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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.01.2026

Leise, stark, bewegend

Niemands Töchter
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Aufmerksam geworden bin ich auf Niemands Töchter durch das wunderschöne Buchcover. Doch vor allem der tief emotionale Inhalt hat mich berührt und mir zugleich schöne wie auch traurige Lesestunden ...

Aufmerksam geworden bin ich auf Niemands Töchter durch das wunderschöne Buchcover. Doch vor allem der tief emotionale Inhalt hat mich berührt und mir zugleich schöne wie auch traurige Lesestunden geschenkt. Im Mittelpunkt stehen vier Frauen – Marie, Gabriele, Alma und Isabell –, deren Lebensgeschichten sensibel und eindrucksvoll erzählt werden.

Die Autorin schreibt feinfühlig und nah an ihren Figuren, sodass man ihre Gedanken, Zweifel und Sehnsüchte gut nachvollziehen kann. Themen wie Zugehörigkeit, Familie und Identität ziehen sich berührend durch den Roman. Besonders schön ist die dem Buch beigefügte Playlist, die die Stimmung der Geschichte wunderbar aufgreift und das Leseerlebnis auf eine besondere Weise vertieft.

Ein bewegender Roman mit starken Frauenfiguren, der lange nachhallt und sehr empfehlenswert ist.

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Veröffentlicht am 12.11.2025

Einfach mal KI checken!

Durchblick Künstliche Intelligenz
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Das handliche Sachbuch bietet einen leicht verständlichen Einstieg in das Thema Künstliche Intelligenz. Brian Clegg erklärt komplexe Zusammenhänge so klar und zugänglich, dass auch Einsteiger ...

Das handliche Sachbuch bietet einen leicht verständlichen Einstieg in das Thema Künstliche Intelligenz. Brian Clegg erklärt komplexe Zusammenhänge so klar und zugänglich, dass auch Einsteiger gut folgen können – ganz ohne technisches Vorwissen. Unterstützt wird der Text durch die humorvollen und farbenfrohen Illustrationen von Robert Fiszer, die wichtige Punkte bildlich aufgreifen und das Lesen nicht nur informativer, sondern auch unterhaltsam machen.
Besonders gelungen finde ich die bunten, übersichtlich gestalteten Erklärungen, die abstrakte Konzepte visuell verständlich machen – ideal, um komplexe Themen wirklich zu begreifen. Neben Grundlagen und Praxisbeispielen werden auch ethische Fragen und Zukunftsperspektiven angesprochen.
Ein kluges, farbenfrohes und einsteigerfreundliches Buch für alle, die neugierig auf KI sind, aber sich nicht durch Fachjargon kämpfen möchten.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Ein „Protokoll“ des Unbegreiflichen

Protokoll eines Verschwindens
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Gabriel ist von Rio zu seiner Schwester nach Deutschland gezogen, sie ist Medizinerin, er arbeitet bei der IT. Alles ist gut, bis Gabriel spurlos verschwindet...

Alexander Rupflins „Protokoll ...

Gabriel ist von Rio zu seiner Schwester nach Deutschland gezogen, sie ist Medizinerin, er arbeitet bei der IT. Alles ist gut, bis Gabriel spurlos verschwindet...

Alexander Rupflins „Protokoll eines Verschwindens“ ist weit mehr als ein Roman – es ist die literarische Aufarbeitung eines Hamburger True-Crime-Falls, der die Stadt und darüber hinaus erschüttert hat. Mit dokumentarischer Genauigkeit und erzählerischer Wucht gelingt es Rupflin, die Grenzen zwischen Fiktion und Realität zum Schwingen zu bringen.

Besonders eindrücklich ist die Gesprächsszene mit dem mutmaßlichen Täter Fabio auf Seite 82: „Ihn fragen, was denn seiner Meinung nach in jener Nacht passiert sei, wenn er doch unschuldig sei. Denn Fakt war nun mal: Am Morgen danach hatte ein junger Mann tot in Fabios Wohnung gelegen.“
Dieser Satz legt wie ein Brennglas die Kälte und Zerrissenheit frei, die diesen Fall so unbegreiflich machen.

Rupflin gelingt es, nicht nur die äußeren Abläufe zu schildern, sondern auch die innere Zersetzung aller Beteiligten spürbar zu machen. Die Handlung zieht den Leser in einen Strudel aus Fragen nach Schuld, Schweigen und Wahrheitssuche – und zwingt dazu, die eigenen Gewissheiten zu hinterfragen.

Die Geschichte entfaltet sich im Privaten und wirkt gerade deshalb so verstörend.

Es gibt Bücher, die bleiben schockiert und traurig unvergesslich – und Protokoll eines Verschwindens ist genau so eines.

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Zwischen Gym-Humor und Abgrund

Gym
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Verena Kesslers Gym beginnt überraschend leicht und humorvoll: Der Fitnesskult mit Proteinshakes, Selfies und absurden Ritualen wird genüsslich auf die Schippe genommen. Doch nach und nach kippt die Stimmung. ...

Verena Kesslers Gym beginnt überraschend leicht und humorvoll: Der Fitnesskult mit Proteinshakes, Selfies und absurden Ritualen wird genüsslich auf die Schippe genommen. Doch nach und nach kippt die Stimmung. Die namenlose Ich-Erzählerin steigert sich immer weiter in ihren Ehrgeiz hinein, bis das Training keinen Spaß mehr, sondern nur noch Zwang bedeutet.
In drastischen Sätzen (wie auf Seite 137) beschreibt sie ihre Kämpfe gegen den eigenen Körper:
„Ich stemmte, drückte, zog und zerrte. Ich akzeptierte kein Nein, kein Es-geht-nicht, kein Unmöglich. Ich zwang mich, zwang meinen Körper, brach meinen eigenen Widerstand. Schmerz in jeder Zelle. Reißen, Knirschen, Knacken.“
Hier wird klar: Es geht nicht um Körperkult, sondern um den Wunsch nach Anerkennung – und darum, was passiert, wenn man diesen ungebremst zulässt.
So wandelt sich der zunächst satirische Blick auf Fitnessstudios zu einer beklemmenden Studie über Ehrgeiz, Selbstoptimierung und die gefährliche Grenze zur Selbstzerstörung. Gym ist ein schlanker, intensiver Roman, der trifft wie ein Schlag in die Magengrube.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

„Wenn Bestie zur Bestie wird“

Bestie
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Der Pola-Verlag macht hauptsächlich Bücher für junge Frauen, aber Bestie hat mich auch als 60-Jährige begeistert. Dieses Debüt ist mehr als ein Coming-of-Age-Roman oder eine Freundschaftsgeschichte – ...


Der Pola-Verlag macht hauptsächlich Bücher für junge Frauen, aber Bestie hat mich auch als 60-Jährige begeistert. Dieses Debüt ist mehr als ein Coming-of-Age-Roman oder eine Freundschaftsgeschichte – es ist ein intensiver, vielschichtiger Text, der gesellschaftliche Fragen mit psychologischer Tiefe verbindet.
Besonders eindrucksvoll fand ich die literarische Verschränkung mit Klassikern. So wird in Bestie auf Seite 229 ein Zitat aus Anton Tschechows Die Möwe rezitiert:

„Wenn du einmal mein Leben brauchen solltest, so komm und nimm es.“

Genau in diesem Satz finde ich viele Parallelen zwischen Die Möwe und Bestie. Denn auch bei Joana June geht es um Beziehungen, die zwischen Hingabe und Selbstaufgabe schwanken, um dieses gefährliche Versprechen, sich ganz hinzugeben – sei es aus Liebe, aus Loyalität oder aus dem Wunsch, gesehen zu werden. In Bestie hat dieses Motiv jedoch eine dunklere, modernere Färbung: Die Grenzen zwischen Zuneigung, Abhängigkeit und Machtspiel verschwimmen, und aus einem Angebot der Nähe kann rasch eine Einladung zur Selbstzerstörung werden.
Vor allem hat mir aber die gesellschaftskritische Seite des Romans gefallen. So geht es unter anderem um den Einfluss von Social Media, um Fragen nach Echtheit und Zugehörigkeit, um die Problematik von Schönheitsstandards, die gerade jungen Mädchen vermittelt werden, und um die zerstörerische Dynamik toxischer Beziehungen.
Fazit:
Bestie ist ein starkes Debüt, das inhaltlich wie sprachlich überzeugt. Es fordert, berührt und hallt nach – unabhängig vom Alter der Lesenden. Für mich ein Roman, der zeigt, wie aktuell und relevant Literatur sein kann, wenn sie sich traut, Grenzen zu überschreiten.

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