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Veröffentlicht am 05.11.2025

Aua, aua, aua

Remnants of Filth. Buch 1
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Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was mich erwartet – und dann hat mich dieses Buch einfach komplett überfahren. Emotional. Psychisch. Literarisch. Ich bin reingegangen, ohne vorher irgendwas von Rou Bao ...

Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was mich erwartet – und dann hat mich dieses Buch einfach komplett überfahren. Emotional. Psychisch. Literarisch. Ich bin reingegangen, ohne vorher irgendwas von Rou Bao Bu Chi Rou gelesen zu haben, und kam raus wie ein nasses Taschentuch. Dieses Buch ist pure Tragödie in Romanform, aber auf die richtig gute, süchtig machende Weise. Wenn Leiden olympisch wäre, Mo Xi hätte Gold, Silber und Bronze abgeräumt. Und ich hätte ihm dabei stehend applaudiert.

Die Autorin hat ein Talent dafür, Figuren zu erschaffen, die einen gleichzeitig in den Arm nehmen und das Herz rausreißen. Mo Xi ist so stoisch, so kontrolliert, dass es doppelt wehtut, wenn die Fassade bröckelt. Gu Mang dagegen ist das pure Gegenteil: charmant, witzig, lebensfroh – und trotzdem so gebrochen, dass man gar nicht weiß, ob man ihn schütteln oder beschützen will. Zwischen den beiden knistert es nicht einfach, es brennt, leise und langsam, bis man merkt, dass man selbst schon in Flammen steht.

Ich hab die Hälfte des Buches mit einem Dauerklumpen im Hals gelesen, und trotzdem konnte ich nicht aufhören. Die Intrigen, das Setting, die moralischen Grauzonen – alles fühlt sich so dicht und groß an, dass man fast vergisst, dass das nur der erste Band ist. Und obwohl ich regelmäßig dachte „Ich kann nicht mehr“, hab ich mich gleichzeitig dabei erwischt, wie ich jeden Satz inhaliert habe.

Kurz gesagt: Remnants of Filth ist eine emotionale Zerreißprobe mit maximalem Suchtfaktor. Ich hab gelitten, ja – aber auf die beste Weise.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Came for the Vampires, stayed for the Queer

In the Shadows we wait
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"In the Shadows We Wait" von Alessia Gold hat mich gleich doppelt begleitet – als (ein von NetGalley gestelltes) eBook und (ein selbstgekauftes) Hörbuch. Leider haben sich diese beiden Formate nicht ganz ...

"In the Shadows We Wait" von Alessia Gold hat mich gleich doppelt begleitet – als (ein von NetGalley gestelltes) eBook und (ein selbstgekauftes) Hörbuch. Leider haben sich diese beiden Formate nicht ganz so harmonisch ergänzt, wie ich es mir gewünscht hätte; die Sprecher:innen sind nämlich nicht ideal aufeinander abgestimmt. Während die männlichen Stimmen insgesamt etwas ruhiger und gemessener lesen, ist die weibliche Sprecherin deutlich flotter unterwegs. Das ist an sich kein Drama, führt aber dazu, dass man immer mal wieder an der Wiedergabegeschwindigkeit herumregeln möchte, um ein gleichmäßiges Tempo zu haben. Außerdem fehlt die Ansage beim Kapitelwechsel, sowie auch die Unterteilung innerhalb der Tracks. Nicht gerade userfriendly.

Inhaltlich hat mich das Buch aber positiv überrascht und, ehrlich gesagt, auch ein bisschen nostalgisch gemacht. Ich bin mir sehr sicher, dass "In the Shadows We Wait" stark von "The Vampire Diaries" inspiriert wurde. Und wisst ihr was? Ich bin absolut here for it. Das Buch hat mich so sehr an die frühen 2010er erinnert, dass ich direkt angefangen habe, die Serie zu rewatchen :D

Was ich besonders mochte: Es gibt queere Repräsentation und alternative Beziehungsmodelle inklusive Polyamorie. Das sieht man im Genre immer noch viel zu selten, also: bitte mehr davon! Auch das Nebenpaar (zwei Männer, einfach zum Liebhaben) ist ein Highlight – ein schöner Wink für alle, die wie ich durch "Puck Mates" zu Alessia Gold gefunden haben.

Ein kleiner Dämpfer war allerdings, dass wir Lesenden einen der großen Plottwists schon sehr früh (ca. bei 20%) erfahren. Die Figuren selbst kommen aber wohl erst im zweiten Band darauf – was dazu führt, dass man eine ganze Weile zuschauen muss, wie sie um etwas herumspekulieren, das man längst weiß, was insgesamt echt anstrengend ist.

Was die spicy Szenen angeht: Die waren bisher etwas random. Man merkt, dass sie eher gesetzt wurden, weil das Genre sie verlangt, weniger, weil sie sich organisch aus der Handlung ergeben. Aber da sich die Dynamiken der Figuren im nächsten Band vermutlich vertiefen, hoffe ich da noch auf mehr Emotion und weniger Pflichtprogramm.

Unterm Strich: "In the Shadows We Wait" ist ein unterhaltsamer Auftakt mit starken "Vampire Diaries"-Vibes, queerem Herz und viel Potenzial nach oben. Technisch hakt’s noch, erzählerisch ebenfalls hier und da – aber ich hatte Spaß. Und manchmal ist das genau das, was zählt.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Wie man ein perfektes Ende zerstört

Girls of Dark Divine − Eine Tänzerin. Ein Fluch. Eine verzweifelte Liebe.
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Achtung!
Wem noch nicht bewusst ist, dass KYSS sich auf die Fahne geschrieben hat, ausschließlich Happy Ends zu verlegen, sollte an dieser Stelle lieber zum englischen Original greifen. Mehr dazu am Ende ...

Achtung!
Wem noch nicht bewusst ist, dass KYSS sich auf die Fahne geschrieben hat, ausschließlich Happy Ends zu verlegen, sollte an dieser Stelle lieber zum englischen Original greifen. Mehr dazu am Ende dieser Rezension.

Als ich das erste Mal von "Girls of Dark Divine" hörte, war ich sofort angetan von dem Buch. Zunächst ließ mich das innehalten und hinterfragen, da die lebenden Marionetten als Balletttänzerinnen doch eigentlich ein recht häufig genutztes Motiv sind und somit nichts Besonderes darstellen sollten, oder?
Erst nach einigem Nachdenken kam ich zu dem Schluss, dass dieses Thema (insbesondere in Serien) zwar des Öfteren aufgegriffen wird, jedoch nie wirklich der Hauptplot der Geschichte ausmachte.
Umso mehr freute ich mich, nun ein Buch in der Hand zu halten, in dem das endlich der Fall ist.

Und ich muss sagen: Die Debütautorin E. V. Woods. hat mit diesem Werk wirklich geliefert. Sie erschafft eine eigene Welt, auch wenn dies in meinen Augen gar nicht nötig gewesen wäre; die Geschichte hätte auch problemlos als Historical Fantasy funktioniert.
Die Hauptcharakterin Emberlyn fühlt sich durch und durch echt an. Man kann sich mit ihr identifizieren, versteht jeden ihrer Schritte und ihre Gefühlswelt wurde nicht auf das altruistisch Gute getrimmt, sondern bringt realistische Schatten und Wut mit sich.
Es war erfrischend, dass ihr Loveinterest mal mit ihr auf einer Seite der Unterdrückten steht und nicht ihr geschworener Gegner ist. Ebenso erfrischend war es, dass keiner von ihnen übermächtig stark war, sondern beide nur Opfer einer höheren Instanz. Mehr davon!
Die Sprache ist wunderbar gewählt. Sie passt in die gewählte Zeit, in das gewählte Setting und trägt dazu bei, dass man sich in der Geschichte verlieren kann. Hier und da gab es zwar ein paar Wort- beziehungsweise Formulierungswiederholungen, aber mal abgesehen davon, dass das jedem passieren kann, ist das in einem Erstlingswerk erst recht vollkommen in Ordnung. Auch die deutsche Übersetzung kann sich sehen lassen, die den Ton gekonnt beibehalten hat.

MINOR-SPOILER
Was die deutsche Übersetzung jedoch nicht gekonnt hat, war ein perfektes Ende als solches stehen zu lassen. Dieses war nämlich ursprünglich klassisch bittersweet - und passte haargenau in die Welt, den Plot, die Charaktere.
Zwar kann ich verstehen, dass man den Lesenden ein fröhliches Ende anbieten möchte; dieses jedoch als das eigentliche Ende zu präsentieren und das Originalende als "Alternatives Ende" abzuwerten, hatte hingegen einen unangenehmen Beigeschmack. Insbesondere, da das Happy End sich nicht sonderlich echt anfühlt. Bereits bevor ich wusste, dass die Geschichte eigentlich bittersüß endet, ließ mich das Gefühl nicht los, dass der Epilog mehr aus Plastik als aus Fleisch und Blut besteht. Bitte, bitte, bitte lasst Geschichten in Zukunft so wie sie sind und bietet das weichgespülte Ende nur als Alternative an und erhebt es nicht zu etwas, was es gar nicht ist.
Ich habe Eingangs erwähnt, dass KYSS (laut eigener Anmerkung) immer nur Happy Ends verlegt. Das war mir bisher nicht bewusst und zerstört nun leider auch die Spannung zukünftiger Bücher. Wenn man von Anfang an immer weiß, dass es sowieso gut ausgeht, warum sollte man sich überhaupt auf die Reise begeben und mitfiebern? Sehr traurig :(

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Sarkasmus, Schuld und ein Gott im Rausch

Das Lied des Dionysos
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„Das Lied des Dionysos“ ist sehr Natasha Pulley. Heißt: ich wusste seitenweise absolut nicht, was eigentlich los ist – und trotzdem war ich fasziniert. Pulley hat einfach diese ganz eigene, leicht schräge ...

„Das Lied des Dionysos“ ist sehr Natasha Pulley. Heißt: ich wusste seitenweise absolut nicht, was eigentlich los ist – und trotzdem war ich fasziniert. Pulley hat einfach diese ganz eigene, leicht schräge Stimme, die einen gleichzeitig verwirrt und komplett einnimmt. Und obwohl das Setting diesmal ins antike Theben verlegt wurde, fühlt es sich genauso „pulley-esk“ an wie Russland in den 60ern oder der Mars in 2500. Wer also denkt, das sei eine neue Madeline Miller – nope. Es ist 100 % Pulley, und das ist genau der Punkt.

Die Geschichte folgt Phaidros, einem thebanischen Ritter, der zwischen Pflicht, Krieg, Schuld und – ja – einem ziemlich eigenwilligen Gott namens Dionysos zerrieben wird. Dabei geht es um Ehre, Identität, Trauma, Liebe und den schmalen Grat zwischen Klarheit und Wahnsinn. Oft wirkte es, als würde die Handlung ziellos mäandern, aber plötzlich klickt alles – und man merkt, dass Pulley ihre Fäden schon längst gesponnen hatte.

Ihr Stil ist wie immer voller kleiner Seitenhiebe, schräger Vergleiche und dieser leisen Traurigkeit, die einem irgendwann die Kehle zuschnürt. Gleichzeitig sind da diese Momente von Humor und Wärme, die alles wieder ins Gleichgewicht bringen. Phaidros ist als Erzähler sarkastisch, verletzlich und einfach großartig zu lesen – ich mochte ihn sofort.

Ja, das Buch ist stellenweise zu lang und definitiv kein leichter Snack. Aber wenn man sich darauf einlässt, bekommt man ein dichtes, eigenwilliges und zugleich wunderschönes Werk, das mehr mit griechischer Tragödie und magischem Realismus zu tun hat als mit klassischem Mythos-Retelling.

Verwirrend, wuchtig, wunderschön. Und ich wette, wenn ich es in sechs Monaten nochmal lese, gebe ich ihm fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Odé an die Kunst

Yumi and the Nightmare Painter
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Vor diesem Buch hatte ich nur zwei andere Sanderson gelesen ("Legion" und "Mistborn"), die mir allerdings ein bisschen zu trocken waren. Trotzdem konnte ich darin sehr viel Potential erkennen und als ich ...

Vor diesem Buch hatte ich nur zwei andere Sanderson gelesen ("Legion" und "Mistborn"), die mir allerdings ein bisschen zu trocken waren. Trotzdem konnte ich darin sehr viel Potential erkennen und als ich dann das erste Mal einen Blick auf das Cover von "Yumi and the Nightmare Painter" warf, war mir klar, dass ich dem Herren wohl nochmal eine Chance geben muss. Danke an NetGalley für diese Gelegenheit!

Und hui, was bin ich froh. "Yumi and the Nightmare Painter" liest sich wie eine Liebeserklärung an Kunst, Geschichten und die Verbindungen, die wir dadurch schaffen. Die Ästhetik ist auf, wie im Buch atemberaubend! Zwei komplett verschiedene Welten (eine spirituell, eine düster-neonfarben) treffen aufeinander und ziehen die Lesenden gleich mit.
Ich mochte besonders, wie es um Kunst als Ausdruck von Menschlichkeit geht – was sie bedeutet, warum wir sie brauchen, und warum KI das eben nicht ersetzen kann. Auch das Magiesystem (Farben! Rituale! Albtraum-Malerei!) ist gewohnt Branderson-kreativ, ohne dabei bis zum Erbrechen erklärt zu werden wie bei "Mistborn", damit wirklich der Letzte es versteht (vermutlich liegt das auch schlichtweg daran, dass hier nur ein Standalone vorliegt und keine 7-bändige Reihe).

Die Romance ist sehr slow burn und eher auf emotionaler Verbundenheit als auf Chemie gebaut.. Kein großes Drama, keine typischen Tropes, sondern zwei einsame Menschen, die lernen, sich selbst und einander zu verstehen.
Insgesamt bisher mein liebster Sanderson!

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