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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.08.2025

Unterhaltsam, aber kein Krimi

Salzburger Dirndlstich
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Im zweiten Teil der Reihe um die Arzthelferin und Hobby-Ermittlerin Rosmarie Dorn stehen ein Zwischenfall während einer Modenschau und ein verschwundenes Dirndl im Mittelpunkt. Als eine ihrer Mitschülerinnen ...

Im zweiten Teil der Reihe um die Arzthelferin und Hobby-Ermittlerin Rosmarie Dorn stehen ein Zwischenfall während einer Modenschau und ein verschwundenes Dirndl im Mittelpunkt. Als eine ihrer Mitschülerinnen an der Halleiner Modeschule zu Tode kommt, gilt Rosmaries Tochter Susi bald als Hauptverdächtige. Klar, dass Rosmarie ihre eigenen Nachforschungen anstellen will. Daneben ist sie mit schwierigen Patienten, anstrengenden Verwandten und Streitereien mit ihrem Mann beschäftigt.

Die Geschichte wird aus Rosmaries Perspektive in Ich-Form erzählt, was sehr unmittelbare Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt ermöglicht. Die Lektüre gestaltet sich flott und unterhaltsam, es gibt viele amüsante Szenen. Wenn sich beispielsweise Hämorrhoide, Furunkel und Nagelpilz miteinander unterhalten, der als Hypochonder bekannte Rettenbacher in einem historischen Leichenwagen probeliegt oder der Onkel Stefan mit seinen Vorstellungen von seiner Traumfrau Irritationen auslöst.
Außerdem werden einige interessanten Informationen rund um das Salzburger Freilichtmuseum eingeflochten und zahlreiche typisch Salzburger Ausdrücke sorgen für Lokalkolorit.
Der Kriminalfall kommt bei all dem allerdings zu kurz. Rosmaries Ermittlungen wirken planlos und fördern kaum echte Erkenntnisse zutage. Die Täter werden gegen Ende plötzlich aus dem Hut gezaubert, wobei der Weg zur Auflösung ziemlich unwahrscheinlich wirkt. Generell ist manches unlogisch und die Gründe für das Verhalten einiger Beteiligter sind nicht wirklich nachvollziehbar.

Fazit: Schreibstil und Unterhaltungswert hätten fünf Sterne verdient. Das Buch erfüllt aber nicht die Erwartungen, die ich an einen Krimi habe.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Interessante, jedoch teilweise unlogische Geschichte

Babel
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Dieser Roman ist Großteils im Oxford des 19. Jahrhunderts angesiedelt - genauer gesagt, in einer phantastischen Version von Oxford in den 1830er Jahren, einem Oxford, in dem ein „Königliches Institut für ...

Dieser Roman ist Großteils im Oxford des 19. Jahrhunderts angesiedelt - genauer gesagt, in einer phantastischen Version von Oxford in den 1830er Jahren, einem Oxford, in dem ein „Königliches Institut für Übersetzung“ existiert, das auch unter dem Namen Babel bekannt ist und das den Briten hilft, ihr Empire aufzubauen.
Erzählt wird die Geschichte des „Robin Swift“. Bereits dieser Name ist symptomatisch für sein Schicksal. Aufgewachsen ist Robin im chinesischen Kanton mit einem chinesischen Namen. Doch nachdem seine ganze restliche Familie an einer Seuche gestorben ist, taucht überraschend ein englischer Professor auf, der dem damals Elfjährigen einen Namen verpasst, „den die Engländer aussprechen können“ und ihn mit nach London nimmt, wo er sich auf sein Studium in Babel vorbereiten soll.
Nach seiner Ankunft in Oxford trifft Robin auf weitere Babel-Studenten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie er selbst: Wegen ihrer Sprachbegabung und ihrer exotischen Muttersprachen sind sie für das Empire wertvolle Ressourcen. Wegen ihrer Herkunft werden sie von der Gesellschaft jedoch niemals wirklich akzeptiert werden, und müssen außerdem zusehen, wie ihre Herkunftsländer unterdrückt und ausgebeutet werden.
Doch er erfährt auch, dass es eine Geheimorganisation gibt, die sich gegen derartige Ungerechtigkeiten auflehnt.

Für ihre Geschichte hat die Autorin einen faszinierenden Hintergrund kreiert: Die Macht Englands zu Hause wie im Ausland beruht auf der Magie von Silberbarren, in die Wörter aus verschiedenen Sprachen eingraviert sind. Ihre Wirkung ergibt sich aus dem, was bei der Übersetzung von einer Sprache in die andere verloren geht, und reicht von üppigeren Gärten bis zu besseren Kriegsschiffen. Zentrum der Herstellung dieser Barren ist eben Babel.
Diese Grundidee gefällt mir gut. Es werden interessante Informationen rund um Sprachen und die Schwierigkeiten wortgetreuer Übersetzungen eingestreut und es regt zu Nachdenken an über Kolonialismus und darüber, worauf die britische Vormachtstellung wirklich beruhte. (Und was das tatsächlich mit „Silber“ und Sprachen zu tun hatte.)
Die Handlung beginnt eher gemächlich. Zunächst wirkt das Buch wie ein typischer Schulroman. Robin und seine Kommilitonen besuchen Vorlesungen und Seminare, lernen für Prüfungen und genießen das Studentenleben in Oxford. Ab etwa der Hälfte nimmt die Sache deutlich mehr Fahrt auf und schlägt eine andere Richtung ein. Nun steht der Kampf gegen Babel im Mittelpunkt. Dieser Wechsel des Fokus und auch der Stimmung kam für mich zu abrupt, er sorgt aber immerhin für einige Spannung.
Vieles an der Handlung wirkt jedoch unlogisch oder unrealistisch bzw ziemlich weit hergeholt. Man muss der Autorin zwar zugutehalten, dass sie sich dessen offenbar zumindest teilweise selbst bewusst ist – so denkt Robin wiederholt darüber nach, ob es wirklich sein kann, dass die ganze Macht Großbritanniens nur von diesem einen Institut abhängt, oder warum der „Hermes-Bund“ trotz seiner angeblich zahlreichen Mitglieder und weltweiten Kontakte bisher so wenig erreicht hat. Das macht die Sache aber nicht unbedingt besser.
Außerdem gibt es für einen Roman zu viele Fußnoten. Manche der dort enthaltenen Informationen hätten auch in den Fließtext eingearbeitet werden können.

Trotz einiger Schwächen ist dieses Buch doch lesenswert. Es verbindet interessante Informationen und Denkanstöße zu Themen wie Kolonialismus und Rassismus mit einer spannenden (wenngleich stellenweise zu pathetischen) Handlung und war zumindest für mich mal „Was anderes“.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Ergreifender, aber zu kurzer Roman

Das Mädchen mit dem Drachen
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Dies ist mein drittes Buch der Autorin und eigentlich ließen sich die Rezensionen zu allen dreien mit demselben Satz zusammenfassen: Eine interessante Geschichte wird auf einer zu geringen Seitenzahl erzählt, ...

Dies ist mein drittes Buch der Autorin und eigentlich ließen sich die Rezensionen zu allen dreien mit demselben Satz zusammenfassen: Eine interessante Geschichte wird auf einer zu geringen Seitenzahl erzählt, sodass sich die Handlung und die Protagonisten nicht richtig entfalten können.

Diesmal steht die französische Lehrerin Lena im Mittelpunkt, die nach einem privaten Schicksalsschlag nach Indien reist, um Abstand zu gewinnen. Die Begegnung mit der ca zehnjährigen Lalita verändert ihr Leben. Nachdem sie erfahren hat, dass das aufgeweckte und wissbegierige Mädchen tagtäglich im Lokal eines Verwandten arbeiten muss und keine Chance auf Bildung hat, reift in ihr der Entschluss, eine eigene Schule für die Kinder des Dorfes, von denen die meisten zur Kaste der Unberührbaren zählen, zu gründen.

Der Hintergrund, vor dem diese Geschehnisse angesiedelt sind, ist interessant und angesichts der Tatsache, dass es sich bei Indien (zumindest laut offizieller Definition) um die bevölkerungsreichste Demokratie der Welt handelt, auch sehr relevant. Vor allem die Folgen von Kinderarbeit und der Zwangsverheiratung junger Mädchen werden eindrucksvoll geschildert. Dadurch werden auch einige romantische Vorstellungen, die Westler gern von diesem Land haben, zurechtgerückt.
Die eigentliche Handlung weist aber eben Schwächen auf. Es kommen zwar einige spannende Charaktere vor, allen voran Lena und ihre Mitstreiterin Preeti. Diese bleiben jedoch zu blass und ihre Aktionen und Gedanken werden meist nur abstrakt beschrieben. Ich konnte mich daher nicht gut in sie hineinversetzen. Auch geht vieles zu schnell. Lena sieht sich zwar einem Problem nach dem anderen gegenüber. Jedes einzelne ist jedoch nach ein paar Seiten schon wieder abgehakt. Das (teilweise) Happy End wirkt dann ebenfalls etwas gezwungen.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Zeit(ungs)geschichte anhand von Faits Divers

Die Würze der Kürze
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Dieses Buch erzählt die Geschichte des Pressewesens anhand der „vermischten Nachrichten“. Es stellt also nicht Berichte über große Politik oder weltbewegende Ereignisse in den Mittelpunkt, sondern die ...

Dieses Buch erzählt die Geschichte des Pressewesens anhand der „vermischten Nachrichten“. Es stellt also nicht Berichte über große Politik oder weltbewegende Ereignisse in den Mittelpunkt, sondern die kleinen Beiträge, die meist nur ein paar Zeilen lang sind und in denen es beispielsweise um Unfälle und Verbrechen, Geschehnisse in fernen Ländern oder das Leben von „Prominenten“ geht. Gerade diese sind aber oft besonders aussagekräftig, was die Zustände und Denkweisen in ihrer Zeit angeht, weil sie weniger von Zensur und Schönfärberei betroffen sind. Wenn etwa in ein paar lapidaren Sätzen über eine Hexenverbrennung, einen Selbstmord aus Hunger oder zivile Opfer eines Krieges berichtet wird.
Der Autor hat zahlreiche Beispiele aus verschiedenen Ländern und sechs Jahrhunderten gesammelt, von der ersten periodischen Druckschrift im deutschen Sprachraum bis zu Twitter.
Man kann hier sowohl erfahren, wie sich das Zeitungswesen, die Beziehungen zwischen Zeitung und Publikum und die Schwerpunktsetzungen im Laufe der Zeit entwickelt und verändert haben, als auch, was die Leser der jeweiligen Epochen besonders bewegte. Interessant auch, dass „Fake News“ bzw die Frage der Verlässlichkeit von Zeitungsberichten schon immer ein Thema waren.
Die Lektüre gestaltet sich jedoch bisweilen zäh. Die Schilderung des Drumherums nimmt mehr Platz ein als die eigentlichen Meldungen und enthält auch (erfundene) Dialoge in Redaktionsstuben oder unter Zeitungslesern. Gerade letztere wären Großteils entbehrlich.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Wenn die Toten den Lebenden helfen

Der Freund der Toten
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Mulderrig, im irischen County Mayo ist „ein Dorf wie kein anderes“. Das zeigt sich unter anderem daran, dass sich hier die Toten mitten unter den Lebenden bewegen. Sichtbar sind sie allerdings nur für ...

Mulderrig, im irischen County Mayo ist „ein Dorf wie kein anderes“. Das zeigt sich unter anderem daran, dass sich hier die Toten mitten unter den Lebenden bewegen. Sichtbar sind sie allerdings nur für wenige. Zu diesen gehört der 26-jährige Mahony, der im April 1976 überraschend auftaucht und herausfinden möchte, was mit seiner kurz nach seiner Geburt verschwundenen Mutter passiert ist.
Er findet ein paar Unterstützer, allen voran seine junge Zimmervermieterin Shauna, die exzentrische ehemalige Schauspielerin Mrs Cauley und deren beste Freundin Bridget Doosey. Doch viele andere beäugen ihn mit Argwohn, sodass er von den Toten mehr Hilfe erwarten kann als von den Lebenden.

Es ist ganz amüsant, Mahony bei seinen Unternehmungen zu begleiten. Dies liegt vor allem an den zahlreichen interessanten und skurrilen Persönlichkeiten, die Mulderrig bevölkern. Sowohl unter den Lebenden als auch unter den Toten gibt es außergewöhnliche Charaktere.
Die Nachforschungen bezüglich des verschwundenen Mädchens gehen jedoch ziemlich gemächlich vonstatten und erzeugen kaum Spannung. Die eigentliche Auflösung ist eher banal und weist viele Ungereimtheiten auf. Manche Fragen bleiben unbeantwortet. Außerdem steht bereits nach ca zwei Dritteln des Buches fest, wer der Bösewicht ist. Eine echte Überraschung oder unerwartete Wendung bleibt aus.

Für meinen Geschmack kommt auch zu viel Übernatürliches vor, und zwar nicht nur was die „lebenden Toten“ betrifft. Immerhin wird dadurch manchmal ordentlich Schwung in die Handlung gebracht.
Alles in allem ist dieser Roman, wenn man über einige unrealistische Geschehnisse hinwegsehen kann, dennoch lesenswert. Schon allein die beiden älteren Damen sorgen für einigen Unterhaltungswert und das Dorfleben wird anschaulich geschildert.