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Veröffentlicht am 29.09.2025

Wie man ein perfektes Ende zerstört

Girls of Dark Divine − Eine Tänzerin. Ein Fluch. Eine verzweifelte Liebe.
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Achtung!
Wem noch nicht bewusst ist, dass KYSS sich auf die Fahne geschrieben hat, ausschließlich Happy Ends zu verlegen, sollte an dieser Stelle lieber zum englischen Original greifen. Mehr dazu am Ende ...

Achtung!
Wem noch nicht bewusst ist, dass KYSS sich auf die Fahne geschrieben hat, ausschließlich Happy Ends zu verlegen, sollte an dieser Stelle lieber zum englischen Original greifen. Mehr dazu am Ende dieser Rezension.

Als ich das erste Mal von "Girls of Dark Divine" hörte, war ich sofort angetan von dem Buch. Zunächst ließ mich das innehalten und hinterfragen, da die lebenden Marionetten als Balletttänzerinnen doch eigentlich ein recht häufig genutztes Motiv sind und somit nichts Besonderes darstellen sollten, oder?
Erst nach einigem Nachdenken kam ich zu dem Schluss, dass dieses Thema (insbesondere in Serien) zwar des Öfteren aufgegriffen wird, jedoch nie wirklich der Hauptplot der Geschichte ausmachte.
Umso mehr freute ich mich, nun ein Buch in der Hand zu halten, in dem das endlich der Fall ist.

Und ich muss sagen: Die Debütautorin E. V. Woods. hat mit diesem Werk wirklich geliefert. Sie erschafft eine eigene Welt, auch wenn dies in meinen Augen gar nicht nötig gewesen wäre; die Geschichte hätte auch problemlos als Historical Fantasy funktioniert.
Die Hauptcharakterin Emberlyn fühlt sich durch und durch echt an. Man kann sich mit ihr identifizieren, versteht jeden ihrer Schritte und ihre Gefühlswelt wurde nicht auf das altruistisch Gute getrimmt, sondern bringt realistische Schatten und Wut mit sich.
Es war erfrischend, dass ihr Loveinterest mal mit ihr auf einer Seite der Unterdrückten steht und nicht ihr geschworener Gegner ist. Ebenso erfrischend war es, dass keiner von ihnen übermächtig stark war, sondern beide nur Opfer einer höheren Instanz. Mehr davon!
Die Sprache ist wunderbar gewählt. Sie passt in die gewählte Zeit, in das gewählte Setting und trägt dazu bei, dass man sich in der Geschichte verlieren kann. Hier und da gab es zwar ein paar Wort- beziehungsweise Formulierungswiederholungen, aber mal abgesehen davon, dass das jedem passieren kann, ist das in einem Erstlingswerk erst recht vollkommen in Ordnung. Auch die deutsche Übersetzung kann sich sehen lassen, die den Ton gekonnt beibehalten hat.

MINOR-SPOILER
Was die deutsche Übersetzung jedoch nicht gekonnt hat, war ein perfektes Ende als solches stehen zu lassen. Dieses war nämlich ursprünglich klassisch bittersweet - und passte haargenau in die Welt, den Plot, die Charaktere.
Zwar kann ich verstehen, dass man den Lesenden ein fröhliches Ende anbieten möchte; dieses jedoch als das eigentliche Ende zu präsentieren und das Originalende als "Alternatives Ende" abzuwerten, hatte hingegen einen unangenehmen Beigeschmack. Insbesondere, da das Happy End sich nicht sonderlich echt anfühlt. Bereits bevor ich wusste, dass die Geschichte eigentlich bittersüß endet, ließ mich das Gefühl nicht los, dass der Epilog mehr aus Plastik als aus Fleisch und Blut besteht. Bitte, bitte, bitte lasst Geschichten in Zukunft so wie sie sind und bietet das weichgespülte Ende nur als Alternative an und erhebt es nicht zu etwas, was es gar nicht ist.
Ich habe Eingangs erwähnt, dass KYSS (laut eigener Anmerkung) immer nur Happy Ends verlegt. Das war mir bisher nicht bewusst und zerstört nun leider auch die Spannung zukünftiger Bücher. Wenn man von Anfang an immer weiß, dass es sowieso gut ausgeht, warum sollte man sich überhaupt auf die Reise begeben und mitfiebern? Sehr traurig :(

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Sarkasmus, Schuld und ein Gott im Rausch

Das Lied des Dionysos
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„Das Lied des Dionysos“ ist sehr Natasha Pulley. Heißt: ich wusste seitenweise absolut nicht, was eigentlich los ist – und trotzdem war ich fasziniert. Pulley hat einfach diese ganz eigene, leicht schräge ...

„Das Lied des Dionysos“ ist sehr Natasha Pulley. Heißt: ich wusste seitenweise absolut nicht, was eigentlich los ist – und trotzdem war ich fasziniert. Pulley hat einfach diese ganz eigene, leicht schräge Stimme, die einen gleichzeitig verwirrt und komplett einnimmt. Und obwohl das Setting diesmal ins antike Theben verlegt wurde, fühlt es sich genauso „pulley-esk“ an wie Russland in den 60ern oder der Mars in 2500. Wer also denkt, das sei eine neue Madeline Miller – nope. Es ist 100 % Pulley, und das ist genau der Punkt.

Die Geschichte folgt Phaidros, einem thebanischen Ritter, der zwischen Pflicht, Krieg, Schuld und – ja – einem ziemlich eigenwilligen Gott namens Dionysos zerrieben wird. Dabei geht es um Ehre, Identität, Trauma, Liebe und den schmalen Grat zwischen Klarheit und Wahnsinn. Oft wirkte es, als würde die Handlung ziellos mäandern, aber plötzlich klickt alles – und man merkt, dass Pulley ihre Fäden schon längst gesponnen hatte.

Ihr Stil ist wie immer voller kleiner Seitenhiebe, schräger Vergleiche und dieser leisen Traurigkeit, die einem irgendwann die Kehle zuschnürt. Gleichzeitig sind da diese Momente von Humor und Wärme, die alles wieder ins Gleichgewicht bringen. Phaidros ist als Erzähler sarkastisch, verletzlich und einfach großartig zu lesen – ich mochte ihn sofort.

Ja, das Buch ist stellenweise zu lang und definitiv kein leichter Snack. Aber wenn man sich darauf einlässt, bekommt man ein dichtes, eigenwilliges und zugleich wunderschönes Werk, das mehr mit griechischer Tragödie und magischem Realismus zu tun hat als mit klassischem Mythos-Retelling.

Verwirrend, wuchtig, wunderschön. Und ich wette, wenn ich es in sechs Monaten nochmal lese, gebe ich ihm fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Odé an die Kunst

Yumi and the Nightmare Painter
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Vor diesem Buch hatte ich nur zwei andere Sanderson gelesen ("Legion" und "Mistborn"), die mir allerdings ein bisschen zu trocken waren. Trotzdem konnte ich darin sehr viel Potential erkennen und als ich ...

Vor diesem Buch hatte ich nur zwei andere Sanderson gelesen ("Legion" und "Mistborn"), die mir allerdings ein bisschen zu trocken waren. Trotzdem konnte ich darin sehr viel Potential erkennen und als ich dann das erste Mal einen Blick auf das Cover von "Yumi and the Nightmare Painter" warf, war mir klar, dass ich dem Herren wohl nochmal eine Chance geben muss. Danke an NetGalley für diese Gelegenheit!

Und hui, was bin ich froh. "Yumi and the Nightmare Painter" liest sich wie eine Liebeserklärung an Kunst, Geschichten und die Verbindungen, die wir dadurch schaffen. Die Ästhetik ist auf, wie im Buch atemberaubend! Zwei komplett verschiedene Welten (eine spirituell, eine düster-neonfarben) treffen aufeinander und ziehen die Lesenden gleich mit.
Ich mochte besonders, wie es um Kunst als Ausdruck von Menschlichkeit geht – was sie bedeutet, warum wir sie brauchen, und warum KI das eben nicht ersetzen kann. Auch das Magiesystem (Farben! Rituale! Albtraum-Malerei!) ist gewohnt Branderson-kreativ, ohne dabei bis zum Erbrechen erklärt zu werden wie bei "Mistborn", damit wirklich der Letzte es versteht (vermutlich liegt das auch schlichtweg daran, dass hier nur ein Standalone vorliegt und keine 7-bändige Reihe).

Die Romance ist sehr slow burn und eher auf emotionaler Verbundenheit als auf Chemie gebaut.. Kein großes Drama, keine typischen Tropes, sondern zwei einsame Menschen, die lernen, sich selbst und einander zu verstehen.
Insgesamt bisher mein liebster Sanderson!

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Spannung okay, Rest wunderbar

Not Quite Dead Yet
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Ich muss gestehen, dass ich bisher nur ein Buch von Holly Jackson gelesen habe ("The Reappearance of Rachel Price") und ich dieses zwar mochte, allerdings etwas enttäuscht war, da ich dank Rezensionen ...

Ich muss gestehen, dass ich bisher nur ein Buch von Holly Jackson gelesen habe ("The Reappearance of Rachel Price") und ich dieses zwar mochte, allerdings etwas enttäuscht war, da ich dank Rezensionen zu Jackson auf mindblowing Plottwists eingestellt war, die es in dem Buch ja nicht gegeben hatte.
"Not Quite Dead Yet" stand hingegen unter einem nicht so schlechten Stern, da ich hier schlichtweg das Konzept super interessant fand und das Einzige, was ich erwartet hatte, zumindest einige Emotionen zum anstehenden Tod waren.
Und die habe ich bekommen! Das Ende hat weh getan. Und zwar so richtig. Ich wusste, dass es kommen würde, und trotzdem hat es mich kalt erwischt. Entsprechend: Erwartungen definitiv erfüllt!
Auch der Einstieg in das Buch war sehr stark; die Mitte hingegen lässt noch zu wünschen übrig. Jacksons Schreibstil ist super fesselnd, witzig und flüssig. Langweilig wird es entsprechend nicht. So richtig Spannung kam allerdings auch nicht auf. Während ich die ersten Kapitel kaum weglegen konnte, fehlte mir zwischendrin manchmal die Motivation weiterzulesen. Es fühlte sich etwas gestreckt an, stellenweise drehte sich die Handlung im Kreis.
Was das Buch für mich trotzdem getragen hat, war die Protagonistin selbst: Sarkastisch, bissig, ziemlich anstrengend – und genau deshalb so echt. Ihr Humor rettet viele Szenen, ihre Entschlossenheit macht sie unvergesslich. Besonders ihr Zusammenspiel mit Billy war für mich ein absolutes Highlight: Loyal, warmherzig, und einfach das emotionale Gegengewicht zu ihrer Härte. Ihre Beziehung hat das Ende noch schlimmer gemacht (im besten Sinne).

Fazit: Wirklich gethrilled werde ich wohl durch Jacksons Bücher nicht mehr werden, aber lesenswert sind sie dennoch!

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Schwächster Band, aber gelungenes Finale

Empire of Sins and Souls 3 - Das zerrissene Herz
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Ich hab zusätzlich zum eARC von NetGalley auch das Hörbuch von "Empire of Sins and Souls 3 - Das zerrissene Herz" (Beril Kehribar) gekauft – einfach, weil ich nicht aufhören konnte. Eine Entscheidung, ...

Ich hab zusätzlich zum eARC von NetGalley auch das Hörbuch von "Empire of Sins and Souls 3 - Das zerrissene Herz" (Beril Kehribar) gekauft – einfach, weil ich nicht aufhören konnte. Eine Entscheidung, die ich sicherlich nie bereuen werde: Das Alter der Protagonistin und der Sprecherin Rebecca Veil passen wunderbar zusammen, abgesehen davon, dass Rebecca auch so gefühlvoll liest, dass es mir eine Gänsehaut bereitet hat. Außerdem hat jeder Charakter mit eigener Perspektive auch einen eigenen Sprecher bekommen. Große Liebe für diese Handhabe!

Nun aber zum Inhalt: Ich habe die ersten beiden Bände von Empire of Sins and Souls sehr geliebt, und Band 3 war definitiv immer noch gut. Allerdings hat er mich nicht ganz so mitgerissen wie die Vorgänger. Während diese in ihrer Handlung relativ straight forward waren, war der dritte Teil stellenweise ein ziemliches Hin und Her – was vielleicht sogar so gewollt war, aber halt einfach nicht mein persönlicher Fall. Auch die Auflösung des Love Triangles hat mich nicht ganz überzeugt; die wirkte etwas zu simpel auf mich, nachdem Emotionen und Beziehungen bisher so differenziert ausgearbeitet worden war. Natürlich war sie trotzdem noch okay, aber eben auch nicht mehr.

Dafür hat das Ende dann nochmal alles rausgeholt. Es war emotional, rund und hat super zur Gesamtstimmung der Reihe gepasst. Auch das Schmankerl, dass man erst in den letzten Zügen erfahren hat, was es überhaupt mit dem Titel des Buches auf sich hat, hat mir sehr gefallen. Aber das konnte Beril über die gesamte Reihe hinweg sehr gut: Immer wieder kleine Hints streuen und diese dann später aufgreifen bzw. erklären. Ich liebe sowas und freue mich daher auf den Reread in ein paar Jahren, wenn ich weiß, worauf ich achten muss.

Alles in allem bin ich froh, drangeblieben zu sein, selbst wenn das Finale der für mich schwächste Band war. So lange er trotzdem Spaß macht oder berührt, ist das ja alles, was zählt.

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