bin, fühle ich mich der dort nicht wirklich daheim und meide Vieles, was damit zu tun hat, u.a. auch Franken-Krimis. Als mich Carina Herr angefragt hat, ihren Debütroman zu lesen, war ich dementsprechend skeptisch, aber auch neugierig, mir mal ein eigenes Bild davon zu machen und so las ich – ganz untypisch für mich – meinen ersten Franken-Krimi.

Und wirklich, der Krimi ist nicht nur nicht schlecht, sondern hat mich wirklich gut unterhalten! Besonders überzeugt er durch die schöne, gemäß dem Genre erwartend, gar nicht zu simple Sprache, etlichen humorvollen Szenen und dem Plot!
Dabei wird die oft derbe fränkische Lebensart gut abgebildet und aktuelle gesellschaftliche Themen finden Erwähnung.
Wer zudem in Bamberg wohnt oder sich dort etwas auskennt, wird in diesem Krimi, obwohl die Autorin sowohl die Stadt als auch geschilderte Örtlichkeiten nicht beim Namen nennt, sondern fiktionalisiert, auf einiges Bekanntes stoßen.

Es hat sich also gezeigt, dass es sich lohnt, den eigenen Horizont mal zu öffnen und sich an neue Genres zu wagen, die außerhalb des persönlichen Gewohnten liegen.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

»Würden wir uns an alles erinnern, hätten wir keine Sprache für das Erinnern und Vergessen.«

Dr. No
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Professor Wala Kitus Forschungsgebiet ist das Nichts. Klingt absurd, aber genau das ist gewissermaßen auch das Buch. Als der Milliardär John Sill auf ihn aufmerksam wird, bietet er ihm drei Millionen Dollar, ...

Professor Wala Kitus Forschungsgebiet ist das Nichts. Klingt absurd, aber genau das ist gewissermaßen auch das Buch. Als der Milliardär John Sill auf ihn aufmerksam wird, bietet er ihm drei Millionen Dollar, damit er ihn unterstützt und über nichts berät. Schließlich möchte Sill ein richtiger Schurke sein und sein Plan ist kein anderes als das Fort Knox ausrauben, denn er ist davon überzeugt, dass sich dort nichts befindet. Und wer das nichts besitzt, von dem kann die Weltherrschaft nicht mehr weit entfernt sein.
So beginnt eine atemberaubende, urkomische und gesellschaftskritische Verfolgungsjagd par excellence.
Mehr will ich gar nicht verraten, weil ich sonst bereits zu viel vorwegnehmen würde.

Nicht nur nebenbei, sondern sehr ausdrücklich, kritisiert Percival Everetts neuer Roman u.a. Geldgier und Machtausnutzung von Milliardären sowie strukturellen Rassismus und auch gewissermaßen die gesamte amerikanische Gesellschaft als Persiflage.
Auch wenn die Story zu Beginn manchmal etwas ausschweifend gerät und mich aufgrund der Absurdität teils ratlos zurückließ, konnte mich der Roman vollends überzeugen, was insbesondere an Everetts faszinierender Sprache – wie brilliant ist diese wieder?! – lag, die mich komplett in die Geschichte eintauchen ließ und mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistere. Auch die Kuriosität der Handlung sowie teils humoristische Schilderungen machten diesen Roman des Autors zu einer ganz besonderen Lektüre mit Sogwirkung, den man sich, sofern man sich auf eine verrückte Handlung einlassen kann und will, nicht entgehen lassen sollte.
Obwohl ich bisher erst zwei Bücher von ihm gelesen habe zählt er meiner Meinung nach, zu den bedeutendsten und besten und originellsten Schriftstellern unserer Zeit.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

»Es ist dem Meer egal, wer es besucht, so wie es den Krabben egal ist, wer sie aus dem Sand kratzt.«

Der Krabbenfischer
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»Es ist dem Meer egal, wer es besucht, so wie es den Krabben egal ist, wer sie aus dem Sand kratzt.«

Thomas Flett lebt mit seiner Mutter in Longferry an der Küste Englands. Jeden Tag, morgens und manchmal ...

»Es ist dem Meer egal, wer es besucht, so wie es den Krabben egal ist, wer sie aus dem Sand kratzt.«

Thomas Flett lebt mit seiner Mutter in Longferry an der Küste Englands. Jeden Tag, morgens und manchmal auch abends, reitet er mit seinem Pferd hinaus in die See um als einziger in seinen Gewerbe noch auf altbewährte Art dem Krabbenfischen nachzugehen. Dabei trotzen sie jedem Wetter, nur um über die Runden zu kommen. Thomas ist genügsam und findet sich damit ab. Doch möchte er mit seinen zwanzig Jahren eigentlich mehr erleben, insbesondere mehr Zeit seiner Leidenschaft – seiner Gitarre und generell der Musik – widmen und Joan endlich sagen, was er für sie fühlt.
Als er eines Tages nach getaner Arbeit nach Hause kommt, erwartet ihn, bei seiner Mutter sitzend, der amerikanischer Regisseur Edgar Acheson, um ihn ein Angebot zu machen. Alles scheint sich für ihn zu ändern…

Der Ton des Romans ist ruhig, sanft und manchmal rau – wie das Meer. Dabei sind die Sätze so bewusst gewählt, wie man es nur selten liest. Die Sprache erinnert eher an Klassiker, wie z.B. die Bücher von Siegfried Lenz und weniger an einen zeitgenössischen Roman. Atmosphärisch beschwört der Autor eine Welt herauf, die es nicht mehr gibt und erzeugt dadurch ein gleichermaßen präzises und stimmungsvolles Bild der Landschaft. Die Wahrnehmungen und Gefühle des Protagonisten, hinsichtlich seiner Arbeit oder den Wunsch, mehr über seinen Vater zu erfahren, kommen dabei nicht zu kurz und verführen die Leser*innen dazu, sich in dem Buch zu verlieren.
„Der Krabbenfischer“ zeigt den tristen und doch anstrengenden Alltag Thomas‘, dem Fügen in den gewohnten Rhythmus des Alltags und das Herausbrechen aus diesem, hin zu neuen, unbekannten und doch so sehnlich herbeigesehnten Ufern.

Ich habe diesen Roman geliebt und hoffe sehr, dass seine bisherigen vier Romane – besonders aufgrund der Nominierung der Longlist für den Booker Prize – nun auch nach und nach ins Deutsche übersetzt werden.
Eine ganz große und unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 03.08.2025

»Politische Popsongs sind Geschichten gegen das Schweigen.«

Keine Macht für Niemand. Pop und Politik in Deutschland
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»Politische Popsongs sind Geschichten gegen das Schweigen.«

„Keine Macht für Niemand“, auf den Song von Ton Steine Scherben zurückgehend, ist eine Reise durch die spannungsreiche musikalische Zeitgeschichte ...

»Politische Popsongs sind Geschichten gegen das Schweigen.«

„Keine Macht für Niemand“, auf den Song von Ton Steine Scherben zurückgehend, ist eine Reise durch die spannungsreiche musikalische Zeitgeschichte ab dem Ende des Ersten Weltkriegs bis in die Jetzt-Zeit. Dass die Geschehnisse dabei von Popmusik verschiedenster Ausprägungen begleitet und in dieser verarbeitet wurden, legt der Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft deutlich dar. Anhand 80 Jahren Pop- und Zeitgeschichte und knapp 260 Songs, die er für dieses Buch mal vertiefter mal oberflächlicher analysiert hat, erschließt er die Zusammenhänge zwischen Pop, Protest und Politik sowie ergänzend aus den Perspektiven von Solidarität und Widerstand.

Nach einführenden Grundlagen, beginnt es mit dem konservativen, rassistischen und sexistischen Schlager der Nachkriegszeit, führt über politische Liedermacher:innen, dem Beginn und der Etablierung von Punk, über den großteils misogyn und männlich dominierten Rap, bis hin zu zeitgenössischen Künstler:innen, die sich – nicht nur gegen das Erstarken rechter Ansichten – klar positionieren. Währenddessen nimmt es nie ein Blatt vor den Mund, sondern benennt die Dinge beim Namen.
Marcus S. Kleiner führt viele kluge und differenzierte Gedanken über politische Zeitgeschichte an, auch indem er sich seiner eigenen Privilegen bewusst wird und diese reflektiert, wie man sie nur selten liest und regt damit zum Nachdenken an.
Dabei merkt man stets die Musikleidenschaft des Autors und seine persönliche politische Haltung.

Ergänzt und vertieft wird die Lektüre durch eine vorangestellte Spotify-Playlist der erwähnten Songs.

Es bleibt nur noch eins zu sagen:
Lest unbedingt dieses Buch, es ist ganz großes Kino, fordert, ist vereinzelt vielleicht etwas zu theoretisch und man muss manche Abschnitte zweimal lesen, aber es regt definitiv zum Nachdenken an.
In erster Linie ist es ein lauter Weckruf gegen das anhaltende Schweigen der Gesellschaft, mit dem wir uns viel zu gerne umhüllen.

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