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Veröffentlicht am 24.08.2025

Interessanter Schauplatz, der jedoch zu wenig zur Geltung kommt

Im Schatten des Turms
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Wien, 1787: Der Medizinstudent Alfred Wagener sieht sich aus finanziellen Gründen gezwungen, eine Stelle als Hauslehrer der Komtesse Helene von Weydrich anzunehmen. Obwohl er große Vorbehalte gegen alle ...

Wien, 1787: Der Medizinstudent Alfred Wagener sieht sich aus finanziellen Gründen gezwungen, eine Stelle als Hauslehrer der Komtesse Helene von Weydrich anzunehmen. Obwohl er große Vorbehalte gegen alle Adeligen hegt, ist ihm Helene überraschend sympathisch. Doch ihre Beziehung steht unter keinem guten Stern. Erst recht, als Helenes Vater stirbt und ihre Tante das Regiment auf Schloss Weydrich übernimmt.

Am Anfang wirkt das Ganze eher wie ein typischer Liebesroman. Doch bald nimmt die Sache Fahrt auf, einige Ereignisse überschlagen sich und vor allem Alfred gerät in große Gefahr. Die Geschichte ist packend und liest sich flott. Es wird einige Spannung aufgebaut, schon allein dadurch, dass abwechselnd aus den Perspektiven von Alfred und Helene (und manchmal auch der Tante) erzählt wird. Die beiden sind weitgehend sympathisch, ich konnte gut mit ihnen mitfiebern.
Aufgrund all dessen fiel es mir auch leichter, über einige Schwächen hinwegzusehen: Schon allein der Titel ist nicht ganz passend. Der Narrenturm ist zwar im Hintergrund immer wieder präsent, es ist jedoch nur ein relativ kleiner (wenngleich wichtiger) Teil der Handlung tatsächlich dort angesiedelt. Schade, ich hätte gern mehr darüber erfahren, wie damals mit den „Irren“ umgegangen und wie sie behandelt wurden.
Außerdem wirkt vieles an der Handlung ziemlich unrealistisch. Beispielsweise soll Helenes Tante eine ganz Wien und die halbe Monarchie umfassende Verschwörung anführen (wobei unklar bleibt, was diese ihr persönlich eigentlich bringt), trotzdem gelingt es Helene scheinbar mühelos, sie auszutricksen. Auch häufen sich die (glücklichen) Zufälle.
Insgesamt ist der Roman dennoch lesenswert und ein interessanter Ausflug ins Wien des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Ein bisschen mehr Hintergrundinformationen zum Narrenturm wären aber eben schön gewesen.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Wissenschaftliches und Außerwissenschaftliches

Mehr als nur Atome
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Die Physikerin Sabine Hossenfelder beantwortet hier eine Reihe von Fragen aus dem Bereich Physik, die ihrer Meinung nach „normale Menschen“ tatsächlich interessieren. Beispielsweise: Existiert die Vergangenheit ...

Die Physikerin Sabine Hossenfelder beantwortet hier eine Reihe von Fragen aus dem Bereich Physik, die ihrer Meinung nach „normale Menschen“ tatsächlich interessieren. Beispielsweise: Existiert die Vergangenheit im Jetzt? Sind wir nicht mehr als ein Haufen Atome? Hat die Wissenschaft den freien Willen unmöglich gemacht? Können wir ein Universum erschaffen?
Schon diese Auswahl zeigt, dass sie eher Randbereiche der Wissenschaft auslotet.
Dabei unterscheidet sie immer genau zwischen Fakten, die sich tatsächlich aus etablierten (und auf Beobachtungsdaten gestützten) Theorie herleiten lassen, und Außerwissenschaftlichem, für das es keinerlei Hinweise in der Wirklichkeit gibt bzw das wir nicht benötigen, um irgendwelche Beobachtungen zu erklären. Zu letzterem gehört ihrer Meinung nach beispielsweise sowohl der Glaube an einen Schöpfergott als auch die Idee des Multiversums. Was darauf hinausläuft, dass so manche der Hypothesen, die heutzutage von Physikern aufgestellt werden, um beispielsweise die Anfänge des Universums oder die genauen Werte für die Naturkonstanten zu erklären, eher in den Bereich der Religion als der Wissenschaft gehören.
Insgesamt ist dies eine anspruchsvolle, aber alles in allem lohnende Lektüre. Es werden einige Vorgehensweisen des aktuellen Wissenschaftsbetriebs hinterfragt und manche allzu spekulativen Äußerungen in die richtige Beziehung gesetzt. Faszinierend auch, dass viele auf den ersten Blick weit hergeholte Überlegungen zumindest mit unserem heutigen Wissensstand vereinbar wären. (Was natürlich noch lange nicht heißt, dass sie richtig sind.)
Ich habe jedoch den Eindruck, dass die Autorin manche Kritik nur um der Kritik Willen übt bzw sich zu sehr in ihrer Rolle als Kritikerin gefällt. Es ist schließlich immer leichter, die Arbeit der Kollegen schlecht zu machen anstatt eigene Beiträge zu leisten.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Charmantes Plädoyer für das Händeschütteln

Der Handschlag. Die neue Geschichte einer großen Geste
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Dieses Buch wurde während der Corona-Pandemie geschrieben, als der Handschlag aus hygienischen Gründen vor dem Aus zu stehen schien. Die Paläoanthropologin und Komikerin Ella Al-Shamahi, die selbst lange ...

Dieses Buch wurde während der Corona-Pandemie geschrieben, als der Handschlag aus hygienischen Gründen vor dem Aus zu stehen schien. Die Paläoanthropologin und Komikerin Ella Al-Shamahi, die selbst lange Zeit Schwierigkeiten mit dem Händeschütteln hatte, hätte dies schade gefunden.
Denn es handelt sich dabei um „eine Geste, die sowohl „Hallo“ als auch „Tschüss“ bedeutet, mit der wir einen Friedensvertrag bekräftigen, unser Beileid oder unseren Respekt ausdrücken, mit der wir zeigen, eine Person unter vielen nicht zu übersehen, …“ – und vieles mehr. Der Handschlag hat zahlreiche Bedeutungen und Anwendungsmöglichkeiten, denen gemeinsam ist, dass sie alle ausnahmslos positiv sind.
Die Autorin spürt hier den Ursprüngen dieser Geste vor Millionen Jahren nach, gibt eine (Augenzwinkernde) Anleitung für den perfekten Handschlag, erzählt von den besten und schlechtesten Handschlägen der Geschichte und beschreibt (und verwirft) einige Alternativen.
Man spürt ihre Begeisterung für das Thema und ihre Aussagen haben mich dazu gebracht, eine (glücklicherweise wieder) alltägliche Geste in einem neuen Licht zu sehen. Dadurch wird auch klar, warum das Verbot des Händeschüttelns während Corona von vielen als so schlimme Einschränkung empfunden wurde.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Mörderjagd in Bad Gastein

Leichenschmaus mit Kaiserschmarrn
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Valerie Thaller betreibt gemeinsam mit ihrem Mann das seit langem im Familienbesitz befindliches Grand Hotel in Bad Gastein. Doch die Idylle wird jäh gestört, als sie auf die Leiche von Lieselotte Hehenberg ...

Valerie Thaller betreibt gemeinsam mit ihrem Mann das seit langem im Familienbesitz befindliches Grand Hotel in Bad Gastein. Doch die Idylle wird jäh gestört, als sie auf die Leiche von Lieselotte Hehenberg stößt, Erbin einer großen Möbelhauskette, Moderatorin einer beliebten Fernsehsendung und Stammgast im Grand Hotel. Dass es Mord war, ist offensichtlich, wer der Täter ist, dagegen völlig unklar. Als das Hotel in negative Schlagzeilen gerät und die Polizei auf der Stelle zu treten scheint, entschließen sich Valerie und ihre beste Freundin Nora, die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen.

Der Klappentext bezeichnet dieses Buch als „Wohlfühlkrimi“, und dies sicher zurecht.
Valerie, aus deren Perspektive durchgehend erzählt wird, ist eine sympathische Protagonistin. Ein großer Teil des Inhalts dreht sich um den Alltag ihrer Familie und in ihrem Hotel. Sie sowie die Personen aus ihrem Umfeld sind nachvollziehbar und lebendig gezeichnet. Ich konnte mich daher wunderbar in sie hineinversetzen und es ist schön, sie bei ihren Abenteuern zu begleiten.
Auch Bad Gastein als Schauplatz ist an sich gut gewählt, kommt meiner Meinung nach jedoch nicht genug zur Geltung. Valerie spaziert zwar immer wieder durch die Gegend, wobei Straßen, Wege und Orte weitgehend mit ihrem richtigen Namen bezeichnet werden, die Namen von Hotels etc jedoch in der Regel erfunden bzw verfremdet wurden. Die Beschreibungen von Gebäuden oder Landschaften hätten aber ausführlicher und plastischer sein können, damit auch Leute, die noch nie in Gastein waren, sich die jeweilige Umgebung besser vorstellen können.
Der Kriminalfall kann mit einigen Verdächtigen und möglichen Motiven aufwarten, ist objektiv betrachtet allerdings nicht besonders aufregend und die Auflösung nicht wirklich überraschend. Die Handlung schreitet Großteils sehr gemächlich voran, erst gegen Ende gibt es eine beinahe übertrieben dramatische Szene.
Dennoch hat mich die Lektüre gut unterhalten und ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Typische Krimi-Spannung darf man eben nicht erwarten, dafür wird ein paar Mal gekocht (allerdings kein Leichenschmaus) und die Rezepte im Anhang stellen einen interessanten Mehrwert dar.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Was von der Menschheit bleibt

Die Welt ohne uns
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Was würde mit der Erde und ihren Lebewesen passieren, wenn „morgen“ alle Menschen plötzlich verschwinden? Welche Tier- und Pflanzenarten wären die Nutznießer, wie lange würden die Hinterlassenschaften ...

Was würde mit der Erde und ihren Lebewesen passieren, wenn „morgen“ alle Menschen plötzlich verschwinden? Welche Tier- und Pflanzenarten wären die Nutznießer, wie lange würden die Hinterlassenschaften der Menschheit (etwa Kohlendioxid, radioaktive Abfälle oder Plastikmüll) die Umwelt noch belasten und könnte die Natur tatsächlich zu dem Zustand zurückkehren, in dem sie sich befand, bevor der Aufstieg des Homo sapiens begann? Derartigen Fragen geht dieses Buch nach.
Es handelt sich hier um ein spannendes Gedankenexperiment, von dem ausgehend der Autor immer weitere Kreise zieht. Neben (für ihn) naheliegenden Zielen wie einem Haus in der amerikanischen Vorstadt oder der New Yorker U-Bahn besucht er zahlreiche unterschiedliche Orte, von afrikanischen Nationalparks bis zu entvölkerten Grenzstreifen in Zypern oder Korea, von Industrieanlagen bis zu einem Korallenriff im Pazifik. Der Schwerpunkt liegt aber auf (Nord)Amerika.
Die Herkunft des Autors aus den USA ist also deutlich erkennbar, ebenso seine Herkunft aus dem Journalismus. Die einzelnen Kapitel wirken eher wie unabhängige Zeitungsartikel, was durch viele Interviews und Geschichten zum Hintergrund der Interviewpartner noch verstärkt wird. Mir hat ein bisschen der rote Faden gefehlt. Dennoch ist die Zusammenstellung von Einzelbeispielen aus der ganzen Welt interessant und regt zum Nachdenken an.
Für die „aktualisierte Ausgabe“ 2022 wurde das Buch nur um ein Nachwort ergänzt, der Rest ist jedoch auf dem Stand von 2007. Was die behandelten Themen betrifft, führte dies zwar manchmal zu „Zeitreisefeeling“ (vom Ozonloch habe ich beispielsweise seit Jahren nichts mehr gehört), viele Dinge haben sich aber erschreckend wenig geändert bzw sind in den letzten 17 Jahren noch weitaus schlimmer geworden.
Insgesamt kann ich dieses Werk weiterempfehlen. Obwohl es von den harten Fakten her keine großen Neuigkeiten zu bieten hat, wird sehr gut deutlich gemacht, dass das Leben auch ohne uns weiterexistieren wird und nur hinreichend viel Zeit verstreichen muss, bis fast nichts mehr auf die einstige Existenz der Menschheit hindeutet.