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Veröffentlicht am 17.02.2026

Unterhaltsamer, britischer Cozy Crime mit einem ermittelnden Seniorenquartett

Der Donnerstagsmordclub (Die Mordclub-Serie 1)
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In der Seniorenresidenz Coopers Chase geht es alles andere als gemütlich und ruhig zu: gemeinsam mit drei anderen Bewohnern trifft sich die Seniorin Joyce jeden Donnerstag zum "Donnerstagsmordclub". Dort ...

In der Seniorenresidenz Coopers Chase geht es alles andere als gemütlich und ruhig zu: gemeinsam mit drei anderen Bewohnern trifft sich die Seniorin Joyce jeden Donnerstag zum "Donnerstagsmordclub". Dort schauen sie sich alte und ungelöste Kriminalfälle an und recherchieren dazu. Durch ihre früheren Berufe und Verbindungen kann jeder seinen Teil dazu beitragen, den Rätseln ein Stück auf die Spur zu kommen. Als direkt vor ihrer Hautür ein Mord passiert, ist ihr aller Ermittlerinstinkt geweckt. Gemeinsam mit den ermittelnden Detectives der Polizei wollen sie dem Mörder auf die Schliche kommen.

Ich hatte schon viel von der Reihe um den "Donnerstagsmordclub" gelesen und wollte mir nun auch den ersten Band vornehmen. Die Idee um ermittelnde Senioren in einem Mordfall ist zwar nicht neu, aber hier sehr lustig und gut verpackt. In übersichtlich langen Kapiteln wechseln sich die normale Erzählperspektive mit Tagebucheinträgen von Joyce ab. Die vier Senioren, allen voran Joyce, muss man einfach gerne haben. Sie schießen oft über das Ziel hinaus, sind aber mit Leidenschaft, Ehrgeiz und vor allem viel Zeit bei den Ermittlungen dabei. Auch die ermittelnden Detectives sind toll gezeichnet und vor allem Donna passt hervorragend zum ermittelnden Seniorenquartett. Generell spielt der Autor hier mit den Klischees rund um Seniorenheimen und der Polizei sowie deren Charaktere, oft musste ich auch schmunzeln, weil es an manchen Stellen schon sehr klischeehaft wirkt.
Ein großer Kritikpunkt sind für mich allerdings die vielen Personen, die in der Handlung vorkommen. Gefühlt jeder ist verdächtig und mit den Namen kam ich zu oft durcheinander. Vielleicht wäre ein Personenverzeichnis hier hilfreich gewesen. Auch die Auflösung zog sich für mich zu sehr in die Länge und wurde immer komplizierter, vor allem mit den vielen Charakteren und mehreren Handlungssträngen in der Vergangenheit.

"Der Donnerstagsmordclub" ist perfekt zum Zwischendurch-Lesen, solange man den Überblick über die Figuren und das Geschehen behält, ist es ein kurzweiliger und unterhaltsamer, britischer Cozy Crime.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Was macht Familie aus? Über Adoption und Identitätssuche

Die Kinder von Bilbao
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Maria Larrea erzählt in ihrem autobiografischen Roman über ihre illegale Adoption, von der sie erfährt, als sie Ende zwanzig ist. Für sie bricht eine Welt zusammen, dennoch begibt sie sich auf Spurensuche ...

Maria Larrea erzählt in ihrem autobiografischen Roman über ihre illegale Adoption, von der sie erfährt, als sie Ende zwanzig ist. Für sie bricht eine Welt zusammen, dennoch begibt sie sich auf Spurensuche zu ihrer leiblichen Familie in Bilbao. Parallel erzählt sie die Geschichte ihrer Adoptiveltern Julián, aus der Nähe von Bilbaos und Victoria, aus Galicien, und von ihrer nicht einfachen Kindheit in Paris.

Das Buch ist aus Marias Ich-Perspektive geschrieben und bietet somit viel Einblick in ihre Gefühlswelt, was mir gut gefallen hat. Etwas Probleme hatte ich mit dem Erzählstil, der sehr filmisch und oft nüchtern, aber schonungslos ehrlich ist. Mit dem Hintergrundwissen, dass die Autorin Regisseurin ist und das Buch ihr Debütroman, wirkt der Erzählstil zwar nochmal mehr, blieb mir aber immer etwas fremd. Ich hatte auch, gerade anfangs, Probleme, die relativ kurzen Kapitel einzuordnen, weil abwechselnd von verschiedenen Personen erzählt wird, die Kapitel haben keine Überschriften.
Interessant ist es, von Marias Kindheit zu lesen, sie arbeitet sich hoch und wird an einer renommierten Filmschule angenommen. Ihr Verhältnis zu ihren Adoptiveltern ist nicht immer leicht, die Familie hat wenig Geld. Trotzdem wird für mich nicht ganz klar, wie sie genau zu ihren Eltern steht.
Der Umstand, wie sie von ihrer Adoption erfahren hat, wirkt beim Lesen unglaubwürdig, passt aber zum filmischen Erzählstil. Für mich hätte der Teil ihrer Suche nach ihrer leiblichen Familie noch länger gehen können, er nimmt kaum die Hälfte des Buches ein, ist aber eigentlich der zentrale Kern der Geschichte. Es geht zu viel um ihre Adoptiveltern, die aus prekären Verhältnissen in Spanien stammen, ich hätte mir beim Lesen jedoch gewünscht, auch mehr über das Leben und den Alltag der Autorin zu erfahren, von ihrem Mann und ihren Kindern ist kaum die Rede.

"Die Kinder von Bilbao" konnte mich nicht ganz abholen, der Erzählstil war mir zu filmisch und das zentrale Thema der illegalen Adoption wurde für mich zu kurz gehalten. Dennoch ist es ein interessanter autobiografischer Roman, der mit Figuren und Situationen spielt.

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Zwei Lebensverläufe - was wäre gewesen, wenn?

Im Leben nebenan
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Toni hat bereits mehrere Kinderwunschbehandlungen hinter sich und lebt mit ihrem Partner zusammen in einer Altbauwohnung. Eines Tages erwacht sie als Antonia auf, ihr richtiger Name und findet sich in ...

Toni hat bereits mehrere Kinderwunschbehandlungen hinter sich und lebt mit ihrem Partner zusammen in einer Altbauwohnung. Eines Tages erwacht sie als Antonia auf, ihr richtiger Name und findet sich in einem völlig anderen Leben wieder: auf einmal hat sie einen fremden Mann, ist verheiratet und hat eine kleine Tochter. Anfangs weiß sie noch nicht, wie sie in dieses Leben hinein geraten ist und vor allem: wie sie wieder in ihr altes Leben kommt. Sie findet heraus, dass sie nun mit ihrer ersten großen Liebe verheiratet ist und ihre Tochter Hanna heißt. So wäre ihr Leben also verlaufen, wenn sie sich damals anders entschieden hätte. Aber möchte sie dieses fremde Leben überhaupt leben?

Ich fand die Ausgangslage total spannend: ich selbst frage mich auch ab und zu, was wäre gewesen, wenn? Wenn man eine Entscheidung anders getroffen hätte, wenn man etwas gewagt hätte, wenn man ja statt nein gesagt hätte in bestimmten Situationen. Das Ganze erinnert an den wunderbaren Roman "Die Mitternachtsbibliothek" von Matt Haig, den ich geliebt habe. Umso gespannter war ich auf dieses Buch, konnte aber mit der Umsetzung nicht so richtig warm werden.
Die Sichtweisen und Leben der Protagonistinnen wechseln sich kapitelweise immer ab: Toni als die ungewollt kinderlose und unverheiratete Frau und Antonia, die verheiratet ist, ein Baby hat und in einer teuer und geschmackvoll eingerichteten Wohnung lebt. Oft hatte ich das Gefühl, ich würde von zwei unterschiedlichen Frauen lesen, obwohl es ein und dieselbe Person ist, die in einer Art Parallelwelt existieren. Mit beiden wurde ich nicht so wirklich warm bis zum Schluss, die Geschichten werden aus der Sicht der beiden erzählt, was dem Leser die Gefühlswelt sehr gut näher bringt, aber oft konnte ich Gedanken und Handlungen nicht nachvollziehen.
Die Handlung tritt an manchen Stellen auf der Stelle, ich konnte das Geschehen auch oft zeitlich nicht einordnen, ob nun eine Woche oder ein Monat vergangen ist.
Antonias Haltung in ihrem neuen Leben ändert sich für mich zu schnell, das Ende konnte mich nicht überzeugen.

Die Themen, die hier behandelt werden, haben mich dafür umso mehr abgeholt: (unerfüllter) Kinderwunsch, Überforderung in der Mutterrolle, der Druck, der auf Frauen lastet und die Frage: macht ein Kind glücklich? Mit einer frischen und modernen Sprache schafft es die Autorin, den Leser zu fesseln. Die Figuren blieben dafür für mich ohne Tiefe und Entwicklung. Ich hätte mir von der Geschichte erhofft.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Erschreckend, brisant und realistisch - starker und spannender Anfang, der leider nicht fortgeführt wird

VIEWS
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Yasira Saad ist Kommissarin beim BKA und fassungslos als sie ein Video in den sozialen Medien sieht, das sofort viral geht: drei junge, schwarze Männer, offensichtlich Geflüchtete, vergewaltigen eine junge ...

Yasira Saad ist Kommissarin beim BKA und fassungslos als sie ein Video in den sozialen Medien sieht, das sofort viral geht: drei junge, schwarze Männer, offensichtlich Geflüchtete, vergewaltigen eine junge Frau und werden von einer vierten Person dabei gefilmt. Yasira soll die Ermittlungen leiten und das Verbrechen so schnell es geht aufklären, denn das Mädchen im Video, Lena Palmer, ist bereits einige Tage verschwunden. Schnell kocht das Thema hoch und eine rassistische und rechte Organisation namens "Aktiver Heimatschutz" kündigt Rache an und macht Jagd auf die Täter. Yasira hat keine Zeit zu verlieren und ahnt nicht, dass sie Situation die höchste Eskalationssufe noch gar nicht erreicht hat.

Ich habe zuvor nichts von Marc-Uwe Kling gelesen, aber der Klappentext hat mich neugierig gemacht - brisant und aktueller denn je. Die Handlung könnte 1:1 genauso in Deutschland passieren und ist leider keine düstere Zukunftsvision mehr - und würde sich sehr wahrscheinlich ähnlich schnell hoch schaukeln wie im Buch.
Der Erzählstil ist angenehm zu lesen mit kurzen, knappen Sätzen und Dialogen, die den nötigen Humor haben. Bereits zu Beginn wird eine gute Spannung aufgebaut, die auch lange gehalten werden kann. Die Handlung flacht aber leider oft ab und tritt auf der Stelle. Sehr gut gefallen haben mir die Einblicke in die polizeiliche Ermittlungsarbeit. Man begleitet Yasira als Ermittlerin bei der nervenaufreibenden und oft frustrierenden Suche nach den Tätern und vor allem dem Opfer. Dabei wird schnell klar, dass man sie nicht umsonst als Gesicht der Ermittlungen ausgesucht hat: als Frau mit Migrationshintergrund soll sie für Offenheit und Fortschritt bei der Polizei stehen.
Der Autor greift hier viele aktuelle und wichtige Themen auf: (offener) Rassismus, Polizeiarbeit, Hass und Hetze und rechte Vereinigungen. Die Figuren sind dabei meist sympathisch, bleiben aber blass und ohne Tiefe.
Der Plottwist der Handlung kommt schnell und war dann nicht allzu überraschend. Leider konnte ich mit dem Ende und der Auflösung gar nichts anfangen und es hat für mich auch nicht zur vorangehenden Handlung gepasst.

"Views" ist ein solider Thriller, der Einblick in die spannende Polizeiarbeit in einem hochbrisanten Fall gibt, aber durch eine abflachende Handlung gebremst wird.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Spannender und atmosphärischer Roman, der vor der Kulisse des Schwarzwalds spielt - mit ein paar Schwächen

Schattengrünes Tal
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Lisa lebt gemeinsam mit ihrem Mann Simon mitten im Schwarzwald in Herzogsbrunn, ihre Tochter absolviert gerade ein Auslandsjahr. Lisas Vater betreibt ein kleines Hotel, das jedoch in die Jahre gekommen ...

Lisa lebt gemeinsam mit ihrem Mann Simon mitten im Schwarzwald in Herzogsbrunn, ihre Tochter absolviert gerade ein Auslandsjahr. Lisas Vater betreibt ein kleines Hotel, das jedoch in die Jahre gekommen ist. Sie hilft ihm bei der Buchhaltung, Simon ist Förster im angrenzenden Wald. Lisas ausgeprägten Helferkomplex nutzt ihr Vater Carl gerne aus - trotzdem werden Ideen zur Veränderung und Modernisierung des Hotels ihrerseits stets abgelehnt. Als sich Daniela Arnold als Gast in das Hotel einquartiert, kommt Lisa immer öfter mit ihr ins Gespräch. Die beiden "freunden" sich an und Daniela nimmt einen immer größeren Raum in Lisas Leben ein. Sie ahnt nicht, dass Daniela keine Unbekannte ist und ganz andere Absichten verfolgt als nur den Schwarzwald zu entdecken...

Ich hatte zuvor noch nichts von Kristina Hauff gelesen, aber wie toll ist das Cover bitte? Auch der Klappentext macht direkt Lust aufs Lesen und verspricht eine spannende und tolle Handlung. Das Buch ist dann doch etwas hinter meinen Erwartungen zurück geblieben.

Die Figuren sind allesamt klischeehaft und stereotyp gezeichnet, was allerdings zur Handlung und dem traditionsreichen Umfeld passt. Lisa ist aufopferungsvoll und hilft lieber anderen als sich selbst, Simon ist eher verschlossener, auch wenn sein Charakter oft an der Oberfläche bleibt. Carl ist der typische Patriarch der Familie, er hält die Zügel in der Hand, gibt sie aber auch nicht aus der Hand und nur er ist in seiner Vorstellung stets im Recht. Margret, die eine mehr oder weniger heimliche Liebesbeziehung mit Carl hat und das Hotel mittlerweile so gut wie alleine schmeißt, ist unterwürfig und abhängig. Am interessantesten ist für mich Daniela, die wie aus dem Nichts auftaucht und sich nach und nach sowohl im Dorf als auch im Hotel und Lisas Leben einnistet. Geschickt manipuliert sie jeden in ihrem Umfeld und schnell wird klar, dass sie nicht durch Zufall in genau diesem Hotel gelandet ist.
Die Sprache ist meist neutral, an manchen Stellen fast schon sachlich, man kann der Handlung gut folgen. Die Kapitel sind abwechselnd aus Lisas Simons und Margrets Sicht geschrieben, was dem Leser jeden Charakter nochmal näher bringt. Die Handlung fängt stark an, von Anfang an herrscht eine kaum greifbare und düstere Atmosphäre. Die Spannung baut sich kontinuierlich auf, im letzten Drittel allerdings wird die Handlung zunehmend vorhersehbarer. Das Ende konnte mich nicht wirklich überzeugen und wurde für mich zu schnell abgehandelt.

"Schattengrünes Tal" ist ein interessanter Roman, der mit den Klischees eines idyllischen Dorfes und deren Bewohner spielt und die Themen toxische Beziehungen, Manipulationen und Abhängigkeit beinhaltet.

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