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Veröffentlicht am 24.08.2025

Grandioser Abschluss

Shinwa. Das Echo der Worte
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Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen traurig, dass Aois Reise hier endet. Nach Band 1 war ich komplett begeistert, aber Band 2 hat alles noch mal getoppt. Shinwa – Das Echo der Worte ist nicht einfach nur ...

Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen traurig, dass Aois Reise hier endet. Nach Band 1 war ich komplett begeistert, aber Band 2 hat alles noch mal getoppt. Shinwa – Das Echo der Worte ist nicht einfach nur der Abschluss einer historischen Romanreihe, es ist ein richtig starkes, emotionales Finale, das mich voll begeistert hat.

Christian Gerhard macht da weiter, wo Band 1 aufgehört hat, und liefert alles: Spannung, Tiefe, Kampf, Liebe und ganz viel Gefühl. Aoi wächst über sich hinaus, wird zur echten Anführerin und zeigt, dass Worte genauso mächtig sein können wie scharfe Schwerter. Die Rebellion in Band 1 vernichtend geschlagen, aber nicht gebrochen. Der Glaube an eine bessere Welt ist hier keine kitschige Floskel, sondern etwas, das erkämpft werden muss: mit Worten, mit Mut und mit dem Schwert.

Aoi bleibt dabei die starke und glaubwürdige Hauptfigur, die mich schon im ersten Teil überzeugt hat. Ihre Entwicklung ist auch im zweiten Band nachvollziehbar und konsequent weitergeführt. Ich fand es unglaublich berührend, wie Aoi ihre Mentorin ehrt und ihre Ideale weiterträgt. Himari ist nicht einfach „weg“, sie lebt in der Rebellion, in den Ideen und Träumen derer weiter, die sich nicht unterwerfen wollen. Und Christian Gerhard gelingt es hervorragend, genau das spürbar zu machen.

Alles kulminiert schließlich in einer finalen Schlacht, die es wirklich in sich hat. Ohne zu viel spoilern zu wollen: Das Finale ist filmreif. Spannend, emotional, voller Konsequenzen und dennoch nicht in dem Sinne „episch“, wie man es vielleicht erwarten würde. Was Christian Gerhard hier erschaffen hat, ist wirklich bemerkenswert. Man spürt in jeder Zeile, wie viel Herzblut, Recherche und Leidenschaft in diesem Projekt steckt. Ich muss ehrlich sagen: Vor Band 1 war japanische Literatur für mich absolutes Neuland. Aber Shinwa hat mir Lust auf mehr gemacht.

Eine Geschichte, die bleibt. Danke an dieser Stelle an Christian Gerhard. Für mich eine glasklare 10 und eine ganz große Leseempfehlung.

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/08/24/shinwa-das-echo-der-worte-abs...

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Bewegender Roman

Das letzte Viertel des Mondes
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Stell dir vor, du sitzt an einem Lagerfeuer, tief in den Wäldern an der russisch-chinesischen Grenze, und eine 90-jährige Frau beginnt, dir die Geschichte ihres Volkes zu erzählen und du merkst, du wusstest ...

Stell dir vor, du sitzt an einem Lagerfeuer, tief in den Wäldern an der russisch-chinesischen Grenze, und eine 90-jährige Frau beginnt, dir die Geschichte ihres Volkes zu erzählen und du merkst, du wusstest nicht einmal, dass es dieses Volk gibt. Das letzte Viertel des Mondes von Chi Zijian erzählt von den Ewenken, einem Nomadenvolk, das seit Generationen in enger Verbindung mit der Natur lebt, den Jahreszeiten folgt, mit den Rentieren zieht und jeden Fluss, jeden Berg kennt.

Die Erzählerin der Geschichte ist 90 Jahre alt, die Witwe des letzten großen Häuptlings der Ewenken und sie blickt zurück auf ein Jahrhundert voller Veränderungen, Verluste und Kämpfe. Sie erzählt von einer Zeit, in der die Welt der Ewenken noch unberührt war, und davon, wie Kriege, politische Umbrüche und Umweltzerstörung diese Welt Stück für Stück zerstören. Wälder werden gerodet, Flüsse verschmutzt, Tiere finden kein Futter mehr. Das alles passiert nicht mit einem großen Knall, sondern Stück für Stück, in kleinen Beobachtungen und Veränderungen. Gerade diese leisen Szenen haben mich wirklich tief getroffen.

Chi Zijian zeigt nicht nur das harte Leben der Ewenken, sondern auch ihre Kultur, die Mythen, die Rituale, das Wissen um die Natur. Man spürt den Stolz dieses Volkes, aber auch die Zerbrechlichkeit seiner Welt. Sesshaftmachung, Eingriffe in ihre Traditionen, das Verschwinden der Wälder, all das sind nicht nur Veränderungen, sondern Angriffe auf ihre Identität.

Und doch blitzen immer wieder Momente von Zärtlichkeit und tiefer Verbundenheit auf. Alles wirkt authentisch, und es ist klar, wie viel Recherche und Herzblut in diesem Roman steckt. Ein großes Kompliment geht auch an die Übersetzerin Karin Betz, die es geschafft hat, nicht nur die Worte, sondern auch die Stimmungen und Nuancen ins Deutsche zu übertragen.

Für mich ist dieses Buch nicht nur das Porträt einer Frau, sondern auch das Porträt eines ganzen Volkes, das in wenigen Jahrzehnten an den Rand des Verschwindens gedrängt wurde. Gleichzeitig packt die Autorin Gesellschaftskritik rein -Umweltzerstörung, Raubbau und politische Entscheidungen, die ohne Rücksicht auf kulturelle Folgen getroffen werden.

Das letzte Viertel des Mondes ist für mich ein literarisches Denkmal für die Ewenken, ein kleines Meisterwerk, das betroffen macht und den eigenen Horizont erweitert. Ein Buch, das zeigt, wie wichtig es ist, Geschichten zu bewahren, bevor sie für immer verloren gehen.

10/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/08/12/das-letzte-viertel-des-mondes-eine-ewenken-geschichte/

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Zwischen Wahrheit und Lüge

Reset
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Stell dir vor, du telefonierst mit deiner Oma. Sie klingt besorgt, sagt dir, ihr gehts nicht gut. Du spürst ihre Stimme, ihre Emotion. Und dann fragst du dich plötzlich: War das überhaupt sie? Genau hier ...

Stell dir vor, du telefonierst mit deiner Oma. Sie klingt besorgt, sagt dir, ihr gehts nicht gut. Du spürst ihre Stimme, ihre Emotion. Und dann fragst du dich plötzlich: War das überhaupt sie? Genau hier setzt Reset von Peter Grandl an, ein Thriller, der mich echt gepackt hat.

Die Geschichte spielt 2024, gefühlt könnten die Ereignisse aber auch in naher Zukunft passieren. Weltweite Fake News, Deepfakes, digitale Täuschungen auf einem Level, bei dem keiner mehr weiß, was echt ist. Regierungen werden in (vermeintliche) Kriege gezogen, basierend auf manipulierten Informationen. Vertrauen? Gibt’s nicht mehr. Und mittendrin ein Ermittler, der eigentlich nur seine Schwester sucht und dabei durch ein Europa reist, das kurz vor dem totalen digitalen Zusammenbruch steht.

Ich war beim Lesen gleichzeitig fasziniert und beunruhigt. Grandl zeigt nämlich ziemlich eindrücklich, wie gefährlich unsere Abhängigkeit von Medien, Technik und Informationen geworden ist. Wie leicht wir manipulierbar sind, wenn alles täuschend echt aussieht und trotzdem falsch ist. Deepfakes sind in dieser Story keine Spielerei mehr, sondern ein Instrument der Zerstörung. Und ehrlich: So weit weg ist das alles nicht mehr. Künstliche Intelligenz, manipulierte Videos, synthetische Stimmen, das gibt es auch jetzt schon. Reset denkt das nur zu Ende.

Das Buch liest sich schnell, ist spannend, manchmal komplex, weil viele Figuren auftauchen, aber wenn man dranbleibt, wird man mit einer wirklich starken Geschichte belohnt. Es ist keine typische Dystopie, sondern ein realitätsnahes „Was wäre wenn?“. Und genau das macht’s so intensiv.

Für mich war’s das erste Buch von Peter Grandl, aber definitiv nicht das letzte. Ich liebe Bücher, die einen nach dem letzten Kapitel noch beschäftigen und Reset ist genau so eins. Keine Wohlfühllektüre, aber absolut lesenswert. Gerade jetzt.

9/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/07/27/peter-grandls-reset-ein-packender-thriller-uber-wahrheit-und-tauschung/

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Zwischen Dan Brown und Dan Jones

Die Wächter der Krone
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Hand aufs Herz: Habt ihr auch schon mal ein Buch gnadenlos unterschätzt? Obwohl ich Teil seines Bloggerteams bin (shame on me), hab ich das Buch erst jetzt, kurz nach Release gelesen. Und ich sag’s wie’s ...

Hand aufs Herz: Habt ihr auch schon mal ein Buch gnadenlos unterschätzt? Obwohl ich Teil seines Bloggerteams bin (shame on me), hab ich das Buch erst jetzt, kurz nach Release gelesen. Und ich sag’s wie’s ist: Ich hab’s komplett unterschätzt. Was Fabrice hier abliefert, ist für mich ein absolutes Highlight.

Die Geschichte hatte mich ab Seite 1. Kein lahmes Vorgeplänkel, kein langes Blabla, direkt rein ins Geschehen. Max, ein charmanter, leicht nerdiger Professor, stolpert auf einem Antikmarkt über eine alte Schatulle. Darin: geheime Briefe von Richard III., die alles verändern könnten, was wir über die englische Geschichte zu wissen glauben. Klingt spannend? Ist es auch. Und zwar durchgehend.

Ich habe schon lange kein Buch mehr so schnell durchgelesen wie dieses. In unter 24 Stunden, 400 Seiten. Ging nicht anders. Der Schreibstil ist genau auf den Punkt: schnörkellos, klar, packend. Die Story, ein Mix aus historischem Roman, Thriller und politischer Intrige, irgendwo zwischen Dan Brown und Dan Jones. Und das meine ich völlig ernst. Fabrice schafft es wirklich, die Spannung eines Brown mit dem historischen Tiefgang eines Jones zu verbinden.

Besonders gefeiert hab ich Max und Rob. So ein cooles Paar. Robs trockener Humor hat mich mehrfach schmunzeln lassen. Und endlich mal eine queere Beziehung, die einfach da ist. Kein großes Thema draus gemacht. Es ist einfach normal. Und das fühlt sich so gut an.

Historisch ist das Buch übrigens extrem gut umgesetzt. Ich liebe die Zeit der Plantagenets, habe selbst etliche Bücher und Dokus dazu verschlungen (überwiegend von Dan Jones), kein Wunder also, dass ich mich hier bestens aufgehoben gefühlt habe.

Machen wir es kurz: Wer Dan Browns Thrill mag- lesen. Wer Dan Jones historische Tiefe mag- lesen. Wer beide kennt und mag- muss ich weiter machen? Ein echtes Highlight, ich freue mich extrem auf den zweiten Band.

10/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/07/25/die-wachter-der-krone-histori...

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Veröffentlicht am 06.07.2025

Sehr emotional

Das Haus der Goldmanns. Drei Generationen. Ein Haus. Ein großes Geheimnis.
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Was passiert, wenn du in das Haus deiner Kindheit zurückkehrst – und plötzlich die Vergangenheit aufbricht? In „Das Haus der Goldmanns“ von Claudia Kaufmann passiert das Britta, eine Frau, die mit ihrer ...

Was passiert, wenn du in das Haus deiner Kindheit zurückkehrst – und plötzlich die Vergangenheit aufbricht? In „Das Haus der Goldmanns“ von Claudia Kaufmann passiert das Britta, eine Frau, die mit ihrer Mutter schon lange abgeschlossen hat. Die alte Villa in München, in der ihre Mutter Margit noch immer lebt, wirkt heruntergekommen. Britta will sie schnell ins Heim bringen, die Villa verkaufen. Doch dann macht die Mutter, gezeichnet von Alzheimer, seltsame Bemerkungen. Und aus Ablehnung wird Neugier.

Was steckt hinter diesem Haus, das nie verkauft werden durfte? Und was verheimlicht Margit seit Jahrzehnten?

Mit klarem Blick und emotionaler Tiefe entfaltet Claudia Kaufmann eine Geschichte über drei Generationen – und darüber, wie das Schweigen einer Familie mit den Gräueltaten der Nazi-Zeit verbunden ist. In Rückblenden erleben wir Elisabeth, Brittas Großmutter, die sich 1932 in ihren jüdischen Nachbarn verliebt und ein für sich tödliches Geheimnis hütet, während ihr Mann sich radikalisiert und der SA anschließt. Das Haus, einst Eigentum der jüdischen Familie Goldmann, wird zum Symbol für Mitläufertum, für geraubte Leben und für das Schweigen, das bis in die Gegenwart reicht.

Kaufmann erzählt ohne Pathos, aber mit großer Wucht. Was wie eine kalte Mutter-Tochter-Geschichte beginnt, entwickelt sich zu einem tief bewegenden Roman über Schuld, Wahrheit, Verdrängung und späte Versöhnung. Die historischen Szenen sind bedrückend real, die emotionale Entwicklung der Figuren glaubwürdig und aufwühlend.

Fazit: Ein Buch, das nicht loslässt. Kein leichter Stoff, aber ein wichtiger. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt – mit einer Geschichte, die unter die Haut geht und lange nachklingt.

10/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/07/06/das-haus-der-goldmanns-von-claudia-kaufmann-eine-bewegende-familiengeschichte/

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