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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.09.2025

Solide

Totenbuch - Bloody Berlin
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Die ägyptische Mythologie hat mich schon immer fasziniert, klar also: Totenbuch – Bloody Berlin muss ich lesen. Ein Thriller / Krimi, der auf der Berliner Museumsinsel spielt, mit einem Mord direkt im ...

Die ägyptische Mythologie hat mich schon immer fasziniert, klar also: Totenbuch – Bloody Berlin muss ich lesen. Ein Thriller / Krimi, der auf der Berliner Museumsinsel spielt, mit einem Mord direkt im Kuppelsaal vor der Nofretete? Klingt erstmal ziemlich vielversprechend. Und ja, das Setting ist auch richtig stark. Auch wenn ich nie dort war, hatte ich sofort Bilder im Kopf. Der Autor versteht es, eine leicht düstere und morbide Atmosphäre aufzubauen.

Allerdings: Wer hier einen knallharten Thriller erwartet, könnte enttäuscht werden. Das Buch wird zwar als Thriller verkauft, liest sich aber eher wie ein klassischer Kriminalroman mit einem Hauch Mystery. Weniger Nervenkitzel, mehr Ermittlungsarbeit. Dafür gibt’s zwei gut erzählte Handlungsstränge, einen in Berlin mit Kommissarin Niedlich und ihrem pensionierten Kollegen Böhm, und einen in London mit DCI Reeves. Zwei Mordfälle, scheinbar unabhängig, aber natürlich hängt alles zusammen. Die Auflösung ist rund, auch wenn es bis dahin ein paar Längen gibt.

Die Figuren haben mir überwiegend gut gefallen, vor allem Magnus Böhm. Kantig, ein bisschen grummelig, mit viel Persönlichkeit. Annetta Niedlich bleibt da etwas blass, was vielleicht daran liegt, dass ich den ersten Band nicht gelesen habe. Die Dynamik zwischen den beiden stimmt aber trotzdem. Weniger überzeugen konnte mich der Gegenspieler, da hätte ich mir einfach mehr Tiefe und Überraschung gewünscht.

Sprachlich ist das Buch eher sachlich gehalten. Kein großes Feuerwerk, aber gut lesbar. Die Einbindung der ägyptischen Mythologie war für mich das Highlight, spannend, gut recherchiert, aber ich hätte mir sogar noch mehr davon gewünscht.

Fazit? Solider Krimi mit starkem Setting, etwas Luft nach oben bei Tempo und Thrill. Eingefleischte Krimifans kommen auf ihre Kosten, wenn man die Erwartungen etwas anpasst.

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Veröffentlicht am 15.07.2025

Nicht schlecht

Haus der langen Schatten
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Haus der langen Schatten von Ambrose Ibsen ist genau das Richtige für alle, die auf Spukhäuser mit Atmosphäre stehen – aber ein bisschen Geduld mitbringen.

Die Story: Kevin Taylor, Handwerker mit YouTube-Kanal, ...

Haus der langen Schatten von Ambrose Ibsen ist genau das Richtige für alle, die auf Spukhäuser mit Atmosphäre stehen – aber ein bisschen Geduld mitbringen.

Die Story: Kevin Taylor, Handwerker mit YouTube-Kanal, will ein altes, verlassenes Haus in 30 Tagen renovieren. Fixer Upper lässt grüßen. Kamera läuft, alles wie immer, bis sich Schatten bewegen, irgendwelche Stimmen zu hören sind und eine Leiche im Keller liegt. Ab da wird’s richtig ungemütlich.

Der Grusel zieht langsam an, wird aber von Kapitel zu Kapitel dichter, intensiver, besser. Wenn’s dann läuft, will man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Auflösung ist stimmig, das Finale stark, der Stil schön schnörkellos und die kurzen Kapitel machen’s angenehm zu lesen.

Aber – und das ist ein wirklich dickes Aber – der Anfang zieht sich. Lange. Zu lange. Man kriegt viel Alltagsgeplänkel, Handwerker-Content und wenig Spannung. Wer hier durchhält, wird belohnt, aber es braucht Ausdauer. Kevin selbst ist dabei nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte – Typ „Ich hör was im Keller, ich geh da mal allein runter“ – aber das kennt man ja aus unzähligen Horrorfilmen. Kann man mögen, muss man aber nicht, ich finde, das Konzept nutzt sich so allmählich ab.

Insgesamt: Kein Genre-Meilenstein, aber ein solider, stimmungsvoller Gruselroman, der stark beginnt – wenn man denn bereit ist, sich durch die ersten belanglosen Kapitel zu kämpfen. Für Fans von Hill House oder Paranormal Activity ein schöner nächtlicher Lesetrip mit Schauer-Garantie.

7/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/07/15/haus-der-langen-schatten-moderne-spukhausgeschichte/

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Veröffentlicht am 21.02.2025

Seichter Grusel

Geister in Blackwood House
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Ob man an Geister glaubt oder nicht – das klassische Haunted-House-Setting hat immer seinen Reiz. Geister in Blackwood House von Darcy Coates bedient genau diese Atmosphäre: Ein altes Haus mit düsterer ...

Ob man an Geister glaubt oder nicht – das klassische Haunted-House-Setting hat immer seinen Reiz. Geister in Blackwood House von Darcy Coates bedient genau diese Atmosphäre: Ein altes Haus mit düsterer Vergangenheit, unerklärliche Ereignisse und eine Protagonistin, die hartnäckig an der Realität festhält. Klingt nach der perfekten Mischung für einen spannenden Spukroman – doch konnte das Buch meine Erwartungen erfüllen?

Die Geschichte folgt Mara, die in einer Familie von betrügerischen Spiritualisten aufgewachsen ist und daher nichts mehr mit Aberglauben zu tun haben will. Gemeinsam mit ihrem Freund Neil kauft sie das heruntergekommene Blackwood House, das schnell unheimliche Eigenheiten zeigt: Türen öffnen sich von selbst, Schreie hallen durch die Nacht – doch Mara weigert sich standhaft, an Geister zu glauben. Diese Prämisse ist spannend, doch leider verliert sich die Geschichte schnell in ihrer Vorhersehbarkeit.

Während Darcy Coates es schafft, eine dichte und stimmungsvolle Atmosphäre zu erschaffen – knarrende Dielen, dunkle Schatten und ein Haus, das ein Eigenleben zu haben scheint – bleibt der Gruselfaktor eher seicht. Wer subtilen, langsam steigenden Horror mag, wird hier auf seine Kosten kommen, doch echte Schockmomente bleiben aus. Das größte Problem sind jedoch die Figuren: Besonders Mara wirkt mit ihrer sturen Ablehnung des Übernatürlichen irgendwann einfach nur unglaubwürdig und unsympathisch. Auch die Nebenfiguren bleiben blass, sodass es schwerfällt, emotional mitzufiebern.

Positiv hervorzuheben ist der flüssige, gut lesbare Schreibstil, der die düstere Atmosphäre schön einfängt und das Buch schnell konsumierbar macht. Doch trotz des stimmungsvollen Settings bleibt Geister in Blackwood House hinter meinen Erwartungen zurück. Wer sich langsam an das Genre herantasten möchte oder eher leichten Spuk als knallharten Horror sucht, könnte hier trotzdem fündig werden.

6/10 – stimmungsvolle Spukgeschichte, aber ohne echten Nervenkitzel.

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Veröffentlicht am 10.12.2024

Guter Roman, handwerkliche Schwächen

Nachbarinnen
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Zitat:

„Und wie ist das eigentlich, wenn wir schon sehr lange auf die Erfüllung eines Herzenswunsches gewartet haben? Können wir uns auf der Stelle so richtig freuen?“

So hat's mir gefallen:

Die Geschichte, ...

Zitat:

„Und wie ist das eigentlich, wenn wir schon sehr lange auf die Erfüllung eines Herzenswunsches gewartet haben? Können wir uns auf der Stelle so richtig freuen?“

So hat's mir gefallen:

Die Geschichte, die uns Ella Danz hier auftischt – vier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, jedoch durch ihre Nachbarschaft und ihre individuellen Schicksale miteinander verbunden sind – ist durchaus sehr spannend und größtenteils auch gut gelungen. Jenny wünscht sich verzweifelt ein Kind, Vera kümmert sich aufopferungsvoll um ihren behinderten Mann, Tanja wuppt die Erziehung ihrer drei Kinder im Alleingang, und Frederike widmet sich voll und ganz ihrem kränklichen Sohn. Diese Figuren und ihre Lebensrealitäten bieten ein starkes Fundament für ein Buch, das von Liebe, Aufmerksamkeit, aber auch Verlust und der Suche nach Anschluss handelt.

Die abwechselnde Erzählweise aus der Sicht der vier Frauen fand ich sehr gelungen und authentisch. Doch hier steht sich die Autorin auch ein klein wenig selbst im Weg. Zu diesen Sichtweisen ergänzt sie eine übergeordnete Erzählperspektive, und bei einer Figur wird direkt aus der Sicht von Tagebucheinträgen erzählt. Das ist einzeln genommen nichts Schlechtes, nur in Kombination funktioniert das nicht wirklich. Das hat meinen Lesefluss des Öfteren enorm unterbrochen. Diese stilistische Uneinheitlichkeit vermittelt eher den Eindruck, als sei die Autorin selbst unsicher gewesen, welcher Erzählstil der Geschichte am besten gerecht wird.

Die Figurenzeichnung ist hingegen gut gelungen, wenngleich nicht durchgehend überzeugend. Während drei Figuren durchaus authentisch beschrieben sind, wirkt eine doch etwas konstruiert und weniger glaubwürdig als der Rest. Dieser Kontrast ist sichtbar, die Grundidee dahinter bleibt aber dennoch spannend.

Trotz der handwerklichen Schwächen bleibt „Nachbarinnen“ ein lesenswertes Buch, das durch seine Themen und die einfühlsame Betrachtung menschlicher Schicksale überzeugt. Es hat mich stellenweise zum Nachdenken angeregt und zeigt auf, dass hinter jeder Fassade eine individuelle Lebensgeschichte steckt. Für Fans zwischenmenschlicher Dramen und facettenreicher Figuren lohnt sich definitiv ein Blick – auch wenn handwerklich und im Bereich des Erzählstils noch Luft nach oben ist.

7/10

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Ganz ok

Das Jahr voller Bücher und Wunder
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Was habe ich mich im Vorfeld auf „Das Jahr voller Bücher und Wunder“ gefreut. Doch am Ende muss ich sagen, es war einfach nicht meins.

Tilly erhält an ihrem Geburtstag einen überraschenden Anruf aus einem ...

Was habe ich mich im Vorfeld auf „Das Jahr voller Bücher und Wunder“ gefreut. Doch am Ende muss ich sagen, es war einfach nicht meins.

Tilly erhält an ihrem Geburtstag einen überraschenden Anruf aus einem kleinen Buchladen. Ihr verstorbener Ehemann Joe hat dort ein Geschenk hinterlegt: ein Jahr voller Bücher, jeden Monat ein Titel, der sie begleiten soll. Fünf Monate nach seinem Tod steckt Tilly in der Trauer fest. Diese Bücher sollen sie wieder hinaus in die Welt schicken: nach New York, Paris, in die Toskana und bis nach Bali.

Klingt eigentlich nach einer Geschichte, die genau meins sein müsste. Ist sie aber nicht. Die Story ist nicht schlecht und handwerklich passt alles, doch emotional hat es mich nicht interessiert. Ich konnte auch zu Tilly und den Nebenfiguren keine Verbindung aufbauen. Vieles wirkte auf mich eher zu distanziert. Das ist schade, denn genau solche Geschichten leben davon, dass man mitfühlt.

Einige Passagen erinnern zudem an P.S. Ich liebe dich, und auch wenn das sicher für viele ein Pluspunkt ist, war es für mich eher ein Minuspunkt. Mit diesem Film konnte ich schon damals wenig anfangen, daher hat’s mir auch hier nicht gefallen. Vielleicht ist es auch einfach eines der Bücher, für die man in der exakt richtigen Stimmung sein muss. Ich war es offenbar nicht.

Das ist natürlich meine rein persönliche Einschätzung. Der Roman ist solide geschrieben, die Idee nicht schlecht und viele werden genau das bekommen, was sie suchen: eine warmherzige Geschichte über Verlust und das Wiederentdecken des Lebens. Für mich war’s allerdings nix.

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