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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.10.2025

Gute Unterhaltung

Das glückliche Leben
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„Das glückliche Leben“ von David Foenkinos
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Dies war mein erstes Buch von David Foenkinos und ich bin gut in die Geschichte hineingekommen.
Der Schreibstil ist flüssig, leicht ...

„Das glückliche Leben“ von David Foenkinos
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Dies war mein erstes Buch von David Foenkinos und ich bin gut in die Geschichte hineingekommen.
Der Schreibstil ist flüssig, leicht und sehr angenehm, die kurzen Kapitel halten den Lesefluss wunderbar aufrecht.
Die Geschichte ist interessant und hat viele spannende Ansätze. Dennoch sind mir die beiden Hauptfiguren, Amélie und Éric, zunächst fremd geblieben. Ihre Emotionen wurden meines Erachtens nicht richtig herausgearbeitet.
So war für mich zum Beispiel nicht nachvollziehbar, warum Éric seinen sicheren und gut bezahlten Job bei Decathlon aufgibt, um einen schlechter bezahlten Regierungsjob mit vielen Reisen, die ihm Unbehagen bereiten, anzunehmen. Das wirkte auf mich nicht ganz realistisch.
Auch Amélie, die ihr Leben nach außen perfekt erscheinen lässt, während es innen bröckelt, bleibt etwas schematisch.
Im weiteren Verlauf gewinnt die Geschichte, Éric wird sympathischer und seine Idee mit den Fake-Beerdigungen greift einen interessanten Zeitgeist nach der Pandemie auf.
Die Aufarbeitung seiner schwierigen Beziehung zur Mutter ist einfühlsam und realistisch beschrieben und hat mir sehr gut gefallen.
Insgesamt jedoch bleiben viele Entwicklungen oberflächlich, die Figuren zeigen wenig Tiefe und die Handlung hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Vor allem im letzten Teil wirkte die Handlung für mich etwas vorhersehbar. Einige Entwicklungen wurden recht schnell erzählt und hätten nach meinem Empfinden mehr Tiefe und Zeit verdient.
Trotz dieser Kritikpunkte bleibt es ein kurzweiliger Roman, den man gerne liest. Foenkinos schreibt charmant, locker und unterhaltsam über Veränderungen, Neubeginne und die Suche nach dem eigenen Ich.
Die Idee mit der Fake-Beerdigung ist gelungen und zeigt auf, wie unterschiedlich der Weg zum Glück ist.
„War das Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit nicht der Schlüssel zur Gestaltung der Zukunft?“ (Seite 152)
Die Story konnte mich gut unterhalten, der Autor überzeugt mit seinem lockeren Schreibstil.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Wie eine ferne Melodie

Die Geschichte des Klangs
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„Die Geschichte des Klangs“ von Ben Shattuck, gelesen von Reinhard Kuhnert und Tessa Mittelstaedt 

Verlag: Hörbuch Hamburg

Es gibt Geschichten, die nicht laut erzählen müssen, um lange nachzuhallen, ...

„Die Geschichte des Klangs“ von Ben Shattuck, gelesen von Reinhard Kuhnert und Tessa Mittelstaedt 

Verlag: Hörbuch Hamburg

Es gibt Geschichten, die nicht laut erzählen müssen, um lange nachzuhallen, sie klingen leise, wie eine ferne Melodie, die man erst im Innersten hört.
Die Geschichte des Klangs von Ben Shattuck ist eine solche Geschichte.

Ben Shattuck erzählt von zwei jungen Männern, Lionel und David, die sich in einer Bar begegnen. Der Klang der Musik führt sie zusammen und daraus wächst eine leise Liebe, die ein Leben lang nachhallt.

Nach dem Krieg ziehen die beiden Männer durch die Landschaft, durch Wälder, über weiche Nadelbetten, unter einem Himmel, der ihre Liebe zu segnen scheint.
Mit einer alten Phonographenwalze nehmen sie Lieder auf, und zwischen den Klängen, zwischen den Atemzügen, in stillen Momenten schwingt ihre Liebe mit.
Doch wie ein Lied, das unvermittelt verklingt, reißt auch ihr Kontakt ab.
Jahrzehnte später, in den 1980er Jahren, findet Anni beim Entrümpeln ihres neu gekauften Hauses die alten Wachszylinder und mit ihnen erwacht die Liebe der beiden noch einmal leise zum Leben.
Ihre Entdeckung öffnet jedoch nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Frage nach ihrem eigenen Leben: Was wäre gewesen, hätte sie selbst anders geliebt, anders gelebt?
Ben Shattuck schreibt mit einer Zartheit, die wie ein Windhauch berührt. Seine Sprache ist poetisch, feinfühlig und warm. Sie lässt Raum für Nachklang und all das, was zwischen den Zeilen geschieht.
Ich habe diese Geschichte mit dem Herzen gehört. Reinhard Kuhnert und Tessa Mittelstaedt lesen mit einer unglaublichen Sanftheit. Ihre Stimmen tragen das ganze Gewicht der Erinnerung und zugleich die Leichtigkeit einer längst vergangenen Liebe.
Die Geschichte des Klangs ist kein lautes Buch, aber es berührt tief.
Und wenn das letzte Wort verhallt, bleibt etwas ganz Leises zurück, wie der Nachklang eines Tons, der noch lange im Herzen weiterklingt.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Tradwife?!

Heimat
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„Heimat“ von Hannah Lühmann
Verlag: hanserblau / Hörbuch: Argon, gelesen von Heike Warmuth

Jana, schwanger und Mutter von zwei Kleinkindern, zieht mit ihrem Ehemann Noah aufs Land. Dort lernt sie Karolin ...

„Heimat“ von Hannah Lühmann
Verlag: hanserblau / Hörbuch: Argon, gelesen von Heike Warmuth

Jana, schwanger und Mutter von zwei Kleinkindern, zieht mit ihrem Ehemann Noah aufs Land. Dort lernt sie Karolin kennen: Mutter, Hausfrau und Influencerin. Mit Überzeugung postet Karolin ihr Leben als Tradwife, ganz der traditionellen Rolle verschrieben. Jana hat eigentlich andere Werte, doch sie kann sich den konservativen Aussagen und dem Einfluss von Karolin nicht entziehen. Immer mehr fasziniert sie deren Leben. Und doch gibt es kleine Einblicke, die zeigen, dass nicht alles heil ist in Karolins Welt.
Die Autorin zeigt sehr eindrücklich, wie sich Janas Leben und ihre Haltung ganz subtil verändern. Ihren Job hatte sie schon gekündigt, bald endet auch die Ehe mit Noah. Schließlich findet sie sich in der Dorfgemeinschaft der Frauen wieder, getragen von gegenseitiger Unterstützung mit den Kindern und einem Lebensentwurf voller alter Werte. Selbst die Nähe zur AfD schreckt Jana nicht mehr ab. Stück für Stück übernimmt sie die Ansichten von Karolin, und mit jeder Story und jedem Beitrag auf Social Media rutscht sie tiefer in den Dunstkreis der Frauen.
Hannah Lühmann beschreibt ein beklemmendes und gleichzeitig sehr realistisches Szenario. Rechtsgerichtete Strömungen, tradwives und das Dorfleben greifen ineinander und zeigen, wie leicht Menschen, die schon zweifeln, beeinflusst werden können. Karolin wirkt charismatisch und selbstbewusst, sie lebt ihren konservativen Lebensstil mit einer Überzeugung, die ansteckend wirkt. Jana, die nie in diesem Rollenbild landen wollte, ertappt sich immer öfter bei dem Gedanken, Karolin zu bewundern.
Der Schreibstil ist klar und ruhig, gerade das zieht mich als Leserin an. Realistisch werden Begegnungen geschildert, unterschwellige Meinungen wirken fast wie freundlich eingetrichtert. Jana und Karolin sind sehr authentisch gezeichnet. Was mir jedoch gefehlt hat, war mehr Hintergrund zu den Ehemännern Noah und Clemens. Auch das Ende hat mich nicht überzeugt: zu viele Andeutungen, zu viele offene Möglichkeiten, was mich eher unzufrieden zurückgelassen hat.
Das Hörbuch habe ich parallel gehört und war begeistert von der Sprecherin Heike Warmuth. Sie transportiert die beklemmende Stimmung und die unterschwelligen Hinweise mit großer Präzision. Durch ihre klare und nuancierte Stimme gelingt es, die HörerInnen unmittelbar in Janas Situation zu versetzen. Besonders eindrücklich vermittelt sie, wie subtil Einflussnahme geschehen kann und wie man, wider der eigenen Überzeugungen, Schritt für Schritt in den Bann rechtspopulistischer Denkweisen gerät. Das macht das Hörbuch zu einer sehr gelungenen Ergänzung zum Roman.
Trotzdem bleibt ein Roman, der aktuelle Themen sehr gelungen aufgreift, zum Nachdenken und Diskutieren anregt und gerade deshalb in einem Leseclub hervorragend aufgehoben ist. Das Hörbuch verstärkt die Atmosphäre zusätzlich. Für mich sind es vier Sterne.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Empfehlung !

Welcome Home – Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?
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„Welcome Home“ von Arno Strobel, gelesen von Sascha Rotermund

Verlag:Argon Hörbuch

Ines und Marco Winkler ziehen
mit ihrer kleinen Tochter Emilia und Labradoodle James in ihr neues Eigenheim Auf Mons. ...

„Welcome Home“ von Arno Strobel, gelesen von Sascha Rotermund

Verlag:Argon Hörbuch

Ines und Marco Winkler ziehen
mit ihrer kleinen Tochter Emilia und Labradoodle James in ihr neues Eigenheim Auf Mons.

Doch bereits in der ersten Nacht verändert sich alles. Marco wird durch James’ tiefes Knurren geweckt, ein Laut, den er noch nie zuvor von seinem Hund gehört hat.

Und Ines entdeckt wenig später einen unheimlichen Lichtschein im Nachbarhaus. Am nächsten Morgen ist klar- es war keine Täuschung. Ein Mord ist geschehen.

Von da an herrscht Angst in der Siedlung.
Wer oder was geht Auf Mons um?

Alle Türen und Fenster sind verschlossen und doch fühlen sich einige Bewohner in ihrem Haus beobachtet.

Allein dieser Gedanke lässt das Herz beim Lesen/Hören schneller schlagen.

Wie kann jemand unbemerkt in die Häuser eindringen? Sind es Geister? Doch Geister morden nicht! Die Panik wächst, die Polizei wirkt machtlos und die Nachbarn beginnen in Schichten durch die Straßen zu patrouillieren, um ihre Familien zu schützen.

Strobel erschafft eine Atmosphäre voller Nebel und Schatten, düster, beklemmend, mit echtem Gänsehaut-Feeling.

Wer ist der Nächste? Und warum fehlt bei allen Opfern das Blut? Diese Frage stellen sich nicht nur die Bewohner der Siedlung, auch ich als Hörbuchhörerin habe sie mir gestellt.

Die Vergangenheit einzelner Bewohner wirft Fragen auf, Menschen verschwinden und Marco weiß bald nicht mehr, wem er noch vertrauen kann. Das eigene Haus, eigentlich ein Ort der Sicherheit, wird zur Bedrohung.

Der Schreibstil ist flüssig, spannend und mit einer gezielt eingesetzten Spannungskurve versehen.

Sascha Rotermund verstärkt das Ganze durch seine Stimme noch einmal- intensiv, lebendig und mitreißend zieht er die Hörer:innen mitten hinein in das Geschehen.

Eine fesselnde Geschichte mit starkem Setting und einer Auflösung, die überzeugt. Etwas schade ist, dass der typische Wow-Effekt mit einer Überraschung am Ende fehlt.

Trotzdem ein Thriller, den ich gerne gehört habe und bei dem sich mir nachts die Nackenhaare aufrichteten.
Von mir gibt es 4 Sterne für diesen atmosphärischen Thriller.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Das Leben ist ein Geschenk

Furye
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„Furye“ von Kat Eryn Rubik, gelesen von Alina Vimbai Strähler
Dauer: 8 Stunden 44 Minuten
Verlag: DUMONT audiobook

Sie nennen sich Alec, Meg und Tess, sind 17 Jahre alt und geben sich selbst den Namen ...

„Furye“ von Kat Eryn Rubik, gelesen von Alina Vimbai Strähler
Dauer: 8 Stunden 44 Minuten
Verlag: DUMONT audiobook

Sie nennen sich Alec, Meg und Tess, sind 17 Jahre alt und geben sich selbst den Namen „Furien“ nach der griechischen Mythologie. Drei Mädchen, die sich das Leid aus ihren Elternhäusern miteinander teilen: Meg kommt zwar aus guten Verhältnissen, doch ihre Mutter ist alkoholsüchtig. Tess hat einen prügelnden Vater. Alec wiederum stammt aus einer Migrantenfamilie, deren akademische Abschlüsse nichts wert sind.
Dann war da noch Romain, der Sohn eines reichen und einflussreichen Vaters. Zwischen Alec und ihm entsteht eine Beziehung voller Liebe. Seltsam war, dass er sich in der Schule nicht mit ihr zeigen wollte, oft in seiner eigenen Welt lebte. Bis Alec eine Entscheidung traf, die sie ihr Leben lang verfolgen sollte.
Heute ist Alec eine erfolgreiche Musikmanagerin, kinderlos und Single. Ihr Vater ist an Krebs gestorben, ihre Mutter kämpft sich zurück ins Leben. Sie selbst glaubt, nichts mehr fühlen zu können. Dann bekommt sie eine schlimme Diagnose. Sie setzt sich ins Auto und fährt zurück in die Stadt, die sie zwanzig Jahre lang gemieden hat. Zurück zu den Erinnerungen, die sie so tief vergraben glaubte.
Die Autorin erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen, Vergangenheit und Gegenwart. Stück für Stück wird klar, was damals passiert ist und warum es zu den Tragödien kam. Vergangenheit und Gegenwart treffen sich, genau wie Alec und Romain.
Die Liebe ist spürbar, aber die Wut steht ihr in nichts nach.
Der Schreibstil ist hart, voller bitterer Tränen, Gewalt, Depressionen, Suizid. Durch die Gegenwart der Erzählerin und die Einträge aus dem Notizbuch der Vergangenheit konnte ich mitleiden und mitfühlen. Die Kapitel sind spannend, authentisch und fesselnd beschrieben. Manchmal hätte ich mir bei den sehr heftigen Geschehnissen noch etwas mehr Tiefe gewünscht. Auch wenn das Ende schon etwas vorhersehbar war, hat es mich doch überrascht und genau das macht die Geschichte intensiv.
Ein bewegender Roman über das, was hätte sein können - Wahrheiten und Lügen. Und ein Wunder, ein Neuanfang.
Die Sprecherin Alina Vimbai Strähler hat mich sofort in die Geschichte hineingezogen. Mit ihrer klaren, ausdrucksstarken Stimme transportiert sie die Emotionen der Figuren glaubhaft und verleiht sowohl der jungen Alec, als auch der Erzählerin von heute eine gewisse Tiefe.
Sie schafft es, die Härte und Schwere der Handlung spürbar zu machen, ohne dabei ins Pathetische zu rutschen. Für mich eine perfekte Wahl für dieses Hörbuch.
Ein bewegender Roman über das, was hätte sein können - Wahrheiten und Lügen.
Und ein Wunder, ein Neuanfang.
„Hier bin ich. Ich bin. Ich bin. Das Leben ist ein großes Geschenk.“ (Kapitel 2/7,5%)

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