Spannend, jedoch mit schwachem Ende
The Final WifeIn einer kalten Herbstnacht werden die idyllischen Cotswolds zum Schauplatz eines rätselhaften Verbrechens. Von Beginn an scheint etwas nicht zu stimmen und Detective Rebecca Dance hat schnell das Gefühl, ...
In einer kalten Herbstnacht werden die idyllischen Cotswolds zum Schauplatz eines rätselhaften Verbrechens. Von Beginn an scheint etwas nicht zu stimmen und Detective Rebecca Dance hat schnell das Gefühl, dass mehr hinter dem Fall steckt. Wurde der erfolgreiche Schönheitschirurg Luke Whitney, der in dem wunderschönen Cottage aufgefunden wird, von seiner Frau Anna umgebracht? Zwar gesteht sie sofort, doch Details zum Tathergang kennt sie nicht. Noch nicht einmal, warum sie ihren Mann getötet hat, leuchtet (ihr) ein. Außerdem gibt der Tatort dem Ermittlerteam Rätsel auf. So beginnen die Nachforschungen, die nach und nach die düsteren Abgründe ans Licht zerren, die sich hinter der Fassade einer scheinbar perfekten Ehe auftun. Immer deutlicher wird, dass viele Frauen einen Grund gehabt hätten, Luke zu töten. Ob Detective Rebecca Dance den Fall mit ihrem ausgeprägten Gespür für Wahrheit und Lügen lösen kann?
Mich hat das Buch etwas unschlüssig zurückgelassen, da es viele Stärken, aber auch einige Schwächen aufweist. Wie es sich für einen Thriller gehört, ist das Werk sehr spannend geschrieben. Schon auf der ersten Seite wird man ins Geschehen geworfen und ist so ratlos wie die Ermittler selbst. Insbesondere durch die Perspektivwechsel konnte mich das Buch fesseln, da man selbst mit widersprüchlichen Erinnerungen und Aussagen konfrontiert wird und nicht weiß, wem man trauen kann. So habe ich beim Lesen viele Theorien aufgestellt, die ich jedoch alle für mich ausschließen konnte. Durch die Perspektivwechsel und Zeitsprünge musste ich manchmal etwas überlegen, bis ich das Gelesene (zeitlich) einordnen konnte. Sehr gefallen hat mir, wie man Stück für Stück die Abgründe, welche für das Werk zentral sind, kennenlernt und immer mehr begreift, was für ein Mensch Luke Whitney war. Die Ausarbeitung seines Charakters und der Beziehungen der Charaktere zueinander – mitsamt der Beziehungsdynamiken – fand ich gut umgesetzt und sehr spannend.
Weniger glaubwürdig war für mich jedoch – und das ist mein großer Kritikpunkt an dem Werk – die Auflösung des Falls. Ohne zu spoilern lässt sich hierzu nicht viel sagen, aber mich hat am Ende leider einiges gestört. Teils war die Lösung vorhersehbar, teils aber meiner Meinung nach so absurd, dass ich damit überhaupt nicht einverstanden war. Auch die Vorgehensweise der Polizei hat mich doch überrascht - und nicht unbedingt im positiven Sinne. Dadurch werden die Charaktere, die ich bis zur Auflösung des Falls noch für sehr gelungen hielt, unrealistisch. Abgesehen davon nahm mir im letzten Part des Werkes das Privatleben von Rebecca, mit der ich bis zuletzt nicht ganz warm geworden bin, zu viel Raum ein.
Insgesamt habe ich das Buch als äußerst spannend und die Zeitsprünge und Perspektivwechsel als sehr interessant wahrgenommen. Zudem hat mir die düstere Atmosphäre des Werkes gefallen und wie immer wieder Risse in der scheinbar perfekten Fassade deutlich wurden. Die Schicksale der Charaktere waren für mich hart, aber bis zur Auflösung sehr gut greifbar. Leider konnte mich das Ende des Werkes jedoch nicht abholen: Ein starker Einstieg, ein spannender Hauptteil und ein schwaches Ende.