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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.09.2025

Eine Geschichte, die Herzen sanft berührt

So weit die Liebe uns trägt (Liebesroman)
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Josefine Weiss erzählt in diesem Roman die Geschichte von Lana, einer Frau Mitte 30, deren Leben sich zwar sicher, aber auch leer und festgefahren anfühlt. In der Stille ihres Alltags scheinen Lebendigkeit ...

Josefine Weiss erzählt in diesem Roman die Geschichte von Lana, einer Frau Mitte 30, deren Leben sich zwar sicher, aber auch leer und festgefahren anfühlt. In der Stille ihres Alltags scheinen Lebendigkeit und Freude verloren gegangen zu sein – eine Ausgangslage, die sehr nachvollziehbar wirkt und viele leise Töne anschlägt.
Die Begegnung mit Anton, einem freiheitsliebenden Mann mit einer ganz eigenen Mission, bringt frischen Wind in Lanas Leben. Er ist unterwegs, um das Reisetagebuch eines geliebten Menschen zu vollenden – und auf diesem Weg öffnet er Lana nicht nur neue Räume, sondern auch alte, verschlossene Türen in ihr selbst. Zwischen gemeinsamen Momenten unter freiem Himmel, ungeplanten Umwegen und tiefen Gesprächen entwickelt sich mehr als nur eine zarte Liebe. Lana beginnt, sich selbst wieder zu spüren – und das mit einer ruhigen, glaubwürdigen Entwicklung, die ohne große Dramen auskommt.
Josefine Weiss schreibt mit einem feinen Gespür für Zwischentöne. Die Sprache bleibt klar und unaufgeregt, trägt die Geschichte aber mit Wärme und leiser Tiefe. Man spürt beim Lesen die Sehnsucht nach einem echten, erfüllten Leben – und gleichzeitig den Mut, der dafür nötig ist. Die Wendung, die durch Antons wahres Geheimnis entsteht, wirkt glaubwürdig und verleiht der Handlung zusätzliche Substanz.
Mich hat das Buch auf eine stille Weise berührt. Es ist kein lauter Roman, eher ein Begleiter, der einen sanft erinnert: Es ist nie zu spät, sich neu zu begegnen – weder einem anderen Menschen noch sich selbst. Wer sich nach einer gefühlvollen, aber unaufdringlichen Geschichte sehnt, wird in diesem Buch einen warmen Platz finden. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.09.2025

Bewegender Abschluss einer großen Familiengeschichte

Blankenese - Zwei Familien
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"Blankenese – Zwei Familien Zeitensturm" ist der dritte und letzte Teil der Reihe und führt die Leser in die schwierigen Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Band zeigt, wie die Familien ihren Platz in ...

"Blankenese – Zwei Familien Zeitensturm" ist der dritte und letzte Teil der Reihe und führt die Leser in die schwierigen Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Band zeigt, wie die Familien ihren Platz in einer völlig veränderten Welt finden müssen. Alte Wunden sind noch längst nicht verheilt, gleichzeitig bestimmen Neubeginn und Aufbruch die Zeit. Diese Mischung aus Vergangenheit und Zukunft verleiht dem Buch eine besondere Spannung.
Mit viel Gespür zeichnet die Autorin ein Bild der Nachkriegsjahre, in dem soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen greifbar werden. Man spürt die Unsicherheit, die in der Luft liegt, aber auch den Wunsch nach Stabilität. Themen wie Schuld, Verantwortung, Verdrängung und Neuanfang ziehen sich wie ein roter Faden durch die Handlung und machen sie inhaltlich gehaltvoll. Zugleich gelingen viele Momente, in denen deutlich wird, wie sehr die Figuren mit ihren ganz persönlichen Fragen ringen – sei es in ihren Familien, in ihren Beziehungen oder in der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.
Besonders gelungen ist, dass die verschiedenen Handlungsstränge, die man aus den vorigen Bänden kennt, hier zusammengeführt werden. Man bekommt das Gefühl, dass die Figuren nach einem langen Weg an einem Punkt angelangt sind, an dem sie Entscheidungen treffen müssen, die für ihr weiteres Leben prägend sind. Manche dieser Entscheidungen sind schmerzhaft, andere öffnen neue Möglichkeiten. Diese Mischung aus Konflikt und Hoffnung hat die Geschichte für mich sehr lebendig gemacht.
Der Roman überzeugt durch die atmosphärische Dichte. Orte, Situationen und Stimmungen sind so geschildert, dass man sich mitten hineingezogen fühlt – man kann die Sorgen und Hoffnungen dieser Zeit fast miterleben. Dazu kommt, dass die Figuren trotz der historischen Distanz sehr nahbar wirken. Ihre Unsicherheiten und Hoffnungen sind nachvollziehbar, und gerade das macht das Lesen berührend.
Für mich ist "Zwei Familien Zeitensturm" ein würdiger und stimmiger Abschluss der Reihe. Der Roman fasst die Themen der Vorgängerbände zusammen und zeigt noch einmal, was diese Familiengeschichte so besonders macht: die Verbindung von Zeitgeschichte und persönlichem Schicksal. Ein Buch, das sowohl unterhält als auch nachdenklich stimmt. Deshalb vergebe ich fünf Sterne und empfehle die Reihe jedem, der sich für historische Familienromane interessiert, die nicht nur erzählen, sondern auch etwas über die Zeit spürbar machen.

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Aufbruch zwischen Angst und Freiheit

Als wir vom Aufbruch träumten
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Farina Eden hat mit diesem Roman ein sehr intensives Leseerlebnis geschaffen. Schon nach den ersten Seiten war ich mitten in Ostberlin 1989 und habe die Atmosphäre gespürt – das Aufbegehren, die Unsicherheit ...

Farina Eden hat mit diesem Roman ein sehr intensives Leseerlebnis geschaffen. Schon nach den ersten Seiten war ich mitten in Ostberlin 1989 und habe die Atmosphäre gespürt – das Aufbegehren, die Unsicherheit und diese besondere Mischung aus Hoffnung und Angst, die in der Luft lag. Die Autorin schreibt so nah und lebendig, dass man den grauen Alltag und gleichzeitig den Aufbruchssturm dieser Zeit förmlich miterlebt.
Besonders Anni hat mich beeindruckt. Ihre Leidenschaft für Literatur, ihr Mut und ihr unerschütterlicher Glaube an die Kraft der Worte haben mich berührt. Gleichzeitig merkt man, wie schmerzhaft es ist, wenn Vertrauen zerbricht und man nicht mehr weiß, wem man sich noch anvertrauen darf. Dass mitten in Freundschaft und Gemeinschaft plötzlich Verrat, Misstrauen und Willkür stehen, hat mich sehr bewegt.
Sehr eindringlich fand ich auch die Einblicke in die Methoden der Stasi. Wie subtil eine Überwachung begann, wie aus beiläufigen Begegnungen plötzlich Verhöre wurden und wie schnell man ins Visier geraten konnte, zeigt die Autorin mit großer Eindrücklichkeit. Es entsteht ein beklemmendes Gefühl, wenn klar wird, dass jedes Wort, jede Begegnung und sogar Freundschaften von Kontrolle überschattet sein können. Diese Szenen haben mich besonders nachdenklich zurückgelassen, weil sie zeigen, wie lähmend Misstrauen in einem System wirken kann.
Ich fand es spannend, wie geschickt die Autorin die literarische Untergrundszene beschreibt – nicht als Kulisse, sondern als Herzstück dieser Generation. Die heimlichen Treffen, das Risiko bei Lesungen und die verbotenen Texte wirken greifbar und authentisch. Dabei geht es nie nur um Geschichte, sondern immer auch um Menschen, um ihre Träume und ihre Angst, die falsche Entscheidung zu treffen.
Auch wenn man weiß, dass der Mauerfall kommen wird, bleibt das Buch bis zum Schluss spannend, weil es eben nicht nur um das große historische Ereignis geht, sondern um das Schicksal einzelner, die genau in diesem Moment mitgerissen wurden. Man liest von Auftrittsverboten, von Verhören und schließlich von Annis Haft – und spürt, wie sehr diese Zeit auf den Schultern der jungen Leute lastete.
Der Schreibstil ist klar und zugleich sehr atmosphärisch. Es gibt Sätze, die man sich am liebsten markieren möchte, weil sie so eindrücklich das Lebensgefühl von damals festhalten. Ich habe beim Lesen oft innegehalten, weil mich einzelne Szenen sehr bewegt haben.
Am Ende blieb bei mir ein Gefühl von Respekt für die Figuren, die ihren Weg zwischen Aufbruch, Verrat und Freundschaft suchen mussten. Und gleichzeitig die Erinnerung daran, dass Freiheit nie selbstverständlich ist.
Für mich ist „Als wir vom Aufbruch träumten“ ein fesselnder, emotionaler Roman, der geschichtliche Ereignisse, persönliche Schicksale und die beklemmende Präsenz der Stasi überzeugend verbindet. Ein Buch, das nachhallt. 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Erfrischend erzählt, tief empfunden

Was du siehst
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"Was du siehst" ist ein Roman, der mich von den ersten Seiten an gefesselt hat. Laura Maaß erzählt mit einem lebendigen, flüssigen und erfrischenden Schreibstil, der die Szenen bildhaft vor Augen führt ...

"Was du siehst" ist ein Roman, der mich von den ersten Seiten an gefesselt hat. Laura Maaß erzählt mit einem lebendigen, flüssigen und erfrischenden Schreibstil, der die Szenen bildhaft vor Augen führt und die Figuren schnell nahbar macht. Die Geschichte spielt über mehrere Jahrzehnte hinweg und begleitet Menschen, deren Leben durch Flucht, Neubeginn und ein lange gehütetes Geheimnis geprägt wird. Auch wenn die Geschichte und die handelnden Personen frei erfunden sind, spürt man, dass einige Ereignisse auf wahren Begebenheiten beruhen – und genau das verleiht dem Ganzen eine besondere Tiefe und Authentizität.
Die Autorin versteht es, ihre Figuren nicht nur über Worte, sondern auch über Zwischentöne zum Leben zu erwecken. Man hat das Gefühl, ihnen direkt zu begegnen, ihre Blicke, Gesten und kleinen Eigenheiten wahrzunehmen. Die Handlung entwickelt sich in einem guten Tempo, hält immer wieder Überraschungen bereit und hat mich bis zur letzten Seite nicht losgelassen.
Besonders beeindruckt hat mich, wie feinfühlig ernste Themen eingeflochten werden, ohne die Geschichte zu beschweren. Es gibt Momente voller Spannung, leise emotionale Szenen und Passagen, die einen einfach mit einem warmen Gefühl zurücklassen.
Dass es sich um den Debütroman von Laura Maaß handelt, macht das Ganze noch bemerkenswerter. Für mich ist dieses Buch eine rundum gelungene Mischung aus Erzählkunst, glaubwürdigen Figuren und einer Geschichte, die lange nachklingt.
Beim Lesen habe ich mich mal berührt, mal neugierig, mal nachdenklich gefühlt – und vor allem wollte ich immer wissen, wie es weitergeht. Ein Buch, das ich mit Freude und Überzeugung weiterempfehle.
Von mir gibt es volle 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Die verlorene Geschichte der Großmutter

Die Verlorene
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„Die Verlorene“ ist ein berührender und tiefgründiger Roman, der gleich mehrere Generationen miteinander verwebt und sich behutsam einem lange verdrängten Familiengeheimnis nähert. Im Mittelpunkt steht ...

„Die Verlorene“ ist ein berührender und tiefgründiger Roman, der gleich mehrere Generationen miteinander verwebt und sich behutsam einem lange verdrängten Familiengeheimnis nähert. Im Mittelpunkt steht Laura, die nach dem Tod ihrer Großmutter Änne beginnt, deren Vergangenheit zu erforschen. Bisher wusste sie nur von Ännes Erinnerungen an die Sommer in Schlesien, doch über die Menschen und das Leben damals hatte Änne stets geschwiegen. Erst als Laura Briefe und Dokumente entdeckt, beginnt sie, den Spuren ihrer Familie zu folgen, und stößt auf eine Geschichte, die weit mehr verbirgt, als sie je geahnt hätte.
Der Roman bewegt sich geschickt auf zwei Zeitebenen: In der Gegenwart begleitet man Laura auf ihrer emotionalen Reise nach Polen, wo sie versucht, das ehemalige Gut der Familie zu finden und Antworten auf die vielen offenen Fragen zu bekommen. In der Vergangenheit erleben wir Ännes Kindheit und Jugend auf dem Gutshof, geprägt vom Zweiten Weltkrieg, gesellschaftlichen Zwängen und persönlichen Tragödien.
Miriam Georg gelingt es, die Zeitgeschichte authentisch und lebendig einzufangen. Die bedrückende Atmosphäre während der Nazizeit, das zunehmende Misstrauen, die Angst und das Schweigen. All das wird eindrucksvoll und zugleich sensibel beschrieben. Besonders stark ist die Darstellung der weiblichen Perspektive: Die inneren Konflikte, das Schweigen über Schuld und Verlust und die Kraft, trotz allem weiterzumachen, ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch.
Die Charaktere sind fein gezeichnet, besonders die drei Frauen – Änne, ihre Tochter Ellen und Enkelin Laura – wirken vielschichtig und glaubwürdig. Man kann sich gut in ihre Gedanken und Gefühle hineinversetzen. Auch das langsame Aufdecken der Geheimnisse wird spannend und mit viel Fingerspitzengefühl erzählt. Keine plötzlichen Wendungen, sondern ein leises, stetiges Annähern an die Wahrheit.
„Die Verlorene“ ist mehr als ein Familienroman. Es ist ein Buch über Erinnern und Schweigen, über generationsübergreifende Traumata und die Suche nach Identität. Die Autorin verarbeitet dabei auch eigene familiäre Erfahrungen, was dem Roman zusätzliche Tiefe und Authentizität verleiht.
Ein fesselndes, emotionales Buch, das lange nachwirkt. Wer Geschichten mag, in denen sich Vergangenheit und Gegenwart zu einem dichten Geflecht verweben, wird „Die Verlorene“ kaum aus der Hand legen können. 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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