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Veröffentlicht am 24.08.2025

Die drei Naturen des Menschen

Mensch sein
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Carel van Schaik und Kai Michel beschreiben hier, wie die Natur (oder besser die Naturen) des Menschen beschaffen sind und woran es liegt, dass die heutige Welt „nicht so zu sein scheint, wie sie sein ...

Carel van Schaik und Kai Michel beschreiben hier, wie die Natur (oder besser die Naturen) des Menschen beschaffen sind und woran es liegt, dass die heutige Welt „nicht so zu sein scheint, wie sie sein sollte“. Mit ähnlichen Themen haben die beiden sich bereits in ihren früheren Werken „Das Tagebuch der Menschheit“ und „Die Wahrheit über Eva“ befasst, weshalb mir ein Großteil des Inhalts im Wesentlichen schon bekannt war.
Sie identifizieren drei Naturen: Unsere erste Natur, die genetisch im Erbgut verankert ist und sich vor allem während der langen Zeit herausgebildet hat, als die Menschen in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler lebten, und die bei allen Menschen gleich ist. Die zweite Natur der kulturell erworbenen Fähigkeiten, Überzeugungen und Einstellungen, die daher je nach Zeitraum und Ort stark variieren kann. Und schließlich die dritte Natur, die Vernunftsnatur.
Danach untersuchen sie verschiedene Lebensbereiche wie Religion, das Verhältnis der Geschlechter, Familie, Sex oder Arbeit und loten aus, wie die verschiedenen Naturen dabei zusammen bzw oft auch gegeneinander spielen.
Viele der hier präsentierten Gedanken sind aufschlussreich und ließen mich manche Dinge in einem anderen Licht sehen.
Ich habe allerdings den Eindruck, dass die Autoren das Leben der Menschen vor der Erfindung der Landwirtschaft zu idyllisch sehen bzw frage mich, auf welcher Basis die Beschreibung früherer Lebens- und Verhaltensweisen beruht.
Ebenfalls fragwürdig ist, ob die hier immer wieder durchklingenden (im weiteren Sinne) „kommunistischen“ Ansichten überhaupt mit irgendeiner Natur des Menschen harmonieren. Nicht nur, dass kommunistisch regierte Länder meist wenig zum Glück ihrer Untertanen beitragen, auch „privat“ organisierte Kommunen waren bisher selten besonders erfolgreich.
Von vage und allgemein gehaltenen „zwölf Prinzipien“ abgesehen haben die Autoren außerdem keine konkreten Lösungen für die von ihnen festgestellten Probleme zu bieten, was sie aber immerhin zugeben.
Dennoch finde ich den Ansatz mit den „drei Naturen“ interessant. Auch wenn manche Schlussfolgerungen vielleicht zu weit gehen und/ oder unlogisch sind, sollte dieser Grundgedanke doch weiterverfolgt werden.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Fundierte Prognosen, die jedoch einen zu geringen Teil des Inhalts ausmachen

Zukunft denken
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Ich habe von David Christian bereits „Big History“ gelesen, das mir sehr gut gefallen hat. Während es sich dabei um eine breit angelegte Zusammenschau der Weltgeschichte handelte, befasst er sich hier ...

Ich habe von David Christian bereits „Big History“ gelesen, das mir sehr gut gefallen hat. Während es sich dabei um eine breit angelegte Zusammenschau der Weltgeschichte handelte, befasst er sich hier nun mit der Zukunft und nimmt dabei ebenfalls eine umfassende Perspektive ein.
Zunächst aber stellt er einige allgemeine Betrachtungen darüber an, was Zukunftsdenken bedeutet und auf welche verschiedenen Arten man sich die Zukunft vorstellen kann. Auch wenn die diesbezüglichen Ausführungen nicht direkt uninteressant sind, waren sie für meinen Geschmack jedoch zu „philosophisch“.
Interessanter ist dann der nächste Teil, wo ein Blick darauf geworfen wird, wie andere Lebewesen die Zukunft managen. Der Gedanke, dass beispielsweise auch Pflanzen oder sogar Einzeller in einem gewissen Sinn Prognosen über die Zukunft anstellen und danach handeln, ist doch faszinierend.
Anschließend wendet sich der Autor dem menschlichen Zukunftsdenken zu, erklärt, was dessen Besonderheiten sind und wie es sich im Lauf der Geschichte – von der Steinzeit über das Agrarzeitalter bis in die Moderne (hier als die letzten ca 200 Jahre definiert) – verändert hat.
Dann endlich beginnen die eigentlichen Zukunftsprognosen, die sich auf die drei bereits im Titel ersichtlichen Zeithorizonte beziehen: Nahe Zukünfte (die nächsten 100 Jahre), mittlere Zukünfte (wie es mit der menschlichen Entwicklungslinie weitergeht) und ferne Zukünfte (bis zum Ende von Raum und Zeit). Ein spannender, wenn auch nicht unerwarteter Aspekt ist dabei, dass die sich in Jahrmilliarden messende ferne Zukunft des Universums besser vorhergesagt werden kann, als die Ereignisse innerhalb der nächsten Jahrzehnte, die sehr von dem oft unberechenbaren menschlichen Verhalten abhängen werden.
Insgesamt sind diese Prognosen aufschlussreich und wirken fundiert. Der Autor hat die von ihm angestrebte goldene Mitte zwischen „übermäßiger Genauigkeit (dann liegen sie fast immer falsch) und zu großer Allgemeinheit (dann sind sie mehr oder minder nutzlos)“ weitgehend erreicht. Die diesbezüglichen Ausführungen machen allerdings nur weniger als ein Drittel des Buches aus, während das „Vorgeplänkel“ zu viel Raum einnimmt. Ich hätte mir mehr und ausführlichere Prognosen bzw Prognosen zu mehr verschiedenen Themen gewünscht.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Solider Regionalkrimi

Salzburger Abgründe
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Für Dina Stassny, seit fünf Monaten beim LKA Salzburg, beginnt dieser Roman gleich mit einem Knalleffekt: Während einer Dienstreise nach Berlin gerät sie in einen anscheinend islamistisch motivierten Anschlag. ...

Für Dina Stassny, seit fünf Monaten beim LKA Salzburg, beginnt dieser Roman gleich mit einem Knalleffekt: Während einer Dienstreise nach Berlin gerät sie in einen anscheinend islamistisch motivierten Anschlag.
Wieder zu Hause kann sie sich kaum davon erholen, sondern steigt sofort in die Ermittlungen zum Tod des Reproduktionsmediziners Dr Seitz ein. Dinas Vorgesetzter Adrian Billinger, Dina und das restliche Team der Abteilung „Leib und Leben“ tappen erst einige Zeit im Dunkeln, bevor sie gleich mehreren üblen Machenschaften auf die Spur kommen.

Diese Geschichte ist vor einem in zweifacher Hinsicht reizvollen Hintergrund angesiedelt: Zum einen sind da die Stadt Salzburg und ihre Umgebung, die schön in Szene gesetzt werden. (Obwohl ich schon Bücher mit mehr Lokalkolorit gelesen habe.) Zum anderen und gewissermaßen als Kontrast dazu die Welt der Kinderwunschbehandlungen und Samenspenden. Diese sowie die sich daraus ergebenden rechtlichen und moralischen Probleme (insbesondere die Folgen für die auf diese Weise gezeugten Kinder) werden ebenfalls thematisiert und regen zum Nachdenken an.
Außerdem treten einige interessante, bisweilen etwas skurrile Figuren auf. Vom musikalischen Wunderkind bis zum Landpfarrer samt resoluter Haushälterin. Die Mitglieder des Ermittler-Teams bleiben dagegen jedoch, von Dina abgesehen, eher blass. Dabei hätten etwa die immer wieder angedeuteten Rivalitäten innerhalb des Teams durchaus Potential gehabt.
Die eigentliche Krimihandlung ist packend und animiert zum Miträtseln. Manches (wie beispielsweise die Identität der im Klappentext angekündigten „geheimnisvollen Frau“) ist dabei leicht vorhersehbar. Es gibt aber auch ein paar Überraschungen und die Spannung kann weitgehend bis zum Schluss aufrechterhalten werden.

Alles in allem handelt es sich beim ersten Teil dieser Reihe um einen soliden Regionalkrimi, der sich angenehm und flott liest. Ein wirklich großer Wurf ist er zwar nicht, dennoch freue ich mich schon darauf, mehr über Dina und ihre Erlebnisse in Salzburg zu erfahren.  

Veröffentlicht am 24.08.2025

Was die Armen wirklich brauchen

Poor Economics
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Dazu, wie man Armut bekämpfen oder zumindest dem Armen am besten helfen kann, gibt es zahlreiche unterschiedliche und einander oft widersprechende Ansichten. Meist fußen diese jedoch hauptsächlich in den ...

Dazu, wie man Armut bekämpfen oder zumindest dem Armen am besten helfen kann, gibt es zahlreiche unterschiedliche und einander oft widersprechende Ansichten. Meist fußen diese jedoch hauptsächlich in den jeweiligen Menschen- und Weltbildern ihrer Vertreter und beruhen nicht auf wissenschaftlichen Fakten.
Abhijit Banerjee und Esther Duflo zeigen hier, dass es entgegen manch landläufiger Meinung sehr wohl möglich ist, die wissenschaftliche Methode auch auf dieses Thema anzuwenden. Sie beschreiben eine Vielzahl an Studien, die in verschiedenen „armen“ Ländern durchgeführt wurden und beispielsweise untersuchten, ob Dinge wie Moskitonetze oder Desinfektionsmittel besser gratis oder zu einem subventionierten Preis angeboten werden sollten, woran es wirklich liegt, dass staatliche Gesundheits- oder Bildungseinrichtungen oft relativ wenig bewirken oder ob Mikrokredite das Leben der Armen tatsächlich so sehr verbessern wie von den Mikrofinanzinstituten behauptet. Häufig wurde dabei streng wissenschaftlich vorgegangen, indem etwa in vergleichbaren Dörfern jeweils unterschiedliche Interventionen gesetzt und deren jeweilige Einflüsse auf eine bestimmte Variable ausgewertet wurden.
Daneben lassen die Autoren auch persönliche Erlebnisse aus Begegnungen mit Menschen einfließen, die von weniger als 99 Cent am Tag leben müssen.
Immer wieder zeigt sich dabei, dass viele Annahmen, die über die Lebensumstände oder die Mentalität der Armen kursieren, nicht der Realität entsprechen. Die Autoren rufen daher einerseits dazu auf, Verständnis dafür zu haben, dass Arme sich beispielsweise um vieles selbst kümmern müss(t)en, was für Bewohner reicher Länder selbstverständlich ist, wie Zugang zu sauberem Trinkwasser, Finanzdienstleistungen oder Informationen etc. Andererseits sollten sie aber auch nicht idealisiert (und beispielsweise als geborene Unternehmer bezeichnet) werden.
Weiters wird unter anderem betont, dass es nicht nötig (und oft nicht machbar ist), gleich alles umzukrempeln und zu perfektionieren (zum Beispiel das ganze politische System zu reformieren), um Verbesserungen zu erzielen.
Insgesamt verdeutlicht dieses Buch, dass es für den Umgang mit Armut keine Patentlösungen gibt und regt auch zum Nachdenken darüber an, welche Vorurteile gegenüber armen Menschen und armen Ländern kursieren.
Die Lektüre ist daher Großteils sehr interessant. Dennoch gibt es auch Längen: Die Aneinanderreihung einer Information an die andere ist bisweilen etwas ermüdend und manche Aussagen werden mehrmals wiederholt.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Unterhaltsamer Regionalkrimi

Salzburger Saitenstich
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Wieder einmal kommt es im Umfeld von Arzthelferin Rosmarie Dorn zu mehreren Todesfällen und wieder fühlt sie sich berufen, die Ermittlungen aufzunehmen. Erst recht, da ein bei einer Wasserleiche gefundenes ...

Wieder einmal kommt es im Umfeld von Arzthelferin Rosmarie Dorn zu mehreren Todesfällen und wieder fühlt sie sich berufen, die Ermittlungen aufzunehmen. Erst recht, da ein bei einer Wasserleiche gefundenes Schmuckstück darauf hindeutet, dass der Tote zu Lebzeiten in der Lage gewesen wäre, ihr den größten Wunsch eines jeden Findelkindes zu erfüllen: Herauszufinden, wer ihre leiblichen Eltern sind.
Doch Rosmarie gibt sich nicht geschlagen und ist entschlossen, alles über die Toten herauszufinden. Dabei erlebt sie einige Überraschungen und entdeckt ungeahnte Verbindungen zwischen den Verstorbenen und weiteren Personen. Unterstützt wird sie unter anderem von ihrer besten Freundin Vroni, die nie um ein paar belehrende Worte verlegen ist, ihrer umtriebigen Schwiegermutter Hermi und dem Onkel Stefan samt seiner neusten Flamme.

Im Vergleich zum letzten Teil der Reihe um Arzthelferin Rosmarie Dorn stehen diesmal die Kriminalfälle und Rosmaries Nachforschungen mehr im Mittelpunkt. Dennoch kommt auch der Humor nicht zu kurz (ist aber weniger präsent als im Vorgänger). Es wird Spannung aufgebaut und ein paar Andeutungen und interessante Wendungen animieren zum Miträtseln. Einiges ist jedoch unrealistisch oder unlogisch. (Da schließt beispielsweise jemand einen USB-Stick an seinen Laptop an, um „das heutige Arbeitsprotokoll zu speichern“, doch als der Stick später verschwindet, ist dies eine Riesen-Katastrophe, weil angeblich sämtliche darauf befindlichen Daten nirgends sonst gespeichert sind.) Außerdem war das Ende für mich zu abrupt.

Die Geschichte überzeugt aber ohnehin wieder vor allem mit ihren vielfältigen und teilweise skurrilen Charakteren, die gut und lebendig gezeichnet sind, sowie mit ihrem Lokalkolorit. Ich würde mich daher über ein Wiederlesen mit Rosmarie und Co freuen.