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Veröffentlicht am 27.11.2025

Jäger und Gejagte

Die Ungezähmten
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Die Ungezähmten – Gabrielle Filteau-Chiba
Was für eine furiose Geschichte!
Raphaelle lebt ein etwas unkonventionelles Leben als Wildhüterin in den Wäldern Kamouraskas, Quebec – so abgeschieden wie möglich ...

Die Ungezähmten – Gabrielle Filteau-Chiba
Was für eine furiose Geschichte!
Raphaelle lebt ein etwas unkonventionelles Leben als Wildhüterin in den Wäldern Kamouraskas, Quebec – so abgeschieden wie möglich von anderen Menschen. Nur die Hündin Coyote leistet ihr Gesellschaft.
Wie so oft kommt sie einem Wilderer auf die Spur. Die Situation eskaliert als sie Coyote schwerverletzt aus einer seiner Schlingen retten muss und der Wilderer es offensichtlich auf sie persönlich abgesehen hat.
Raphaelle sieht rot – und lässt ihrer Wut und ihren Rachegelüsten freien Lauf.
Generell ist dies ein sehr wütendes Buch, das Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft anprangert. Die Hauptthemen drehen sich um Gewalt. Gewalt gegen Tiere und Frauen. Der Mensch als das eigentliche Raubtier im Wald und außerhalb. Es ist eine sehr fantasievolle Geschichte mit eindringlichen Bildern, die nicht immer ganz leicht zu lesen ist. Ein durchwegs düsteres Werk, der zwischenzeitlich an einen Krimi erinnert und zusätzlich wunderbare Naturbeschreibungen liefert.
Inhaltlich fand ich diesen Roman teilweise etwas übers Ziel hinausgeschossen, sprachlich hat er mich allerdings sehr fasziniert. Diese unbändige Wut und Kraft, die praktisch in jedem Wort stecken und sich dann wieder mit poetischen Betrachtungen von Flora und Fauna abwechseln – das ist große Kunst.
Hervorragend geschrieben, aber wirklich kein Spaß zu lesen – auch wenn es durchaus spannend war. Oder vielleicht passt hier das Adjektiv „verstörend“ besser. Sicherlich ein Roman, der in Erinnerung bleiben wird.
4 Sterne.


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Veröffentlicht am 24.11.2025

Studien

Kurilensee
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Kurilensee – Sophia Klink
Dies ist ein recht wissenschaftlich geprägter Roman rund um das Ökosystem des Kurilensees auf der russischen Halbinsel Kamtschatka.
Protagonistin und Erzählerin ist Anna, eine ...

Kurilensee – Sophia Klink
Dies ist ein recht wissenschaftlich geprägter Roman rund um das Ökosystem des Kurilensees auf der russischen Halbinsel Kamtschatka.
Protagonistin und Erzählerin ist Anna, eine Biologin auf der Forschungsstation am Kurilensee. Zusammen mit ihren Kollegen, zu denen auch ihr Freund Vova zählt, beobachtet sie seit Jahren die Veränderung der Lachspopulation. Die Wissenschaftler zählen Fische, analysieren Wasserproben und vieles mehr. Schließlich sollen sie eine Empfehlung abgeben für oder gegen eine Düngung des Sees mit Phosphat. Diese kann möglicherweise die Folgen von Überfischung und Klimawandel etwas abmildern. Aber würde man damit nicht das empfindliche Ökosystem noch mehr durcheinanderbringen? Eine schwere Entscheidung zu einem sehr aktuellen Thema.
Man muss sich als Leser schon für Fische, Klima und was alles damit zusammenhängt, interessieren. Denn die Autorin verliert sich gern in wissenschaftlichen Details und schreckt auch vor Fachbegriffen nicht zurück. Fernab der Studien gibt es nur recht wenig Handlung bzw. Entwicklung.
Dennoch liest sich dieses faszinierende Werk überraschend gut. Der Autorin gelingt es, einen gewissen atmosphärischen Sog aufzubauen und mit ihrer eigenen Begeisterung anzustecken.
Lesenswert - 4 Sterne

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Veröffentlicht am 01.11.2025

Grace und Julian

Love Sick
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Grace und Julian
Eine enemys-to-lovers Liebesgeschichte im medizinischen Bereich.
Zusätzlich spielen noch böse Gerüchte sowie Wunden aus der Vergangenheit eine Rolle. Und natürlich der stressige Klinikalltag. ...

Grace und Julian
Eine enemys-to-lovers Liebesgeschichte im medizinischen Bereich.
Zusätzlich spielen noch böse Gerüchte sowie Wunden aus der Vergangenheit eine Rolle. Und natürlich der stressige Klinikalltag. Beinahe ein wenig zu viel um allen Themen wirklich gerecht zu werden.
Ansonsten ist die Geschichte aber wirklich nett geschrieben und die Protagonisten authentisch und sympathisch.
4 Sterne

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Veröffentlicht am 08.10.2025

Parker und Kasimir

Die Sprache meines Bruders | Deutscher Buchpreis 2025 Longlist
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Die Sprache meines Bruders – Gesa Olkusz
Dieser Roman hat es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2025 geschafft. Beinah bin ich ein wenig traurig, dass er auf der Shortlist nicht mehr auftaucht. ...

Die Sprache meines Bruders – Gesa Olkusz
Dieser Roman hat es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2025 geschafft. Beinah bin ich ein wenig traurig, dass er auf der Shortlist nicht mehr auftaucht. Aber nur beinah, denn so schön ich die Sprache und die Atmosphäre auch gefunden habe, inhaltlich bleiben mir doch so einige Fragen offen.
In erster Linie geht es wohl um Einsamkeit, missglückte Integration und einen unerfüllten American Dream.
Die Brüder Parker und Kasimir sind bereits als Kinder mit der Mutter von Polen in die USA ausgewandert. Angekommen sind sie dort jedoch nie. Beide bedauern eine verlorene Kindheit und konnten in der neuen Heimat nie Fuß fassen. Die Mutter scheint sich kurz nach der Ankunft selbst aufgegeben zu haben. Eine große bleierne Lethargie erfasst die Familie, die auch noch nach dem Tod der Mutter anhält. Die Brüder leben jahrelang in einem heruntergekommenen Haus, sprechen kaum miteinander, vegetieren vor sich hin. Ohne Antrieb ohne Ziel. Lediglich Parker hat einen schlecht bezahlten Job als Chauffeur. Als dessen Freundin Luzia eines Nachts ihre Sachen packt und geht, bricht auch das Zusammenleben der Brüder auseinander.
Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven. Mal wird Parker beleuchtet, mal Kasimir und auch Luzia spielt eine größere Rolle. Interessant, wie unterschiedlich sie die gleiche Situation wahrnehmen. Insgesamt wird in diesem Roman sehr wenig gesprochen und wenn, dann oft nur Oberflächliches. Zu sehr sind die einzelnen Protagonisten in ihrer jeweils eigenen Verzweiflung gefangen. Überhaupt ist dies eine sehr trübsinnige, melancholische Geschichte.
Sprachlich hat mir der Roman hervorragend gefallen: „Vorerst waren sie allerdings sich selbst überlassen in einem Land, das wie ein riesiger Rachen aufgerissen stand und mit langer Zunge sorgfältig all das aufleckte, was Luzia später Identität nennen würde.“
Die extrem ruhig erzählte Geschichte lässt sich sehr eingängig lesen. Ihre Protagonisten taumeln nach jahrzehntelanger untätiger Lethargie nun völlig planlos durch eine Welt, die ihnen fremd ist.
Sehr düster und hoffnungslos, jedoch sehr lesenswert.
4 Sterne

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Marie und die Anatomie

Wachs
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Wachs – Christine Wunnicke
Kandidat der Longlist des Deutschen Buchpreises 2025
Auf jeden Fall ist dieser Roman etwas sehr besonderes. Extrem beeindruckt bin ich von der Komplexität der Geschichte, die ...

Wachs – Christine Wunnicke
Kandidat der Longlist des Deutschen Buchpreises 2025
Auf jeden Fall ist dieser Roman etwas sehr besonderes. Extrem beeindruckt bin ich von der Komplexität der Geschichte, die die Autorin hier auf gerade mal 176 Seiten (!) entstehen lässt.
Es ist ein historischer Roman, der im Frankreich des 18. Jahrhunderts spielt. Erste Erkenntnisse aus der Anatomie treffen auf die Vorläufer der französischen Revolution. Eine Liebe zwischen zwei Frauen spielt eine Rolle. Marie Biberon ist eine bemerkenswerte Frau, die ihrer Zeit weit voraus ist und bereits als Kind am liebsten Leichen seziert. Sie wird von diesem literarischen Werk in Schlaglichtern ein Leben lang begleitet. Die zweite Protagonistin Madeleine zeichnet Pflanzen und verdient sich damit ihren Lebensunterhalt. Somit sind die beiden unabhängige Frauen, was für ihre Zeit doch recht untypisch ist.
Ein faszinierender Mix aus Grusel und Abscheu, Historie und Wissenschaft, Absurdität und Humor. Auch die Sprache ist dabei noch bemerkenswert. Gut verständlich und authentisch im historischen Zusammenhang. Experimentell wird diese Geschichte vor allem Gegen Ende inhaltlich.
Dieses Buch hatte ich bereits vor seiner Nominierung auf meiner Merkliste und es hat mich nicht enttäuscht.
4 Sterne.

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