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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.10.2025

Spannend, jedoch mit schwachem Ende

The Final Wife
6

In einer kalten Herbstnacht werden die idyllischen Cotswolds zum Schauplatz eines rätselhaften Verbrechens. Von Beginn an scheint etwas nicht zu stimmen und Detective Rebecca Dance hat schnell das Gefühl, ...

In einer kalten Herbstnacht werden die idyllischen Cotswolds zum Schauplatz eines rätselhaften Verbrechens. Von Beginn an scheint etwas nicht zu stimmen und Detective Rebecca Dance hat schnell das Gefühl, dass mehr hinter dem Fall steckt. Wurde der erfolgreiche Schönheitschirurg Luke Whitney, der in dem wunderschönen Cottage aufgefunden wird, von seiner Frau Anna umgebracht? Zwar gesteht sie sofort, doch Details zum Tathergang kennt sie nicht. Noch nicht einmal, warum sie ihren Mann getötet hat, leuchtet (ihr) ein. Außerdem gibt der Tatort dem Ermittlerteam Rätsel auf. So beginnen die Nachforschungen, die nach und nach die düsteren Abgründe ans Licht zerren, die sich hinter der Fassade einer scheinbar perfekten Ehe auftun. Immer deutlicher wird, dass viele Frauen einen Grund gehabt hätten, Luke zu töten. Ob Detective Rebecca Dance den Fall mit ihrem ausgeprägten Gespür für Wahrheit und Lügen lösen kann?


Mich hat das Buch etwas unschlüssig zurückgelassen, da es viele Stärken, aber auch einige Schwächen aufweist. Wie es sich für einen Thriller gehört, ist das Werk sehr spannend geschrieben. Schon auf der ersten Seite wird man ins Geschehen geworfen und ist so ratlos wie die Ermittler selbst. Insbesondere durch die Perspektivwechsel konnte mich das Buch fesseln, da man selbst mit widersprüchlichen Erinnerungen und Aussagen konfrontiert wird und nicht weiß, wem man trauen kann. So habe ich beim Lesen viele Theorien aufgestellt, die ich jedoch alle für mich ausschließen konnte. Durch die Perspektivwechsel und Zeitsprünge musste ich manchmal etwas überlegen, bis ich das Gelesene (zeitlich) einordnen konnte. Sehr gefallen hat mir, wie man Stück für Stück die Abgründe, welche für das Werk zentral sind, kennenlernt und immer mehr begreift, was für ein Mensch Luke Whitney war. Die Ausarbeitung seines Charakters und der Beziehungen der Charaktere zueinander – mitsamt der Beziehungsdynamiken – fand ich gut umgesetzt und sehr spannend.

Weniger glaubwürdig war für mich jedoch – und das ist mein großer Kritikpunkt an dem Werk – die Auflösung des Falls. Ohne zu spoilern lässt sich hierzu nicht viel sagen, aber mich hat am Ende leider einiges gestört. Teils war die Lösung vorhersehbar, teils aber meiner Meinung nach so absurd, dass ich damit überhaupt nicht einverstanden war. Auch die Vorgehensweise der Polizei hat mich doch überrascht - und nicht unbedingt im positiven Sinne. Dadurch werden die Charaktere, die ich bis zur Auflösung des Falls noch für sehr gelungen hielt, unrealistisch. Abgesehen davon nahm mir im letzten Part des Werkes das Privatleben von Rebecca, mit der ich bis zuletzt nicht ganz warm geworden bin, zu viel Raum ein.

Insgesamt habe ich das Buch als äußerst spannend und die Zeitsprünge und Perspektivwechsel als sehr interessant wahrgenommen. Zudem hat mir die düstere Atmosphäre des Werkes gefallen und wie immer wieder Risse in der scheinbar perfekten Fassade deutlich wurden. Die Schicksale der Charaktere waren für mich hart, aber bis zur Auflösung sehr gut greifbar. Leider konnte mich das Ende des Werkes jedoch nicht abholen: Ein starker Einstieg, ein spannender Hauptteil und ein schwaches Ende.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 01.10.2025

Kleine Winter-Leseauszeit

Drei Tage im Schnee
0

Hannah, die beruflich sehr erfolgreich ist, braucht dringend eine Auszeit. Ihr Alltag ist voller Hektik und Stress, aber Sachen, die ihr Freude bereiten, fehlen gänzlich. Also mietet sie sich für ein Wochenende ...

Hannah, die beruflich sehr erfolgreich ist, braucht dringend eine Auszeit. Ihr Alltag ist voller Hektik und Stress, aber Sachen, die ihr Freude bereiten, fehlen gänzlich. Also mietet sie sich für ein Wochenende eine bescheidene Holzhütte fernab der turbulenten Großstadt. Diese ist nicht nur ziemlich abgelegen, sondern auch wunderschön eingeschneit. Plötzlich taucht Sophie, ein kleines Mädchen im roten Schneeanzug, auf und wirbelt Hannahs Leben herum. Während die beiden ein Schneinhorn bauen, Schneeengel machen, ein Iglu bauen oder gemeinsam Kakao trinken und Kekse essen, freunden sie sich an. Obwohl sie noch sehr jung ist, kann Sophie Hannah Tipps geben, wie sie besser im Moment leben und auf sich achten kann. Das inspiriert Hannah dazu, über ihr eigenes Leben nachzudenken - und darüber, was sie im Leben wirklich möchte. Nach und nach kommen immer mehr Erinnerungen hoch und Hannah verspürt zunehmend den Wunsch, etwas zu ändern.



Mit 176 Seiten ist das Buch ideal für Zwischendurch. Es liest sich gut und man kann den Ausführungen leicht folgen. Bei einigen Aspekten, die Hannah beim Blick auf ihr Leben auffallen, habe ich mich ein bisschen ertappt gefühlt; andere Aspekte waren mir (glücklicherweise) fremd. Als Charakter fand ich Hannah nicht greifbar, da sie so verloren wirkt und so viel Ballast an dem Wochenende hochkommt. Sophie hingegen hat mir als Figur gefallen und ich konnte sie mir sehr gut vorstellen. Mit ihrer kindlich-naiven Art stuppst sie Hannahs Gedankengänge an und spricht frei heraus, was sie denkt und wie einfach das mit dem Glücklichsein doch eigentlich geht.

Allerdings kann man auf derart wenig Seiten nicht viel Tiefgang erwarten. Im Klappentext heißt es: "Eine Geschichte über den Mut, auf die eigene Stimme zu hören. Und darüber, wie wir den Menschen finden, der wir werden wollten, als wir klein waren". Ich denke, das ist etwas weit gegriffen. Vielmehr ist das Buch in meinen Augen eine kleine winterliche Auszeit aus dem Alltag, bei der man seicht dazu angeregt wird, das eigene Glück zu reflektieren. Das passt gut in die Weihnachtszeit, ist aber gleichwohl nicht revolutionär. Während ich die Szenen mit Sophie amüsant und schön zu lesen fand, waren mir die Reflexionen teilweise zu unaufgeregt.

Insgesamt halte ich das Buch für eine unaufgeregte und entspannte Lektüre, mit der einem eine kleine Auszeit vom stressigen Alltag gelingen kann. Poetisch oder inspirierend fand ich es allerdings weniger.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.09.2025

Seichter Wohlfühl-Krimi

Agatha Raisin und der tödliche Biss
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Agatha Raisin ist mal wieder verliebt. Dieses Mal gilt ihre Obsession dem Gärtner George Marston. Wie die meisten anderen Frauen im Dorf ist auch Agatha nun voll im Gartenfieber. Sie brezelt sich wieder ...

Agatha Raisin ist mal wieder verliebt. Dieses Mal gilt ihre Obsession dem Gärtner George Marston. Wie die meisten anderen Frauen im Dorf ist auch Agatha nun voll im Gartenfieber. Sie brezelt sich wieder enorm auf und nimmt sich sogar eine Auszeit aus ihrer Detektei, in der Hoffnung, George erobern zu können. Ihre Entschlossenheit kennt mal wieder keine Grenzen und so lässt sie sich einspannen, einen Wohltätigkeitsball auf die Beine zu stellen. Endlich scheint sie Erfolg zu haben, denn George möchte mit ihr tanzen. Als es ein paar Tage später jedoch so weit ist, wartet Agatha vergeblich. Um ihn zur Rede zu stellen, macht sie sich in voller Abendgarderobe auf den Weg zu ihm - nur um seine Leiche auf dem Misthaufen zu finden. Wie sich herausstellt wurde er besonders scheußlich getötet. Agatha muss den Giftschlangen-Mörder finden.

Ich muss gestehen, dass ich einzelne Bücher der Reihe übersprungen habe. Nichtsdestotrotz fallen mir sehr klare Muster auf, die sich durch so ziemlich jeden Band ziehen:

- Agathas Obsession und ihre krampfhaften Versuche gesehen zu werden

- Charles, der sich mal wieder verlobt und dennoch irgendwie nicht von Agatha loskommt

- Agathas Ex-Mann James, der mal wieder von einer Lesereise zurückkehrt und für sein nächstes Projekt wieder verreist.

Bei der Auflösung des Falls gibt es dann leider auch ein paar Bezüge zu anderen Teilen der Reihe. Beim Lesen hat mich das ab und an schon ziemlich gestört, auch wenn die Dynamiken natürlich für humorvolle Gespräche sorgen, die diese Reihe mit ausmachen. Als dann aber beispielsweise plötzlich ein Polizist aus dem Hut gezaubert wird, mit dem Agatha mal verlobt gewesen sein soll, stellen sich mir sehr viele Fragen. Kam das wirklich in einem anderen Band vor? Und wie soll das zeitlich bitte gepasst haben? Ich habe wirklich lange hin und her überlegt und es ergibt keinen Sinn. Genauso wenig wie die Figur überhaupt einzubauen, denn für die Handlung war der Auftritt absolut unbedeutend. Abgesehen davon wurde sich leider auch wegen der Figuren mal vertan - mitten in einer Szene wird Charles mit Simon verwechselt (S.208). Schade.

Der Schreibstil hingegen ist sehr angenehm und ich konnte mich wie auch bei den anderen Bänden der Reihe, sehr gut in die Geschichte hineinversetzen. Die Charaktere machen die Krimis rund um Agatha zu kleinen Auszeiten und es macht Spaß, ihre Interaktionen vorm geistigen Auge ablaufen zu lassen. Immer wieder musste ich über den Wortwitz schmunzeln oder konnte mich an den Cotswolds-Beschreibungen erfreuen. Wie nicht anders zu erwarten, handelt es sich um einen seichten Wohlfühl-Krimi, den man schnell und entspannt lesen kann.

Für mich war es ein schönes Leseerlebnis mit einigen Schwächen.

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Veröffentlicht am 03.04.2020

Anders als erwartet

Die Vogel-WG
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Mit ihren Studien an ihren 1000 Vögeln, legten die Heinroths nicht nur Grundsteine für die Verhaltensforschung sondern trieben auch die Ornithologie maßgeblich voran.
In diesem Werk sollen die Heinroths ...

Mit ihren Studien an ihren 1000 Vögeln, legten die Heinroths nicht nur Grundsteine für die Verhaltensforschung sondern trieben auch die Ornithologie maßgeblich voran.
In diesem Werk sollen die Heinroths und ihre Arbeiten vorgestellt und begreifbar gemacht werden. Dies geschieht auf sehr verständliche Art und Weise, sodass man auch als Nichtvogelkenner gut die Inhalte versteht.
Dabei lassen die Autoren des Werkes Oskar und Magdalena Heinroth selbst zu Wort kommen, indem sie aus deren Werk „Die Vögel Mitteleuropas“ die ihnen liebsten Einträge zitieren… Und das bereits ab Seite 95. Bei einem Buch von 272 Seiten ist schnell klar, wo der Fokus liegt. Mich hat dies offen gestanden etwas enttäuscht, denn – auch wenn ich die einzelnen Vogelportraits interessant fand – waren für mich die Passagen über den Einfluss und die geschichtlichen Umstände wesentlich ansprechender.
So haben mich einige Abschnitte aus den Schriften der Heinroths verblüfft oder befremdet zurück gelassen, wenn beispielsweise die Turteltaube durch Kussmund gefüttert wird (S. 145), die Rohrdrommel blutig beißt (S. 161) oder der Wachtelkönig Magdalenas Hand mehrfach begattet (S. 146). Zweifellos ist das Ehepaar den Tieren so nah gekommen wie sonst niemand und hat definitiv zahlrecihe Erkenntnisse im Bereich der Ornithologie gewonnen, trotzdem vermochten mich die kommentierten Auszüge nicht wirklich zu überzeugen.
Was mich hingegen sehr beeindruckt hat, ist die qualitativ sehr hochwertige Gestaltung des Buches. Zahlreiche Fotografien dokumentieren die Erkenntnisse, den Alltag oder die Fortschritte der Vogel-WG. Auch der lange Anhang mit einer Vielzahl an Belegen spricht für das Werk und bietet die Möglichkeit, eienständig tiefer in das Thema einzutauchen.

Insgesamt weiß ich nicht so recht was ich von dem Werk halten soll, da ich nach lesen des Klappentext eine andere Vorstellung vom Werk hatte. Nichtsdestotrotz habe ich einiges dazu lernen können und bin (besonders bei dem ersten leider recht kurz ausfallenden Part)froh, „Die Vogel-WG“ gelesen zu haben.
Somit vergebe ich drei Sterne

Veröffentlicht am 14.10.2018

Mir hätte es gefallen, wenn der Autor sich etwas zurückgenommen hätte…

1968
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In diesem Buch behandelt Claus Koch den Mythos 68 und dessen Folgen und versucht, das Erbe der 68er begreifbar zu machen. Auch stellt er Vergleiche zwischen dem politischen Projekt des Aufbegehrens damals ...

In diesem Buch behandelt Claus Koch den Mythos 68 und dessen Folgen und versucht, das Erbe der 68er begreifbar zu machen. Auch stellt er Vergleiche zwischen dem politischen Projekt des Aufbegehrens damals und der Bereitschaft der aktuellen Jugend, aktiv zu werden, an.

Was mir an diesem Werk sehr gefallen hat, ist, dass Koch viel aus den Werken Maos, Marx‘ und anderen zitiert, da ich auf diese Weise viele Ausdrücke aus meinem normalen Wortschatz wiederentdecken und konkret einordnen konnte. Auch habe ich auf diese Weise Anregungen noch zu lesender Bücher erhalten. Viele Werke zum Thema 1968 bedienen sich zwar ganz selbstverständlich solcher Begrifflichkeiten, erklären diese jedoch nicht so genau wie es in diesem Buch geschehen ist.
Was mir allerdings sehr negativ aufgefallen ist, ist die Selbstdarstellung des Autors: Er war einer der ersten, hat aber verstanden, dass der Kommunismus nicht so zielführend ist, wie von der Bewegung angenommen, während andere für solche Erkenntnisse zu verblendet waren; und die Bewegung, wie er sie mitbegründet hat, wurde nachher von anderen kopiert – jedoch ohne die Ausmaßen des Originals jemals zu erreichen. Auf mich wirkte das sehr selbstgefällig und überflüssig. Darüber hinaus wurde ich den Eindruck, immer wieder Verbitterung zwischen den Zeilen erkennen zu können, jedoch ohne zu verstehen, auf was sie letztendlich bezogen ist – immerhin scheint sie bei unterschiedlichen (und konträren) Aspekten durch – nicht los. Andere Passagen hingegen wirkten geradezu verträumt-schwärmerisch…

Alles in allem hält dieses Werk viele Informationen bereit und zeigt die Anfänge und Beweggründe der 68-Bewegung gekonnt auf. Die Idee, diese Bewegung aus der Perspektive verschiedener Generationen zu betrachten, gefällt mir äußerst gut, allerdings lässt mich der Autor mit seinen Werturteilen zwiegespalten zurück. Ich vergebe daher 3 Sterne.