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Veröffentlicht am 05.09.2025

Wunderbare und ruhig erzählte Geschichte

Die Rheinreise
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Der Dumont Verlag hat den bereits im Jahr 1981 erschienenen Roman "Die Rheinreise" der in den USA geborenen Schriftstellerin Ann Schlee, die 2023 im Alter von 89 Jahren verstorben ist, in deutscher Übersetzung ...

Der Dumont Verlag hat den bereits im Jahr 1981 erschienenen Roman "Die Rheinreise" der in den USA geborenen Schriftstellerin Ann Schlee, die 2023 im Alter von 89 Jahren verstorben ist, in deutscher Übersetzung veröffentlicht. Es handelt sich dabei um ihren Debütroman, der für den renommierten Booker Prize nominiert wurde. Das Cover ist wunderschön und sehr hochwertig gestaltet.

Wir schreiben das Jahr 1851, drei Jahre nach den Unruhen der Europäischen Revolution von 1848, als Reverend Charles Morrison mit seiner Frau Marion und der 17-jährigen Tochter Ellie eine Reise mit dem Schaufelraddampfer von Baden-Baden bis Köln antritt. Mit dabei ist Charles' jüngere, etwa 40-jährige unverheiratete Schwester Charlotte, die ihre Schwägerin unterstützt und sich um ihre Nichte kümmert. Charlotte war jahrelang die Haushälterin ihres Bruders, ehe sie dem betagten Reverend Ransome bis zu dessen Tod den Haushalt führte und von ihm mit einer Erbschaft bedacht wurde. Als sie unter den Reisenden einen Mann sieht, der ihrer ersten Liebe ähnelt, werden Erinnerungen in ihr wach. Sie war gerade 18 Jahre alt, als sie sich in den Mühlenbesitzer Desmond Fermer verliebte, der bei Charles um ihre Hand anhielt. Doch für diesen war Desmond nicht standesgemäß, er war gegen die Verbindung, und Charlotte blieb es verwehrt, eine eigene Familie zu gründen.

Die Geschichte ist in sehr schöner Sprache erzählt und liest sich sehr flüssig. Ich fühlte mich gleich in das Viktorianische Zeitalter versetzt, als die Rolle der Frau noch eine ganz andere war als heute. Die Autorin lässt uns eintauchen in Charlottes Lebensgeschichte, die geprägt ist von Gehorsam und Unterwürfigkeit gegenüber ihrem Bruder. Als Alleinstehende ist es ihr nicht möglich, ihr Leben eigenständig zu gestalten. Ihr Bruder trifft für sie alle wichtigen Entscheidungen, und sie ordnet sich ihm unter. Die Begegnung mit Edward Newton verändert sie und weckt alte Erinnerungen, mit denen sie sich endlich auseinandersetzt.

Ich habe den Roman sehr gern gelesen, er hat mich beeindruckt und sehr berührt. Der Zeitgeist ist ganz großartig eingefangen, und ich mochte Ann Schlees ruhige und empathische Erzählweise. Sie skizziert ihre Protagonisten ganz wunderbar und authentisch, besonders die feinfühlige Charlotte, die auf der Rheinreise ihre Vergangenheit reflektiert, in Tagträumen versinkt und schließlich vor die Frage gestellt wird, ob sie fortan im Haushalt des Bruders leben möchte. Die Autorin schildert nicht nur mit großer Intensität Charlottes innere Zerrissenheit, ihre Sehnsüchte und Wünsche, sondern auch ihre Entwicklung, die dazu führt, dass sie eine zukunftsweisende Lebensentscheidung treffen kann.
Der dominante Charles, der seine Schwester wie eine Bedienstete behandelt, machte es mir schwer, ihn auch nur ansatzweise zu mögen. Auch für seine Frau, die schwierige Marion, konnte ich keine Sympathie empfinden.

Sehr gut gefallen hat mir die Beschreibung der Rheinreise mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten, da ich im Rheinland lebe und mir viele der erwähnten Orte ein Begriff sind.

Absolute Leseempfehlung für diesen wunderbaren historischen Roman mit Tiefgang, der mich gefesselt und bestens unterhalten hat!

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Großartiger und packender Gesellschaftsroman

Aufsteiger
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In seinem neuen Roman "Aufsteiger" erzählt Peter Huth die Geschichte des 48-jährigen Felix Licht. Dieser ist seit 20 Jahren mit seiner Frau Sarah verheiratet, die beiden haben eine gemeinsame Tochter, ...

In seinem neuen Roman "Aufsteiger" erzählt Peter Huth die Geschichte des 48-jährigen Felix Licht. Dieser ist seit 20 Jahren mit seiner Frau Sarah verheiratet, die beiden haben eine gemeinsame Tochter, die 10-jährige Emilia. Felix ist seit über 10 Jahren als Journalist für ein Wochenmagazin tätig und wartet ungeduldig auf einen Termin bei Christian Berg, dem Eigentümer des Magazins. Endlich ist es soweit, er hofft, zum Chefredakteur berufen zu werden und malt sich seine Zukunft in den schönsten Farben aus. Er wird seinen Freund und derzeitigen Chefredakteur Richard Leck ablösen, einen "Mann von gestern", dessen Zeit vorbei ist. Felix' Enttäuschung ist riesig, als nicht er berufen wird, sondern ausgerechnet die attraktive Zoe Rauch, deren Mentor, Freund und Vertrauter er vor 12 Jahren war ...

Die Geschichte ist in intelligenter und klarer Sprache erzählt und liest sich sehr flüssig. Dem Autor ist es hervorragend gelungen, die Charaktere bildhaft und authentisch zu skizzieren. Wir lernen den ehrgeizigen Felix Licht kennen, erleben seine Enttäuschung und Resignation, die er im Alkohol zu ertränken versucht, blicken tief in seine Gefühls- und Gedankenwelt. Seine Ehe droht zu scheitern, ein ehemaliger Anwalt, der vom Leben enttäuscht und nun als Hassblogger tätig ist, bietet ihm juristischen Beistand an. 

Ich habe das Buch sehr gern gelesen, es hat mich von Beginn an gefesselt und berührt. Ich fand es spannend, hinter die Kulissen eines Verlags und dessen Machenschaften zu schauen. Auch die juristischen Aspekte des Falls sind interessant, Verfahrensabläufe werden beschrieben, der Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit deutlich gemacht. Ich mochte Felix, der für seine Karriere beim Magazin auf so vieles verzichtet hatte, seine Familie und Freundschaften vernachlässigte, und dessen Welt von einem Tag auf den anderen zusammenbricht, weil er nun selbst der "Mann von gestern" ist. Ich mochte auch die junge Zoe, die es trotz ihres selbstbewussten Auftretens nicht leicht hat, in ihrem neuen beruflichen Umfeld andere Wege zu gehen und dabei auch Persönliches mit Beruflichem zu verknüpfen versucht.

Es hat mir gut gefallen, dass das Buch viele wichtige Themen beinhaltet. Es geht nicht nur um gescheiterte Zukunftspläne und die Macht eines Chefredakteurs, sondern auch um Klimakleber, um einen Kriegstanz, der einen neuen Namen erhält, und es geht um Feminismus, Manipulation durch die sozialen Medien, Diskriminierung und queere Themen. Es gibt verschiedene Wendungen - wobei allerdings eine Wendung infolge des Prologs etwas zu früh zu erahnen ist -, ehe die Handlung auf ihr dramatisches Finale zusteuert. 

Absolute Leseempfehlung für diesen großartig geschriebenen gesellschaftskritischen Roman mit Tiefgang, der mich bestens unterhalten hat!

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Bewegende und fesselnde Familiengeschichte

Meine Mutter
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In ihrem vielbeachteten, im Jahr 2022 erschienenen Buch "Meine Schwester", widmet sich Bettina Flitner dem Leben ihrer Schwester, die 2017 freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Nun hat der Verlag Kiepenheuer ...

In ihrem vielbeachteten, im Jahr 2022 erschienenen Buch "Meine Schwester", widmet sich Bettina Flitner dem Leben ihrer Schwester, die 2017 freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Nun hat der Verlag Kiepenheuer & Witsch "Meine Mutter", das neue Werk der Autorin, veröffentlicht, in dem diese nicht nur den Selbstmord ihrer Mutter thematisiert, sondern auch - basierend auf zahlreichen Gesprächen und schriftlichen Erinnerungen ihres Vaters, des Großvaters, der Urgroßmutter und einer Großtante sowie Briefen und Zeitdokumenten - die Geschichte ihrer Familie erzählt. 

Die Ich-Erzählerin Bettina befindet sich anlässlich einer Lesereise in Celle, dem Ort, in dem sie aufgewachsen ist, und sucht spontan den Friedhof auf, auf dem vor 40 Jahren ihre Mutter Gisela, als Kind "Gila" genannt, beigesetzt wurde. Ein Sparbuch und ihr bisher unbekannte Fotos, die kurz vor dem Suizid ihrer Mutter entstanden sind, veranlassen sie dazu, über sie nachzudenken. Wer war ihre Mutter, und warum hat sie sie vergessen? Sie beschließt, sich auf Spurensuche zu begeben und nach Wölfelsgrund im damaligen Niederschlesien zu fahren, wo Gisela 1936 geboren wurde und bis 1946 lebte ...

Bettina Flitners Roman führt uns zurück bis ins Jahr 1884, als ihr Ururgroßvater Heinrich im Luftkurort Wölfelsgrund, am Fuß des Riesengebirges, ein Sanatorium für Nervenkranke errichtete. Im benachbarten Doktorhaus lebte Urgroßvater Richard mit seiner Frau Elfriede und den fünf Kindern, später Bettinas Großvater Api und die Großmutter Ami mit ihren sechs Kindern. Eines der Kinder war Gisela, die Mutter der Autorin. Als Folge des Zweiten Weltkriegs musste die Familie 1946 ihre Heimat verlassen und baute sich in Westdeutschland ein neues Leben auf.

Die Geschichte ist in beeindruckend schöner Sprache auf mehreren, sich abwechselnden Zeitebenen erzählt und liest sich sehr flüssig. Nach und nach blättert sich die Vergangenheit einer Familie auf, in der es über mehrere Generationen Höhen und Tiefen gab - und mehrere Selbsttötungen. Wir lernen die kleine Gila kennen, die bereits früh mit den Familientragödien konfrontiert wird, und wir erleben die erwachsene Gisela, die mit 21 Jahren den Juristen Hugbert heiratet. Das Paar bekommt zwei Töchter, doch die Ehe ist nicht glücklich. Hugbert hat das Gefühl, nicht mit Gisela reden zu können, es ist keine Beziehung auf Augenhöhe. Es gibt Affären und Streitigkeiten, und Gisela leidet zunehmend unter schweren Depressionen. Glücklich ist sie immer dann, wenn sie allein nach Sylt fahren kann. 

Ich habe das Buch sehr gern gelesen, es hat mich fasziniert, berührt und betroffen gemacht. Sehr gut gefallen hat mir, dass Bettina Flitner eine eher sachliche Erzählweise gewählt hat. Sie stellt Fragen, aber sie erhebt keine Vorwürfe, keine Schuldzuweisungen. Manches ist fast nüchtern erzählt, und doch sind ihre Ausführungen sehr bewegend. 

Die Thematik der Vertreibung durch die Russen und das polnische Militär war mir bisher nur oberflächlich bekannt. Die Familie der Autorin musste innerhalb von 24 Stunden ihre Heimat verlassen und die beschwerliche 18-tägige Reise antreten, die sie durch zerbombte Städte und zerstörte Landschaften nach Celle führte. Diese Folgen des Zweiten Weltkriegs bekamen damals sehr viele Menschen zu spüren, allein aus Schlesien sind nach Kriegsende mehr als drei Millionen Menschen geflohen bzw. wurden vertrieben.

Absolute Leseempfehlung für das mit großer Offenheit verfasste sehr persönliche Buch, in dem die Autorin ihre Familiengeschichte verarbeitet und einen Weg gefunden hat, sich nachträglich mit ihrer Mutter auszusöhnen.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Fesselnde und bewegende Lebensgeschichte

Der Buchladen am Ende der Welt
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Die Neuseeländerin Ruth Shaw ist 70 Jahre alt, als sie beschließt, gemeinsam mit ihrem Mann Lance in Manapōuri im Süden des Landes zwei kleine, bunt bemalte Buchläden zu eröffnen. Diese sind immer von ...

Die Neuseeländerin Ruth Shaw ist 70 Jahre alt, als sie beschließt, gemeinsam mit ihrem Mann Lance in Manapōuri im Süden des Landes zwei kleine, bunt bemalte Buchläden zu eröffnen. Diese sind immer von Ende September bis Mitte April geöffnet, der kleinere der beiden Läden enthält nur Kinderbücher. Ruth führt sie mit viel Liebe und Herzlichkeit, sorgt dafür, dass ihre Kunden sich wohl fühlen und hat den Ehrgeiz, für jeden das richtige Buch zu finden.

In "Der Buchladen am Ende der Welt" erzählt die Autorin, deren Schreibtalent sich schon früh zeigte, die fesselnde und bewegende Geschichte ihres Lebens. Die 1946 Geborene verbringt gemeinsam mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Jill eine unbeschwerte Kindheit. Mit 16 Jahren schließt sie die Schule ab und wird stellvertretende Küchenchefin in einem Krankenhaus. Sie erleidet mehrere Schicksalsschläge, erlebt Gewalt, leidet zeitweise unter Depressionen und wird zunehmend rastloser. Immer wieder sieht sie sich nach neuen Beschäftigungen um und wird nirgends sesshaft. Zunächst geht sie als medizinische Assistentin zur Marine und arbeitet danach in den verschiedensten Berufen: als Köchin für einen Bischof, als Nachtschwester in einem Krankenhaus für Senioren. Später eröffnet sie ein Café, ist als Küchenhilfe, Krankenpflegerin, Bauzeichnerin, Haushüterin und Sozialarbeiterin tätig und geht auf abenteuerliche Segeltörns. Drei Ehen scheitern, ehe sie nach 20 Jahren ihre Jugendliebe Lance wiedersieht.

Die 28 Kapitel umfassende Geschichte ist abwechselnd in zwei Handlungssträngen erzählt. Während sich rückblickend Ruths Lebensgeschichte aufblättert, erzählt sie im zweiten Handlungsstrang unterhaltsame Episoden aus den Buchläden über interessante Begegnungen und Erlebnisse mit ihren Kunden.

Das Buch ist in klarer Sprache geschrieben und liest sich sehr flüssig. Ich habe es sehr gern gelesen, es hat mich gefesselt und zutiefst berührt. Mit großer Offenheit und ohne Selbstmitleid beschreibt Ruth Shaw die Höhen und Tiefen ihres Lebens, wir erleben ihren Schmerz und ihre Trauer. Immer wieder flieht sie vor ihren eigenen Emotionen und stürzt sich schnell in das nächste Abenteuer. Trotz aller Widrigkeiten geht sie entschlossen ihren Weg und schafft es, an der Seite ihrer großen Liebe ihren inneren Frieden wiederzufinden.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Abschnitte mit den Geschichten aus dem Buchladen, in denen Ruth von schönen und besonderen Begegnungen mit ihren Kunden erzählt. Die Tätigkeit in ihren Buchläden bedeutet ihr sehr viel, sie hat ein großes Herz für ihre großen und kleinen Kunden und verschenkt fast genauso viele Bücher, wie sie verkauft.
Schön fand ich auch die Fotos in der Mitte des Buches, die einige Lebensstationen von Ruth dokumentieren.

Absolute Leseempfehlung für alle, die Bücher lieben und sich für faszinierende Lebensgeschichten interessieren!

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Wunderbare Geschichte mit Tiefgang

Das glückliche Leben
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Ich habe ein Faible für Romane französischer Autoren und von David Foenkinos bereits einige Bücher gelesen. Seine Geschichten sind berührend, ohne kitschig zu sein, sein Erzählstil und seine Sprache faszinieren ...

Ich habe ein Faible für Romane französischer Autoren und von David Foenkinos bereits einige Bücher gelesen. Seine Geschichten sind berührend, ohne kitschig zu sein, sein Erzählstil und seine Sprache faszinieren mich immer wieder neu.
 
Im Mittelpunkt von "Das glückliche Leben" steht der 40-jährige Éric Kherson, der seit fast 20 Jahren bei einem Sportartikelhersteller arbeitet und sich vom Verkäufer zum kaufmännischen Geschäftsführer hochgearbeitet hat. Seit seiner Scheidung von Isabelle sieht er den gemeinsamen Sohn Hugo, der 11 Jahre alt ist, nur noch selten. Er leidet darunter, doch er unternimmt nichts, um daran etwas zu ändern. Das Verhältnis zu seiner Mutter Dominique ist kompliziert, und er hat das Gefühl, dass sie ihm die Schuld am Tod seines Vaters gibt.

Éric ist überrascht, als seine alte Schulfreundin Amélie Mortiers über Facebook Kontakt zu ihm aufnimmt und ihm einen Job anbietet. Sie ist neue Staatssekretärin im Ministerium für Außenhandel und muss ein neues Team bilden. Nach kurzer Bedenkzeit nimmt Éric ihr Angebot an und arbeitet fortan eng mit Amélie zusammen. Die neue Tätigkeit erfordert häufige Dienstreisen, und auf einer Reise nach Seoul erleidet Éric einen Kreislaufkollaps. Am nächsten Tag entdeckt er auf einem Spaziergang  "Happy Life", ein Institut, das eigene Fake-Beerdigungen anbietet. Durch die Konfrontation mit dem eigenen Tod könne die Lebensfreude wieder erweckt werden. Neugierig geworden, unterzieht sich Éric dem einstündigen Ritual, das sein Leben verändern wird. Er erkennt, was wirklich wichtig ist im Leben und geht, nachdem er wieder zurück in Paris ist, vollkommen neue Wege ....

Das Buch hat mich fasziniert und begeistert. David Foenkinos hat die Fähigkeit, Gefühle und Beziehungen mit Leichtigkeit und feinem Humor, dabei aber durchaus mit Tiefgang, zu beschreiben. Seine Protagonisten zeichnet er mit sehr viel Empathie: den zur Melancholie neigenden Éric, der vieles negativ sieht, und die perfektionistische Amélie, die ihre beruflichen Ziele mit großem Ehrgeiz verfolgt. Meine Lieblingsfigur war ganz eindeutig Éric, dem es gelingt, sein Leben neu zu gestalten, nachdem er am Ende seiner Kräfte angekommen ist. Die egoistische Amélie tat mir fast leid, sie ist geradezu besessen von ihrem beruflichen Erfolg und merkt dabei gar nicht, dass sie diesem ihre Beziehung opfert.

Fake-Beerdigungen, wie sie in Seoul tatsächlich angeboten werden, waren mir bislang unbekannt. Der Alltag der Menschen in Südkorea ist hart, sie arbeiten täglich bis zu 12 Stunden und haben nur einen freien Tag pro Woche. Es gibt zahlreiche depressive Erkrankungen, Burnouts und eine hohe Selbstmordrate. Simulierte Beerdigungen stellen eine sehr spezielle Therapie dar und können den Menschen dabei helfen, wieder mehr Freude am Leben zu haben.

"Das glückliche Leben" hat mir trotz des etwas märchenhaften Endes sehr viel Lesefreude bereitet. Das Buch hat einige Wendungen, es hat mich gefesselt und tief berührt. Ich kann mir vorstellen, dass die Geschichte eine gute Vorlage für einen Kinofilm wäre. 
Absolute Leseempfehlung für diesen wunderbaren und kurzweiligen Roman, der zum Nachdenken anregt!

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