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Veröffentlicht am 09.08.2025

Interessantes Gedankenspiel

Eroberung
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Laurent Binet entwirft hier ein interessantes Szenario einer alternativen Geschichtsschreibung. Der Roman besteht aus vier Teilen:
Zunächst berichtet die Saga von Freydis darüber, wie Freydis, eine Tochter ...

Laurent Binet entwirft hier ein interessantes Szenario einer alternativen Geschichtsschreibung. Der Roman besteht aus vier Teilen:
Zunächst berichtet die Saga von Freydis darüber, wie Freydis, eine Tochter von Erik dem Roten, gemeinsam mit einer Schar Getreuer von Vinland aus immer weiter nach Süden segelt und dabei auf verschiedene Gruppen von Einheimischen trifft.
Wie die daran anschließenden Fragmente aus dem Tagebuch des Christoph Kolumbus zeigen, waren einige Eingeborene, auf welche die Spanier stießen, infolgedessen wehrhafter als erwartet, sodass seine Mission scheitert. Doch das Wissen darüber, dass weit im Osten ein wundersames Land liegt, ist danach auf dem Kontinent präsent.
Und so erfährt 40 Jahre später der Inka Atahualpa davon, dessen Leben im nächsten und weitaus umfangreichsten Teil geschildert wird. Auf der Flucht vor seinem Halbbruder landet er im Jahr 1531 (nach europäischer Zeitrechnung) in Portugal und schafft in den nächsten Jahren einen spektakulären Aufstieg, der ihn schließlich zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches macht.
Im letzten (und meiner Meinung nach eher entbehrlichen) Teil werden dann noch die ein paar Jahrzehnte später stattfindenden Abenteuer des Miguel de Cervantes erzählt.

Insgesamt handelt es sich hier um eine spannende Verknüpfung von echter und erfundener Geschichte. Es treten zahlreiche reale historische Persönlichkeiten auf und auch die Verhältnisse im Europa des beginnenden 16. Jahrhunderts, wie insbesondere Allianzen und Differenzen zwischen verschiedenen Staaten oder die Folgen von Martin Luthers Lehren, werden gut beschrieben. Diesbezüglich hat der Autor sicher gründlich recherchiert.
Im Vergleich zum realen Verlauf der Geschichte findet hier jedoch vieles unter umgekehrten Vorzeichen statt. Beispiel: Ähnlich wie die europäischen Eroberer sich oft Streitigkeiten zwischen verschiedenen Eingeborenen-Stämmen zunutze machten, kann Atahualpa von Machtkämpfen innerhalb Europas profitieren.
Dennoch wirken seine großen Erfolge sehr unrealistisch. Natürlich hatte er das Überraschungsmoment auf seiner Seite und später war sicherlich das Gold aus seiner Heimat hilfreich. Aber es haben im Laufe der Zeit schon ganz andere Kaliber erfolglos versucht, eine Vormachtstellung in Europa aufzubauen. Bzw ist es selbst den weitaus besser ausgestatteten europäischen Eroberern nicht oder erst mit Verspätung gelungen, dort die Herrschaft zu übernehmen, wo zuvor bereits fortschrittliche Reiche existierten (z.B. in China).
Außerdem hatte ich vor allem am Anfang einige Probleme damit, in die Handlung hineinzufinden. Der Stil erinnert eher an ein (ziemlich sprödes) Sachbuch als an einen Roman. Es sollen eben sachliche Berichte von Chronisten sein. Der Charakter und die eigentlichen Motive der auftretenden Personen bleiben daher im Dunkeln bzw der Interpretation des Lesers überlassen. Auch Atahualpa ist als Mensch nicht greifbar. Meinem Eindruck nach wird er aber jedenfalls zu positiv dargestellt. Er tritt als Sozialreformer (Einschränkung der Tributspflicht, Befreiung der Bauern etc) und Verfechter der Religionsfreiheit auf. Das passt nicht zu dem, was ich sonst so über die Inkas weiß. Und erst recht ist es unglaubwürdig, dass solche Einstellungen sich im damaligen Europa durchgesetzt hätten.

Dennoch inspiriert dieses Buch zu faszinierenden „Was wäre gewesen, wenn ...“- Fragen und zum Nachdenken darüber, wodurch der Lauf der Geschichte beeinflusst wird. Deshalb ist die Lektüre für historisch Interessierte lohnend. Wem es beim Lesen eines Romans allerdings wichtig ist, eine Beziehung zu den Protagonisten aufbauen zu können, der wird hier enttäuscht werden.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Aus dem Facebook-Auftritt der Stadt-Wien-Büchereien

Den Titel hab ich leider vergessen
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Dieses Büchlein versammelt Facebook-Postings der Stadt-Wien-Büchereien – damit sie, wie die Autorin meint, auch die Zielgruppe der Unter-40jährigen erreichen.
So finden sich hier Großteils Zwei- bis Sechs-Zeiler ...

Dieses Büchlein versammelt Facebook-Postings der Stadt-Wien-Büchereien – damit sie, wie die Autorin meint, auch die Zielgruppe der Unter-40jährigen erreichen.
So finden sich hier Großteils Zwei- bis Sechs-Zeiler zu Themen rund um Bücher(eien), ihre Mitarbeiter und Kunden. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus amüsanten Begebenheiten aus dem Alltag in einer Bücherei (einschließlich ungewöhnlicher Nutzeranfragen und sonstiger Herausforderungen, denen sich die Mitarbeiter gegenübersehen) und allgemeinen Betrachtungen, unter anderem auch zu Home Office und Corona. Dass mancher Witz auf Kosten eines (mit den Abläufen in einer Bibliothek offensichtlich noch nicht vertrauten) Nutzers geht, halte ich allerdings für entbehrlich.
Außerdem finde ich den Preis etwas überhöht, angesichts der Tatsache, dass die lediglich 120 Seiten nur Beiträge enthalten, die auch schon an anderer Stelle veröffentlicht wurden. (Obwohl mich persönlich dieser Kritikpunkt nicht betrifft. Denn ich hatte mir das Buch in 3einer Bibliothek ausgeliehen 😉 )

Veröffentlicht am 09.08.2025

Unterhaltsame Einführung in die Welt der Kunst

Kann ich das auch?
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Der Kulturjournalist und Kunstkritiker Kolja Reichert möchte mit diesem Buch der breiten Bevölkerung unter anderem nahebringen, woran man ein Kunstwerk erkennt, was gute von schlechten Kunstwerken unterscheidet, ...

Der Kulturjournalist und Kunstkritiker Kolja Reichert möchte mit diesem Buch der breiten Bevölkerung unter anderem nahebringen, woran man ein Kunstwerk erkennt, was gute von schlechten Kunstwerken unterscheidet, wie subjektiv Kunst tatsächlich ist, ob und wie man mit Kunst reich werden kann – und warum das Alles relevant ist.
Er tut dies auf unterhaltsame, bisweilen etwas polemische Weise. Denn der Autor hat durchaus strikte Ansichten darüber, was und wie Kunst ist bzw sein soll. Er scheut auch nicht davor zurück, Kritik zu üben, sowohl an so manchen Gegebenheiten in der heutigen Kunstszene als auch an der öffentlichen Darstellung und Wahrnehmung von Kunst.
Bei all dem ist seine große Begeisterung für sein Thema aber immer deutlich spürbar, was es auch leichter macht, über einige überhebliche Aussagen hinwegzusehen.
Leuten, die sich bisher wenig mit Kunst befasst haben, wird so ein amüsanter Einblick in eine fremde Welt geboten. Zumindest ich konnte daraus einiges mitnehmen, beispielsweise eine Anleitung, was man in einem Museum tun soll, oder eine „Checkliste“, anhand derer man ein gutes Kunstwerk erkennen kann.
Nebenbei bemerkt hat der Autor auch eine kreative Lösung für das Gendern gefunden.
Schade nur, dass er sich auf bildende Kunst beschränkt. Musik, Literatur oder darstellende Kunst werden kaum erwähnt. Aber das hätte vielleicht auch zu weit geführt.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Hübsches Bilderbuch

Vom Allergrößten bis zum Allerkleinsten
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Ich finde solches Heraus- bzw Hinein-Zoomen über mehrere Größenordnungen hinweg immer wieder faszinierend. Deshalb hat mir auch dieses Buch gefallen.
Harald Lesch unternimmt hier zunächst eine Reise von ...

Ich finde solches Heraus- bzw Hinein-Zoomen über mehrere Größenordnungen hinweg immer wieder faszinierend. Deshalb hat mir auch dieses Buch gefallen.
Harald Lesch unternimmt hier zunächst eine Reise von der Erde in die Weiten des Universums und gelangt vom Sonnensystem über die Milchstraße und die Lokale Gruppe bis zur kosmischen Hintergrundstrahlung. Anschließend betrachtet er die Welt des Allerkleinsten, von Zellen über Moleküle und Elementarteilchen bis zu den Plank-Einheiten, den kleinsten sinnvollen Einheiten zur Beschreibung des Kosmos.
Auf nur 120 Seiten können die hinter den gut ausgewählten und schön anzusehenden Bildern stehenden Konzepte natürlich nicht besonders ausführlich erläutert werden. Die Erklärungen bleiben an der Oberfläche und sind bisweilen (zu) stark vereinfacht. Ich konnte daher nichts wirklich Neues dazulernen.
Außerdem sind manche Aussagen übertrieben pathetisch formuliert: Beispiel: „Wir Menschen stehen genau zwischen dem Allergrößten und dem Allerkleinsten.“ Die 0 liegt nicht annähernd „genau zwischen“ 10 hoch 26 und 10 hoch -35!
Vor allem für den Einstieg in die Materie, aber auch als unterhaltsame Lektüre für zwischendurch ist dieses Werk dennoch empfehlenswert.

Veröffentlicht am 26.02.2024

Fundierter Überblick zur Genetik (vor allem der Viren)

Wilde Gene
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Obwohl die Aufmachung dieses Werkes (mit Comic-artigen Zeichnungen etc) es nicht gleich vermuten lassen würde, hat es doch einiges zu bieten. In lockerem Tonfall erklären die Autoren beispielsweise, was ...

Obwohl die Aufmachung dieses Werkes (mit Comic-artigen Zeichnungen etc) es nicht gleich vermuten lassen würde, hat es doch einiges zu bieten. In lockerem Tonfall erklären die Autoren beispielsweise, was es mit Genen und DNA auf sich hat, wie die Evolution hin zu immer komplexeren Lebensformen abgelaufen ist, wie es vor allem den Viren immer wieder gelingt, sich die Mechanismen in fremden Zellen zunutze zu machen und abschließend, wieso gerade Viren auch für therapeutische Zwecke eingesetzt werden könnten - und einiges mehr. Daneben stellen sie auch die Personen vor, welche an bedeutenden Fortschritten und Erkenntnissen in diesen Bereichen beteiligt waren (und verhehlen auch deren Schattenseiten nicht).

Mache Aussagen sind vielleicht ein bisschen zu flapsig und die Episoden um die „Tante Hedwig“ hätten etwas kürzer ausfallen können. Außerdem kann bei einer solchen Themenfülle auf nur ca 270 Seiten natürlich nicht sehr in die Tiefe gegangen werden. Insgesamt wirkt der Inhalt aber fachlich fundiert.

In erster Linie richtet sich dieses Buch an Einsteiger. Aber auch Fortgeschrittene können auf unterhaltsame Weise ihr Wissen auffrischen und noch das eine oder andere dazulernen.