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Veröffentlicht am 21.08.2025

Lesen auf eigene Gefahr – hier spukt’s zwischen den Seiten!

Das kleine Böse Buch 8: Interaktiver Lesespaß ab 8 Jahren vom Spiegel-Bestseller-Autor (Das kleine Böse Buch, Bd. 8)
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Dieses Buch will nicht einfach gelesen werden – es will dich mit Haut und Haaren in seine Geschichte ziehen. In Spoooky! bekommt das kleine Böse Buch Post von Edgar, einem Jungen, der ein mysteriöses „Buch ...

Dieses Buch will nicht einfach gelesen werden – es will dich mit Haut und Haaren in seine Geschichte ziehen. In Spoooky! bekommt das kleine Böse Buch Post von Edgar, einem Jungen, der ein mysteriöses „Buch der Geister“ gefunden hat. Darin steht, wie man eine Geisterfalle baut. Allein schafft er das nicht, also lädt unser charmant-fieser Erzähler ihn kurzerhand zwischen seine eigenen Seiten ein.

Von hier an springen die Leser:innen mit den beiden kreuz und quer durchs Buch, lassen sich von optischen Täuschungen nicht beirren, entdecken versteckte Hinweise und knobeln sich durch Rätsel, die mal wie ein netter Zeitvertreib wirken und mal so knifflig sind, dass man schon ein bisschen länger grübeln muss. Besonders schön finde ich, dass man die Geschichte auch super als nächtliches Highlight zum Kindergeburtstag verwenden oder zur Lesenacht in die Schule mitbringen kann.

Magnus Myst trifft wieder genau die Mischung, die diese Reihe so besonders macht: mit Spannung, einer (großen) Prise Grusel, jeder Menge Mitmach-Elementen und Humor, der herrlich fies und ironisch ist. Kinder ab acht Jahren finden hier genug Nervenkitzel, um gefesselt zu bleiben, ohne dass es zu unheimlich wird. Und wer clever um die Ecke denken kann, wird an den Rätseln doppelt Spaß haben.

Die Illustrationen von Thomas Hussung setzen dem Ganzen die Krone auf. Sie sind detailverliebt, stimmungsvoll und immer mit einem kleinen Augenzwinkern. Manchmal verrät ein Bild mehr als der Text, sofern man genau hinsieht.

Ein kleiner Hinweis für eingefleischte Fans: Die Grundstruktur bleibt der Reihe treu, man erkennt also gewisse Mechanismen wieder. Für Neulinge der Reihe bedeutet das frischen Nervenkitzel, für Stammleser ein wohliges „Ach, da bist du ja wieder!“.

Dieses Buch würde ich jetzt aber nicht als entspannende Lektüre kurz vor dem Einschlafen nutzen. Es fordert dich heraus, veräppelt dich und macht dabei jede Menge Spaß. Wer sich darauf einlässt, wird am Ende nicht mehr so genau wissen, ob er das Buch gelesen hat – oder das Buch ihn. Einfach zu spannend, um es aus der Hand zu legen.

Vielen lieben Dank an vorablesen.de und den Ueberreuter Verlag für das spoooky Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Ein Bilderbuch, das Streit in der Kita klug anpackt

Ruppi Rüpelfisch
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Ruppi Rüpelfisch verkörpert den Typ Kind, den man wohl in jeder Kita kennt: quirlig, energiegeladen und nicht böse gemeint, aber eben auch mit einem Talent dafür, andere zu nerven. Ruppi stänkert, kneift ...

Ruppi Rüpelfisch verkörpert den Typ Kind, den man wohl in jeder Kita kennt: quirlig, energiegeladen und nicht böse gemeint, aber eben auch mit einem Talent dafür, andere zu nerven. Ruppi stänkert, kneift und pikst und irgendwann reicht es den anderen Meereskindern. Sie zeigen ihm die kalte Flosse. Pädagogisch gesehen ist das ein wertvoller Ansatz, weil er ohne erhobenen Zeigefinger auskommt und Kindern ermöglicht, die Folgen eines solchen Verhaltens nachzuvollziehen.

Besonders spannend finde ich, dass der Autor nicht die übliche „Jetzt bist du selbst das Opfer und lernst daraus“-Schiene fährt. Stattdessen bringt eine bedrohliche Situation – in diesem Fall ein hungriger Hai – Ruppi dazu, über sich hinauszuwachsen. Er handelt mutig, hilft anderen und merkt: Freundlich sein fühlt sich besser an als provozieren. Diese Wendung macht die Geschichte lebendig und vermeidet Klischees.

Für die Arbeit in der Kita ist das Buch gleich aus mehreren Gründen interessant. Zum einen ist der Text durchgängig gereimt und hat einen flüssigen Rhythmus. Das macht das Vorlesen angenehm und die Kinder merken sich den Inhalt leichter. Sprachförderung gibt’s da gleich mit dazu. Zum anderen ist die Unterwasserwelt farbenfroh und detailreich gestaltet. Das ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch ein Gesprächsanlass. Kinder entdecken ständig Neues, was sich wunderbar für Bildgespräche eignet. Über einen QR-Code bekommt man acht Lieder zum Mitsingen. Das ist als Einstieg in den Morgenkreis, als Bewegungslied oder einfach, um eine kleine Streitgeschichte musikalisch aufzulockern super.

Wer erwartet, dass das Buch komplexe Streitlösungsstrategien vermittelt, wird merken, dass es auf einer einfachen Ebene bleibt. Aber für Kinder ab etwa vier Jahren ist das genau richtig. Die Geschichte zeigt Gefühle, Konsequenzen und die Möglichkeit, das eigene Verhalten zu ändern, ohne sie mit zu viel Theorie zu überfrachten.

Der Autor arbeitet selbst im Kindergarten und ist Rockmusiker. Diese Mischung merkt man. Die Texte sind kindgerecht und die Musik ist kein beiläufiges Extra, sondern durchdacht ins Konzept eingebunden.

Insgesamt ist Ruppi ein Bilderbuch, das nicht nur erzählt, dass Freundlichkeit wichtig ist, sondern es durch Rhythmus, Bilder und Musik erlebbar macht. In der Kita kann es helfen, über Streit zu sprechen, ohne die Kinder moralisch zu ermüden. Und zu Hause funktioniert es genauso.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Wie ein ganz normaler Tag mit Kindern

Känguru Knickohr – Huhu, Känguru! Was hörst denn du?
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Wer mit Kindern zusammenlebt, weiß: Gesagt ist nicht gleich gehört und verstanden schon gar nicht. Genau diesen Alltagsmomenten widmet sich „Känguru Knickohr“, ein Bilderbuch voller Reimspaß, Wortverdrehungen ...

Wer mit Kindern zusammenlebt, weiß: Gesagt ist nicht gleich gehört und verstanden schon gar nicht. Genau diesen Alltagsmomenten widmet sich „Känguru Knickohr“, ein Bilderbuch voller Reimspaß, Wortverdrehungen und herrlich kindlicher Logik.

Das kleine Känguru Knickohr ist ein Meister darin, nur das zu hören, was ihm gerade in den Tagesplan passt. Wenn Mama sagt: „Aufräumen!“, versteht Knickohr „noch mehr bauen!“ Und bei „Zähne putzen“ kommt vielleicht „Schokolade futtern“ an – zumindest fast. Die Reime, mit denen Knickohr auf elterliche Ansagen reagiert, sind verspielt, kreativ und mit viel Witz getextet. Ob man darüber lacht oder innerlich seufzt, hängt davon ab, ob man gerade liest – oder selbst versucht, ein Kind zum Anziehen zu bewegen.

Parallel zur Reimgeschichte darf eine kleine Spinne beobachtet werden, die regelmäßig fragt, was Knickohr wohl diesmal gehört hat. Ein Suchspiel für Kinder, ein wiederkehrendes Element für den Rhythmus der Geschichte – und ein charmanter Kniff, um Kinder zum Mitdenken einzuladen. Die Spinne kommentiert nicht, sie urteilt nicht – sie stellt nur Fragen. Wie ein gutes Bilderbuch eben.

Textlich spielt Britta Sabbag gekonnt mit Sprachrhythmus, Lautmalerei und Alltagsnähe. Die Reime haben Schwung und laden zum Mitsprechen ein – wobei nicht immer alles streng im Versmaß bleibt. Einige Passagen sind dialogisch erzählt, was das Ganze auflockert. Igor Langes Illustrationen tun ihr Übriges: Warm, witzig und voller kleiner Details fangen sie Knickohrs Welt liebevoll ein. Besonders schön: Die Mimik der Figuren ist ausdrucksstark, ohne überdreht zu wirken – und das Känguru bleibt trotz seiner Eigenwilligkeit durchweg sympathisch.

Und die Botschaft? Sie schwingt mit, ohne sich aufzudrängen: Kinder hören oft nicht falsch – sie hören selektiv. Was aus Erwachsenensicht nach Trotz klingt, ist manchmal einfach ein anderes Verständnis von Prioritäten (Kuscheln schlägt Aufstehen, Bauen schlägt Aufräumen). Wer hier pädagogische Tiefe sucht, findet sie – aber in lockerer Verpackung. Der erhobene Zeigefinger bleibt in der Kängurutasche.

„Känguru Knickohr“ ist ein Bilderbuch für alle, die sich in den kleinen Alltagsduellen zwischen Kind und Erwachsenem mit einem Augenzwinkern wiedererkennen. Es ist lustig, ohne albern zu sein, klug, ohne sich wichtig zu machen.

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Veröffentlicht am 07.05.2025

Ordnung muss sein, dann ist das Chaos perfekt

Trautes Heim, Glück allein
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Kai Pannen entführt uns in “Trautes Heim, Glück allein” erneut in die turbulente Welt von Bisy und Karl-Heinz. Doch diesmal ist in ihrer geliebten Buchenhecke nichts mehr, wie es war. Statt wilder Blumen ...

Kai Pannen entführt uns in “Trautes Heim, Glück allein” erneut in die turbulente Welt von Bisy und Karl-Heinz. Doch diesmal ist in ihrer geliebten Buchenhecke nichts mehr, wie es war. Statt wilder Blumen und gemütlicher Unordnung erwartet sie eine sterile Steinwüste und ein neues, ziemlich nerviges Bienenvolk. Besonders Dennis, ein verwöhnter Drohnenprinz, sorgt für Wirbel. Die Bienen haben strenge Regeln eingeführt: Ausgehzeiten für Insekten, ein Verbot für Karl-Heinz, die Brombeerhecke zu verlassen, und ständige Drohungen mit ihren Stacheln. Ihr Motto: Ordnung muss sein.

Doch als Karl-Heinz eines Tages nicht vom Läusemarkt zurückkommt, wird es ernst. Bisy verkleidet sich als Biene und schmuggelt sich in den Bienenstock, wo er erfährt, dass Dennis in Wirklichkeit ein unnützer Drohn ist, der nichts als Chaos angerichtet hat, und der obendrein gar keinen Stachel besitzt! Mit seinem neuen Wissen fasst Bisy einen Plan: Die Bienen müssen aus der Hecke vertrieben werden. Gemeinsam mit Dennis versammelt er die anderen Insekten und bringt sie dazu, bei der Rettungsaktion mitzumachen. Ihr Meisterwerk ist ein gigantischer Bienen-Zeppelin, mit dem sie die Eindringlinge vertreiben wollen. Doch die Bienen lassen sich nicht so leicht unterkriegen.

Am Ende geht es jedoch nicht nur ums Vertreiben, sondern ums Verändern. Die Insekten beschließen, die Hecke wieder zum Blühen zu bringen. Gemeinsam rollen sie die Kieselsteine aus dem Beet, sodass im Frühling neue Blumen wachsen können. Mit Hilfe der Nashornkäferdame Martha fliegen Karl-Heinz und die Ameisen über die Wiese und verteilen Blumensamen, um neues Leben zu schaffen.

Kai Pannen kombiniert wie gewohnt witzige Dialoge mit skurrilen Situationen und charmanten Charakteren. Die Illustrationen sind dynamisch, detailreich und voller witziger Anspielungen. Die Geschichte greift wichtige Themen auf, wie das Zusammenleben verschiedener Wesen, die Bedeutung von Vielfalt und die Folgen menschlicher Eingriffe in die Natur. Besonders schön ist, dass die Lösung nicht in der bloßen Vertreibung der Bienen liegt, sondern im gemeinsamen Handeln für eine bessere Umwelt. “Trautes Heim, Glück allein” ist ein chaotisch-lustiges Abenteuer mit einer Botschaft, die zum Nachdenken anregt und dabei einfach riesigen Spaß macht!

Vielen lieben Dank an den Tulipan Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Kleiner Kater ganz groß

Mut und Marmelade
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Mut ist eine seltsame Sache. Manchmal versteckt er sich genau dort, wo wir ihn am wenigsten vermuten: nämlich tief in uns selbst. Dieses Bilderbuch ab 4 Jahren erzählt von einem kleinen Hexenkater namens ...

Mut ist eine seltsame Sache. Manchmal versteckt er sich genau dort, wo wir ihn am wenigsten vermuten: nämlich tief in uns selbst. Dieses Bilderbuch ab 4 Jahren erzählt von einem kleinen Hexenkater namens Püssen, der sich fürchterlich vor der Dunkelheit fürchtet, sich vor Spinnen gruselt und dem schon beim Gedanken an große Höhen schwindelig wird. Dabei wäre er doch so gerne mutig!

Püssen ist sich sicher, dass Hexe Tilda ihm helfen kann. Die elf toten Fliegen und der Sack voll Hagebutten, die Püssen besorgen muss, sind zwar nicht unbedingt die leckersten Zutaten für seinen Zaubertrank, aber was tut man nicht alles, um endlich mutig zu werden. Als der kleine Kater im Wald vor einem riesigen Spinnennetz mit Fliegen steht und plötzlich bemerkt, wie tief die Sonne bereits am Horizont steht, wird ihm klar, dass hier genau die Dinge lauern, vor denen er sich fürchtet. Aber er will seinen Mutigtrunk um jeden Preis. Und so springt er schließlich in die Tiefe und sammelt mutig weiter Hagebutten, bis die Nacht hereinbricht. Er rennt um sein Leben, als ihn zwei leuchtende Augen verfolgen – nur um dann festzustellen, dass es zwei harmlose Glühwürmchen sind. Am Ende stellt sich heraus: Hexe Tilde brauchte die Zutaten gar nicht für Püssens Mutigtrunk. Und mittlerweile braucht auch Püssen den Mutigtrunk nicht mehr. Denn wahrer Mut zeigt sich nicht durch Zauberei, sondern in den Entscheidungen, die wir treffen, auch wenn wir Angst haben.

Was an diesem Bilderbuch besonders begeistert, ist die Art, wie es mit dem Thema Mut umgeht. Es geht nicht um Draufgängertum oder darum, Angst einfach zu überwinden. Vielmehr zeigt die Geschichte, dass Mut oft in kleinen Schritten entsteht. Dass er sich nicht laut ankündigt, sondern sich erst im Rückblick zeigt. Gerade für Kinder, die selbst manchmal vor Herausforderungen stehen, ist diese Botschaft wertvoll. Mut ist kein angeborenes Talent, sondern ein Prozess.

Die Illustrationen unterstreichen diese Geschichte auf interessante Weise. Mit einfachen geometrischen Formen und kindlichen Kritzeleien wirken sie fast so, als hätte ein Kind sie selbst gezeichnet. Die starken Kontraste zwischen warmen Gelb- und Erdtönen und tiefem Schwarz fangen die Atmosphäre des Waldes und Püssens innere Spannung wunderbar ein. Mein fünfjähriges Kind hat die Bilder mit großer Begeisterung betrachtet und immer wieder neue Details entdeckt.

Wenn überhaupt, hätte das Ende noch etwas mehr Raum bekommen können. Der Moment, in dem Püssen realisiert, dass er den Trunk gar nicht braucht, ist zwar stark, allerdings hätte ich mir gewünscht, noch etwas mehr vom mutig werdenden Hexenkater erleben zu dürfen.

Mut und Marmelade ist eine warmherzige, kluge Geschichte über Selbstvertrauen, über den Mut, der oft leise beginnt, und über die kleinen großen Abenteuer, die uns wachsen lassen. Eine klare Empfehlung für Kinder ab vier Jahren und für alle, die sich manchmal noch einen Mutigtrunk wünschen. Ein sehr gelungenes Buch.

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