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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.12.2025

Krimi im Berlin des Winters 1946/47

Die weiße Nacht
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Berlin im Hungerwinter 1946/47. Inmitten der zerstörten Stadt ermitteln Lou Faber und Alfred König in dem Fall einer toten Frau, die Lou im Schnee gefunden hat. Lou ist Fotografin, was sie Details sehen ...

Berlin im Hungerwinter 1946/47. Inmitten der zerstörten Stadt ermitteln Lou Faber und Alfred König in dem Fall einer toten Frau, die Lou im Schnee gefunden hat. Lou ist Fotografin, was sie Details sehen lässt, die andere übersehen. Diese ist ihre besondere Fähigkeit, die sie von andren unterscheidet (sie erinnert hierin etwas an Charlotte Ritter bei Volker Kutscher). Die Kälte des Winters, die nebelverhangene Witterung, die Not der Menschen und die Fährnisse des Alltags entwickeln eine Stimmung, welche sich durch den gesamten Roman zieht. Dabei hat der Roman eine fundierte und sauber recherchierte historische Basis. Passend zu dieser gedämpften Atmosphäre entwickelt sich der Kriminalfall Schritt für Schritt, ruhig, langsam aber stetig. Die Hintergründe und Zusammenhänge der Geschichte werden so langsam immer deutlicher.
Das Erzähltempo nimmt zu Schluß immer mehr zu, und die unterschiedlichen Spuren des Falles werden geschickt verknüpft.
Dabei sind die Beschreibung der Protagonisten Lou und König glaubwürdig und logisch rund, und auch der gesamte logische Aufbau des Falles ist stimmig.
Anne Stern ist mit 'Die weiße Nacht' ein Buch gelungen, das nicht nur einen spannenden Kriminalfall, sondern eine bewegende und detailreiche Darstellung der Lebensumstände im Nachkriegswinter 1946/47 darstellt.

Veröffentlicht am 24.11.2025

Die Komplexität der Figur Medea

Medea
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Das Buch bietet eine tiefgründige, mitleidige Interpretation der traditionellen "Bösewichtin" der griechischen Mythologie. Hewlett erzählt von Medeas Kindheit, ihrer Isolation und den missbräuchlichen ...

Das Buch bietet eine tiefgründige, mitleidige Interpretation der traditionellen "Bösewichtin" der griechischen Mythologie. Hewlett erzählt von Medeas Kindheit, ihrer Isolation und den missbräuchlichen Beziehungen zu den Männern in ihrem Leben (Vater, Bruder und schließlich Jason). Jason wird als arroganter, manipulierender und naiver Scharlatan dargestellt, dessen Ruhm hauptsächlich auf Medeas Taten beruht.
Trotz ihrer schrecklichen Taten wird Medea nicht als reines Opfer dargestellt wird, sondern als eine komplexe Figur, die Entscheidungen trifft, die aus Trauma, Verrat und dem Wunsch nach Liebe resultieren. Die Autorin schafft es, Medeas Handlungen nachvollziehbar zu machen, ohne sie zu entschuldigen, und betont dabei ihre immense Macht als Zauberin.
Die frische, moderne Perspektive des einen antiken Mythos hat mich begeistert und zum Nachdenken angeregt.
Das Buch ist eine gelungene, mitreißende und schmerzhaft schöne Nacherzählung des Stoffes.

Veröffentlicht am 22.10.2025

Intensiver Roman über menschliche Begegnungen

Dius
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Stefan Hertmans Roman Dius erzählt die Geschichte des Professors Anton, dessen Leben durch das unerwartete Erscheinen eines mysteriösen Studenten namens Dius durcheinandergewirbelt wird. Dius, frech und ...

Stefan Hertmans Roman Dius erzählt die Geschichte des Professors Anton, dessen Leben durch das unerwartete Erscheinen eines mysteriösen Studenten namens Dius durcheinandergewirbelt wird. Dius, frech und unkonventionell, bahnt sich seinen Weg in Antons Privatleben und lädt ihn auf eine Reise in ein altes Dorfhaus ein. Hertmans entwirft ein psychologisch dichtes Szenario, in dem die Grenzen zwischen Lehrer und Schüler verschwimmen. Der Roman ist eine packende Auseinandersetzung um die menschlichen Psyche und Beziehungen. Hertmans brilliert mit feinfühliger Erzählkunst und lässt die Leser tief in die Gefühlswelten seiner Figuren eintauchen. Die nordische Landschaft dient als atmosphärischer Hintergrund für diese subtile Erzählung. Es ist ein intensives Werk, das zum Nachdenken über menschliche Begegnungen anregt.

Veröffentlicht am 14.10.2025

Schonungsloser Roman

Adama
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Adama verfolgt das Schicksal von Ruth, einer jungen ungarischen Zionistin, die den Nazis in Budapest entkommen ist. Das Buch erstreckt sich über vier Generationen – von 1945 bis ins Jahr 2009 – und begleitet ...

Adama verfolgt das Schicksal von Ruth, einer jungen ungarischen Zionistin, die den Nazis in Budapest entkommen ist. Das Buch erstreckt sich über vier Generationen – von 1945 bis ins Jahr 2009 – und begleitet Ruth, ihre Familie und Nachkommen durch Verwerfungen und Gewalt, aber auch durch Liebe, Loyalität und Verrat. Adama ist ein kraftvoller, ambitionierter Roman, der Geschichte und Fiktion vereint zu einer schonungslosen Darstellung von Idealismus, Schmerz und den Opfern, die mit dem Aufbau eines Staates verbunden sind. Er zwingt zur Reflexion: über das, was Menschen erreichen wollen, und über das, was sie dafür geben müssen – moralisch, emotional, menschlich. Für Leser*innen, die Interesse an Israels Geschichte, an Familiengeschichten in turbulenten Zeiten und an literarischer Tiefe haben, ist Adama eine lohnenswerte Lektüre. Weniger geeignet ist das Buch für diejenigen, die leichte Unterhaltung suchen oder die sich nicht mit schweren Themen auseinandersetzen möchten.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Eindringlicher Roman über Freundschaft, Verrat und Vergebung

Weißes Licht
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Weißes Licht von Eric Puchner ist ein eindringlicher und spannungsvoller Roman über die Themen Freundschaft und Verrat, Verantwortung und Vergebung. Die Szenerie (Montana, abgelegene Landschaft, Natur, ...

Weißes Licht von Eric Puchner ist ein eindringlicher und spannungsvoller Roman über die Themen Freundschaft und Verrat, Verantwortung und Vergebung. Die Szenerie (Montana, abgelegene Landschaft, Natur, Isolation) wird nicht nur als Kulisse genutzt, sondern als Spiegel für das Innenleben der Figuren – Einsamkeit, Rückzug, aber auch Sehnsucht nach Verbundenheit. Diese Verbindung hebt das Buch über bloße Beziehungsdramen hinaus. Es ist ein Buch, das nicht laut daherkommt, sondern leise wirkt — und doch nachhallt. Wer Freude an tiefgehenden Charakterstudien, Zeitsprüngen und subtiler Emotionalität hat, wird die Lektüre genießen. Für Leser, die starke Handlungstränge oder schnelle Entwicklungen bevorzugen, ist es wohl nicht ideal — aber gerade in seinen ruhigen Momenten liegt die Kraft des Buches.

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